Testbericht

Test: Sipgate, Telefonieren kostenlos (Update)

Telefonieren so lange man will - ohne einen Cent dafür zu bezahlen? Für die Benutzer einer Breitband-Verbindung bietet Sipgate.de eine Alternative zu einem Festnetzanschluss bei der Telekom an. Sipgate macht das kostenlose Telefonieren zwischen Kunden zur Realität. Wir haben das Ganze näher betrachtet.

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Kostenlose Gespräche

Die Anmeldung ist denkbar einfach. Auf der Internetseite www.sipgate.de wird man durch den Anmeldebutten direkt zur Registrierung weitergeleitet.

Hier angekommen, muss man sich für ein Land als Standort entscheiden. Das allerdings hat keinen Einfluss auf die später zugewiesene Nummer.

Anschließend gelangt man zur Auswahl der Telefonnummer. Hier kann man sich eine der angegebenen Nummern aussuchen, eine Wunschrufnummer gibt es leider nicht. Diese Nummern sind zur Zeit noch auf die Städte Düsseldorf, Essen, Hamburg, Nürnberg und Reading (Großbritanien) festgelegt.

Nach der Eingabe der persönlichen Daten ist die Anmeldung bereits abgeschlossen. Allerdings ist zu erwähnen, dass Sipgate nur die Telefonanlage bereit stellt, die Wahl des Netzbetreibers aber frei bleibt. Die von Sipgate angebotene Leistung besteht aus der Weiterleitung eines Telefongespräches von einem gemieteten Teilnehmer-Netz-Anschluss über das Internet an den Kunden.

Nachdem man sich erfolgreich angemeldet hat, kann man sich auf den Weg in den virtuellen Shop machen. Hier kann sich der Kunde nun das von Sipgate angebotene Telefon zum Preis von 99 Euro zuzüglich 6 Euro Versand bestellen, was in der Regel binnen 3 bis 5 Tagen per UPS zugestellt wird.

Falls man schon über ein Gerät, das den gängigen SIP-Standart und das Protokoll STUN unterstützt, verfügt, ist der Kauf des Grandstream BT-100 nicht nötig. Leider kann Sipgate die Kompatibilität anderer Geräte nicht garantieren, so dass auf das im Shop angebotene Gerät zurückgegriffen werden sollte. Softwareseitig bietet X-Ten mit X-Lite eine Software an, die kompatibel ist und deren Einstellungen sogar auf der sipgate-Seite erläutert werden.

Die Hardware

Das Internet-Telefon BT-101 ist nur in der Farbe schwarz erhältlich und wird mit einem 220V Netzteil und einem CAT-5 Netzwerkkabel geliefert.

Die Features dieses Gerätes können sich eben so sehen lassen wie das Angebot selbst. Dank Vorkonfiguration und Plug&Play ist das Telefon schnell einsatzbereit, so dass man es nach einfacher Installation direkt verwenden kann. Hierzu aber später mehr. Weiterhin ist das Internet-Telefon BT-100 mit dem SIP-Standart, einer Adresszuweisung über DHCP, einer Rufnummernanzeige, Wahlwiederholung, Stummschaltung und einer Freisprecheinrichtung ausgestattet.

Neben diesem Telefon gibt es auch die Möglichkeit, zu einem Preis von ebenfalls 99 Euro einen DECT-Adapter zu bestellen. Mit diesem kann man jedes gängige DECT-Telefon an das Sipgate-Netz anschließen und den Komfort des schnurlosen Telefonierens nutzen.

Aufbauen und Anschließen

Sobald man das Gerät in Händen hält, kann es auch schon losgehen. Ein SIP-Telefon kann neben einer aktiven Breitband-Verbindung wie DSL oder einer Standleitung an die Internetverbindung angeschlossen werden.

User, die bisher nur einen Rechner an ihre Internetverbindung angeschlossen haben und daher auf die Anschaffung eines Routers verzichtet haben, kommen um diesen nun nicht mehr herum. Allerdings ist ein Router bereits ab 40 Euro im Fachhandel zu bekommen, die Anschaffungskosten sind also durchaus akzeptabel.

Das Sipgate-Telefon Grandstream BT-100 benötigt einen 10-MBit-Ethernet-Anschluss. Problematisch dabei sind also Router oder Switches, die nur Geräte mit 100 Mbit/s zulassen, ein Dual-Speed-Gerät ist Pflicht. Nach dem Auspacken kommt das mitgelieferte Netzwerkkabel in einen freien Steckplatz am Router und die andere Seite ins Telefon. Nun muss das Gerät noch mit Strom versorgt werden und das Telefonieren kann seinen Lauf nehmen.

Support?

Auf der Internetseite des Anbieters gibt es eine Vielzahl von Einstellungs- und Informations-Möglichkeiten. Nachdem man sich mit seinem Benutzernamen und Passwort angemeldet hat, kann man Informationen zu verpassten und getätigten Anrufen oder auch zu seinem Kontostand abfragen.

Weiterhin ist es möglich, sich in diesem System ein eigenes Telefonbuch anzulegen oder auch Verbindungskosten für Telefonate in die ganze Welt abzurufen. Unter dem Menüpunkt Hilfe-Center sind alle wichtigen Fragen, Installationshinweise und auch eine Kontaktadresse für den Support aufgeführt.

Das erste Telefonat

Nachdem das Gerät angeschlossen ist, können nun die ersten Gespräche geführt werden. Innerhalb des Sipgate-Netzes und zu kostenlosen 0800-Nummer fallen keine Gebühren an.

Für Gespräche ins deutsche Festnetz werden Gesprächskosten von 1,79 Cent pro Minute und für Gespräche auf ein Handy 22,90 Cent pro Minute berechnet. Aus diesem Grund muss das Sipgate-Konto per Überweisung oder mit der Kreditkarte aufgeladen werden. In den nächsten zwei Wochen wird das Aufladen des Kontos noch um die Möglichkeit des Lastschriftverfahrens erweitert.

Ausbau des Netzes

Sipgate ist deutschlandweit verfügbar, bisher aber nur mit den Ortsvorwahlen von Düsseldorfer, Hamburg, Nürnberg und Essen. Die Zahl der Standorte allerdings soll stetig wachsen.

Laut Sipgate soll das Netz noch weiter ausgebaut werden. Das Ziel ist es, möglichst bald in allen deutschen Großstätten einen Sipgate-Anschluss mit der Ortsvorwahl der jeweiligen Stadt bekommen zu können.

Preis contra Qualität

Das Sipgate-Konzept ist hervorragend. Kostenlose Telefonate unter den einzelnen Teilnehmern und nur 1,79 Cent die Minute bundesweit überzeugen beinahe jeden. Dennoch eignet sich der Dienst nicht für alle.

Zum einen muss man die Anschaffungskosten beziehungsweise die Grundgebühr für die Breitbandverbindung mit berechnen und zum anderen ist die Sprachqualität nicht wirklich überzeugend. Die Gespräche intern unter Sipgate-Usern klingen wie Telefonate auf ein Handy der älteren Generation. Gespräche ins deutsche Festnetz sind qualitativ durchschnittlich, jedoch nur so lange die Internetverbindung nicht ausgelastet ist.

Test haben gezeigt, dass schlechte Qualität und zeitlich versetzt ankommende Signale zumeist an einer Auslastung der Internetverbindung liegen.

Fazit

Als Fazit lässt sich sagen, dass derjenige User, der eine DSL-Verbindung besitzt und auf beste Sprachqualität verzichten kann, um Sipgate nicht herum kommt. Vor allem wer viele Bekannte im Netz hat und mit diesen kostenlos telefonieren möchte, ist mit dem Sipgate-Ansatz gut bedient.

Alle anderen sollten sich vor der Anmeldung und der Anschaffung der Hardware genau überlegen, ob sich der Schritt wirklich lohnt oder gegebenenfalls auf den weiteren Ausbau des Netzes warten. Update: Notrufe unmöglich?

Nach der Veröffentlichung des Artikels kamen mehrere Fragen bezüglich der Erreichbarkeit von Sonderrufnummern und der Sprachqualität auf. Die Frage nach Notrufen oder 0190er Nummern lässt sich aber einfach klären.

Generell können bei dem Prinzip von Voice-over-IP keine Notrufe abgesetzt werden, da die Zuordnung zu der Dienststelle mit der geringsten Entfernung nicht gegeben ist.

Aus Abrechnungsgründen ist es laut Sipgate nicht möglich, Sonderrufnummern mit einer Vorwahl wie 0190 oder 0180 zu erreichen. Scheinbar ist es nicht möglich diese Kosten kontrollieren und abrechnen zu können, deshalb sind diese Nummern gesperrt.

Bezüglich der Sprachqualität muss man sagen, dass diese je nach freier Bandbreite schwankt. Laut Sipgate, benötigt dieser Standard 80kbit/sec in Upstream-Richtung. Falls diese nicht zur Verfügung stehen, kann es zu Verzögerungen und Echos kommen, welche die Sprachqualität einschränken.

(Patrick Neubert)

Weiterführende Infos zum Thema:

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