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Test: Xbox mit Mod-Chip - der digitale Alleskönner

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com
Aus der Xbox lässt sich mit einfachen Mitteln ein Home-Entertainment-Center machen. Doch lohnt sich der Umbau? Alles, was man braucht, ist ein moderner Modchip wie den EvoX plus LPC 2.0, eine große Festplatte und den XBox-Media-Player. Lötkenntnisse sollte man auch mitbringen, die wenigsten Chips lassen sich einfach einstecken.

Für Löt-Legastheniker gibt es im Netz diverse Einbau-Services, die zum Teil auch Komplett-Umbauten mit Garantie anbieten. Einer davon ist Chipeinbau.de, der auch den Umbau der redaktionseigenen Xbox übernahm: Modchip rein, interne Platte mit 8 GB gegen eine mit 40 GB getauscht. Dazu installiert wurde das "Rundum-Sorglos-Paket" der Firma, das aus einer Programmsammlung besteht.

Der erste Eindruck

Der Xbox sieht man den Umbau nicht äußerlich an. Innen ticken der EvoX und die 40GB-Platte, auf der bereits einige Tools vorinstalliert sind. Der Chip ist mit einem On/Off-Mechanismus ausgestattet, den man über den Startknopf der Xbox bedient: Drückt man ihn kurz, startet das eingebaute BIOS von Microsoft und die Box funktioniert ganz normal, inklusive Xbox-Live-Funktionalität.

Drückt man den Startknopf hingegen etwas länger, eine Sekunde und mehr, startet das EvoX-BIOS und das alternative Evolution-X-Betriebssystem, gut erkennbar am roten Xbox-Schriftzug. Und das hat es in sich, erlaubt es doch das abspielen von Sicherheitskopien aller Art: Spiele, DivX, DVD-Rips, MP3s und noch mehr. Um das möglich zu machen hebelt der Chip das eingebaute digitale Rechtemanagement aus.

Aber was kann der Modchip?

Ein Modchip hebt grundsätzlich alle Sperren auf, die Microsoft der Xbox mit auf den Weg gegeben hat. Im Gegensatz zum Verändern des eigentlichen BIOS ist das Einbauen eines Modchips aber nicht illegal. Ist er einmal drin, besitzt die Box alle Fähigkeiten, die ihre PC-Komponenten zulassen, die passende Software vorausgesetzt: Ein Celeron 733 mit 64 Megabyte RAM, DVD-ROM, Ethernet und Festplatte.

Was der Chip nicht kann, ist das eingebaute DVD-ROM verbessern. Microsoft hat offenbar mit Absicht ein Laufwerk eingebaut, das sich weigert, CD-Rs zu lesen. Man hat also die Wahl, ein recht teures Samsung-DVD einzubauen, was alle Formate liest, oder die Box per FTP zu betanken. Onlinekosten.de wählte letzteren Weg. Aber auch hier gibt es einige Probleme.

Probleme mit FTP

Zuallererst muss die Xbox am PC angeschlossen werden. Dazu verbindet man die Box per Crosslink-Netzwerk-Kabel mit dem Rechner. Danach startet man ein FTP-Programm, gibt dort als Server die IP der Box an und den Benutzernamen (xbox) sowie das Passwort (xbox). Der PC verbindet sich mit der Box, soweit kein Problem. Aber danach.

Die Box kann nämlich nicht mit langen Dateinamen umgehen. Gerade bei ordentlich benannten MP3-Sammlungen ein Ärgernis. Statt das aber dem Benutzer zu sagen, bricht der Transfer über FTP einfach mit einer kryptischen Fehlermeldung ab. Die Lösung kostete fast 3 Mannstunden Bedenkzeit. 32 Zeichen inlusive Endung, maximal. Also was tun?

Dateinamen verkürzen

Man hat jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder, man benennt seine gesamte MP3-Sammlung so um, dass die Dateinamen XBox-konform sind. Das geht aber nur bei ordentlich gesetzten ID3-Tags ohne Chaos vonstatten. Oder man benutzt ein FTP-Proggie, das die langen Dateinamen beim Hochladen entsprechend verkürzt. Das passende Programm ist FlashFXP, eines der wenigen Tools, die so etwas können.

Das gleiche gilt übrigens nicht nur für MP3-Files, sondern auch für alle anderen Dateitypen. Die gemischt codierte MP3-Sammlung war jetzt in der Box, ebenso einige Filme: DivX-Avis, MP4-Dateien, ein Quicktime-Movie, ein Real-Movie, einige MPEG2-Dateien und diverse mit der Digicam aufgenommene Bilder.

Der XB-Media-Player

Das Zentrum der umgebauten Xbox ist der Media-Player. Mit ihm steigt und fällt das Ansehen des Umbaus. Er lag in der Version 2.4 vor und basiert auf dem bekannten MPlayer. Die Navigation lässt sich per Joypad machen, allerdings empfiehlt es sich, die 30 Euro für ein Xbox DVD-Kit auszugeben, um die Box bequem von der Couch steuern zu können.

Der erste Schock beim Öffnen des MP3-Ordners: Zum Anzeigen von 1172 verschieden codierte MP3s benötig der Media-Player satte 5 Minuten. Und das jedes Mal, wenn man den Ordner öffnet, also nach jedem Neustart der Box. Hat er die MP3s aber einmal indiziert, werden sie korrekt mit ID3-Tag angezeigt und lassen sich problemlos und flott abspielen. Wenigstens lassen sich Playlists anlegen.

Welche Filmformate?

Das sicherlich interessanteste Einsatzgebiet des XB-Media-Players ist das Abspielen von Filmen, insbesondere DivX. Da die XBox mit ihrem Standard-Laufwerk aber, wie bereits erwähnt, keine CD-Rs liest, sollte man sich entweder eine richtig dicke Festplatte (bis 300 GB sind aktuell möglich) zulegen und per FTP betanken oder eben auf ein anderes DVD-Laufwerk ausweichen.

Die Filmliste öffnet der Media-Player ohne nennenswerte Verzögerung. Doch, oha, wo war denn die *.mp4-Datei? Wurde schlichtweg nicht angezeigt, obwohl ordnungsgemäß hochgeladen. Also schonmal keine MP4-Dateien. Umbenennen in AVI löste das Problem jedoch schnell. MPEG4 im Avi-Format zeigt der Player an und spielt sie völlig problemlos ab.

DivX schön gelöst

Mit DivX-Avis hatte der Player keine Probleme. Er spielte alle 10 getesteten Filme ohne zu murren ab, es gab weder Hänger noch irgendwelche anderen Probleme. Schneller Vorlauf und Rücklauf geht schnell und sauber von der Hand. Manch ein Player auf dem PC oder Mac kann in dieser Hinsicht noch vom XB-Media-Player lernen. Eventuelle Verzerrungen kann man über die Einstellungen des Players beheben.

MPEG-Dateien von Video- und Super-Video-CDs werden ebenfalls problemlos abgespielt. Einziges Manko: Bei Dateien von SVCDs sind links und rechts zwei Balken zu sehen, das Bild ist etwas in die Länge gezogen. Das hängt aber mit dem seltsamen MPEG2-Format zusammen, das bei SVCDs verwendet wird. Beim Abspielen von Quicktime und Real-Player-Filmen bleibt die Xbox einfach hängen. Da hilft nur ein Reset.

Bilder-Galerie auf dem Fernseher

Die Xbox lässt sich nach dem Umbau auch zum Speichern von Bild-Dateien im JPEG-Format nutzen. Über den Media-Player lassen sich die Bilder dann im Vollbild anzeigen, sie werden direkt auf die exakte Ausgabegröße skaliert. Zu erkennen ist allerdings wenig, was weniger mit der Xbox als vielmehr mit der jämmerlichen Auflösung des Fernsehers zu tun hat.

Neben dem Media-Player wurden von Chipeinbau.de aber noch andere Tools auf der Festplatte installiert: DVD2Xbox erlaubt das kopieren kompletter DVDs auf die interne Festplatte, der Kopierschutz interessiert das Programmm nicht. Der PX HDD Loader kopiert komplette Spiele auf die Festplatte, lauffähig.

Erweiterte DVD-Funktion

Mit Video-Select lässt sich die Xbox zwischen PAL und NTSC umschalten. DVD-Region-X erlaubt das Abspielen von DVDs aus allen DVD-Regionen. Diese Funktionen allerdings bieten inzwischen auch aktuelle DVD-Player aus China. Dummerweise funktioniert das Tool nicht, wenn die der Infrarot-Empfänger für die Fernbedienung eingesteckt ist. Dort steckt nämlich die Regions-Abfrage.

Ebenfalls installiert: Zwei Dateimanager im Stil von Konquerer oder Windows-Explorer. Der boXplorer in der Version 0.96b konnte nicht so gut überzeugen wie xToolBox in der Version 0.41. Letzteres bietet nicht nur das einfachere Herumhangeln in den Verzeichnissen, sondern auch einen DVD-Ripper und einen Nickname-Editor. Dessen Nutzen blieb uns allerdings verborgen.

Achtung: System-Tool

Das Programm Config Magic kann genutzt werden, um eine Festplatte zu locken oder zu unlocken. Außerdem kann man damit das EEPROM der Xbox bearbeiten. Bei falschen Werten allerdings zerstört man die Xbox, man sollte also wissen was man tut. Ansonsten besser Finger weg. Ebenfalls die Finger lassen sollte man als unerfahrener User von der BIOS-Update-Funktion des Modchips.

Die zum Teil frühe Versionsnummer mancher Tools ist zwar in Hacker-Kreisen durchaus normal, wie man zum Beispiel an Tools wie Edonkey sehen kann, doch sind einige der Programme noch nicht wirklich ausgereift. Sie erzeugen zum Teil reproduzierbare Abstürze oder sind nicht sonderlich bedienfreundlich. Oft kommt man nicht ins Haupt-Menü der Box zurück und muss neu starten.

Emulatoren & mehr

Ebenfalls interessant ist die Möglichkeit, Emulatoren zu installieren. So wird die Xbox zum Gameboy. Oder zur Playstation. Oder zum Nintendo 64. Die Emulatoren an sich sind nicht illegal, es ist allerding schwierig an die ROMS zu kommen. Diese darf man aber ohnehin nur nutzen, wenn man im Besitz des originalen Spiels ist.

Das Evolution-X-System ist in keinster Weise multitasking-fähig. Startet man ein Tool, reisst zum Beispiel FTP-Transfer ab. Das ist ärgerlich, denn dank der großen Datenmengen bei der Übertragung ist die Box für mehrere Minuten nicht nutzbar. Es bleibt zu hoffen, das künftige Versionen des Systems mehr können. Alternativ kann man aber Linux installieren, muss dann aber auf echte Xbox-Spiele verzichten.

Fazit: Als DivX-Player und für Sicherheits-Kopien empfehlenswert

Der eigentliche Sinn und Zweck eines Modchips war und ist das Abspielen von NTSC-Spielen und "Sicherheitskopien". Und genau dort liegt auch bei der Xbox das Hauptaugenmerk. Der XB-Media-Player ist für DivX überaus gut geeignet, für MP3 weniger. Für diesen Zweck lohnt sich also preislich eher die Anschaffung eines DVD-Players mit DivX- und MP3-Funktion statt des Umbaus der Box.

Wärmstens ans Herz legen kann man dem Umbau-Willigen den Einbau eines anderen DVD-Laufwerks. Das Eingebaute liest zwar alles DVDs, auch gebrannte, außerdem CD-RW, doch mit CD-R hat es seine Probleme. Die meisten DivX-Filme sind aber auf den kostengünstigen CD-Rohlingen gespeichert. Und der Umweg über FTP ist nicht sonderlich komfortabel.

(Christian Rentrop)

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