Testbericht

Toshiba AT300: Leichtes Android-4.0-Tablet im Test

Android 4.0 geht in der Tablet-PC-Sparte gerne Hand in Hand mit einem 10-Zoll-Touchscreen und einem Quad-Core-Prozessor aus Nvidias-Chipserie Tegra 3. Das Toshiba AT300 bildet keine Ausnahme und möchte zudem mit einem schlanken, leichten Gehäuse punkten. Das kann es, auch das helle Display gefällt. Abzüge gibt es für Kamera, Lieferumfang und Standby-Zeit.

Android 4.0 geht in der Tablet-PC-Sparte gerne Hand in Hand mit einem 10-Zoll-Touchscreen und einem Quad-Core-Prozessor aus Nvidias-Chipserie Tegra 3. Das Toshiba AT300 bildet keine Ausnahme und möchte zudem mit einem schlanken, leichten Gehäuse punkten. Das kann es, auch das helle Display gefällt. Abzüge gibt es für Kamera, Lieferumfang und Standby-Zeit.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Toshibas Android-Tablet PC-Familie wird derzeit vom 7,7-Zoll-Modell AT270 mit AMOLED-Bildschirm und dem größeren AT300 angeführt. Letzteres ist kürzlich erstmals in einer UMTS-Version erschienen; die Konfiguration AT300-103 kostet 549 Euro. Wer auf mobiles Internet verzichten kann, weicht auf das 100 Euro günstigere AT300-101 aus, das im Handel bereits ab rund 380 Euro angeboten wird, und erhält ein handliches, starkes Gerät. Doch bei genauerer Betrachtung zeigen sich auch Schwächen; welche, zeigt unser Test.

Toshiba AT300 Test – Inhalt

  • Seite 1: Ausstattung, Schnittstellen, Lautsprecher, Maße/Gewicht
  • Seite 2: Design und Verarbeitung, Display, Leistung und Apps
  • Seite 3: Tastatur, Akkulaufzeit, Kamera und Test-Tabelle

Technische Daten

Wer seinen Blick über das Datenblatt des 10,1-Zoll-Tablets schweifen lässt, wird feststellen, dass es sich die Haupteigenschaften mit einer Reihe anderer Geräte mit Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich (ICS) teilt. Prozessorleistung spendet ein mit 1,3 Gigahertz getaktetes Modell aus der Tegra-3-Generation von Nvidia, die sich durch eine Quad-Core-CPU mit fünftem Hilfskern für genügsamere Aufgaben wie Musikhören oder Internetsurfen zum Energiesparen auszeichnet. Gestützt wird der Prozessor durch 1 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher, während sich Daten im AT300-101, unser Testkonfiguration, auf einem 16 GB großen internen Speicher ablegen lassen. Im AT300-102 für 50 Euro mehr (499 Euro) gibt es 32 GB.

Pro: Kartenleser, Contra: kein Datenkabel

Nicht alltäglich ist der Kartenleser: Er nimmt SD-Speicherkarten regulärer Größe auf, was vor allem Besitzer einer Digitalkamera freuen wird. Viele andere Tablets, wie das Acer Iconia A510 und die Tablets aus der Transformer-Reihe von Asus, die bezüglich Bestückung und Betriebssystem vergleichbar sind, akzeptieren nur das durch Smartphones und MP3-Player bekannte Miniformat microSD. HDMI und USB stellt aber auch Toshiba nur im micro-Format bereit. Passende Kabel sind nicht im Lieferumfang enthalten und müssten daher separat angeschafft werden. Kontakt zum mitgelieferten Netzteil stellt das AT300 über einen Toshiba-eigenen Anschluss her, über den sich das Tablet auch auf eine optional erhältliche Docking-Station setzen lässt. Das AT300 Dock ist für 50 bis 60 Euro zu haben, bietet neben der Ladefunktion aber nur einen Audioausgang und sonst keine weiteren Ports. Das USB-Netzkabel ist abnehmbar, um das Tablet an einem PC oder Notebook aufzuladen, zur Datenübertragung ist es aber nicht geeignet. Direkt an das Tablet lässt sich ein Kopfhörer oder Mikrofon anschließen. Kommunizieren kann es per WLAN und Bluetooth, für ortsbezogene Dienste ist GPS nutzbar. Der Empfänger benötigte beim ersten Anlauf zwar eine Weile, um unseren Standort zu ermitteln, dann funktionierte die Ortung aber tadellos.

Bedienung und Sound

Durch das Android-System navigiert der Nutzer über drei Sensortasten (Zurück, Home, zuletzt genutzte Anwendungen), je nach App kommt eine vierte Taste für Optionen oder Infos hinzu. Physische Tasten gibt es zum Anpassen der Lautstärke und zum Sperren der Bildschirmrotation. Die Schlitze neben dem Dock-Anschluss kennzeichnen die eingebauten Lautsprecher, deren Klang als eher dumpf zu bezeichnen ist. In der Statusleiste von Android findet sich aber ein Schieberegler, um eine Sound-Verbesserung einzustellen, die in der Tat eine ordentliche Wirkung erzielt und Musik und Filmsound voller erscheinen lässt. Was genau das außerdem anwählbare Video-Tuning bewirkt, konnten wir hingegen nicht erkennen.

Hübsches Leichtgewicht

Da die Eckdaten somit kein Alleinstellungsmerkmal hergeben, betont der japanische Anbieter bei seinem AT300 insbesondere Äußerlichkeiten. Der rund 261x179 Millimeter (mm) große Tablet-PC ist 9 mm dünn und wiegt nur etwa 590 Gramm. Dass er sich damit als schlanker und leichter als das Apple iPad 3 (Test) bezeichnen kann, ist keine Kunst, schließlich hat das Tablet aus Kalifornien von Generation zwei zu Generation drei 10 Prozent Gewicht zugelegt und bringt nun bis zu 662 Gramm auf die Waage. Zwar wirkt das iPad zunächst nicht dicker, da es zu den Kanten hin spitz zuläuft und Toshibas Tablet nicht, das zusätzliche Gewicht ist aber spürbar. Das AT300 fühlt sich direkt leichter an, zählt es doch auch insgesamt zur leichteren 10-Zoll-Fraktion. Acers A510 ist schwerer und dicker, das hochwertige Asus Transformer Prime (Test) kann allerdings mithalten.

Eine Farbauswahl steht nicht auf der Karte, das Tablet kommt immer in einem silberfarbenen Gehäuse, laut Hersteller mit einer Aluminiumlegierung versehen. Zusammen mit der Display-Glas-Abdeckung Typ Gorilla von Corning beschreibt der Konzern das Tablet als "superrobust". Das Gehäuse an sich fühlt sich nicht so stabil und fest an wie ein Alu-Body eines Transformer Prime oder iPad, hinterlässt aber dennoch einen guten Eindruck. Dass die Glas-Abdeckung resistent gegen Kratzer ist, hat sich bereits anhand diverser Smartphones und Tablets gezeigt, auch bei Notebook-Displays setzen einige Hersteller mittlerweile teils auf Cornings Schutzschicht.

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Heller Bildschirm mit großen Blickwinkeln

Unter freiem Himmel und in Fensternähe hilft den spiegelnden Tablet-Bildschirmen nur noch eine hohe Helligkeit, um noch genug erkennen zu können. Hier kann das AT300 punkten: Die LED-Hintergrundbeleuchtung des 16:10-Displays mit 1.280x800 Bildpunkten lässt sich hell genug aufdrehen. Wir haben bei sehr sonnigem Wetter das Toshiba AT300 direkt mit dem Apple iPad 3 verglichen und Toshibas Modell war im Freien fast noch einen Ticken besser lesbar. Das liegt auch an den großen Blickwinkeln. Zwar erwähnt Toshiba keinen Paneltypen, da die Blickwinkelstabilität jedoch mit der des iPads mithalten kann, müsste es sich um ein IPS-Display handeln.

Die Farbwiedergabe ist in Ordnung, wir haben jedoch schon kräftigere Bildschirme gesehen. Negativ aufgefallen ist uns die ungleichmäßige Ausleuchtung. In hellen Räumen und bei mehrfarbigen Anwendungen ist davon nichts zu sehen. Wer jedoch bei Dunkelheit einen Film im Vollbildmodus anschaut, wird zu Beginn, wenn sich der Bildschirm in Schwarz hüllt, an den Rändern helle Areale bemerken. Sie verstärken sich, wenn auf das Display gedrückt wird, was eventuell dafür sprechen könnte, dass der Rahmen an den betroffenen Stellen etwas zu stramm sitzt. Es kann aber auch sein, dass die Lichtfelder eine Eigenart unseres Testgeräts sind.

Full-HD stellt kein Problem dar

Nvidias dritte Tegra-Generation, die die dreifache Leistung des Vorgängers erreichen soll, macht weder vor HD- noch Full-HD-Filmen (1080p) Halt und spielt diese auch direkt von einer eingesteckten SD-Karte flüssig ab. Um Daten hin- und herzuschicken, ist ein Dateimanager installiert. Wenig getan hat sich leider beim Spieleangebot, das speziell auf die Vorzüge des aktuellen Tegra-Exemplars zugeschnitten ist. Vor fünf Monaten gab es in der Tegra Zone, einer Sammelstelle für Inhalte für die eigene Chip-Familie, neben einer Grafikdemo lediglich ein Spiel zu entdecken, zum jetzigen Zeitpunkt sieht es mit zwei Spieletiteln kaum besser aus. Ohne die Einschränkung auf Tegra 3 kann aus 46 Spielen gewählt werden.

Apps und Content-Marktplatz

Das Android-System hat Toshiba belassen wie es ist und lediglich einige Anwendungen hinzugefügt – wie einen eigenen Mediaplayer mit umfangreicher Formatunterstützung, das Office-Paket ThinkFree, PrinterShare, um vom Tablet-PC aus Dokumente ausdrucken zu können, Twitter und Toshiba Places. An dieser Stelle werden verschiedene Content-Angebote zusammengefasst, auf die der Nutzer nach einer Anmeldung bei Toshiba von unterschiedlichen Geräten des Herstellers aus zugreifen kann. Verfügbar sind unter anderem Musik von 7Digital, Filme von Viewster, Apps von AndroidPIT, WildTangent-Spiele, E-Books und digitale Magazine von Zinio. Direkt mit der von Toshiba vergebenen ID kann in den Anbietershops allerdings nicht geshoppt werden. Da diese von Toshiba losgelöst werkeln, muss sich der Nutzer auch dort registrieren. Die Places-App an sich ist noch nicht perfekt: Sie lädt etwas zu langsam, zeigte uns in der Kategorie Bücher plötzlich keine Inhalte mehr an und fror nach zu hastigem Klicken ein.

Wir probierten die Zinio-App aus, über die Focus, GQ, Geo, Vogue und viele andere Titel als Einzelausgabe oder im Abo bezogen werden können und direkt am Tablet lesbar sind. Zinio wird auch für iOS und PCs angeboten, deshalb sind die Zeitschriften auch dort zugänglich. Für das iPad entwickelte interaktive Inhalte innerhalb eines Magazins sind auf einem Android-Gerät aber nicht nutzbar. Auch wenn Toshibas ICS-Variante gut in der Hand liegt, sind rund 600 Gramm zum Lesen nicht wirklich bequem einhändig zu halten, dafür sind die 7-Zoll-Tablets zuständig.

Android 4.0 gerät ins Stocken

Wie wir bereits beim Eee Pad Transformer Prime Test und im Asus Transformer Pad TF300T Test bemerkt haben, ebenfalls Geräte mit Android 4.0, wird der Bildschirminhalt bei Rotation des Tablets ziemlich zügig angepasst, Apps sind schnell gestartet und auch das Scrollen durch Menüs und Webseiten zeigt sich meistens flott, aber nicht hundertprozentig flüssig: Der hauseigene Browser gerät immer mal wieder ins Stocken und lädt in vielen Fällen nicht so schnell wie Safari auf dem neuen iPad.

Dass das Tablet auf jede Wischgeste, Scrollen sowie andere Aktivitäten mit einer recht starken Vibration reagiert, kann auf die Dauer stören, ist aber über die Einstellungen zu verändern sowie komplett abstellbar. Über die virtuelle Tastatur lässt es sich angenehm tippen. Wer lieber von einem Buchstaben zum nächsten wischen möchte, kann die Swype-Funktion auswählen und damit unter Umständen schneller tippen. Die Anordnung der Zahlen im Tastaturfenster ist gewöhnungsbedürftig, sie entspricht in etwa Telefontasten. Alternative: Bei den Sonderzeichen befindet sich eine zusätzliche Zahlenleiste.

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Lange Laufzeit, kurze Bereitschaft

Um die Akkulaufzeit zu strecken, stellt Toshiba einen "ausgeglichenen Energiemodus" bereit, der im Auslieferungszustand aber abgestellt ist. Wird ohne ihn anzuwerfen mit der höchsten Helligkeitsstufe im Internet gesurft, sinkt der Wert der Akkuanzeige zusehends. Um den subjektiven Eindruck mit Messwerten nachzuvollziehen, ließen wir das Toshiba AT300 unter verschiedenen Bedingungen ein HD-Video abspielen und stellten dabei fest, dass das Ein- oder Abschalten des WLAN-Empfangs kaum Auswirkungen zeigt, während der sparsame Betriebsmodus deutlich erkennbare Einsparungen ermöglicht. Damit sind theoretisch bis zu 10 Stunden Videowiedergabe oder 9 Stunden YouTube-Surfen drin, in der Praxis schaltet sich das Tablet aus, sobald der Akkuzustand den kritischen Wert von 15 Prozent unterschreitet. Die von Toshiba versprochene Bereitschaft von 7 Tagen konnten wir leider nicht nachvollziehen und erreichten hochgerechnet nur etwa 4 Tage Standby – das ist zu wenig.

Die Bilder der auf der Rückseite angebrachten 5-Megapixel-Kamera sind eher verrauscht als berauschend, dank Autofokus und Blitz reicht sie aus, um gelegentlich Aufnahmen zu machen, kann aber keine gute Digitalkamera ersetzen.

Fazit: Gutes Tablet für Android-Freunde

Zwar fehlt es dem Toshiba AT300 auf dem ersten Blick an einem Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Androiden mit Tegra-Chip, dennoch ist es ein gelungenes Produkt. Das leichte Gehäuse, das helle Display, HDMI und USB – wenn auch im Micro-Format – und ein SD-Kartenleser bilden eine durchaus begehrenswerte Kombination. Für mobile Nutzer ist außerdem seit Kurzem eine HSDPA-Variante erhältlich. Würde Toshiba zumindest ein Datenkabel beilegen, wäre das Preis-/Leistungsverhältnis "gut", so ist es knapp ein "befriedigend" geworden.

Die Konkurrenz lauert preislich in direkter Nähe: Bei Acer gibt es mit den zugegebenermaßen schwereren Modellen A510 und A700 wahlweise doppelten Speicherplatz oder eine HD-Auflösung zu lediglich minimal höheren Kosten und auch das Transformer Pad TF300, das in verschiedenen Bestückungen zu haben ist, tummelt sich im Dunstkreis. Statt SD-Karten akzeptieren jedoch alle drei nur microSD.

Weitere Tablet PCs im Test und eine Kaufberatung zum Thema Tablet PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: AT300 / AT300-101
Hersteller: Toshiba
Internet: de.computers.toshiba-europe.com
Preis: UVP: 449 Euro mit 16 GB, 499 Euro mit 32 GB, 549 Euro mit UMTS


ab 384 Euro
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Nvidia Tegra 3 - Quad-Core-Prozessor mit 1,3 GHz
Bildschirm: 10,1 Zoll WXGA (1.280x800 Pixel) Touchscreen, glänzend
Speicher: 1 GB RAM, 16 GB Speicher (32 GB gegen Aufpreis)
Akku: Herstellerangaben: 10 Stunden Videowiedergabe, 36 Stunden Audio, 168 Stunden (7 Tage) Standby
gemessen: 10 Stunden Videowiedergabe (WLAN ein), 9 Stunden YouTube (WLAN ein), 102 Stunden (4 Tage) Standby
Kommunikation: WiFi 802.11b/g/n, Bluetooth 3.0 (UMTS gegen Aufpreis)
Betriebssystem: Android 4.0.3 (Ice Cream Sandwich)
Abmessungen: 261x179x9 mm Millimeter;
590 Gramm
Anschlüsse: Synchronisations-Anschluss, Kopfhörer (3,5 mm Klinke), micro-HDMI, micro-USB, SD-Kartenleser
Sonstiges: GPS, Lagesensor, 5-Megapixel-Kamera für Fotos und Videos mit Autofokus, 2-Megapixel-Webcam, Corning Gorilla Glas-Abdeckung
dünn und leicht
schönes Design
helles Display
Schnittstellen
SD-Kartenleser
3G-Version verfügbar
zu langsamer Seitenaufbau im Standard-Browser
kurze Standby-Zeit
kein Datenkabel im Lieferumfang
Kameraqualität
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): gut
Display (20%): gut
Bedienung/Handhabung (15%): gut
Akkulaufzeit (15%): gut
Verarbeitung (10%): gut
Gesamt: gut (2,0)
Preis-Leistung: befriedigend

(Saskia Brintrup)

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