Testbericht

Test: Nokia 770 – Surfing Pinguin für die Tasche

Wer online lebt, bekommt mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten geboten, seiner Internet-Sucht zu frönen. Das Nokia 770 bietet einfachen mobilen Zugang im Kleinformat.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com
Wer online lebt, bekommt mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten geboten, seiner Internet-Sucht zu frönen. Zu Hause steht der Desktop-Rechner, ebenso wie auf der Arbeit. Unterwegs bieten sich Handys oder Notebooks an. Immer die Notebook-Tasche über der Schulter ist auf die Dauer jedoch unbequem und den kleinen Mobilfunkern fehlt es oft noch an Möglichkeiten, oder schlichtweg an Display-Platz, um Websites und Mail-Clients wie gewohnt darstellen zu können. In diese Lücke stößt das Nokia 770 und bietet sich als Alternative für den kleinen Internet-Hunger zwischendurch an.

Elegantes silber-schwarz

Elegant sieht es aus, mit seinem schwarzen Gehäuse und dem matt-silbernen Schutzüberzieher aus Metall. Mit einem Gewicht von 185 Gramm ohne und 230 Gramm mit Schutzhülle gehört das Nokia 770 nicht unbedingt zu den Federgewichten. Das ist der Preis für den hochauflösenden Touchscreen mit 800 mal 480 Pixeln und 65.536 Farben. Das Display ist angenehm hell und erzeugt ein scharfes Bild – beste Voraussetzungen fürs Online-Lesen.

Insgesamt misst das Gerät 141 mal 79 mal 19 Millimeter mit beziehungsweise 135 mal 78 mal 14 Millimeter ohne Schutzhülle. Wem der Taschensurfer zu schwer in der Hand liegt, der freut sich über die mitgelieferten kleinen "Terminal-Halter", die zusammengesteckt das Nokia in einer lesefreundlichen Position halten.

Auswahl der Datenautobahn

Das Internet Tablet im Taschenformat funkt im WLAN, kann aber auch per Bluetooth die Datenleitung eines Handys nutzen. Ist Bluetooth am Handy aktiviert, findet das Nokia 770 das Gerät automatisch und fragt anschließend den Netzbetreiber ab. Die Einstellungen werden unter "Verbindungen" gespeichert. Damit aber noch nicht genug: um die Internet-Anbindung übers Handy zu realisieren, müssen noch die Verbindungseinstellungen des Nokia konfiguriert werden, wobei der Name des Zugangspunkts, Einwahlnummer, Benutzername und Kennwort abgefragt werden. Sollten die voreingestellten Angaben nicht ausreichen, finden sich diese Daten auf den Websites des verwendeten Netzbetreibers. Ist dann alles eingestellt, ist der Weg ins Netz übers Handy frei. Darüber hinaus kann auch das Nokia 770, wieder über Bluetooth, als Modem fürs Handy dienen. Günstiger geht es allerdings per WLAN. Das Nokia 770 sucht automatisch alle verfügbaren WLAN-Netze und zeigt direkt die jeweilige Signalstärke und den Sicherheitsstatus an. Die gewünschte Verbindung wird ausgewählt, konfiguriert und kann anschließend abgespeichert werden. Praktisch: Das Gerät ist so voreingestellt, dass fortan mit dem gespeicherten WLAN-Netz – soweit verfügbar – automatisch verbunden wird, sobald eine Website aufgerufen wird. Bei der Mobilfunk-Verbindung fragt das Gerät hingegen erstmal nach, ob dieser Weg gewählt werden soll. Diese Vorgaben können aber auf Wunsch geändert werden. Ebenso ist voreingestellt, dass die Onlineverbindung automatisch getrennt wird, sobald das Gerät in die Schutzhülle geschoben wird.

Websites wie gewohnt

Ist man erstmal online, kann der Surfspaß losgehen. Herzstück des Nokia 770 ist das Linux-basierte Betriebssystem. Anwendungen wie der Internet-Browser Opera 8 mit Flash-Player, E-Mail Client, Internetradio oder Newsreader sind bereits vorinstalliert. Der genutzte Browser ermöglicht dabei eine normale Darstellung der Websites, ohne dass spezielle Versionen benötigt werden, wie es beispielsweise bei WAP der Fall wäre. Auch die Einrichtung des E-Mail Kontos funktioniert wie üblich. Instant Messaging und VoIP-Telefonie sind seit der neuesten Version OS-Edition 2006 möglich. So können Kommunikations-Konten von Jabber oder Google Talk eingerichtet werden. Um aber chatten oder telefonieren zu können, braucht es Einträge im Adressbuch, die aus Online-Adressbüchern, den Chat-Diensten oder auch dem Handy übernommen werden können.

Linux ist Trumpf

Dank der integrierten Linux- und Open Source-Techniken und der Nokia-eigenen Plattform "maemo" erhalten Entwickler zudem die Tools und Möglichkeiten, weitere Anwendungen für das Nokia 770 zu konzipieren. So finden sich über das so genannte Tableteer weitere interessante Optionen, die sich schnell herunterladen und installieren lassen. Neben dem umfangreichen Katalog von maemo wäre da beispielsweise das Gizmo Project, dass nicht nur Telefonate innerhalb des Internets, sondern auch ins Fest- oder Mobilfunknetz ermöglicht.

Auch Flickr.com ist dort für die Suche nach Bildern vertreten sowie der e-book reader FBreader. Mit MP3tunes steht zudem ein Audioplayer zur Verfügung. Auch Videos können mit dem kleinen Taschensurfer angesehen werden. Wer sich allerdings direkt zu YouTube.com aufmacht, wird enttäuscht sein. Es fehlt die aktuellste Flash Player Version. Die Bedienung ist einfach und intuitiv. Ein übersichtlicher Aufbau sorgt dafür, dass auch alte Windows-Hasen keine Schwierigkeiten mit der Oberfläche haben. Der Browser öffnet auf Anforderung mehrere Fenster, zwischen denen gewechselt werden kann. Die Ansicht kann wahlweise auch auf Vollbild gesetzt werden oder man nutzt die altbekannten Lupensymbole, um ein- oder auszuzoomen. Alternativ lassen sich die Inhalte des Nokia 770 auch über die Tasten seitlich und oberhalb des Displays steuern. Statt Maus gibt es hier den Touchscreen, um Links anzuklicken.

Auch offline hat das Nokia 770 einiges zu bieten. Es können Notizen und Skizzen angelegt werden, Standards wie Taschenrechner und PDF-Reader sind ebenfalls mit dabei. Als kleiner Zeitvertreib bietet das Internet Tablet drei Spiele. Unter anderem ist das beliebte Mahjong dabei und Schach. Für Klang sorgt ein kleiner integrierter Lautsprecher, der allerdings ein bisschen Ähnlichkeiten zu einem Radiowecker aufweist. Soll der Sound angemessen sein, können Kopfhörer über eine 3,5-mm-Stereo-Klinkenbuchse angeschlossen werden.

Installation ein Kinderspiel

Der Installationsassistent hilft beim Einrichten neuer Anwendungen. Lediglich für ein Versions-Update des Betriebssystems muss das Internet Tablet per USB 2.0 an einen Computer angeschlossen werden. Das Gerät ist dabei nicht in Betrieb, ein Installation Wizzard auf dem Rechner organisiert stattdessen das Aufspielen der neuen Software. Hierbei empfiehlt sich vorab eine Sicherung vorhandener Daten, da das Nokia 770 durch die Installation auf die Standard-Einstellungen zurückgesetzt wird. Die Funktion findet sich im Menü des Geräts und legt eine Sicherungskopie auf der Speicherkarte ab.

Die zusätzliche Speicherkarte ist beim Nokia 770 geradezu Pflicht. Das Gerät unterstützt bis zu einem Gigabyte große RS-MMC-Speicherkarten. Um die eigene Musik, Bilder oder Videos auf dem Internet Tablet genießen zu können, wird sie dringend benötigt, denn von Hause aus werden nur minimalistische 64 Megabyte geboten. Der geringe Speicher wirkt sich teilweise auch auf die Geschwindigkeit aus, mit der Programme gestartet werden. Je mehr auf dem Display los ist, desto langsamer reagiert das Nokia. Ebenso knapp bemessen ist die die Akkulaufzeit: Die Betriebszeit bei aktivem Internet-Zugriff wird auf drei Stunden, die Standby-Zeit auf sieben Tage beziffert. In unserem Test musste der Akku nach intensiver Nutzung auch schon nach zwei Tagen an die Steckdose.

Mit Sauklauen-Erkennung

Die Texteingabe ist für Touchscreen-Frischlinge gewöhnungsbedürftig. Einerseits kann durch Tippen auf einer eingeblendeten virtuellen Tastatur geschrieben werden. Dabei kommt es ab und an zu kleinen Fehlern, wenn beispielsweise die Taste nicht richtig erwischt wurde oder zu schnell getippt wurde. Als Alternative kann auch auf dem Bildschirm geschrieben werden. Die Zeichenerkennung ist standardmäßig schon so eingestellt, dass für jeden Buchstaben verschiedene Schreibvarianten angelegt sind. Zusätzlich kann die Handschrift auch trainiert werden, um das Internet Tablet an die eigene Sauklaue zu gewöhnen. In unserem Test funktionierte die Eingabe über Tastatur jedoch besser und schneller. Die Handschrift-Erkennung funktioniert nur mit Druckbuchstaben und hatte manches Mal Schwierigkeiten, das Gekritzel in den richtigen Maschinentext umzusetzen. Weder mit der einen noch der anderen Methode wird es also ein Leichtes sein, eine lange E-Mail zu verfassen. Dafür lohnt sich eher der Anschluss einer externen Tastatur.

Fazit: der Surfing Pinguin von Nokia macht wirklich Spaß und bietet viele Möglichkeiten, über schnödes Websites aufrufen und Mails lesen hinaus. Dank der regen Entwicklergemeinde gibt es immer wieder neue Anwendungen zu entdecken. Lediglich der interne Speicher und die Akkulaufzeit wären noch ausbaufähig. Entsprechende Erweiterungen werden aber auch geboten – entweder mit der Speicherkarte oder einem leistungsfähigeren Akku. Der Preis von 349 Euro entspricht zwar nicht den Kosten für ein Spielzeug. Im Vergleich zu PDAs und Organizern ist er aber angemessen.

(Aleksandra Leon)

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