Testbericht

Test: Sonys federleichtes "Anti-Netbook" Vaio P

Die Redaktion hat das stylische Mini-Notebook mit UMTS von Sony schon vor dem Verkaufsstart in die Finger bekommen. Warum das Vaio P kein Netbook sein möchte, verrät der Test.

Die Redaktion hat das stylische Mini-Notebook mit UMTS von Sony schon vor dem Verkaufsstart in die Finger bekommen. Warum das Vaio P kein Netbook sein möchte, verrät der Test.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com
Aufgrund des Mini-Formats möchte man das kürzlich auf der CES enthüllte Vaio P von Sony zunächst als Netbook bezeichnen. Das widerstrebt dem japanischen Hersteller allerdings so sehr, dass sich im offiziellen Weblog gleich ein eigener Eintrag mit diesem Thema befasst. Warum das neue Mini-Notebook partout kein Netbook, sondern lieber ein Ultramobile PC sein möchte und ob dies auch stimmt, zeigt die Redaktion von onlinekosten.de in einem Praxistest.

Inhalt:

1. Äußerlichkeiten
2. Leistung und Instant Modus
3. Tastatur, UMTS und GPS
3. Akkulaufzeit und Fazit

Stylischer Taschencomputer

Vorweg gesagt: Bei dem Testmuster handelt es sich um ein Vorseriengerät, im Handel wird das Vaio P (oder etwas kryptischer: VGN-P11Z) erst im Februar sein. Optisch kann es jedenfalls überzeugen. Sony hat wieder deutlich seine hübsche Handschrift hinterlassen, so dass sich das Design mit den Worten "stylisch", "modern" und "hochwertig" beschreiben lässt. Außen gibt es einen funkelnden Lacküberzug in grün, rot, schwarz oder weiß, die Innenausstattung ist silberfarben.

Kleiner und leichter als andere Minis

Mit den Maßen von 24,5x12x1,98 Zentimetern ist der Rechner zwar ähnlich breit wie ein Netbook, aber insgesamt kürzer und flacher. Zwar müsste eine Hosentasche schon abnormal groß ausfallen, um das Gerät sicher zu transportieren, ein Fach im Parka oder eine Damenhandtasche reicht aber locker aus. Auf der Waage schlägt der Zeiger nur bis rund 640 Gramm aus und weist das Vaio P somit als leichtestes Mini-Notebook aus.

Ein weiterer Unterschied zur Konkurrenz zeigt sich direkt nach dem Einschalten. Sonys Version läuft mit Windows Vista, während die meisten anderen auf Windows XP setzen. Dies hat aber auch seine Gründe, schließlich ist die Hardware-Bestückung in dieser Größenklasse nicht gerade Highend. Daher hat der kleine Vista-Computer auch ein paar Performance-Wehwehchen und insbesondere bei mehreren parallelen Anwendungen zu kämpfen. Der Hardware-Bauplan umfasst einen Intel Atom Prozessor Z520 mit 1,33 Gigahertz (GHz), der dem Chipriesen zufolge nur eine TDP (Thermal Design Power) von 2,5 Watt verursacht. Verglichen mit dem stärkeren N270, der in den Konkurrenz-Minis werkelt, muss man Abstriche bei der Leistung hinnehmen: Der N270 mit 1,6 GHz im Acer Aspire One komprimierte 96 JPG-Fotos (235 Megabyte) mit dem Programm 7-Zip in einer Minute und zwei Sekunden. Der Z520 hielt sich rund 50 Prozent länger mit der Aufgabe auf. Ansonsten sind 60 Gigabyte (GB) Festplattenspeicher und zwei GB RAM eingebaut, auf den auch die Grafiklösung mit zugreift. Hier handelt es sich – passend zur CPU – um Intels GMA 500, der ebenfalls etwas schwächer ist als die übliche Netbook-Kost.

Zugriff ohne System-Boot

Beim Booten vergehen etwa eine Minute und 45 Sekunden bis der Desktop ansprechbar ist. Wer es eilig hat, kann über die XrossMediaBar (XMB), die schon von der Playstation und der PSP bekannt ist, auch ohne System-Boot Videos und Musikdateien abspielen. Dieser Instant Mode steht innerhalb von rund 20 Sekunden bereit und ermöglicht auch das Surfen im Internet, Chatten per Instant Messenger sowie VoIP über Skype.

Technische Daten

Das acht Zoll kleine, glänzende Display mit 1.600x768 Bildpunkten wird von LEDs beleuchtet und integriert an der Seite eine VGA-Webcam. Aufgrund der ungewöhnlich hohen Auflösung werden die einzelnen Symbole und auch Texte natürlich sehr klein dargestellt. Falls die Augen dies auf die Dauer nicht bewältigen wollen, hat Sony eine Lupenfunktion auf die Fn-Tasten gelegt. Zum Lesen von längeren Texten ist die Vergrößerung anzuraten.

Eine Sondertaste unten rechts kann außerdem zwei Anwendungen nebeneinander anzeigen. Die Farbwiedergabe des Bildschirms ist kräftig, die horizontalen Blickwinkel sind aber etwas klein. Beim Abspielen von Videos traten im Test kleinere Grafikfehler auf, was aber auch am Vorseriengerät liegen kann. Für Clips in High Definition ist die Hardware jedenfalls nicht stark genug. Für die Soundausgabe empfiehlt sich ein Kopfhörer: Die Lautsprecher klingen erwartungsgemäß schwach.

Was Sonys Neuling ansonsten noch von anderen Minis unterscheidet, ist die Steuerung. Ein Touchpad ist aus Platzgründen nicht vorhanden, stattdessen aber ein klickbarer Trackpoint, der ansonsten eher bei Business-Notebooks zu finden ist. Anfangs schlittert der Nutzer noch etwas unbeholfen mit dem Cursor über den Bildschirm, nach etwas Übung klappt dies aber sehr gut. Das Tastenfeld fällt trotz der knappen Maße großzügig aus. Ein Tippgefühl wie bei einem herkömmlichen Notebook will aber nicht so recht aufkommen, die rechte Shift-Taste ist beispielsweise zu klein.

UMTS und GPS

Der Winzling spendiert ein integriertes UMTS-Modul mit HSDPA-Unterstützung, um unterwegs auf das Internet zuzugreifen. Im Testgerät war bereits eine SIM-Karte eingesteckt, der Verbindungsaufbau ging schnell und problemlos vonstatten. Weitere Möglichkeiten zum Verbindungsaufbau liefern LAN und WLAN 802.11 a/b/g/n. Das GPS-Modul ist für Sony ebenfalls ein Grund, warum das kleine Vaio kein Netbook sein soll. Eine Navigationssoftware ist zwar nicht dabei, über eine Applikation im Browser lässt sich aber der aktuelle Standort ermitteln. Auf dem Testgerät war hierzu das Tool PlaceEngine vorinstalliert, das leider nur Orte in Japan anzeigte.

Überschaubare Schnittstellen

Zur Datenübertragung von Mobiltelefonen und anderen Geräten steht außerdem Bluetooth bereit. Ansonsten darf der Besitzer keine üppige Auswahl an Schnittstellen erwarten. Lediglich ein SDKarten-Schacht, ein Slot für Memory Stick PRO Duo und PRO-HG Duo, ein USB-Port links, ein zweiter auf der rechten Seite und ein Kopfhöreranschluss hat Sony eingelassen. LAN und D-Sub für einen externen Monitor gibt es über einen mitgelieferten Adapter.

Was besser ausfallen könnte, ist die Akkulaufzeit – schließlich soll ein ein solches Gerät vor allem eins sein: mobil. Im klassischen Test mit Battery Eater, was etwa der kürzesten Laufzeit unter Vollast entspricht, wurden rund zwei Stunden und 50 Minuten ermittelt. Die längstmögliche Laufzeit im Lesetest lag bei circa 4,5 Stunden. Das Display war jeweils die ganze Zeit über ein-, WLAN aber abgeschaltet. Insgesamt läuft der Kleine flüsterleise, wird aber nach einziger Zeit warm.

Fazit: CPU als Flaschenhals

Das Vaio P hebt sich optisch und auch mit den inneren Werten von anderen Mini-Notebooks ab. Anstatt das fünfzigste Netbook mit ähnlichen Merkmalen zu entwickeln, haben die Japaner ein eigenständiges Produkt hervorgebracht. Dieses Konzept könnte auch aufgehen, wenn die CPU nicht so schwach wäre. So will der hakelige Betrieb partout nicht zum schnittigen Äußeren passen. Wer sich für das Vaio P entscheidet, muss mit 999 Euro außerdem deutlich mehr ausgeben als für ein durchschnittliches Netbook. Im Gegenzug erhält der Käufer aber auch Features, die er woanders nicht bekommt. Ob sich der Kauf lohnt, hängt ganz vom Einsatzzweck ab.

Name: Vaio P / VGN-P11Z/G (Vorseriengerät)
Hersteller: Sony
Internet: www.sony.de
Preis: UVP 999 Euro
Technische Daten
Prozessor: Intel Atom Z520 mit 1,33 GHz
Grafikkarte: Intel GMA 500
Bildschirm: 8 Zoll UWXGA (1.600x768 Pixel)
Batterie: Lithium-Ion-Akku: Laufzeit: 172 Minuten unter Vollast / 272 Minuten maximal (WLAN aus)
Speicher: 1x2 GB DDR2
Festplatte: 60 GB
Laufwerk: keins
Soundkarte: Realtek High Definition Audio
Kommunikation: LAN, WLAN (802.11a/b/g/n), HSPA/UMTS-Modul, Bluetooth
Betriebssystem: Windows Vista Home Premium
Abmessungen: BxHxT in cm: 24,5 x 1,98 x 12,0
638 Gramm
Anschlüsse: 2x USB, SD-Kartenleser, Slot für Memory Stick PRO-HG Duo und PRO Duo, D-Sub, Kopfhörer
Benchmarks: Bitte beachten: Vorseriengerät!
Vista Leistungsindex: CPU: 2,7 / RAM: 4,1 / 2D: 5,9 / 3D: 2,9 / HDD: 4,1
3DMark03: 416
PCMark05: 939
Garantie: zwei Jahre
Pro & Contra
sehr leicht und handlich
schönes Design
besonders leiser Betrieb
UMTS-Modul
GPS und Webcam
Instant-Modus
Akkulaufzeit könnte besser sein
Performance
hoher Preis
Bewertung:
Geschwindigkeit (25%): befriedigend
Ausstattung (25%): gut
Ergonomie (20%): befriedigend
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Verarbeitung (10%): gut
Gesamt: befriedigend (2,65)
Preis-Leistung: befriedigend

(Saskia Brintrup)

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