Testbericht

Test: Sonys günstiger JS1 macht iMac Konkurrenz

Sony hat einen neuen All-in-one-PC im Programm: Der JS1 ist der erste für unter 1.000 Euro und konkurriert daher mit dem günstigsten iMac von Apple. Die Redaktion hat das hübsche Stück Hardware durchgecheckt.

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Es muss nicht immer der iMac von Apple sein, wenn der klobige Desktop-PC einem schickeren All-in-one-Gerät weichen soll. Auch Hersteller wie HP oder Sony bieten Komplettsysteme an, bei denen alle Hardware-Komponenten in einem Display versteckt sind. Sonys neuester Streich ist der Vaio JS1 für 999 Euro, der gleich in drei verschiedenen Farben zu haben ist. Nach dem fast doppelt so teuren Vaio VGC-LT2S ist dies der zweite All-in-one-PC von Sony, der in der Redaktion zu Besuch war.

Braun, pink oder silber

Wer noch ein großzügiges Geschenk für die Frau, Freundin oder Tochter sucht, kann den Vaio JS1 auch in pink erwerben. In diese Farbe hüllt sich jedenfalls das Testgerät. Möchte das mädchenhafte Kleidchen partout nicht zur Wohnungseinrichtung passen, bietet sich die silberfarbene oder die braune Variante an, wobei die Seiten und der Rücken in jeder Ausführung silber sind. Das Gehäuse macht einen sehr hochwertigen Eindruck und besteht aus Aluminium. Das Design ist modern, aber unaufdringlich, ein transparenter Rahmen ist im Gegensatz zum LT2 nicht vorhanden, was den schicken Auftritt jedoch nicht trübt.

Wer jetzt mit Schrecken daran denkt, wie der Design-PC zusammen mit der in die Jahre gekommenen Plastik-Tastatur und der wieder anders aussehenden Maus aus dem eigenen Fundus harmoniert, kann aufatmen: Sony liefert die passenden Eingabegeräte gleich mit. Ansonsten enthält der Karton nur noch das Netzteil und eine Kurzanleitung. Das Handbuch ist – wie auch beim kreisrunden Wohnzimmer-PC von Sony – direkt auf dem Computer gespeichert.

Hübsches Platzsparwunder

Damit das 8,5 Kilogramm schwere Komplettpaket mit Windows Vista Home Premium auch stabil steht, ist auf der Rückseite ein ausklappbarer Fuß angebracht, der den Computer gut im Griff hat. Aufgestellt nimmt der 48,7x40,8 Zentimeter große Rechner in der Tiefe nur lediglich 15 Zentimeter Platz weg und ist damit ähnlich genügsam wie ein TFT-Monitor. Soll er etwas schräger stehen, lässt sich der Fuß noch um bis zu zwölf Zentimeter nach hinten schieben. Die technische Ausstattung ist an die Zielgruppe angepasst, die den Rechner für gängige Anwendungen nutzt und mit ihm zum Beispiel im Internet surft, Videos abspielt und Musik hört. Das Herzstück ist ein Intel Core 2 Duo E7200 Prozessor mit 2,53 Gigahertz (GHz), dem drei Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher aushelfen. Eine Aufrüstung ist noch auf bis zu vier GB möglich, allerdings sind bereits beide Speicherbänke belegt. Wie der Einbau funktioniert, steht im Handbuch. Der Core 2 Duo packte im Test 96 Fotos im JPG-Format mit einer Gesamtgröße von 235 Megabyte mit dem Programm 7-Zip in 13 Sekunden. Zum Vergleich: Ein Athlon X2 5000+ von AMD mit 2,6 GHz benötigte etwa 18 Sekunden.

Verzicht auf Blu-ray

Die Festplatte fasst 500 GB und bietet daher genügend Platz für die Film- und Musiksammlung. Da das Komplettsystem ohnehin keine Gamer anspricht, hat sich der Hersteller für eine Onboard-Grafik entschieden: Intels GMA X4500HD, der mit zum G45-Express-Chipsatz gehört, schaufelt die Pixel auf den 20,1 Zoll großen Monitor. Der Chip unterstützt auch High Definition-Filme in 1.080p und Blu-ray-Videos. Ein solches Laufwerk ist beim JS1 aber nicht dabei, stattdessen kommt ein DVD-Brenner zum Einsatz, der auf der rechten Seite sitzt. Daher ist auch der fehlende HDMI-Ausgang zu verschmerzen.

Display und Sound

Die Oberfläche des Bildschirms mit einer Auflösung von 1.680x1.050 Pixeln ist glänzend und kann daher bei ungünstigen Lichtverhältnissen reflektieren. Der Darstellungsqualität tut dies allerdings keinen Abbruch: Die Farben sind kräftig und das Bild klar. Die Blickwinkel sind außerdem groß genug, so dass man auch zu zweit oder dritt eine DVD anschauen kann, ohne nur noch "schwarz" zu sehen. Als Extra gibt es noch eine 1,3-Megapixel-Webcam samt Mikrofon, mit der Schnappschüsse und Videos vor dem PC erstellt und Videotelefonate geführt werden können. Die Lautsprecher hat Sony unter dem Display angebracht. Sie klingen zwar deutlich besser als durchschnittliche Notebook-Exemplare und reichen zum Film-Ansehen und Radio hören absolut aus, basslastigen Musikgenuss darf der Nutzer aber nicht erwarten.

Hierzu empfiehlt sich der Griff zum Kopfhörer oder der Umstieg auf das heimische Lautsprechersystem, das per SPDIF an der linken Seite angeschlossen werden kann. Dort sitzen außerdem zwei USB-Ports sowie Ausgänge für Mikrofon und Kopfhörer. Auch Schächte für die Speicherkartenformate SD-Card und Memory Stick haben ein Plätzchen gefunden. Darüber hinaus kann hier mit einem Schalter der WLAN-Empfang (802.11 b/g/n) ein- und ausgestellt werden, auf Bluetooth muss ebenso wenig verzichtet werden. Hinten befinden sich noch drei weitere USB-Schnittstellen, der LAN-Anschluss für Verbindungen mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu einem Gigabit, FireWire und Optical Out. Auf der Oberseite liegen die Lüftungsschlitze und der Einschaltknopf. Die Tastatur hüllt sich, wie auch das Computergehäuse, in einen Aluminium-Anzug, die Maus besteht zwar aus Kunststoff, passt aber farblich perfekt. Im Gegensatz zur Peripherie des letzten All-in-one-PCs von Sony sind die Geräte nicht kabellos. Um die luftig-leichte Optik nicht so stark zu stören, sind beide mit einem dünnen grauen Kabel ausgestattet, das zumindest farblich zum PC passt. Die Tastatur ist extrem flach, lässt sich aber mit zwei Füßen aufstellen. Bequemes Tippen ist daher in jedem Fall möglich und auch die Verarbeitung überzeugt auf ganzer Linie. Im Layout weicht sie aber leicht vom Standard ab und positioniert zum Beispiel die Entfernen-Taste an einer anderen Stelle. Die Maus ist für ein Desktop-Exemplar sehr klein und auch zu flach geraten. Was für Kinder- und kleinere Frauenhände noch gemütlich sein mag, wird den Nutzer mit größeren Händen zum Umstieg auf einen anderen Nager zwingen. Eine großartige Palette an Sondertasten darf man auch nicht erwarten: Das Repertoire beschränkt sich auf die beiden Klicktasten und ein drückbares Scrollrad, das zeilenweise einrastet, aber unangenehm schwergängig ist.

Software

Für die Systemwiederherstellung sorgt eine VAIO-Software, darüber hinaus sind Sony-eigene Programme zum Erstellen von Diashows oder Videos (Movie Star) und zum Abspielen von Musik mit dabei. Media Plus dient zum Streamen von Dateien über ein Heimnetzwerk, während die Music Box genannte Software alle Songs auf dem Rechner scannt, um anschließend verschiedene Playlists für unterschiedliche Stimmungen zu erzeugen. Zusätzlich sind noch Adobe Photoshop Elements 6 und Premiere Elements 4 installiert, bei der Antivirensoftware von McAfee und Microsoft Office Home & Student handelt es sich nur um Testversionen. Die Entscheidung, ob der Nutzer Google Desktop, die Toolbar für den Browser, Google Earth, Picasa, eine eBay-Verknüpfung und die VoIP-Anwendungen Skype oder Google Talk haben möchte, hat Sony schon gefällt und einfach alles installiert.

Fazit: Flüsterleises Komplettpaket

Der neue JS1 räumt den Schreibtisch auf, arbeitet ausgesprochen leise und ist für alle gängigen Anwendungen ausreichend gut bestückt. Ein kluger Schachzug von Sony war es sicherlich, anstelle eines Blu-ray-Laufwerks einen DVD-Brenner einzubauen. Erstens ist noch nicht jeder Nutzer vom Nachfolger der DVD überzeugt und zweitens ließ sich so ein Preis von unter 1.000 Euro erreichen. Zum gleichen Preis gibt es auch den 20-Zoll-iMac von Apple. Dieser liefert dann einen Intel Core 2 Duo mit 2,4 GHz, aber nur ein GB RAM und die Hälfte an Festplattenspeicher. Im Gegenzug wäre jedoch eine dedizierte Grafikkarte an Bord: die ATI Radeon HD 2400 XT. Mit zwei GB Arbeitsspeicher und einer 500-GB-Festplatte würde dieser dann 150 Euro mehr kosten als Sonys Modell.

Name: Vaio JS1
Hersteller: Sony
Internet: www.sony.de
Preis: UVP 999 Euro
Technische Daten
Prozessor: Intel Core 2 Duo E7200 mit 2,53 GHz
Grafikkarte: Onboard: Intel GMA X4500HD
Speicher: 3 GB DDR2
Festplatte: 500 GB
Laufwerk: DVD+-RW/+-R DL/RAM
Soundkarte: Realtek High Definition Audio
Bildschirm: 20,1 Zoll WSXGA+ (1.680x1.050 Pixel)
Kommunikation: Gigabit LAN, WLAN (802.11b/g/n), Bluetooth
Betriebssystem: Windows Vista Home Premium
Abmessungen: 48,7x40,8x15,7 cm, 8,5 Kilogramm
Anschlüsse: 5 x USB, FireWire, Kopfhörer, Mikrofon, SPDIF, LAN, SDCard, Memory Stick, Optical Out
Benchmarks: Vista Leistungsindex: CPU: 5,4 / RAM: 5,8 / 2D: 4,2 / 3D: 4,0 / HDD: 5,9
PCMark05: 5.168
3DMark06: 1.164
Garantie: zwei Jahre
Pro & Contra
kompakt
schönes Design
kein Blu-ray-Zwang
gutes Display
hochwertige Verarbeitung
sehr leise
spiegelndes Display
Eingabegeräte sind kabelgebunden
unbequeme Maus
Bewertung:
Geschwindigkeit (25%): gut
Ausstattung (25%): gut
Ergonomie (20%): befriedigend
Handhabung/Service (20%): gut
Verarbeitung (10%): sehr gut
Gesamt: gut (2,1)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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