Testbericht

Test: Devolo dLAN - Netzwerk und DSL über die Steckdose

Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Internet und Netzwerk aus der Steckdose, mit dem dLAN-Set von Devolo wird dieser Traum Realität. Allerdings versteckt sich dahinter kein neuer Strom-Internetprovider, sondern ein neues Netzwerksystem.

Netzwerk aus der Steckdose

Das Prinzip ist seit längerer Zeit bekannt und bereits bei ADSL und dem digitalen Rundfunk DAB im Einsatz. Man versteckt in einem bestehenden Kabelsystem eine weitere Welle, nutzt also einen bislang nicht benutzen Bereich aus, um einen zusätzlichen Dienst über das gleiche Kabel anzubieten.

Hierzu werden 84 Subkanäle genutzt, die das Spektrum unterteilen. Dies in Kombination mit der Fähigkeit, parallel auf verschiedenen Trägern zu senden, sorgt dafür, dass selbst bei dem Wegfall einzelner Spektren die Datenübertragung auf einem recht hohen Niveau bleibt.

Zwar sind damit keine extrem hohen Übertragungsraten möglich, doch für theoretische 14 MBit pro Sekunde reicht die Technik aus. Daher liegt das Homeplug-Prinzip theoretisch auf dem Niveau von günstigen Wireless LAN-Sets, dem dLAN-Hauptkonkurrenten.

Wireless LAN gegen dLAN

Wo aber liegen die Vor- und Nachteile der einzelnen Techniken? Wireless LAN ist dank der völlig kabellosen Betriebsart sehr flexibel und dank der neuen Standards 802.11g und 802.11a sowie der Erweiterung des 802.11b-Standards relativ schnell - jedenfalls in einem begrenzten Radius.

Doch schon nach wenigen Metern stößt Wireless LAN an seine Grenzen. Zwar kann man in der freien Natur eine große Fläche mit nur einem Access Point abdecken, im Haus reicht es jedoch meist nur für 30 Meter rund um die Sendestation - danach ist das Signal für akzeptable Übertragungsraten zu schwach.

dLAN ist in diesem Bereich klar bevorteilt, denn es kommt mit 200 Kabelmetern problemlos klar, wodurch auch in größeren Häusern eine Versorgung mit dem Strom-Netzwerk gewährleistet ist. Dafür ist allerdings die Flexibilität geringer, man ist stets auf ein Kabel und eine Steckdose angewiesen.

Devolo-Set

Betrachten wir zunächst die technischen Daten des dLAN-Sets von Devolo. Zwei verschiedene Adapter existieren derzeit, ein Ethernet- und ein USB-Adapter. Allein der Ethernet-Adapter ist zum Anschluss eines DSL-Modems geeignet, die Besitzer eines USB-Modems gucken daher in die Röhre. Mit dem Standard-Adapter, dem Teledat 300 LAN, gibt es hingegen keine Probleme.

Das dLAN USB-Modul ist lediglich zur Anbindung an einen Computer gedacht, es kann ein USB-DSL-Modem nicht ansteuern. Dafür ist das Gerät relativ klein, sodass es portabel ist. Für den Betrieb mit einem Notebook ist es dennoch nur bedingt geeignet, denn im Praxisbetrieb leerte es die Batterien unseres HP-Notebooks extrem schnell. Das sonst über drei Stunden ohne Netzanschluss laufende Notebook gab bereits nach einer Stunde auf.

Konfigurations-Beispiele

Vor der Installation des Sets sollte man sich überlegen, wie man die Adapter anordnen möchte. Im umfangreichen und gut verständlichen Handbuch sind verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten erklärt. Beispielsweise kann man den dLAN Ethernet-Adapter mit einem Router (ob nun ISDN oder DSL) kombinieren und damit ein Netzwerk komplett an das Internet anbinden.

Die einfachste Lösung ist jedoch schlichtweg der Einsatz von zwei Adaptern, ein dLAN-Modul am PC und ein Stecker am DSL-Modem. Schon ist der PC mit dem Internet verbunden. Aber Achtung, das dLAN-Set ist kein Router, man kann also nicht gleichzeitig mit mehreren Rechnern ins Internet gehen, hierzu ist die oben beschriebene Router-Konfiguration erforderlich.

Das dLAN-Set ist grundsätzlich nur eine Stromüberbrückung des Netzwerks. Sowohl der USB- als auch der Ethernet-Adapter binden sich als normales Netzwerk-Gerät in Windows ein, Sonderfunktionen sind nicht vorhanden. Allerdings ist für den USB-Adapter ein Treiber notwendig, der Ethernet-Adapter läuft dagegen ohne Treibersoftware und ist damit beispielsweise auch als Brücke im Zusammenspiel mit einer Konsole einsetzbar.

Sicherheit ist das höchste Gut

Devolo setzt in erster Linie auf eine hohe Sicherheit, sodass keine Daten in falsche Hände geraten. Hierzu hat man sich gleich mehrere Schranken ausgedacht. Die natürliche Barriere bildet der Stromzähler, dieser eleminiert grundsätzlich das von den Devolo-Geräten erzeugte Signal, sodass das dLAN-Netz nur innerhalb eines Hauses genutzt werden kann. Übrigens ist es dabei egal, ob man mehrere Hauptleitungen im Haus nutzt, das Signal springt zwischen den Leitungen am Zähler hausintern über.

Daneben setzt Devolo gleich auf zwei Software-Barrieren. So sollte man nach der Installation der Geräte das mitgelieferte Konfigurationstool starten. Dieses erlaubt die Angabe der Seriennummer eines jedes Geräts, sodass nur dLAN-Adapter auf das Netz zugreifen können, deren Seriennummer vorher eingegeben wurden.

Zudem werden die Daten mit einem 56 Bit Verschlüsselungssystem sicher übertragen. Die Funktion kann innerhalb der Software aktiviert werden, ein Passwort als Schlüssel zum Netzwerk wird an jeden freigegebenen dLAN-Adapter automatisch übermittelt, sodass diese die Verschlüsselung verstehen.

Überwachung und Geschwindigkeit

Daneben findet sich auf der CD der Informer, ein Statusmonitor ähnlich dem bekannten LAN-Monitor. Er überprüft den Status aller dLAN-Geräte und zeigt die derzeitige Bandbreite an, sodass man die Performance einschätzen kann. Daneben informieren Status-LEDs über den Zustand des jeweiligen Adapters.

Und auch in der Praxis schlägt sich das Set relativ gut, nicht nur die Software macht einen runden Eindruck, die Installation der Geräte ist sehr leicht und dank des Handbuchs innerhalb weniger Minuten durchführbar. Danach steht direkt ein Netzwerk zur Verfügung, sodass man mit der Übertragung beginnen kann.

In der Praxis sind heutige High-Speed WLAN-Netzwerke dem dLAN-System allerdings überlegen. In allen drei Entfernungszonen zeigte das genutzte Wireless LAN-Set eine deutlich höhere Übertragungsleistung. Allerdings kamen 9 Prozent der gesendeten Pakete bei einer Luftlinie von 15 Metern nicht korrekt an - was in der Praxis allerdings nicht stark ins Gewicht fällt. Anders das dLAN-Set, zwar konnte es in den ersten beiden Entfernungsbereichen problemlos eine Verbindung aufbauen, bei einer Differenz von zwei Etagen scheiterte es jedoch an einigen Steckdosen - dabei sind die Leitungen relativ neu und in einem guten Zustand. Offensichtlich gibt es dann und wann doch einige Steckdosen, deren Kabelführung für das dLAN-Set nicht geeignet ist.

Verbindungstest WLAN gegen dLAN (in MBit pro Sekunde)

dLAN - gleiche Etage (5m Kabel)
3,43
WLAN - gleiche Etage (5 Meter (5m Luftlinie)
12,39
dLAN - eine Etage Strecke (25m Kabel)
1,32
WLAN - eine Etage Strecke (10m Luftlinie)
8,27
dLAN - zwei Etagen Strecke (50m Kabel)
0,786
WLAN - zwei Etagen Strecke (15m Luftlinie)
7,60

Wünsche für die Zukunft

Für die Zukunft bleiben einige Wünsche offen. Bei vielen Nutzern dürften die Probleme nicht mit der Installation des dLAN-Sets, sondern mit dem nachfolgenden Einsatz beginnen. Zwar steht nach der Installation eine Verbindung zu den anderen Rechnern oder zum DSL-Modem, eine Internet-Verbindung ist trotzdem ohne weitere Schritte nicht möglich. Daher wäre ein Tool, das beispielsweise einen PPPoE-Client installiert oder Anweisungen für die IP-Vergabe und den Anschluss eines Routers gibt, sehr vorteilhaft.

Auch sollte Devolo über einen dLAN-Router nachdenken. Bislang ist das dLAN-Set nur eine Netzwerk-Brücke und damit auf Zusatzhardware angewiesen, sobald man mehrere PCs mit dem DSL-Netz verbinden möchte. Ein dLAN-Router würde dieses Problem umgehen. Dieser müsste nur neben dem DSL-Modem in die Steckdose gesteckt und mit dem Modem verbinden werden, schon hätte man ohne den Zukauf eines externen Geräts im gesamten Stromnetz des Hauses ein nutzbares Netzwerk mit gleichzeitiger Internetanbindung für mehrere PCs.

Fazit - gute Idee

Die Idee ist eine feine Sache und auch die Qualität des Produkts ist sehr gut, zumal Devolo 3 Jahre Garantie auf dLAN-Produkte gibt. Die Installation ist sehr einfach gestaltet, die vorhandene Software läuft problemlos und das Handbuch informiert den Käufer umfassend über die Einsatzmöglichkeiten.

Allerdings ist Wireless LAN ein harter Konkurrent für die Homeplug-Technik. In den meisten Fällen ist die Übertragungsrate auf einem deutlich höheren Niveau, Wireless LAN ist flexibler, bei Notebooks besser einsetzbar und Sets aus einem Router und einer PCMCIA-Karte sind bereits für 200 EUR erhältlich - zu diesem Preis bekommt man etwa zwei dLAN-Adapter.

Daher ist dLAN für die Vernetzung des Hauses ohne das Aufreißen der Wände, Schwankungen der Signalstärke und ohne die Nutzung der strahlenden WLAN-Technik eine feine Sache, wirklich kostengünstig und schnell ist die Geschichte jedoch nicht. Das Ziel, eine unkomplizierte Alternative zu WLAN zu schaffen, hat Devolo daher erreicht. Bleibt für Sie die Frage, welche Argumente für Sie wichtiger sind.

(Alexander Moritz)

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