Testbericht

Toshiba AT100 im Test: Multimedia-Schwergewicht

Wer sich nicht auf die Apple-Seite schlagen möchte, sucht sein Tablet-PC-Glück oftmals in der Android-Liga. Dazu zählt auch das Toshiba AT100 mit Nvidia Tegra 2-Chip. Was es gut meistert und wo es noch hakt, verrät unser Testbericht.

Wer sich nicht auf die Apple-Seite schlagen möchte, sucht sein Tablet-PC-Glück oftmals in der Android-Liga. Dazu zählt auch das Toshiba AT100 mit Nvidia Tegra 2-Chip. Was es gut meistert und wo es noch hakt, verrät unser Testbericht.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Nachdem Toshiba im vergangenen Jahr mit dem Libretto W100 und dem Folio 100 bereits zwei Vertreter der Gattung Tablet-PC vorgestellt hatte, folgte in diesem Jahr der Vorstoß mit einer weiteren Tablet-Linie: dem AT100. Das Gerät bietet mit einem 10,1-Zoll-Display, einem Nvidia Tegra 2 Chip und Android 3.1 alias Honeycomb alles, was ein aktueller Androide liefern sollte. Ganz perfekt ist das Tablet aber nicht. Wo es glänzen kann und wo es noch hakt, verrät unser Testbericht zum Modell AT100-100.

Toshiba AT100 Test – Inhalt

  • Seite 1: Optik, Schnittstellen, Akku und Bedienelemente
  • Seite 2: Multimedia: Kameras, Hardware, Leistung und Display
  • Seite 3: Surfen, Apps, Fazit und Info-Tabelle

Kunststoff und dick statt Alu und schick

So ähnlich sich die Tegra-Tablets mit Android Honeycomb bezüglich ihrer Datenblätter auch sehen mögen, äußerlich sind die Geräte der konkurrierenden Hersteller grundverschieden. Das sehr eng mit dem Acer Iconia A500 verwandte Packard Bell Liberty Tab (Test) kommt zum Beispiel im 13 Millimeter (mm) flachen, roten Gehäuse mit silberfarbener Leiste, das ebenso flache Asus Eee Pad Transformer mit einer ansteckbaren Tastatur, das Motorola Xoom (Test) mit silbernem Rahmen und relativ hohem Eigengewicht von 730 Gramm und das Hannspree Hannspad (Test) mit noch mehr Last, aber zum günstigeren Preis. Auch die 10-Zoll-Varianten des Samsung Galaxy Tab, wie das 10.1N, das aufgrund des Patentstreits mit Apple im abgeänderten Design zu haben ist, sowie das ungewöhnlich geformte Sony Tablet S (Test) haben sich die zweite Nvidia Tegra-Generation einverleibt und erweitern die Tablet-Vielfalt.

Das Toshiba AT100 ist wie die meisten Tablets ebenmäßig geformt, mit rund 273x177x15,8 mm und 765 Gramm zählt es zur schwereren und dickeren Fraktion. Das häufig zum Vergleich zitierte Apple iPad 2 ist mit 241x186x8,8 mm und 601 Gramm deutlich schlanker und leichter.

Das vorherrschende Material des Toshiba Tablets ist Kunststoff; als Abdeckung für den Touchscreen glatt und glänzend, als Rahmen und Rückenteil matt und griffig. Das sorgt für soliden Halt, ergibt aber eher einen robusten als filigranen Look. Dadurch stellt sich das Gefühl ein, das Android-Gerät nicht allzu vorsichtig behandeln zu müssen, kleinere Kratzer fallen auf matten Gummiflächen schließlich wesentlich weniger auf als bei Klavierlackoptik. Da sich der Bildschirminhalt auf dem Tablet mittels Lagesensor an die Ausrichtung des Geräts anpasst, wenn der Nutzer die Funktion nicht abstellt, lässt sich das AT100 auch im Hochkant-Format nutzen. Die einblendbare Tastatur dreht mit und erlaubt dann das Tippen mit zwei Daumen. Eine Dauerlösung ist das aber nicht, dafür ist das Gerät einfach zu schwer. Besser fühlt es sich quer gehalten an. So flott wie das iPad wechselt Toshibas Tablet übrigens nicht die Seiten, auch die Mitbewerber hinken in diesem Bereich oftmals hinterher.

Vorteil 1: USB- und HDMI-Port in Standardgröße

Glänzen kann das Tablet mit seiner umfangreichen Schnittstellenausstattung. Während das iPad und viele andere Mitstreiter nicht mehr als einen proprietären Synchronisationsport, einen Kopfhöreranschluss und eventuell noch einen Kartenleser integrieren, hält das Toshiba AT100 mit einem USB-Port und HDMI in regulärer Größe dagegen. Eigens für das Tablet angebotene Kabel kaufen zu müssen, entfällt also, der Flachbildfernseher und USB-Peripherie wie Sticks oder eine Tastatur lassen sich ohne Umwege anschließen. Zusätzlich sind ein Mini-USB-, ein 3,5-mm-Klinkenanschluss und ein Kartenslot für Speicherkarten vorhanden, der SD-Karten mit bis zu 32 Gigabyte (GB) sowie MMCs und per Adapter angeschlossene microSD-Modelle mit bis zu 2 GB akzeptiert. Zur Übertragung von Daten stehen dementsprechend genügend Möglichkeiten bereit. Inhalte auf Speicherkarten oder USB-Sticks sind über den File Manager zugänglich und lassen sich von dort aus direkt abspielen. Hinter einer kleinen Abdeckung verbirgt sich ein weiterer Anschluss. Dass er für eine separat erhältliche Docking-Station (mit Stereo-Lautsprechern) gedacht ist, erklärt, warum die Abdeckung nicht von einem Verbindungselement festgehalten, sondern komplett abgenommen wird.

Vorteil 2: Herausnehmbarer Akku



Wer sich die Verarbeitung genauer anschaut, wird rund um das Diplay und an den Seiten einen Spalt feststellen, der nicht überall gleich breit ist. Was zunächst nur nach einer nicht ganz perfekten Gestaltung aussieht, hat folgenden Vorteil: Die Rückseite lässt sich abnehmen und legt den Akku frei, der sich somit ohne Einschicken oder Werkzeug austauschen lässt. Die Prozedur lässt sich in etwa mit dem Öffnen des Akkufachs eines Handys vergleichen: Es klappt, ist aber nichts, was man zu oft erledigen möchte – sei es, um die Fingernägel oder die Stabilität zu bewahren. Die Akkulaufzeit liegt je nach Betriebsart bei 3,5 Stunden (Browsing) bis knapp 6 Tagen (Standby). Ähnlich wie die Verriegelung für einen Notebook-Akku ist die Konstruktion durch einen Hold-Schalter gesichert, ansonsten finden sich lediglich zum Einschalten und Verstellen der Lautstärke physische Tasten. Android will seit Version 3.0 mit Sensortasten bedient werden.

Nicht überzeugt haben uns die eingebauten Kameras. Schon die mit einer Auflösung von 5 Megapixeln bessere, rückwärtige Linse führt dem Nutzer mit mittelmäßigen Bildern vor Augen, dass sie kein adäquater Ersatz für eine gute Digicam, sondern nur nettes Bewerk ist. Auf den Fotos ist deutliches Rauschen erkennbar und die Farben sind zu blass. Um schnell einen Fahrplan oder ein Plakat abzufotografieren, reicht die Qualität aber natürlich aus. Das Bild der Webcam ist noch grobkörniger, was wir aufgrund der 2 Megapixel nicht unbedingt erwartet hatten.

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Technische Daten

Der 250er Chip der Nvidia Tegra 2 Generation besteht aus einem ARM Cortex A9 Dual-Core-Prozessor mit einer Taktfrequenz von 1 Gigahertz und einem GeForce Grafikchip. Unterstützt werden bis zu 1 GB DDR2-Arbeitsspeicher, die Toshiba dem AT100 Tablet auch vollständig beschert hat. Als Massenspeicher ist eine SSD mit 16 GB verbaut. Für die drahtlose Kommunikation hat der Konzern seinen Androiden mit einem WLAN-Modul (802.11 b/g/n) sowie Bluetooth 2.1 +EDR bestückt, ein UMTS-Modul ist nicht an Bord, sodass sich der Internetzugang auf das Heimnetzwerk und Hotspots beschränkt. Die AT100-Serie sieht allerdings einen Platz für eine SIM-Karte vor, derzeit ist aber kein entsprechendes Modell erhältlich.

Rund um das Thema "Video"

Mit HD-Inhalten haben die Tegra-2-Tablets keine Probleme, auch das AT100 spielt hochauflösende Inhalte innerhalb der YouTube-App, auf der YouTube-Website und auch in Form von abgespeicherten Videos und Clips auf USB-Sticks ohne zu murren ab – solange sie in der Auflösung 720p vorliegen. Dank HDMI speist das Tablet im Hotelzimmer auf Dienstreisen oder im Wohnzimmer auch den Fernseher mit HD-Streifen im randlosen Vollbildmodus. 1080p-Videos lassen sich nicht ohne Ruckler wiedergeben. Das wird erst mit der nächsten Chip-Generation Nvidia Tegra 3 möglich sein, wie Nvidia kürzlich in einem Video mit dem kommenden Asus Eee Pad Transformer Prime TF201 zeigte.

Spaß machen HD-Videos auch deshalb, weil das Display mit 1.280x800 Bildpunkten hochauflösend und trotz spiegelnder Oberfläche gut ablesbar ist. Die Anzeige ist blickwinkelstabil, sodass bei seitlichem Blick auf das Display keine starke Aufhellung oder Verdunklung befürchtet werden muss. Der Kontrast kann überzeugen, schwarze Flächen werden auch schwarz und nicht in einem verwaschenen Grau dargestellt. Die Farbwiedergabe ist aber nur befriedigend, insgesamt könnten die einzelnen Farben kräftiger beziehungsweise die Rottöne wärmer sein. Im direkten Vergleich mit einem passablen TFT-Monitor wirken die Grundfarben etwas verfälscht. Eine Sound-Ausgabe empfiehlt sich über Ohrhörer, die Lautsprecher klingen Tablet-typisch eher schwach. Bei der Musikwiedergabe fällt das eher auf als bei Dialogen in Filmen. Toshibas Sound-Verbesserung macht sich ebenso nur über Kopfhörer ernsthaft bemerkbar.

Die Musik-, Video- und Fotowiedergabe übernimmt indes nicht die Android-eigene Software, sondern der Toshiba Media Player, der seinen Job anstandslos verrichtet. Auch exotischere Formate wie .avi, mit dem es so manches Mobilgerät nicht aufnehmen möchte, kann Toshibas Programm verarbeiten.

Wie die übrigen Honeycomb-Tablets wird das Toshiba AT100 von Websites als Mobilgerät erkannt und dementsprechend mit den Handy-Versionen bedacht, der große Bildschirm erlaubt jedoch auch auf den Desktop-Varianten der Websites sowie YouTube übersichtliches Surfen und Scrollen. Der Seitenaufbau schreitet im Android-Browser mit Tab-Unterstützung zügig voran, bei schnellen Scroll-Bewegungen auf langen Seiten ist kurz Weißraum zu sehen. Da die Android-Mannschaft Flash-Inhalte unterstützt, ist ein volles Browser-Erlebnis garantiert. Allerdings hat Adobe angekündigt, die Entwicklung des mobilen Flash Players einstellen zu wollen, sodass sich dieser Vorteil bald überholt haben wird. Um Inhalte zu vergrößern, müssen lediglich zwei Finger auf dem Touchscreen gespreizt werden, Text wird zügig skaliert. Insgesamt kann der Touchscreen des Toshiba Tablets auf ganzer Linie überzeugen; er reagiert präzise, die Marker zur Textauswahl lassen sich problemlos verschieben und Links werden sicher getroffen.

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Installierte Apps

Neben den Android-typischen Apps wie Google Maps, Latitude, Navigation, Places, der Suche und Sprachsuche, Google Talk, Mail, YouTube und Video Studio zur Bearbeitung von Videos finden sich in der App-Liste McAfee WaveSecure, der Adobe Reader, das Notiz-Tool Evernote und Toshiba Places. Letzteres führt soziale Netzwerke und kostenpflichtige sowie kostenlose Content-Angebote von Videos über Fotos und Musik bis hin zu News zusammen – auch auf Toshiba Fernsehgeräten. Bevor der Nutzer aber irgendetwas zu sehen bekommt, muss er sich registrieren. Dann können Inhalte mit einer Lesezeichen-Funktion auch auf unterschiedlichen Toshiba-Geräten nahtlos konsumiert werden.

Fazit: Nicht das schönste, aber unkompliziert

Mit seinem Äußerlichen allein dürfte das Toshiba AT100 keinen Tablet-Interessenten davon abhalten, bei der Konkurrenz einzukaufen: Zwar lässt sich über Geschmack bekanntlich streiten, dennoch ist Toshibas Design eher zweckmäßig schlicht als raffiniert. Wäre es wasserdicht oder so robust wie das Panasonic Toughpad, wäre daran rein gar nichts auszusetzen, als "Haus"-Tablet, was es ohne UMTS letztendlich ist, könnte es aber schlichtweg hübscher sein. US-Kunden haben es besser, dort bewirbt Toshiba das Tablet unter dem Namen Thrive mit farbigen Wechsel-Covern.

Seine Stärken spielt das Android-3-Tablet, abgesehen vom flotten Dual-Core-Prozessor, vielmehr mit seinen zahlreichen Schnittstellen aus. Wer möglichst ohne viel Zubehör oder Adapter andere Geräte anschließen oder regelmäßig Fotos von der Digitalkamera auf dem Tablet anschauen möchte, darf sich über eine unkomplizierte Handhabung freuen. Auch der selbst tauschbare Akku und der mittlerweile gesunkene Preis sprechen für das AT100: Die Konkurrenz von Samsung, Sony oder Asus schafft es nicht immer unter die 400-Euro-Marke. Ein Display gleicher Größe im dünneren und leichteren Gehäuse verspricht das Nachfolger-Tablet Toshiba AT200. Noch ist das Herstellerangaben zufolge dünnste Tablet der Welt aber noch nicht auf dem Markt. Auch die zunächst nur für die USA angekündigte 7-Zoll-Version Thrive 7 steht noch aus. Ob das AT100 hierzulande ein Update auf die neue Android-Version 3.2 erhalten wird, ist nicht bekannt. Für die US-Version wurde es bereits angekündigt.

Weitere Tablet-PCs im Test und eine Kaufberatung zum Thema Tablet-PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: AT100-100
Hersteller: Toshiba
Internet: http://de.computers.toshiba-europe.com
Preis: UVP 449 Euro;


ab 374 Euro


Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Nvidia Tegra 2 / Tegra 250 ARM Cortex A9 Dual-Core-Prozessor mit 1,0 GHz und GeForce GPU
Bildschirm: 10,1 Zoll 16:10 (1.280x800 Pixel) Touchscreen; kapazitiv
Speicher: 1 GB RAM DDR2 mit 666 MHz, 16 GB Flash Speicher
Akku: Herstellerangaben: 7 Stunden Betrieb, 120 Stunden (5 Tage) Standby;
gemessen: Videowiedergabe 6 Stunden, Web-Browsing (WLAN) 3,5 Stunden, Standby (WLAN ein) 140 Stunden (rund 6 Tage)
Kommunikation: WiFi 802.11b/g/n, Bluetooth 2.1+ EDR
Betriebssystem: Android 3.1 (Honeycomb)
Abmessungen: HxBxT: 273x177x15,8 mm Millimeter; ab 765 Gramm
Anschlüsse: USB 2.0, HDMI, Mini-USB-Anschluss, Kopfhörer (3,5 mm Klinke), Kartenleser (SD bis 32 GB, micro-SD per Adapter + MMC bis 2 GB)
Formatunterstützung: H.264, MPEG-4, H.263, WMV, MP3, AAC, AMR, MIDI, WAVE, WMA, JPG, GIF, PNG, BMP
Sonstiges: GPS, Lagesensor, Lichtsensor, 5-Megapixel-Kamera für Fotos und Videos (HD) mit Autofokus, 2-Megapixel-Webcam, herausnehmbarer Akku, Flash-Support
Lieferumfang: Tablet, Netzteil, Kurzanleitung, ausführliches, gedrucktes Handbuch
Fullsize-HDMI und -USB
blickwinkelstabiles Display
gute Touchscreen-Reaktion
GPS
herausnehmbarer Akku
robust und unempfindlich
kein UMTS
keine Kabel im Lieferumfang
relativ dick und schwer
Fotoqualität nur mäßig
noch kein Android 3.2
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): gut
Display (20%): gut
Bedienung/Handhabung (15%): gut
Akkulaufzeit (15%): befriedigend
Verarbeitung (10%): befriedigend
Gesamt: gut (2,3)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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