Testbericht

Test: Der schnellste Mini-PC der Welt

Bislang galt: In einen kleinen Rechner passen keine High-End-Komponenten, weil die Hitzeentwicklung zu hoch ist. Shuttle hat es mit dem schnellsten Mini-PC doch geschafft.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com
Das Ende eines Mythos: Mit dem kleinen XPC P2 3700G will Shuttle beweisen, dass Leistung und kompakte Bauweise durchaus kombiniert werden können. Im gerade mal 22 x 21 x 32,5 Zentimeter kleinen XPC P2 3700G stecken ausschließlich Highend-Kompenten. onlinekosten.de hat das Kraftpaket genau unter die Lupe genommen.

Kaum Hitzeentwicklung

Bislang konnten leistungsstarke Systeme nicht in kleinen Gehäusen untergebracht werden, da der hohe Energieverbrauch und die dadurch resultierende Wärmeentwicklung nicht abgeführt werden konnte. Aufgrund des geringen Platzangebotes war es in der Regel nicht möglich, eine optimale Luftzirkulation realisieren zu können. Beim neuen XPC P2 3700G ist das aber nicht der Fall, denn das System bleibt auch nach längerem Gebrauch im akzeptablen Temperaturbereich.

Insgesamt sieben Lüfter sorgen für eine ausreichende Kühlung im Inneren, was eine hohe Geräuschentwicklung vermuten lässt. In der Praxis ist der XPC P2 3200G aber erstaunlicherweise sehr leise und kann problemlos im Wohnzimmer eingesetzt werden.


Wolf im Schafspelz

Optisch unterscheidet sich der XPC P2 3700G nicht von den anderen Systemen, die auf dem SD37P2-Barebone aufbauen. Öffnet man jedoch das schwarz lackierte Gehäuse, dann fällt als erstes die große Grafikkarte auf. Es handelt sich dabei um eine GeForce 7950 GX2, die mit zwei Grafikprozessoren und insgesamt einem Gigabyte Grafikkartenspeicher bestückt ist. Damit der Prozessor nicht zum limitierenden Faktor wird, hat Shuttle gleich den schnellsten Dualkern-Prozessor eingebaut.

Der Intel Core 2 Extrem X6800EE hat aber noch einen weiteren Vorteil: Im Vergleich zu den Konkurrenz-Modellen verbraucht er sehr wenig Strom und liegt nach Angaben von Intel bei nur 75 Watt. Im Vergleich dazu hat ein Pentium 955 Extreme Edition eine Wärmeverlustleistung von 130 Watt, was fast an der technischen Leistungsgrenze einer Luftkühlung liegt. Darüber hinaus wird die CPU beim XPC P2 3700G durch eine spezielle Heatpipe gekühlt. Komplettiert wird das Ganze noch durch vier jeweils ein Gigabyte große DDR-2 Speichermodule von takeMS und einer 400-Gigabyte-Festplatte aus der Samsung SpinPoint T133-Serie. Technisch steckt im XPC P2 3700G also ein Hochleistungsrechner.

Der neue XPC P2 3700G kann aber nicht nur viele Frames auf den Bildschirm zaubern, sondern auch Multimediainhalte darstellen – und das in HD- oder HDTV-Qualität. Die Veranlagung für die hochauflösende Wiedergabe hat Shuttle dem Mini-PC bereits mitgegeben.

Hochauflösend

Eine Blu-ray- oder eine HD-DVD einlegen und abspielen, funktioniert aber noch nicht. Dazu fehlt dem XPC P2 3700G das passende Laufwerk. Werksseitig wird das Gerät "nur" mit einem DVD-Brenner ausgeliefert, der dafür aber Dual-Layer-Rohlinge (DVD+R) unterstützt. Aufgrund des geringen Platzangebotes kann zwar kein zweites optisches Laufwerk mehr eingebaut werden, die acht externen USB 2.0-Schnittstellen und der externe SATA-Anschluss erlauben aber das problemlose Anschließen eines externen Blu-ray- oder HD-DVD-Laufwerks.

Die Wiedergabe von hochauflösendem Bildmaterial ist aber bereits möglich, da die Grafikkarte den Kopierschutz HDCP unterstützt und die HDTV-Ausgabe über die DVI-Schnittstelle ermöglicht. Der integrierte HDTV-Encoder erlaubt darüber hinaus die analoge Wiedergabe von hochauflösendem Bildmaterial. Dazu muss der Fernseher entweder mit einem speziellen Composite- oder einem S-Video-Kabel mit dem TV-Ausgang der Karte verbunden werden.

Vollendeter Soundgenuss

Die Mehrkanal-Soundausgabe gehört mittlerweile zum Standard. Der XPC P2 3700G verfügt dagegen über eine integrierte 7.1-Soundlösung von Realtek, die Lautsprechersysteme mit bis zu acht Boxen unterstützt. Für die digitale Wiedergabe der Audiodaten über eine HiFi-Anlage, verfügt der Mini-PC zusätzlich noch über einen optischen sowie einen koaxialen SPDIF-Ausgang. Für Musikfans gibt es noch die Möglichkeit einen DVD-Player über den optischen SPDIF-Eingang mit dem XPC P2 3700G zu verbinden. Die geringen Ausmaße des XPC P2 3700G gehen aber auf Kosten der System-Erweiterbarkeit. Das Gerät kann beispielsweise nicht mehr mit einem zweiten optischen Laufwerk ausgestattet werden. Auch der Arbeitsspeicher lässt sich nicht weiter Aufrüsten, da alle vier Speichersteckplätze belegt sind. Sollten die vier Gigabyte nicht mehr ausreichen, dann müssen die Bausteine gegen größere ausgetauscht werden.

Platz für Festplatten

Ganz so schlimm sieht es aber letzten Endes doch nicht aus. Durch ein geschicktes Arrangement der Komponenten, können immerhin zwei weitere 3,25-Laufwerke integriert werden. Der von außen zugängliche Einschub kann wahlweise sogar für ein Diskettenlaufwerk verwendet werden. In der Theorie wurde selbst an die Fans der ATI CrossFire-Technologie gedacht, denn das Mainboard verfügt über zwei PCI-Express-Steckplätze.

In der Praxis finden jedoch keine zwei Highend-Grafikkarten für den CrossFire-Betrieb im System Platz, da die Steckplätze zu eng beieinander liegen. Die GeForce 7950 GX2 ist also eine Art Notlösung, da hier so zusagen zwei Grafikprozessoren auf die Größe von einer Karte reduziert wurden. Das spart nicht nur Platz, sondern auch einen zweiten PCI-Express-Steckplatz für den SLI-Betrieb.


Option auf Festplattenverbund

Beim XPC P2 3700G müssen Anwender nicht einmal auf Datensicherheit verzichten. Die drei SATA-Anschlüsse haben nicht nur eine Datentransferrate von drei Gigabyte pro Sekunde, sie unterstützen auch RAID 0, 1, 5, 10 und VBOD mit nur zwei oder drei Festplatten. Wahlweise können die Festplatten also mit einander kombiniert werden: Bei Striping wird die Datentransferrate deutlich erhöht und bei der Spiegelung die Sicherheit der Daten. Wer also aus dem gut 3.500 Euro teuren System einen Server machen möchte, der hat zumindest die Möglichkeit dazu. Auch der Stromverbrauch hält sich erstaunlicherweise in Grenzen. Im Normalbetrieb verbraucht das System etwa 125 Watt und liegt damit im Mittelfeld. Unter Volllast kann der Verbrauch zeitweise über 230 Watt steigen, im Vergleich zu anderen Highend-Rechnern ist das aber noch verhältnismäßig wenig. Die Leistung eines Systems kann am einfachsten mit Hilfe von Benchmark-Programmen ermittelt werden. onlinekosten.de verwendet dazu sowohl synthetische als auch praxisnahe Testprogramme und -Verfahren.

3DMark und PCMark

Die Benchmark-Programme 3DMark05, 3DMark06 und PCMark05 liefern einen Punkte-Wert, der mit anderen Systemen vergleichbar ist. Für die Leistungsmessung werden in der Regel die Standardeinstellungen verwendet, um eine größtmögliche Vergleichbarkeit zu erreichen. Bei den beiden grafischen Benchmarks 3DMark05 und 3DMark06 erreicht der XPC P2 3700G 14.402 und 8.099 Punkte. Bei dem PCMark05 erreicht das System mit 7.105 Punkten einen ebenfalls sehr guten Wert.

Damit dürfte klar sein, dass der XPC P2 3700G zu den schnellsten Mini-PCs gehört. Er dürfte momentan sogar tatsächlich der schnellste sein, denn einen besseren Wert haben wir für ein so kleines System bislang noch nicht gemessen.


Spielebenchmark

Laut Shuttle soll der XPC P2 3700G auch für enthusiastische Gamer geeignet sein. Bereits die technischen Daten und die synthetischen Benchmarks bestätigen die Aussage. Wie gut das System für anspruchsvolle Spiele wirklich ist, zeigen die Spielebenchmarks. Ein Wort vorab: Kein Spiel hat den Mini-PC aus der Puste gebracht. Selbst bei Battlefield 2142 erreicht das System bei einer Auflösung von 1.600 x 1.200 Bildpunkten, 4fachem Antialiasing und 16facher anisotropen Filterung eine Framerate von mehr als 40 fps. Bei Far Cry wird bei den gleichen Einstellung sogar 95,8 Frames pro Sekunde erreicht. Wird HDR-Rendering eingeschaltet, dann fällt die Framerate zwar deutlich, bleibt aber immer noch über 60 fps. Derzeitig gibt es also kein Spiel, dass den XPC P2 3700G wirklich an die Leistungsgrenze treibt. Der Shuttle XPC P2 3700G kostet mehr als 3.500 Euro, bietet aber für das Geld viel Leistung. Das Erstaunliche: Alles passt in das kleine Gehäuse, ohne einen Hitzestau zu verursachen. Ein Grund dafür dürfte der stromsparende Core 2 Extrem X6800EE von Intel sein.

Unser Fazit:

Shuttle hat also nicht Unrecht mit der Aussage, dass sie den schnellsten Mini-PC besitzen. Der XPC P2 3700G kann sowohl als Gamer-PC als auch als Allround-PC im Wohnzimmer genutzt werden. Die Leistung reicht für die aktuellen und Spiele der kommenden Jahre mehr als aus. Auch die Geräuschentwicklung ist erstaunlich gering, was letzten Endes auf die verhältnismäßig geringe Wärmeentwicklung zurückzuführen ist.

Ein Preis von 3.500 ist aber nicht gerade gering und man sollte sich genau überlegen, ob die Rechenleistung überhaupt benötigt wird. Wer einen solch schnellen Rechner braucht und einen schicken Gamer-PC mit Multimedia-Tauglichkeit haben möchte, der ist mit diesem Shuttle-PC bestens beraten.

Wertung
geringe Ausmaße
für die Anzahl der Lüfter sehr leise
wenig Hitzeentwicklung

kein freier 5,25-Zoll-Laufwerksschacht
freier PCI-E-Steckplatz verdeckt
alle Speichersteckplätze belegt
Gesamturteil: "gut"
Preis/Leistung: "befriedigend"


Technische Daten Shuttle XPC P2 3700G
Prozessor: Inte Core 2 Extrem X6800EE
(2,93 GHz, 2 x 2.048 KB L2-Cache, 1.066 MHz FSB)
Grafikkarte: Nvidia GeForce 7950 GX2 (1.024 MB Grafikkartenspeicher)
Mainboard: Shuttle FD37 (Intel 975X "Glenwood"-Chipsatz)
Speicher: 4 x 1.024 MB DDR-2 667 MHz (takeMS)
Festplatte: Samsung HD401LJ SpinPoint T-133-Serie (400 GB, 7200 UPM)
Laufwerk: Shuttle CR40 DVD-Brenner (16fach-DVD-Brenner, DVD+R DL)
Netzteil: SilentX 400 Watt (2 x 3 Pin, 2 x 4 Pin)
Schnittstellen und Anschlüsse: 3 x SerialATA 3GB/s (1 x extern)
1 x IDE ATA 100, 1 x Diskette
Vorderseite: Mikrofon, Kopfhörer, 2 x USB 2.0, Firewire
Rückseite: 6 x USB 2.0, 1 x Gigabit-LAN, 8-CH-Audio Line-out, Line-in, SPDIF: optisch in/out, SPDIF: coaxial out Intern: 2 x USB 2,0 802.11g
Sound: 7.1-Kanal-HD-Audio mit Realtek ALC882 Chip
Zubehör: XPC Installationshandbuch, Treiber-CDROMS, diverse Kabel für Laufwerke
Benchmarks: 3DMark05: 14.402
3DMark06: 8.099
PCMark05: 7.105
F.E.A.R (4xAA, 16xAF, 1.024x768): 124 fps
F.E.A.R (4xAA, 16xAF, 1.280x1.1024): 92 fps
F.E.A.R (4xAA, 16xAF, 1.6000x1.200): 65 fps
FarCry (4xAA, 16xAF, HDR-R, 1.024x768): 119,05 fps
FarCry (4xAA, 16xAF, HDR-R, 1.280x1.1024): 87,49 fps
FarCry (4xAA, 16xAF, HDR-R, 1.6000x1.200): 61,56 fps
HalfLife2: Lost Cost (4xAA, 16xAF, HDR-R, 1.024x768): 161,42 fps
HalfLife2: Lost Cost (4xAA, 16xAF, HDR-R, 1.280x1.1024): 149,31 fps
HalfLife2: Lost Cost (4xAA, 16xAF, HDR-R, 1.6000x1.200): 118,37 fps
Doom 3 (4xAA, 16xAF, 1.024x768): 172,30 fps
Doom 3 (4xAA, 16xAF, 1.280x1.1024): 131,00 fps
Doom 3 (4xAA, 16xAF, 1.6000x1.200): 48,70 fps
Battlefield 2142 (4xAA, 16xAF, 1.024x768): 76,24 fps
Battlefield 2142 (4xAA, 16xAF, 1.280x1.1024): 57,40 fps
Battlefield 2142 (4xAA, 16xAF, 1.6000x1.200): 42,02 fps
Software: Windows XP
Gewicht: 6,3 Kilogramm, Maße: 32,5 x 22 x 21 Zentimeter
Preis/Garantie: UVP: 3.535 Euro, Zwei Jahre Garantie

(Nam Kha Pham)

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