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Toshiba Gamer Notebook im Test: Heiße Hardware

Ein Intel Quad-Core-Prozessor, DDR3-Speicher, eine SSD, drei Grafikchips und ein DisplayPort-Anschluss – dies alles steckt im Toshiba Qosmio X300 und drückt die Akkuzeit auf 20 (!) Minuten. Ob der Luxus-Gamer GTA 4 flüssig meistert, zeigt unser Test.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com
Neben dem Toshiba Qosmio G50 Notebook für Multimedia-Anhänger, hat der japanische Konzern auch eine eigene Gaming-Serie im Angebot. Das Qosmio X300 liefert leistungsstarke Hardware in einer "Verpackung", die neidische Blicke auf sich zieht. Die üppigen Boliden wollen gegen mindestens 1.500 Euro eingetauscht werden. Kürzlich ist die Spiele-Notebook-Serie in einer neuen Ausführung erschienen, die noch weit mehr Geld im Sparschwein erfordert: Das X300-14O soll für 3.199 Euro über die Ladentheke gewuchtet werden. Was kann das Notebook in der Preislage eines Gebrauchtwagens? Unsere Redaktion hat es ausprobiert.

Inhalt:

1. Design und Maße
2. CPU, Grafikkarten, SSD
3. Tastatur, Schnittstellen, Fazit und Übersichts-Tabelle

Alles eine Nummer größer

Schon wenn man den Karton in die Hand nimmt, entsteht eine erste Vorstellung davon, auf welche Art von Notebook-Monster man sich hier eingelassen hat. Der 17-Zöller wiegt stolze 4,3 Kilogramm (kg) und misst etwa 41x31 Zentimeter (cm). An der dickste Stelle ist er 6,3 cm hoch, was dem Qosmio X300 endgültig den Stempel "Desktop-Ersatz" aufdrückt. Zur Not könnte man die teure Hardware in einer entsprechend stabilen Tasche zwar auch transportieren, zu beachten ist aber, dass noch ein weiteres Bauteil zum hohen Gewichts-Konto beiträgt: das Netzteil (300 Watt). Das schwarze Ding, das Netbook-ähnliche Ausmaße hat (nur wesentlich dicker), wiegt unschlagbare 1,6 kg.

Komplett gelackt

So monströs wie die Stromschleuder wirkt auch das Notebook. Passend zu den bulligen Maßen und der Computerspieler-Zielgruppe, kämpft das Design um Aufmerksamkeit. Diese ist ihm dank des auffälligen Flammenmusters mit Spiegel-Effekt auf dem Gehäuse definitiv sicher. Nach dem Aufklappen kann der Besitzer über eine schwarze Innenausstattung mit edlen roten Details und roter LED-Beleuchtung hier und da staunen. Selbst die Lautsprecher, Marken-Exemplare von harman/kardon, wurden kunstvoll integriert. Was den einen oder anderen stören könnte, ist der konsequente Hochglanz-Look. Im Auslieferungszustand sieht dies zwar toll aus, eine intensivere Nutzung hinterlässt aber schnell ihre Spuren: hässliche Fingerabdrücke.

Vier-Kern-Prozessor und schneller Speicher

Was verbirgt sich unter dem lodernden Feuer? Dampf macht ein Intel Core 2 Extreme Prozessor vom Typ QX9300 mit 2,53 Gigahertz (GHz), den Intel auf der letzten Games Convention vorstellte. Die CPU ist rasend schnell: Nur sieben Sekunden verstreichen bis das Programm 7-Zip 96 JPG-Fotos (235 Megabyte) gepackt hat. Der ebenfalls flotte Core 2 Duo P7350 im MSI GX400 benötigte zum Beispiel 16 Sekunden.

Dazu werden vier Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher in Form von zwei 2-GB-Riegeln spendiert, und zwar schon von der schnelleren DDR3-Sorte. Um diese voll ausnutzen zu können, wäre die 64-bit Version von Windows Vista notwendig. Installiert ist jedoch Vista Home Premium 32-bit.
Zwar profitieren noch nicht alle Anwendungen von der Kraft der vier Kerne, das leistungshungrige Spiel GTA 4 soll seinen Antrieb aber vor allem aus einer Quad-Core-CPU – und erst zweitrangig aus der Grafik – beziehen. Klingt nach einer perfekten Partie für das Qosmio X300-14O. In der Praxis läuft GTA IV aber eher schlecht als recht und erreichte im Schnitt nur 23 bis 32 Frames pro Sekunde (fps), je nach Spielsituation stockte es gehörig. Die Grafikkarten-Wahl ist auf die Nvidia GeForce 9400M G Onboardgrafik zusammen mit zwei GeForce 9800M GTS mit 512 Megabyte Speicher gefallen. Die beiden Karten sind im SLI-Verbund geschaltet, was nicht bei jedem Spiel einen spürbaren Vorteil bringt und von GTA IV schlichtweg nicht akzeptiert wird. Abschalten lässt sich der SLI-Modus nicht: Entweder laufen beide Karten oder nur der Onboardchip. Über genaue Benchmarks und Frames pro Sekunde informiert die Übersichtstabelle auf Seite 3.

Zwei Grafikkarten zehren am Akku

Die Onboardkarte sorgt dafür, dass das Notebook überhaupt mobil wird. Im Akku-Betrieb (8-Zellen-Exemplar) springt sie automatisch ein (Hybrid Power), um Strom zu sparen. Laut Toshiba soll das Qosmio X300 maximal eine Stunde und 50 Minuten durchhalten. Dies konnte unser Test bestätigen: Im Energiesparmodus (Onboard-Betrieb) wurden 133 Minuten gemessen, unter Vollast mit doppelter SLI-Grafik-Power verabschiedete sich das Notebook aber schon nach rund 23 (!) Minuten – das bislang kürzeste Ergebnis. Die Werte beruhen auf dem Test mit dem Tool Battery Eater.

Das Display hinterlässt bei der Videowiedergabe mit den werkseitigen Einstellungen einen eher blassen und farblosen Eindruck. Dreht man an ein paar Stellschrauben in der Nvidia Systemsteuerung, erreicht man ein kontrastreicheres und satteres Aussehen. Einige werden sich wieder an der spiegelnden Oberfläche stören. Seltsam ist die Auflösung von 1.440x900 Pixeln – bei so starker Hardware hätte man auch ein Full High Definition Display wie beim Alienware m15x erwarten können.

Doppelt hält besser: Festplatte und SSD

Als Datenspeicher dient eine 320-GB-Festplatte. Einen schnelleren Zugriff ermöglicht aber die 128-GB-SSD von Toshiba. Das Tool HD Tune ermittelte eine durchschnittliche Transferrate von 77,4 Megabyte pro Sekunde. Eine ähnliche Leistung bringt auch die SSD im Asus Eee PC S101. Diese bietet aber eine höhere Zugriffszeit von 0,2 Millisekunden (ms): Das Toshiba Exemplar benötigt 0,4 ms.
Damit der Sound nicht nur über Kopfhörer angemessen dröhnt, wurden vier Lautsprecher und ein Subwoofer mit Dolby Home Theater untergebracht, die einen satten und klaren Klang erzeugen. Die 1,3-Megapixel-Webcam mit Mikrofon hat eine Doppel-Funktion: Sie dient nicht nur zum Chatten, sondern kann zusammen mit der Gesichtserkennungssoftware das Log-In per Passwort gegen einen kurzen Blick in die Kamera tauschen. An die Tastatur muss sich der Nutzer aufgrund ihrer glatten Oberfläche erst einmal gewöhnen – wie beim Toshiba Satellite A350D. Die Tastatur bietet einen separaten Nummernblock, biegt sich aber gerade in dem Bereich recht stark durch. Die WASD-Tasten sind nicht farblich hervorgehoben. Die Handballenauflage wurde sicherheitshalber genoppt, damit schwitzige Gamer-Hände im Eifer des Gefechts nicht abrutschen.

Anschlüsse: Auch DisplayPort

Wer das Notebook als Multimedia-Station nutzen möchte, kann es sogar bequem per Fernbedienung bedienen. Diese wird gleich mitgeliefert und verschwindet unsichtbar im ExpressCard-Schacht. Dies führt uns zu den Anschlüssen, die vier USB-Ports inklusive eSATA, FireWire, SPDIF, Ausgänge für Mikrofon und Kopfhörer sowie einen Kartenleser umfassen. Ein Flachbildfernseher kann per HDMI verbunden werden, für TFT-Monitore stehen noch D-Sub und sogar DisplayPort bereit. Den DVD-Brenner hat Toshiba an der Vorderseite eingebaut – etwas ungewöhnlich. An Kommunikationsschnittstellen findet sich alles, was das Herz begehrt: Gigabit LAN, WLAN 802.11 a/b/g/n, Bluetooth und auch noch ein Modem.

Fazit: Highend-Spielspaß auf kleinem Raum mit kleinen Schwächen

Das Toshiba Qosmio X300-14O ist eher ein platzsparender Desktop-Computer, der schnell zusammengepackt und auch mal mit zur LAN-Party genommen wird, als ein Notebook. Ein Spielchen ohne das monströse Netzteil ist kaum zu wagen. Unter Vollast kann der Nutzer quasi zuschauen, wie sich die Batterie leert. Wer so aggressiv aussieht, ist auch sonst nicht wirklich Mäuschen: Fordert der Nutzer das Notebook heraus, müssen sich die Ohren an Lüfter-Getöse gewöhnen, insbesondere das Laufwerk kann während einer Installation von CD einem Räsenmäher akustisch Konkurrenz machen. Auch die nicht immer perfekte Verarbeitung und die zu niedrige Display-Auflösung sprühen etwas Wasser in die lodernde Flamme.

Der Preis in Höhe von 3.199 Euro (UVP) sinkt zwar in Onlineshops auf rund 2.900 Euro, ist aber trotzdem hoch – alleine die CPU kostet knapp 1.000 Euro. Immerhin ist das Toshiba Gaming Notebook günstiger als eine vergleichbare Konfiguration der Hardware-Schmiede Alienware. Bestückt man das Area-51 m17x mit ähnlichen Komponenten, werden rund 3.400 Euro fällig – wenn auch mit persönlicher Note und AlienFX Beleuchtungssystem. Da der SLI-Modus beim Spielen nicht immer einen Vorteil bringt, gäbe es als hauseigene Alternative noch das 100 Euro günstigere Qosmio X300-13E mit 9800M GTX.

Name: Qosmio X300-14O
Hersteller: Toshiba
Internet: www.toshiba.de
Preis: 3.199 Euro (UVP)
Technische Daten
Prozessor: Intel Core 2 Extreme QX9300 mit 2,53 GHz
Grafikkarte: 2x Nvidia GeForce 9800M GTS mit 512 MB + 9400M G
Bildschirm: 17 Zoll WXGA+ (1.440x900 Pixel)
Batterie: Lithium-Ionen-Akku: Laufzeit: 23 Minuten unter Vollast / 133 Minuten maximal (WLAN ein)
Speicher: 4 GB DDR3 (2.048 + 2.048 MB) mit 1.066 MHz, aufrüstbar auf bis zu acht GB
Festplatte: 320 GB SATA (7.200 U/Min) von Hitachi + 128 GB SSD von Toshiba
Laufwerk: DVD Super Multi
Soundkarte: Realtek/Nvidia High Definition Audio
Kommunikation: Gigabit LAN, WLAN 802.11 a/b/g/n, Bluetooth, Modem
Betriebssystem: Windows Vista Home Premium (32-bit)
Abmessungen: BxTxH: 41,2 x 30,6 x 4,3 (Front) / 6,3 (Rückseite) cm, ca. 4,3 Kilogramm
Anschlüsse: 4x USB, eSATA, FireWire, SPDIF, Mikrofon, Kopfhörer, ExpressCard, HDMI, D-Sub, DisplayPort, Kartenleser (SDCards, Memory Stick, Memory Stick Pro, MultiMedia Card, xD-Picture Card)
Benchmarks: Vista Leistungsindex: CPU: 5,9 / RAM: 5,7 / 2D: 5,9 / 3D: 5,3 / HDD: 5,9
3DMark06: 12.835
PCMark05: 7.602

Frames pro Sekunde (fps), jeweils Mittelwerte:
DirectX-10-Benchmark Devil May Cry 4: 121 fps (1.440x900 Pixel, Details hoch,
2x Anti-Aliasing)
97,3 fps (1.440x900 Pixel, Details extrem hoch, 8x Anti-Aliasing)
DirectX-10-Benchmark Call of Juarez:
24,7 fps (1.440x900 Pixel, Details high, 4-fach MSAA)
34,6 fps (1.920x1.200 Pixel, Details low, kein Anti-Aliasing)
Spiel GTA IV:
23 bis 32 fps (1.440x900 Pixel, Qualität mittel oder hoch).
Garantie: zwei Jahre mit Vor-Ort Abholservice
Pro & Contra
aktueller Quad-Core-Prozessor
DDR3-Speicher und SSD
starke Grafikkarten und Hybrid Power
sehr viele Schnittstellen
mit Fernbedienung
interessantes Design
guter Sound
hoher Preis
hohes Gesamtgewicht
kein genereller Vorteil durch SLI
wenig mobil (Akkulaufzeit)
Bewertung:
Geschwindigkeit (25%): sehr gut
Ausstattung (25%): gut
Ergonomie (20%): befriedigend
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Verarbeitung (10%): gut
Gesamt: gut (2,4)
Preis-Leistung: befriedigend

(Saskia Brintrup)

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