Testbericht

Test: Mini-Player mit Festplatte - 1,5 GByte auf 6 cm

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Ein winziger Musikplayer mit Platz für 1000 MP3-Files, da kommt nur die neue Generation von MicroDrive-Geräten in Frage. Wir haben uns zwei beliebte Modelle von Thomson und Creative angeguckt und miteinander verglichen.

Mit der Größe fängt es an

Sowohl der MuVo² von Creative als auch der Lyra PDP2810 von Thomson setzen auf ein quadratisches Design, ähnlich einem MD-Player. Und auch die Maße sind ähnlich, denn beide Player nehmen sich bei der Länge nicht viel - der Lyra kommt auf etwa 6 Zentimeter, der MuVo² auf knapp 7 Zentimeter.

Ähnlich knapp geht es auch bei der Dicke zu - der Thomson bringt es auf 2,7 Zentimeter, der Creative auf 2,2 Zentimeter. Steckt man beide Geräte jedoch in die jeweils beiliegende Tasche, so sind sie fast auf einem Niveau, denn Creatives Tragebeutel klemmt den Player zwischen dicke Wände ein, während Thomsons Schutzhülle aus einem dünnen, elastischen Stoff besteht. Dank einer Dicke von etwa 3 Zentimetern beult die Hosentasche daher bei beiden Geräten etwas aus, jedoch sind die Geräte insgesamt gut tragbar und deutlich kleiner als ausgewachsene Festplatten-Modelle - sie liegen vielmehr im guten Flash-Mittelmaß.

Und das Gewicht ist wichtig

Natürlich spielt nicht nur die Größe eine tragende Rolle, gerade das Gewicht ist wichtig, wenn es darum geht, einen passenden Player für sportliche Aktivitäten zu finden. Und da nehmen sich beiden Kontrahenten nichts, denn bei unserer Messung brachten beide Player etwa 90 Gramm auf die Waage.

Insgesamt liegen beide Player daher auf einem guten Niveau. Sie können zwar nicht mit Stick-Playern mithalten, doch gehobene Geräte wie die Pontis-Baureihe oder die NEX-Player sind oftmals schwerer und größer als die beiden MicroDrive-Begleiter.

Thomson PDP2810 - viel in der Packung

Thomson hat bei dem Gerät darauf geachtet, dass man den Lyra auch beim Sport bestens nutzen kann. Dazu liegt ein Tragegurt zur Befestigung des Players am Oberarm bei. Ebenfalls enthalten sind eine elastische Tragetasche, ein Ladegerät für den USB-Anschluss, ein paar Clip-On-Kopfhörer, ein USB-Kabel, ein Starthandbuch sowie die CD samt Treibern und der Musicmatch Jukebox.

Beim Auspacken fällt der Thomson PDP2810 direkt durch sein großes Display auf, das fast die gesamte Vorderseite einnimmt. Die Bedienung erfolgt über vier Steuertasten unter dem Display, einem 3-Wege-Jogdial sowie einer Menütaste. Daneben sind zwei seperate Lautstärken-Tasten und eine Sondertaste zum Sperren und Entsperren des Geräts vorhanden.

Starte Thomson, starte!

Einmal angeschaltet braucht das Gerät einige Sekunden, um das Betriebssystem zu laden. Kein Wunder, denn es besteht aus zwei Elementen. Thomson setzt nicht auf einen Flash-Baustein für Updates, sondern nutzt lediglich ein kleines Boot-Up-Programm - die eigentlich Software liegt in einem versteckten Verzeichnis. Die Gefahr, das Gerät beim Flashen zu zerstören, entsteht daher nicht.

Nach dem Start befindet man sich zunächst im Top-Menü. Dieses erlaubt den Zugriff auf fast alle wichtigen Funktionen. So kann man Playlisten laden, sich die Favoriten angucken, sich alle Audiodateien anzeigen lassen, Stücke nach Titel, Album, Entstehungsjahr, Genre und Künstler anzeigen lassen, die Optionen aufrufen und den Profiler starten, der neu aufgespielte Musikstücke in die Datenbank einträgt.

Die Navigation gestaltet sich relativ einfach, mit dem seitlich gelegenen Jog-Dial geht man jeweils auf den Menüeintrag - drückt man den Multifunktionsknopf hinein, so betritt man das entsprechende Menü. Und auch eine zweite Menüebene ist vorhanden, die man erreicht, wenn man den Knopf länger gedrückt hält - über diesen Weg kann man beispielsweise eine Favoriten-Liste erstellen.

Ebenfalls verfügbar sind Menüoptionen, um eine ganze Gruppe zu markieren oder die zuvor markieren Stücke abzuspielen. Leider fehlt jedoch eine Funktion, um während der Wiedergabe das Stück, das gerade läuft, der Favoriten-Liste hinzuzufügen. Dafür glänzt das Gerät mit einer SmartEQ-Funktion, die das passende Equalizer-Profil automatisch lädt - abhängig von dem in den ID3-Tags angegebenen Genre. Hierzu stehen insgesamt 20 Presets zur Verfügung, zudem existiert eine Flat-Einstellung und ein manueller Equalizer. Allerdings ist unverständlich, warum man den Equalizer derart gut versteckt ist (Top-Menü -> Settings -> Equalizer -> Profilauswahl).

Updates müssen her

Leider leidet der PDP2810 unter dem "Thomson-Phänomen" - der Hersteller liefert unfertige Produkte aus. Erst in den letzten Updates kamen grundsetzliche Features wie die Unterstützung von Playlisten hinzu, dagegen fehlt beispielsweise weiterhin die Funktion, eigene Playlists direkt erstellen zu können - diese müssen derzeit am PC erzeugt werden.

Ebenfalls sehr nervig ist die fehlende Ordnerunterstützung. Geht man im Menü auf Audio Files, so bekommt man alle Files untereinander gelistet - die im Handbuch beschriebene Ordnernavigation ist ebenfalls nicht vorhanden. Es ist daher fast schon zwingend notwendig, sich voher am PC Playlisten für jeden Ordner zu erstellen.

Creative MuVo² - wo ist die Sportausstattung

Im Vergleich zum Thomson hat Creative bei der Verpackungsausstattung leider etwas gespart. Die beiliegende Tasche wirkt deutlich zu dick, zumal die starren Wände einem Probleme beim Herausnehmen des Players bereiten. Der für Sportler sehr gute Armgurt ist ebenfalls nicht vorhanden - unverständlich, warum dieser nur beim Flash-Player MuVo NX vorhanden ist. Dafür verfügt die Tasche auf der Rückseite über einen Plastik-Clip, der jedoch als Befestigung für bewegungsintensive Sportarten keinesfalls ausreichend ist.

Immerhin liefert Creative einen kleinen USB-Adapter mit, um auch unterwegs den Player an einen Standard-USB-Port anschließen zu können, denn der Mini-USB-Stecker, den beide Geräte nutzen, ist nicht überall vorhanden. Ansonsten finden sich im Karton zwei Ohrstecker, der Akku, ein Netzteil, ein Starthandbuch sowie die Treiber-CD samt der Creative-Software MediaSource.

Viel Technik an Bord

Leider hat Creative auf ein großes Display verzichtet, daher muss man mit einem kleinen Display klarkommen. Immerhin ist dieses recht hoch auflösend und setzt auf Symbole samt Texterklärung, bei Thomson kommt dagegen nur Text zum Einsatz, obwohl gerade das deutlich größere Display für eine Symboloberfläche ideal wäre.

Die aufgeräumte Menüoberfläche erlaubt den Zugriff auf die erweiterten Funktionen des Creative-Players. Dazu gehört ein Radio, ein Mikrofon-Modus und eine sehr gute Ordnerwahl. Dafür ist die Hintergrundbeleuchtung etwas schwachbrüstig, ab und an muss man schon genau hinschauen, möchte man die relativ kleine Schrift lesen.

Allerdings ist die Navigation insgesamt etwas einseitig ausgefallen. Es gibt lediglich eine Titelsuche sowie die Auflistung von Ordnern und Playlisten, eine direkte Anzeige, was die Playlisten oder Ordner beinhalten, wie es bei Thomson möglich ist, gibt es bei Creative nicht. Jedoch wäre eine derartige Anzeige ohnehin relativ ineffizient - das Display könnte maximal zwei Titel gleichzeitig anzeigen.

Doch nicht nur das Display ist leider nicht optimal, auch die Knopfanordnung könnte besser sein. Es sind keine getrennten Lautstärkeknöpfe vorhanden, man muss die Multifunktionswippe nutzen. Diese ist in der Tasche jedoch nicht erreichbar, ebenso wie man zum überspringen eines Titels das Gerät ebenfalls aus der Tasche nehmen muss. Dazu kommt noch, dass die Wippe einen qualitativ schlechten Eindruck hinterlässt - sie spricht viel zu schnell an ist gerade beim Sport nur schwierig bedienbar, da man sie sehr feinfühlig bedienen muss.

Keine Favoriten, keine eigenen Playlisten

Nicht nur der Thomson ist nicht in der Lage, eigene Playlisten zu erstellen, auch das Creative-Gerät kann nur auf vorgefertigte Listen zugreifen. Anders als Thomsons PDP2810 ist jedoch der Creative MuVo² nicht in der Lage, zumindest eine Favoriten-Liste anzulegen.

Und auch die Equalizer-Funktion enttäuscht, lediglich vier Presets und eine manuelle Steuerung sind vorhanden. Dabei wundert man sich, warum man die 5-Wege-Wippe nach links und rechts bewegen muss, während auf dem Display ein Balken zu sehen ist, der von oben nach unten geht - drückt man die Wippe jedoch nach oben, so verändert man lediglich die Lautstärke des Geräts.

Der Thomson Lyra in der Praxis

Wir haben beide Geräte mehrere Stunden getestet, sowohl beim Sport als auch als abendlicher Begleiter. Dabei zeigte der Thomson, dass der Thomson auch im Alltag gut zu bedienen ist. Durch die vier großen Knöpfe, die durch die Tasche leicht erfühlbar sind, kann man auch ohne Fernbedienung oder Sichtkontakt mit dem Player schnell von Titel zu Titel springen. Und die Lautstärkeregler am Rand sind leicht zu erreichen.

Dank der flexiblen Tasche kann man das Display schnell freilegen, ohne dass man den Player komplett seiner Schutzverkleidung berauben muss. Trotz der dünnen Tasche wird die Hold-Funktion dabei kaum benötigt, denn die Tasten gehen selbst in einer engen Hosen nicht unfreiwillig los - am Armgurt ist die Gefahr, eine Taste unfreiwillig zu drücken, ohnehin minimal.

Auch die Anbindung an Windows ist dank USB 2.0 kein Problem. Dabei ist man nicht auf eine bestimmte Software angewiesen, der Player kann selbst neu übertragene Stücke einsortieren und profilieren. Allerdings empfiehlt Thomson, dies von Windows machen zu lassen, eine entsprechende Software, die über ein Tasksymbol erreichbar ist, wird mitgeliefert.

Gestört hat allerdings die niedrige Maximallautstärke, denn Thomson setzt das EU-Gesetz zur Lautstärkenminimierung sehr massiv um. Daher sind viele der Equalizer-Presets praktisch unbrauchbar, da die Maximallautstärke in vielen Fällen lächerlich niedrig ist. Der baugleiche Player PDP2760 der Thomson-Tocher RCA, der in den USA vertrieben wird, bringt es dagegen auf etwa die doppelte Laustärke - dies würde man sich vom Thomson-Gerät ebenfalls wünschen.

Creative Praxistest

Der MuVo² von Creative ist eine Klasse lauter - selbst für Bahnfahrten reicht die Laustärke vollkommen aus. Zwar muss man den Player ebenfalls relativ weit aufdrehen, die Power des RCA-Geräts hat auch er nicht, doch reicht sie für jede gängige Lebenslage aus.

Den perfekten Klang besitzt das Creative-Gerät trotzdem nicht, denn den Equalizer kann man nicht als Krone der digitalen Schöpfung bezeichnen, zu verzerrend ist er. Gleichzeitig fehlt es dem Gerät an einer sauberen Trennung beider Kanäle. Musikstücke, die darauf setzen, die beiden Stereokanäle voll auszunutzen, kommen beim MuVo² zu kurz.

Im Vergleich zum Thomson klingen Musikstücke auf dem Creative-Player deutlich lustloser, undynamischer. Zudem ist das Soundfeld relativ stark nach vorn ausgerichtet - der Thomson-Player vermittelt ein deutlich besseres Raumgefühl, man hat den Eindruck, dass die Klänge aus allen Richtungen kommen.

Das alles stört natürlich nur dann, wenn man auch entsprechend hochwertige Ohrhörer oder einen guten Kopfhörer nutzt - und genau darauf setzen die meisten mobilen Musikliebhaber nicht. Daher ist die etwas schlechtere Klangqualität zu verzeihen, denn die höhere Ausgangslautstärke macht sich im Alltag mit typischen 20 Euro-Kopfhörern deutlich positiver bemerkbar als die etwas bessere Soundqualität des Thomson Lyra.

Fazit - es gibt keinen perfekten Player

Beide Player bieten eine gute Grundausstattung, wobei der Creative die Vorteile des eingebauten Radios und eines wechselbaren Akkus besitzt, während der Thomson durch das größere Display und die bessere Tastenanordnung glänzt. Und auch das Gewicht und die Maße beider Player weisen nicht eindeutig auf einen Sieger hin.

Der Thomson überzeugt durch sein Display, das während der Wiedergabe viele Informationen zur Verfügung stellt. Auch die Navigation im Menü und die Anordnung der Tasten ist etwas besser geglückt, ebenso wie die beiliegende Tragetasche und der Armgurt positiv zu werten sind - dafür mangelt es an der notwendigen Lautstärke.

Der Creative punktet durch sein Radio, die bessere Ordnerwahl und durch die höhere Lautstärke. Dafür fehlen ihm ein großes Display, eine wirklich gute Bedienbarkeit (bedingt durch die Einengung auf ein kleines Display), eine Favoriten-Funktion und eine gute Tastenanordnung, die es erlaubt, den Player zu bedienen, wenn er in der viel zu dicken Tasche steckt.

Unterm Strich sprechen daher viele Gründe für den Thomson-Player, der dennoch nicht siegreich vom Platz geht. Was nützt einem ein Player, der zwar leichter, intuitiver zu bedienen ist und eine bessere Klangqualität besitzt, wenn am Ende die Musik zu leise ertönt. Sehr schade, denn der baugleiche RCA-Player, der lediglich eine andere Software nutzt, zeigt, wie es gehen kann - er ist beiden Playern vorzuziehen, jedoch in Deutschland nicht erhältlich. Und so können wir nur den Creative-Player empfehlen, der auch bereit ist, laut zu werden.

Der Creative-Player ist derzeit für etwa 220 Euro zu haben, eine 4 GByte-Version ist ebenfalls bereits verfügbar. Thomsons Musikbegleiter ist dagegen etwas teurer ausgefallen, immerhin 270 Euro verlangen viele Onlineshops für das Gerät. Mit Preisnachlässen ist ab April zu rechnen - dann kommt Apples iPod Mini, der jedoch erst zeigen muss, dass sich 3 Zentimeter mehr (und nach dem Kauf von Tragetasche und Armgut viele Euros mehr) auch lohnen.

(Alexander Moritz)

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