Testbericht

Top Spin 2 im Test: Filzballkarriere mit Hindernissen

Neue Tennis-Simulation von Aspyr überzeugt durch anschauliche Grafik und eine extreme Realitätsnähe. Für Anfänger ist die Jagd nach den begehrtesten Tennis-Trophäen allerdings nicht zu empfehlen.

Top Spin 2 - Computespiel© onlinekosten.de

Auch wenn in Deutschland immer mehr Tennishallen zu Indoor-Fußballzentren umgebaut werden, erlebt der "weiße Sport" rund um die gelbe Filzkugel in diesen Tagen eine Art Wiederauferstehung. Grund sind die Erfolge des deutschen Davis-Cup-Teams. Bis ins Halbfinale hat es die Nationalmannschaft in diesem Jahr bereits geschafft und schnuppert an einer neuen Erfolgsgeschichte, die stark an vergangene Zeiten um Boris Becker, Michael Stich und Co. erinnert. Wer selbst nicht nur auf dem Court, sondern auch am PC den Schläger in die Hand nehmen möchte, kann sich mit "Top Spin 2" aus dem Hause Aspyr ein PC-Spiel auf den heimischen Computermonitor zaubern, bei dessen Entwicklung vor allem Wert auf Realitätsnähe gelegt wurde.

Für den Einstieg in die Welt der Tennisprofis sind neben 4,5 Gigabyte freiem Festplattenspeicher eine 3D-Grafikkarte und ausreichend Arbeitsspeicher notwendig. Mit mindestens einem 512 Megabyte großen RAM-Baustein sollte der PC bestückt sein. Darüber hinaus ist für echten Spielgenuss ein Gamepad mit acht Tasten oder mehr zu empfehlen. Zwar ist auch eine Steuerung über die PC-Tastatur möglich, doch echter Spielspaß kommt wegen der dann komplizierten Menüführung nicht auf. Auch die Steuerung des Spielers auf dem Tennisplatz erweist sich über die Tastatur als sehr kompliziert.

Mit dem Schläger in der Hand durchstarten

Wer einfach nur ein paar lockere Bälle schlagen möchte, kann unmittelbar nach Spielstart in ein Einzel- oder Doppelmatch starten. Zur Auswahl stehen insgesamt 24 verschiedene Tennis-Asse wie Roger Federer, Tommy Haas, Maria Sharapova oder Venus Williams. Optisch stimmt das Erscheinungsbild der virtuellen Topspieler zwar nicht immer, dafür wurden die technischen Bewegungsabläufe der einzelnen Spieler stark an das leibliche Original angepasst. Das wird insbesondere bei den unterschiedlichen Aufschlagtechniken sehr deutlich.

Eines wird schon beim lockeren Spielchen zwischendurch schnell deutlich: Die Entwickler des Spiels haben wenig Wert darauf gelegt, dass der Computer vom Spieler leicht zu besiegen ist. Schon in der einfachsten Spielstufe scheucht der Gegner den eigens gesteuerten Tennisprofi ordentlich über den Platz und pfeffert den ein oder anderen Ball mit einer Präzision, die sich gewaschen hat, auf die Seiten- beziehungsweise Grundlinie. Ohne perfektes Timing und das frühzeitige Erahnen der nächsten Aktion des Gegners kann teilweise sogar schon frustrierende Grundstimmung am PC aufkommen.

Wie bei vielen Sportsimulationen hat der Spieler neben einfachen Tennisspielchen auch die Möglichkeit, eine eigene Karriere zu starten. Hierzu wird aus einer Vielzahl an individuell einstellbaren optischen Feinheiten ein eigenes Profil erstellt. Im wahrsten Sinne des Wortes kann das eigene Ich zusammengebastelt werden. Soll es eher schlank, kräftig oder muskulös sein, darf ein Bart das Gesicht oder eine Kappe den Kopf schmücken, soll der Unterkiefer hervorstehen, die Mundwinkel einen eher grimmigen oder freundlichen Gesichtsausdruck liefern…praktisch alles kann angepasst werden - sogar der favorisierte Bewegungsablauf beim Aufschlag.

Hartes Training

Ist das eigene Profil erstellt, heißt es zunächst einmal trainieren, trainieren und nochmals trainieren. Die eigenen Fähigkeiten und das Schlagrepertoire müssen auf ein vernünftiges Level gebracht werden, bevor es in einem ersten kleinen Turnier darum geht, Erfahrungen gegen andere Spieler zu sammeln. Frei nach dem Motto: Lieber viele kleine Schritte machen statt nur wenige große.

Unter anderem liegt darin auch ein großes Plus von "Top Spin 2". Nicht nur die eigentlichen Spiele machen Spaß, auch die Trainingsszenarien sorgen durch viel Abwechslung für Spielspaß. Verschiedene Trainingsspielchen, die den einen oder anderen Gamer stark an das eigene Tennis-Training erinnern werden, ergänzen die Schulung von sicheren Grundlinienschlägen, Slice, Topspin, Lob oder Volley.

Trainerwechsel gut überdenken

Besonders realistisch erweist sich auch die Tatsache, dass im Verlauf der eigenen Karriere verschiedene Trainer auf das vermeintlich neue Tennistalent aufmerksam werden und den Schützling für sich gewinnen möchten. Jeder Trainer verfügt über individuelle Stärken und Schwächen und sollte mit äußerster Sorgfalt ausgewählt werden. Nach und nach werden über so genannte Charakterpunkte verschiedene Schlagtechniken in der Präzision aufgewertet. Je stärker ein gewisser Schlag geschult wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner etwa mit einer knallharten Vorhand stark unter Druck gesetzt werden kann.

Ziel des harten Trainings ist es, die eigene Karriereleiter steil nach oben zu klettern. Los geht es auf kleineren Turnieren, auf denen es neben Geld, Ruhm und Weltranglistenpunkte auch um das Gewinnen von ersten Sponsoren geht. Als finaler Schritt lockt nach vielen Siegen - aber auch diversen schmerzlichen Niederlagen - die Teilnahme am ersten großen Grand Slam-Turnier in Paris, Melbourne, New York oder beim Klassiker in Wimbledon.

Richtig Spaß macht ein PC-Spiel natürlich nur dann, wenn auch die Grafik und die Geräuschkulisse stimmen. Die Auflösung des Spiels lässt sich über mehrere Stufen an die Leistungsstärke der eigenen Grafikkarte anpassen. Stimmt die Grafikkartenpower kann sich der Gamer über geschmeidige Bewegungsabläufe bei den vielen verschiedenen Schlägen und über hübsch animierte Zuschauer auf den Rängen freuen.

Ansprechende Grafik

Allerdings nicht immer, denn gerade zu Beginn einer Karriere ist das Zuschauerinteresse praktisch gleich null. Das eigene Spiel findet dann schon mal vor leeren Rängen statt. Merkwürdig: Die eigentlich stille Atmosphäre wird trotzdem durch vereinzeltes Klatschen und Pfeifen vermeintlicher Zuschauer gestört. Zum Teil recht aufdringlich wirkt das Stöhnen einzelner Athleten bei nahezu jedem Schlag. Hier hilft nur das Stummschalten der angeschlossenen Boxen. Hier wäre etwas weniger Detailtreue mehr gewesen.

Ein Spiel hart an der Realität, aber auch eines, das sicher nicht zu den einfachsten Simulationen gehört, so präsentiert sich "Top Spin 2" seinen Nutzern. Nur durch hartes Training und ein präzises und vor allem individuelles Spiel ist es überhaupt möglich, in der eigenen Karriere in die Erfolgsspur zu finden.

Für Einsteiger ist das knapp 35 Euro teure Game zu kompliziert und auch Gelegenheitsspieler finden sich nur langsam mit der Vielzahl der nutzbaren Schlagmöglichkeiten zurecht. Tennis-Freaks, die sich mit ihrem Sport identifizieren, werden jedoch lange Spaß an "Top Spin 2" haben und die hohen Ansprüche zu meistern wissen - auch wenn immer wieder Rückschläge zu verkraften sind. Doch genau das macht Sportspiele so spannend. Wer gewinnen will, muss auch verlieren können.

Fazit

Alles in allem ist Aspyr eine umfangreiche, spannende und vor allem abwechslungsreiche Tennis-Simulation gelungen, die durch einen Online-Multiplayer-Modus und lustige Partyspiele abgerundet wird. Negativ fallen vor allem die langen Ladezeiten zwischen den einzelnen Trainingssequenzen beziehungsweise nach Turnierspielen ins Gewicht.

(Hayo Lücke)

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