Testbericht

Toshiba Excite Pure im Test: Sehr stabiles Tegra-Tablet, leider mit Display von gestern

Das Toshiba Excite Pure ist insgesamt ein gutes Tablet, keine Frage, vor allem für 299 Euro. Aber: Die gebotene Ausstattung will nicht mehr so ganz in die zweite Jahreshälfte 2013 passen.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Wer sich nach aktuellen Android-Tablets von Toshiba umsieht, der wird feststellen, dass diese nun unter dem Seriennamen Excite auftreten. Die zuvor nur in den USA gebräuchliche Produktbezeichnung hat Toshiba im Sommer auch in Europa eingeführt und bietet seitdem drei neue Flachrechner an, die alle mit einem 10,1-Zoll-Bildschirm bestückt sind. Excite ProExcite Write und Excite Pure. Letzteres ist das günstigste Modell und unterscheidet sich von den teureren Serienkollegen insbesondere durch eine geringere Displayauflösung und eine schwächere Kamera. Wir wollten wissen, ob das 299-Euro-Exemplar mit Android 4.2 trotzdem überzeugen kann, und haben positive wie negative Eigenschaften gefunden.

Toshiba Excite Pure Test: Inhalt

  • Seite 1: Optik und Schnittstellen des Toshiba Excite Pure
  • Seite 2: Display, Hardware, Leistung und Lautsprecher des Toshiba Excite Pure
  • Seite 3: Kameras, Apps, Fazit und technische Daten zum Toshiba Excite Pure

Widerstandsfähiges Gehäuse

Das Toshiba Excite Pure (AT10-A-104) wirkt zunächst fast etwas wuchtig, was aber auch mit an der guten Verarbeitung liegt. Zwar besteht das Gehäuse "nur" aus Kunststoff und nicht etwa aus steifem Metall, aber alle Bauteile sitzen hervorragend beieinander - kein Knarzen, keine unsauberen Kanten. Wer nachmisst, stellt dann auch fest, dass der erste - und mitunter etwas klobige - Eindruck täuscht: Tatsächlich ist das Toshiba Excite Pure gerade einmal 0,6 Millimeter höher und 50 Gramm schwerer als das schlanke und leichte Asus MeMO Pad FHD 10 (Test). Legt man beide Tablets nebeneinander, ergibt sich damit kaum ein Unterschied. Wird der Flachrechner hingegen stundenlang in der Hand genutzt, zählt quasi (fast) jedes Gramm - je leichter, desto besser. Gegen ein Retina-iPad von Apple, das bis zu 662 Gramm wiegt, fühlt es sich fast schon wieder leicht an.

Sieht (fast) so aus wie der Vorgänger AT300SE

Optisch ist das Toshiba AT10-A-104 ziemlich schlicht und dürfte daher so gut wie jedem Nutzer gefallen. Die extreme Ähnlichkeit zum Vorgänger AT300SE lässt sich nicht leugnen. Der wie üblich unter der Oberfläche abtauchende Rahmen rund um den Bildschirm ist schwarz, das rundliche Gehäuse an sich wiederum Silbergrau. Durch die leichte Strukturierung auf der Rückseite kann es gut festgehalten werden, ist aber dennoch glatter als es den Anschein erweckt. Ein-/Ausschalter und Lautstärkewippe hinterlassen wie das Tablet-Gehäuse einen langlebigen Eindruck und sind gut zu ertasten. Die Schnittstellen reihen sich an der linken Seite nebeneinander. Micro-USB 2.0 für das beiliegende USB-Kabel und Netzteil ist frei zugänglich, schließlich wird der Port sehr häufig gebraucht. Dank USB-Host-Funktion können auch eine Tastatur, Maus oder ein LAN-Adapter angeschlossen werden. Micro-HDMI und den Schacht für eine microSD-Speicherkarte, um den 16 Gigabyte (GB) großen internen Speicher zu erweitern, versteckt der japanische Konzern hinter einer Plastikabdeckung, die vor Staub schützt und problemlos zu öffnen ist. Die obligatorische Mikrofon-/Kopfhörerbuchse macht die Ausrüstung rund um das Gehäuse komplett.

Einzeln oder im Bundle mit einer Bluetooth-Tastatur

Surfen kann der Tablet-Besitzer mit dem Excite Pure ausschließlich über WLAN, eine 3G-Variante für mobiles Internet per UMTS hält Toshiba derzeit nur in der Version Excite Write bereit. Das ist die Ausführung für Business-Anwender mit Stifteingabe und satten 2.560 x 1.600 Bildpunkten. Im Handel konnten wir sie zum Testzeitpunkt nur zusammen mit einem Bluetooth-Tastatur-Cover finden, Kostenpunkt: 699 Euro - und damit mehr als doppelt so teuer wie das Excite Pure. Das Pure ist optional auch im Bundle mit der Tastatur erhältlich, dann kostet es 349 Euro. Alternativ sind eine Hülle mit integriertem Ständer und eine Tasche mit Stifthalterung als Zubehör zu haben.

Während das Excite Pro und Write mit der hohen Pixeldichte des Google Nexus 10 locken, begnügt sich das Excite Pure mit 1.280 x 800 Bildpunkten. Eine solche Auflösung war im 10-Zoll-Bereich in der Tablet-Generation mit Android 3.0 Standard. Zwar gibt es auch in der Android-4-Reihe noch eine Menge großer Tablets ohne Full-HD-Pixelfülle, dennoch sollte abgewogen werden, ob die gebotene Schärfe ausreicht oder nicht. Während der eine Nutzer die Bildqualität völlig ok findet, wird jemand, der sich an gestochen scharfe Displays bei Smartphones und Tablets oder dem iPhone und iPad gewöhnt hat, die Pixel als zu deutlich sichtbar erachten.

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Das Display: Nur "okay", mehr nicht

Das heißt nicht, dass Texte nicht lesbar sind. Nur sieht die Schrift nicht so gut aus wie gedruckt beziehungsweise wie auf einem E-Book-Reader. Ob das nun stört oder nicht, dürfte jeder anders bewerten. Schade ist nur, dass sich Toshiba auch ansonsten nicht mit Ruhm bekleckert hat, wenn es um das Display geht. Farbwiedergabe und Kontrast sind bestenfalls okay, aber nicht überragend. Verglichen mit farbstarken Tablet-Displays wirkt Schwarz eher wie ein dunkles Grau, Rottöne verwaschen und blass und Weiß neigt zum Gelbstich. Bei HD-Videos sieht das Bild trotzdem ganz gut aus, für Filme versteckt Toshiba in den Einstellungen nämlich eine Option für eine automatische Bildverbesserung, die ganz offensichtlich wirkt. Hell genug ist das Display auch, jedenfalls in der Wohnung oder im Haus. Unter freiem Himmel zeigt sich, dass eine höhere Helligkeit praktisch wäre, um die Spiegelungen auszugleichen. Die Blickwinkel sind groß genug, sodass der Tablet PC auch mal geneigt werden kann, wir haben aber schon Exemplare mit noch stabilerer Sicht gesehen.

Noch mit Tegra 3, die anderen Excite-Modelle bieten einen Tegra 4

Dass das Display kein Kracher ist, ist auch angesichts des starken Prozessors schade. Zum Einsatz kommt ein Nvidia Tegra-3-Chip mit Quad-Core mit 1,3 Gigahertz (GHz) Taktfrequenz, zusätzlichem Stromsparkern und spielefähiger Grafikeinheit. Ihm steht 1 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung. Dass damit für flottes Handling gesorgt ist, hat sich bereits in zahlreichen anderen Tablet PC Testberichten gezeigt. Mittlerweile wurde der Tegra 3 aber bereits durch die Tegra-4-Generation abgelöst. Damit können jedoch nur die teureren Ausgaben Excite Pro und Write dienen, die dann auch gleich 2 GB RAM mitbringen.

Das Excite Pure reagiert zügig und lässt beim Navigieren durch das Menü so gut wie keine Verzögerungen erkennen. Dank Android 4.2 und der neuen Version des Chrome-Browsers macht auch das Surfen Spaß. Wo es zuvor geruckelt hat, werden lange Seiteninhalte nun flüssig nachgeladen. Apps und Spiele starten schnell und laufen angenehm. Von den Android-Spielen, die wir ausprobiert haben, ließen sich alle ohne Ruckler nutzen: Dungeon Hunters, Temple Run, Minion Rush und Iron Man 3, Titel wie Angry Birds sind ohnehin ein Kinderspiel für den Tegra.

Gut: 9 Stunden Akkulaufzeit

Bezüglich der Akkulaufzeit erreicht das Excite Pure fast die von Toshiba genannten Werte: Bis zu 10 Stunden soll der Tablet-PC Videos wiedergeben können, bevor eine Aufladung fällig wird. Im Standby kann er laut Hersteller bis zu eine Woche verbleiben, wenn WLAN-Empfang eingeschaltet ist. Bedenkt man, dass sich der Akku in der Praxis nach knapp einem Tag nur um einen Prozentpunkt leerte, ist das realistisch. Filme in HD-Qualität konnten wir im Test sowohl offline als auch online über YouTube etwa 9 Stunden lang abspielen. Die Helligkeit war dabei auf der mittleren Stufe eingestellt, wer daran noch dreht, könnte die 10-Stunden-Marke erreichen. Wenn der Sound aber nicht über die Kopfhörer ausgegeben wird, dürften die Werte wiederum sinken.

Der Klang der Lautsprecher ist im Großen und Ganzen gut, aber Musik klingt doch recht flach und Bässe sind kaum zu hören. Das Asus MeMO Pad FHD 10 schneidet da besser ab. Die teureren Excite-Versionen vermutlich ebenso, denn sie liefern Harman/Kardon-Markenlautsprecher.

Die 3-Megapixel-Hauptkamera an der Rückseite ist nicht mittig, sondern zur Seite versetzt angebracht, was aber nicht stört. Allerdings ist sie reines Beiwerk und streng genommen nur zum schnellen Festhalten von Informationen oder zwischendurch brauchbar. Der Grund: Die Qualität ist keineswegs mit der einer hochwertigen Smartphone- oder Digitalkamera vergleichbar (siehe Foto) - aber immerhin deutlich besser als es die Vorschau innerhalb der Kamera-App auf dem Display vermuten lässt. Bei der Aufnahme, insbesondere beim Filmen, bekommt der Nutzer ein sehr grieseliges Bild zu Gesicht. Zudem reagiert die App recht langsam und zeigt bei Schwenks verwischten Pixelbrei an. Wer die Inhalte dann später in der Galerie betrachtet oder auf den PC überträgt, wird aufatmen. Videos (720p) sehen gar nicht so schlecht aus, Fotos hingegen lassen Farbtiefe, Brillanz, Kontrast und auch Schärfe vermissen. Das können andere Tablet-Kameras deutlich besser. Da ein so großes Tablet zu diesem Zweck aber in den seltensten Fällen ernsthaft eingesetzt werden wird, ist das zu verschmerzen.

Toshiba Excite Pure Test: Inhalt

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Die Android-Oberfläche hat Toshiba nicht angetastet, sondern nur einige zusätzliche Apps wie einen Datei-Manager, den E-Book-Store txtr, eine Druckfunktion, einen PDF-Reader und einen Mediaplayer vorinstalliert. Der Player dient auch gleichzeitig als Client für einen DLNA-Server und kann so Videos oder andere Dateien kabellos übertragen und direkt auf dem Tablet anzeigen. Mit TruNote lassen sich zudem Whiteboards, Präsentationsfolien oder Notizen besser abfotografieren, indem Verzerrungen korrigiert werden. Wir haben die App mit einer handschriftliche Liste kurz ausprobiert und das Ergebnis war tatsächlich deutlich besser lesbar als ein herkömmliches Foto, da auch der Kontrast verstärkt wird. Kostenlos dabei ist außerdem ThinkFree Office 6.0 in der Tablet-Version. Mit der App können Word-, Excel- und PowerPoint-Dokumente geöffnet und auch erstellt werden. Bei Google Play kostet die App derzeit 7 Euro, unterscheidet sich aber in der Version. Zum Zeichnen steht Flip Boom Draw bereit.

Fazit: Top-Verarbeitung, aber Display zu schwach

Das Toshiba Excite Pure ist insgesamt ein gutes Tablet, keine Frage. Aber: Die gebotene Ausstattung passt nicht mehr in die zweite Jahreshälfte 2013. Zwar ist das Tablet mit seinem Tegra-3-Chip tauglich für Spiele und zudem sehr stabil und hochwertig, aber das Display leider maximal Standardkost. Wenn schon keine Full-HD-Auflösung, dann hätten wenigstens die Farben schön kräftig sein müssen. Auch bei der Hauptkamera muss der Nutzer mit einer flauen Qualität leben. Einiges wieder gut macht der Hersteller mit einem niedrigen Preis: Das Excite Pure ist trotz aktueller Android-Version (denn Android-4.3-Tablets wurden abgesehen vom neuen Asus Nexus 7 noch nicht vorgestellt) nicht teurer als die älteren Tegra-3-Tablets mit Android 4.1. Trotzdem sollten sich geneigte Käufer fragen, ob sie nicht doch etwas mehr Geld in einen Tablet-PC mit schärferem Display und/oder aktuellem Mobilprozessor investieren möchten. Das Toshiba Excite Pro gibt es beispielsweise ab 429 Euro.

Weitere Tablet PCs im Test, einen Tablet PC Vergleich und eine Kaufberatung zum Thema Tablet PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: Excite Pure (AT10-A-104)
Hersteller: Toshiba
Internet: www.toshiba.de
Preis: UVP: 349 Euro

bei Amazon:

ab 299 Euro
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Nvidia Tegra 3 T30L Quad-Core Prozessor
mit 1,3 GHz
(3DMark Score:
Ice Storm: 3.607 / Extreme: 1.994)
Bildschirm: 10,1 Zoll 16:10 (1.280 x 800 Pixel) mit 300 cd/m²
1.000:1 Kontrast, 170 Grad Blickwinkel
Touchscreen, glänzend
Speicher: 1 GB RAM, 16 GB Speicherplatz
Akku: (Li-Polymer-Akku mit 2 Zellen und 6.600 mAh)
Herstellerangabe: bis 10 Stunden Video, 7 Tage Standby WLAN an
gemessen: 9 Stunden YouTube (WLAN),
9 Stunden HD-Videos (offline)
Kommunikation: WLAN 802.11a/b/g/n, Bluetooth 4.0 + LE
Betriebssystem: Android 4.2.2 (Jelly Bean)
Abmessungen: HxBxT: 261 x 179 x 10,5 Millimeter;
630 Gramm
Anschlüsse: Micro-USB 2.0 (Host-Funktion),
Micro-HDMI, MicroSD-Kartenleser,
Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
Sonstiges: Lagesensor, GPS, 3-Megapixel-Kamera für Fotos/
Videos (720p) mit Autofokus,
1,2-Megapixel-Webcam
Gute Leistung, flüssiger Betrieb
gute Verarbeitung
Schnittstellenauswahl, Kartenleser
niedriger Preis
Schlechte Kameraqualität
geringe Displayauflösung, maue Farbkraft
veraltete Tegra-Generation
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): befriedigend
Display (20%): befriedigend
Bedienung/Handhabung (15%): gut
Akkulaufzeit (15%): gut
Verarbeitung (10%): sehr gut
Gesamt: gut (2,3)
Preis-Leistung: befriedigend

(Saskia Brintrup)

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