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Test: Nokia 5228 - Finnisches Discount-Smartphone

Auf der Suche nach einem preiswerten Smartphone? Nokia hat zu diesem Zweck unter anderem das Modell 5228 im Angebot - für 115 Euro. Wir haben untersucht, was das Telefon kann und was ihm alles fehlt.

Nokia 5228

Neue Smartphones braucht das Land. Immer mehr Menschen wollen mit ihrem Handy nicht nur telefonieren oder SMS schreiben, sondern auch das mobile Internet erkunden. Dafür ist es notwendig, dass das Telefon auf die Nutzung des mobilen Internet optimiert wird. Problem: viele Smartphones sind für die breite Masse zu teuer. Deswegen versuchen es immer mehr Handy-Hersteller mit günstigen Einsteiger-Modellen. Auch Nokia ist im Einsteiger-Segment unterwegs. Eines der neuesten Smartphone-Schnäppchen aus Finnland: das Modell 5228, eine Alternative zum bereits länger erhältlichen 5800. Wir haben untersucht, was das 5228 kann und auf was Nutzer des Geräts verzichten müssen.

Kontakte auf SIM-Karte? Achtung, bitte!

Der Start in die Mobilfunk-Welt fällt mit dem 5228 erfreulich leicht. Während auf der Rückseite der Akku hinter einer Plastik-Abdeckung eingelegt wird, finden sich an der linken Seite zwei separate Slots, in die SIM-Karte und microSD-Karte (nicht im Lieferumfang enthalten / maximal 16 Gigabyte) geschoben werden können. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ein SIM-Karten-Tausch möglich ist, ohne den Akku aus dem Handy zu nehmen. Schade. Erfreulich ist hingegen die schnelle Bootzeit. Gerade einmal 17 Sekunden vergehen, bis der Nutzer nach dem Einschalten die PIN-Nummer eintippen kann. Ein Nachteil ist wiederum, dass das Telefon standardmäßig so ausgeliefert wird, dass der Telefonspeicher aktiv ist. Wer auf seiner SIM-Karte möglicherweise noch Kontakte gespeichert hat, muss in den Einstellungen zunächst Änderungen vornehmen, damit diese Kontakte im Adressbuch auch angezeigt werden.

Was direkt ins Auge fällt, sind die recht klobigen Abmessungen. Wer gerne ein Handy besitzen möchte, das mit 114 Gramm inklusive eingelegtem Akku recht viel wiegt und mit Abmessungen von 111x52x15 Millimetern auch nicht gerade ein modernes, flaches Design liefert, wird am Nokia 5228 sicher Gefallen finden. Alle anderen werden sich ein paar Jahre in der Zeit zurückversetzt fühlen. Ecken, Kanten, abstehende Tasten - das ist in der heutigen Zeit, in denen vielerorts sehr viel Wert auf ein schnörkelloses Design geachtet wird, zumindest gewöhnungsbedürftig. Hinzu kommt, dass Display und Rahmen nicht ineinander übergehen. Das liefert Staub und Schmutz reichlich Platz, um sich an den Bildschirm-Kanten einzunisten.

Dass Nokia es auch anders kann, wurde schon im Jahr 2007 mit dem 6300 (Test) bewiesen. Warum dieser Rückschritt? Nicht nachvollziehbar. Insgesamt wirkt das Nokia 5228 lieblos verarbeitet. Für ein Telefon, das mit einem modernen Touchscreen auf den Markt kommt, sicher nicht die besten Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Erfreulich ist, dass Nokia dem Telefon einen 3,2 Zoll großen Bildschirm spendiert hat. Es misst in der Diagonalen Abmessung 8,1 Zentimeter, was für Wenig- und Gelegenheitsnutzer absolut ausreichend ist. Beim Surfen im mobilen Internet ist es zwar auch bei diesem Handy notwendig, viel hin und her zu scrollen, das 16:9-Format mit einer Auflösung von 640x360 Pixeln und die Darstellung von 16,7 Millionen Farben machen aber sehr viel Spaß. Auch aufgrund der zügigen Reaktionszeit des Bildschirms.

Vollständige QWERTZ-Tastatur im Querformat

Richtig ordentlich präsentiert sich auch die Touch-Funktion des Bildschirms, der sowohl per Finger, als auch mit einem Stift bedient werden kann. Der ist in Form eines kleinen Plastik-Plektron im Lieferumfang enthalten. Trotzdem: die Navigation durch das Menü geht leicht von der Hand, das Eintippen von SMS-Nachrichten funktioniert weitestgehend problemlos. Positiv ist anzumerken, dass im Querformat eine vollständige, virtuelle QWERTZ-Tastatur zum Vorschein kommt, die sogar mit separaten Umlaut-Tasten ausgestattet ist. Das wiederum hat aber auch den Nachteil, dass die einzelnen Buchstaben-Tasten vergleichsweise klein ausfallen und der ein oder andere Vertipper dann doch immer mal wieder in Kauf genommen werden muss. Alternativ ist es auch möglich, auf eine klassische T9-Tastatur im Hochformat zu setzen. Angenehm ist obendrein, dass das Telefon bei jedem Display-Tipper ein sensorisches Feedback gibt.

Wie bei fast jedem aktuellen Smartphone ist auch beim Nokia 5228 regelmäßiges Putzen des Bildschirms angesagt. Dadurch, dass die Bedienung zu großen Teilen über das Display erfolgt, werden Fingerabdrücke sehr schnell sichtbar. Eine spezielle Beschichtung, die das Sichtbarwerden der Fingerabdrücke verhindert, gibt es nicht. Auch ein Microfaser-Putztuch ist im Lieferumfang nicht enthalten.

Zusätzliche Sensor-Taste integriert

Dafür hat sich Nokia in Sachen Bedienung einige Kniffe einfallen lassen, die die Bedienung zwar nicht immer zwingend intuitiver machen, nach einer gewissen Eingewöhnungsphase aber doch dafür sorgen, dass eine zügige Navigation möglich ist. So stehen unterhalb des Displays nicht nur drei physische Tasten zum Annehmen und Beenden von Gesprächen bzw. zum Aufrufen des Hauptmenüs zur Verfügung, sondern in der rechten oberen Ecke auch eine zusätzliche Sensortaste. Wird sie angetippt, wird an der rechten bzw. oberen Bildschirmseite eine Schnellstartleiste sichtbar, die es beispielsweise erlaubt, die Musikbibliothek, die Bilder- und Video-Galerie oder die Bookmarks des integrierten Browsers aufzurufen.

Weitere Tasten an der Seite erlauben die Regulierung der Lautstärke, das Starten der integrierten Digitalkamera sowie über eine Schiebetaste das (de)aktivieren der Tastatursperre. Auf der Startseite des Telefons ist es möglich, bis zu vier Schnellzugriffe zu hinterlegen. Das kann beispielsweise ein Link auf den Nokia Ovi Store sein, der es gestattet, Apps auf das Handy zu laden. Auch ein Direktzugriff auf die SMS-Funktion ist möglich. Wer mag, kann auf dem Startscreen zudem eine Leiste einblenden, in der bis zu 20 Kontakte (müssen im Telefonspeicher abgespeichert sein) hinterlegt werden können. Jedem dieser Kontakte kann nicht nur ein Foto zugeordnet werden, sondern es ist auch möglich, den Kommunikationsverlauf per SMS, E-Mail oder Instant Messenger auf einen Blick zu sehen.

Achtung: App-Nutzung geht ins Geld

Apropos Ovi-Store: zwar erlaubt das Handy den Zugriff auf einen umfangreichen App-Store, Nutzer sollten aber ihre Kosten im Auge behalten. Wer nämlich eine SIM-Karte ohne aufgebuchte Daten-Flat nutzt, wird schnell feststellen, dass der Ovi Store bei ausgiebiger Nutzung sehr ins Geld gehen kann. Da das Telefon ohne WLAN-Schnittstelle ausgeliefert wird, ist es auch nicht möglich, einen App-Download nicht über eine Mobilfunk-Verbindung durchzuführen. Im Vergleich zu diversen Android-Handys ist es aber ein großer Vorteil, dass das Nokia 5228 stets vor einer Datenverbindung noch einmal um eine Bestätigung bittet. Außerdem wird im Browser-Fenster stets angezeigt, wie viele Kilobyte der Aufruf der aktuellen Internetseite beansprucht hat. Das hilft zumindest, einen groben Überblick zu behalten.

Enttäuschend ist aber nicht nur die fehlende WLAN-Schnittstelle, sondern auch die Nicht-Unterstützung von UMTS oder HSDPA. Wer das mobile Internet nutzen will, kann das maximal mit EDGE-Geschwindigkeit (aktuell maximal 300 Kilobit pro Sekunde) tun. Für das spontane Abrufen eines Bundesliga-Ergebnisses oder das Absetzen eines Status-Updates bei Twitter und / oder Facebook mag das ausreichen, die regelmäßige Internetnutzung macht dadurch aber wenig Spaß. In GSM-Netzen funkt das Nokia 5228 dank der integrierten Quadband-Antenne in praktisch allen bevölkerten Regionen rund um den Erdball.

Herzstück des Telefons ist das Betriebssystem Symbian. Zum Einsatz kommt die S60-Plattform in Version 5.0, die auch Sprachbefehle unterstützt. Erstaunlich ist, dass Nokia darauf verzichtet hat, dem 5228 eine hochwertige(re) Kamera zu spendieren. Zum Einsatz kommt leider nur ein Modell mit einer maximalen Auflösung von zwei Megapixeln. Auf ein Kameralicht und Autofokus wurde komplett verzichtet, die Videofunktion gestattet Aufnahmen mit maximal 640x480 Pixeln (VGA-Qualität). Das alles hat natürlich Auswirkungen auf die Qualität. Videos (siehe unten) wirken nicht wirklich scharf und auch Fotos machen nur bei richtig guten Lichtverhältnissen einigermaßen Spaß. Der fehlende Autofokus wirkt sich sehr häufig negativ auf die Schärfe des Bildes aus.

Fazit: Nur für Wenignutzer zu empfehlen

Was bleibt? Das Nokia 5228 ist ein Smartphone für Einsteiger. Ein Telefon für Minimalisten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer schon immer in die Welt von Touchscreens hineinschnuppern wollte, hat bei Nokias Billig-Smartphone eine gute Gelegenheit. Denn es kostet nur rund 115 Euro (Stand: August 2010) und liefert zu diesem Preis ein absolut ordentliches Touchscreen-Erlebnis.



Wären da nicht die doch eher rustikale Verarbeitung ohne Liebe zum Detail und der mangelhafte Umfang an Extras (kein WLAN, kein UMTS, kein HSDPA, nur eine 2-Megapixel-Kamera), könnte das Telefon durchaus in einer höheren Liga mitspielen. So aber bleibt nicht viel mehr als Durchschnittsware, die schnell langweilig wird. Da hilft es auch wenig, dass Nokia es gestattet, die Akkuabdeckungen auf Wunsch gegen andere Farb-Varianten auszutauschen.

Positiv ist hervorzuheben, dass die Akku-Leistung stimmt. Die maximal mögliche Sprechzeit liegt nach Herstellerangaben bei sieben Stunden, die Bereitschaftszeit bei bis zu 18 Tagen. Bei regelmäßiger Nutzung ist aber eine Akku-Aufladung nach einer Woche realistisch. Nette Spielerei: eingehende SMS werden auf Wunsch über eine pulsierende Homescreen-Taste signalisiert.

Name: 5228
Hersteller: Nokia
Internet: http://www.nokia.de
Preis: ca. 115 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Symbian S60 Version 5.0
Antenne: GSM Quadband, EDGE
Abmessungen: 111x52x15 Millimeter
Gewicht: 114 Gramm
Display: 3,2 Zoll, 640x360 Pixel, 16,7 Millionen Farben
Speicher: 70 MB intern
über microSD auf 16 GB erweiterbar
Schnittstellen: USB, Bluetooth 2.0
Digitalkamera: 2 Megapixel, 3x Digitalzoom 
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset
SAR-Wert: 1,10 W/kg (hoch)
Extras: MP3-Player, Bluetooth, RDS-Radio
Akkulaufzeit im Test: ca. 5 Stunden Sprechzeit
ca. 8 Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
reaktionsschneller Touchscreen
günstig in der Anschaffung
RDS-Radio
übersichtliches Menü
billige Verarbeitung
schwache Kamera ohne Fotolicht
Display anfällig für Fingerabdrücke
kein UMTS / HSDA / WLAN
kein Datenkabel im Lieferumfang inklusive
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): ausreichend
Verarbeitung (20%): ausreichend
Akkulaufzeit (20%): gut
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote befriedigend (2,8)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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