Testbericht

Test: Nintendos "Wii"-Konsole macht Spaß

Endlich ist es soweit: In Europa hat der Verkaufsstart der "Wii" begonnen. Wir haben die neue Konsole getestet.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com
Erwartungsgemäß war in Europa der Ansturm auf Nintendos neue Spielkonsole "Wii" groß. In Frankreich waren in der Nacht von Donnerstag auf Freitag die Filialen von Fnac und Virgin Megastore auf der Champs-Élysées extra für das Spektakel geöffnet. Auch hierzulande waren die ersten Geräte binnen weniger Stunden vergriffen.

Maximal 100 pro Filiale

Über die genauen Verkaufszahlen in Europa gibt es derzeit noch keine offiziellen Angaben. Viele Elektrofachmärkte verfügten aber über nicht mehr als 100 Exemplare. Eine Angestellte des Krefelder Media Marktes sagte, dass bereits gegen sechs Uhr morgens die ersten Kaufinteressenten vor der Filiale warteten.

Beim Einlass kam es zwar zu einem kleineren Gerangel, Zustände wie beim Verkaufsstart der Playstation 3 in USA herrschten aber nicht. Auch in den Einkaufshäusern Karstadt und Kaufhof waren die Geräte nach wenigen Stunden ausverkauft. Aber keine Sorge – am 15. Dezember erwarten die Händler eine neue Lieferung mit deutlich mehr Geräten. Trotzdem sollten Kaufinteressenten ein Gerät vorbestellen, um ganz sicher zu gehen.



Neues Konzept bei der Steuerung

Im Gegensatz zur Xbox 360 und der Playstation 3, setzt Nintendo mit der "Wii" nicht auf Leistung und eine atemberaubende Grafik, sondern in erster Linie auf ein völlig neues Steuerungskonzept. Während die Konkurrenz-Modelle ausschließlich mit einem Gamepad bedient werden, können "Wii"-Spieler die Konsole mit dem "Wiimote" steuern. Es handelt sich dabei um eine Fernbedienung, die über Beschleunigungs- und Bewegungssensoren verfügt. Dadurch können beim Tennis- oder beim Golf-Spielen die Stärke des Schlages registriert und im Spiel umgesetzt werden. Über den so genannten "Sensor Bar", der wahlweise unter oder über dem Fernseher aufgestellt wird, kann die relative Position der Fernbedienung zum Wiedergabe-Gerät registriert werden. Dadurch ist es möglich, Objekte auf dem Fernseher direkt anzuvisieren – Anwender können direkt auf Symbole beziehungsweise Objekte zeigen. Erschütterungen werden in Form von Vibrationen wiedergeben, was auch bei einigen anderen Konsolen der Fall ist.

Im ersten Test konnten wir uns von der neuen Steuerung überzeugen. Zwar dauerte die Eingewöhnung ein paar Minuten, danach ist die Bedienung aber kinderleicht. Einfach mit der "Wiimote" auf das Objekt zeigen und mit "A"-Taste bestätigen. Viel Spaß machen die mitgelieferten Sportspiele. Beim Tennis-Spielen kann etwa die Fernbedienung wie bei einem richtigen Tennisschläger gehalten werden. Hebt man den Arm und schlägt von oben nach unten, dann wird das im Spiel als Überkopfschlag registriert. Holt man dagegen von hinten nach vorne aus, dann folgt ein Vorhandschlag. Wechselt man mit der Hand zur anderen Seite und holt rückwärts aus, dann wir daraus ein Rückhandschlag. Je schneller dabei geschlagen wird, desto stärker wird auch der Schlag im Spiel. Die Bedienung war teilweise so realistisch, dass die Spieler im Raum hin und her gelaufen sind. Das ist aber nicht notwendig, da die Spielfiguren beim Tennis automatisch in die Richtung des Balles laufen und der Spieler sich nur auf das Schlagen konzentrieren muss. Für Jump & Run-Spiele benötigt das "Wiimote" eine Erweiterung. Damit die Figuren laufen, springen und rennen können, wird der "Nunchuck-Stick" benötigt. Dieser wird einfach an die "Wiimote" angeschlossen und in der anderen Hand gehalten.

Steuerung wie Maus und Tastatur

Die Fernbedienung ist bestens für Sportspiele geeignet, doch wie sieht es bei Ego-Shooter aus? Wie einfach und unkompliziert lässt sich zum Beispiel Call of Duty 3 steuern? Wir haben die Probe gemacht und den Ego-Shooter ausprobiert. Am Anfang ist die Steuerung etwas gewöhnungsbedürftig, da mit der Fernbedienung nur die Blickrichtung sowie das Anvisieren und das Abfeuern der Waffen gesteuert werden.

Mit dem "Nunchuck-Stick" werden dagegen sämtliche Bewegungen durchgeführt. Soll die Spielfigur nun vorwärts laufen, muss der Stick nach vorne gedrückt werden. Gleiches gilt für rückwärtige und seitliche Bewegungen. Das Springen oder das Knien wird ebenfalls mit dem „Nunchuck-Stick“ kontrolliert. Hört sich jetzt etwas kompliziert an, aber nach diesem Prinzip werden diese Spiele auch auf dem PC gesteuert. Die Maus gibt bei Ego-Shootern immer die Lauf- oder Blickrichtung an und mit der Tastatur werden die vor- und rückwärtigen sowie seitlichen Bewegungen durchgeführt. Nintendo hat die PC-Steuerung auf die "Wii" portiert. Einziger Nachteil: Das freihändige Bedienen führt bei längerem Spielen zu Ermüdungen der Hand – bleibt nur trainieren übrig. Bei einigen Spielen können Anwender aber auch auf das klassische Gamepad zurückgreifen, das als Zubehör angeboten wird.



Technische Daten

Von Anfang an war klar, dass die neue "Wii"-Konsole technisch nicht ganz mit der Xbox 360 oder der Playstation 3 mithalten kann. Das Herzstück ist ein IBM-Prozessor mit dem Codenamen "Broadway", der auf der PowerPC-Architektur aufbaut und in der 90nm-Fertigungstechnik hergestellt wird. Die exakte Taktung ist zwar nicht bekannt, soll aber bei 729 Megahertz liegen. Der Grafikprozessor wurde hingegen von ATI entwickelt und soll mindestens 240 Megahertz schnell sein und den Codenamen "Hollywood" tragen. Mittlerweile gibt es Gerüchte, dass die "Wii" doch schneller sein soll als ursprünglich gedacht. Fakt ist aber, dass die neue Spielkonsole hinsichtlich der Grafik der Konkurrenz das Wasser nicht reichen kann. Die Bilder sind nicht so detailreich und perfekt wie bei der Xbox 360. Das war aber auch nie geplant, dann die Spielspaß durch die neue Steuerung stand im Vordergrund.

Darüber hinaus ist Nintendos neue Spielkonsole mit einem 512 Megabyte großen Flashspeicher ausgestattet und verfügt über zwei USB 2.0-Anschlüsse und ein WLAN-Modul nach 802.11b- und 802.11g-Standard. Das Besondere: Mit "WiiConnect24" werden Updates aus dem Internet übertragen, auch wenn die "Wii" gar nicht eingeschaltet ist. Verschiedene "Wiis" können über einen USB2.0-LAN-Adapter oder direkt über das WLAN miteinander verbunden werden. Die Kommunikation mit einem Nintendo DS ist ebenfalls drahtlos möglich. Sollte der interne Speicher einmal nicht ausreichen, dann können Anwender den Speicher mit einer SD-Karte erweitern. Die neue Spielkonsole wird standardmäßig mit ein- oder zweischichtigen optischen Medien gefüttert, kann aber auch mit den acht Zentimetern deutlich kleineren Speichermedien der GameCube schlucken.

Wii ist abwärtskompatibel

Öffnet der Nutzer eine Blende an der Seite der "Wii", dann kommen vier Anschlüsse für den Controller der GameCube sowie zwei Steckplätze für GameCube Memory Cards zum Vorschein. Wer bereits einen GameCube besitzt, kann also nicht nur die Spiele, sondern auch die Hardware weiter nutzen. Darüber hinaus ist die neue "Wii" aber auch zu den beliebtesten Nintendo-Titeln der letzten 20 Jahre kompatibel.

Über die "Virtuelle Konsole", eine Art Online-Shop können Anwendern Spiele für Nintendo 64, Super Nintendo Entertainment Systeme (SNES) oder Nintendo Entertainment Systeme (NES) herunterladen. Selbst Spiele für Segas Mega Drive und die TurboGrafx Konsole von NEC und Hudson können gespielt werden.

Einfach anschließen

Die Inbetriebnahme der neuen Spielkonsole ist denkbar einfach. Nachdem die kleine Konsole mit dem dazugehörigen Ständer einen Platz in der Nähe des Fernseher gefunden hat, wird das mitgelieferte AV-Kabel an den Multi-Output-Anschluss für Compontent, Composite und S-Video angeschlossen. Danach wird die Sensor-Leiste angeschlossen und wahlweise über oder unter dem Fernseher positioniert. Nachdem die Batterie in die Fernbedienung eingelegt ist und die "Wii" mit Strom versorgt wird, erfolgt die Erstinstallation, bei der hauptsächlich die Sprache für das Menü abgefragt wird. Im Anschluss daran ist die Spielkonsole einsatzbereit und bei Bedarf können bis zu vier Fernbedienungen angeschlossen werden. Somit können also bis zu vier Spieler gleichzeitig an einer "Wii"-Konsole spielen.

Fazit

Die neue Spielekonsole von Nintendo ist zwar nicht so leistungsfähig wie die Xbox360 oder die Playstation 3, durch ihr neues Spiel- und Steuerungskonzept hat sie das Potenzial, zu einem Kassenschlager zu werden. Der Redaktion hat es Spaß gemacht, mit der "Wii" zu spielen. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 249 Euro für die Konsole inklusive einer Wiimote samt Nunchuck-Stick und den Sportspielen. Ein zweiter Controller kostet rund 50 Euro extra.


Konsole: Wii
Hersteller: Nintendo
URL: www.nintendo.de
Preis: 249 Euro (UVP)
Garantie: 24 Monate
Technische Daten:
  • Prozessor: IBM "Broadway" mit 729 MHz (PowerPC-Architektur)
  • Grafiklösung: ATI "Hollywood" mit 243 MHz, 3 MB Texturspeicher
  • Speicher: 512MB Flash Speicher, erweiterbar über SD-Karte und USB 2.0
  • Laufwerk: Optisches Laufwerk mit Slot-In für 12cm Medien, kompatibel mit GameCube Medien
  • Controller: Drahtlos via Bluetooth mit Beschleunigungssensor und Rumble-Pack
  • Anschlüsse: 2 x USB2.0, 4 x für GameCube-Controller, 2 x Steckplätze für GameCube Speicherkarten, Steckplatz für SD-Karte, Anschluss für Sensor Bar, kombinierter Audio- und Videoausgang
  • Besonderheit: WLAN-Modul (802.11b/g), kompatibel zu älteren Nintendo-Spielen
Pro & Contra
sehr realistische Steuerung
kompakt und sehr leise
einfache Installation
abwärtskompatibel zu älteren Spielen
Anschluss von GameCube Hardware
kabellose Fernbedienung
WLAN-Modul
automatische Updates via Internet
Grafik nicht so detailreich
relativ schwacher Prozessor
Bewertung (Maximum: zehn Sterne) Gewichtung
Grafik: (5 / 10) 30%
Sound: (8 / 10) 20%
Steuerung: (9 / 10) 10%
Spielspaß: (9 / 10) 40%
Gesamt:
(7,6 / 10)

Preis-Leistungs:
(9/ 10)

(Nam Kha Pham)

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