Testbericht

Test: Das Multitalent AVM Fritz!Box Fon WLAN 7270

Er ist das neue Flaggschiff unter den AVM-Routern. Der Alleskönner bringt seinen Nutzer nicht nur ins Internet. Seine vielen Talente konnte der neue Fritz! in unserem Test unter Beweis stellen.

Er ist das neue Flaggschiff unter den AVM-Routern. Der Alleskönner bringt seinen Nutzer nicht nur ins Internet. Seine vielen Talente konnte der neue Fritz! in unserem Test unter Beweis stellen.

Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com
Eigentlich wurde das neue Flaggschiff der Router-Serie von AVM bereits auf der CeBIT 2007 vorgestellt. Aber erst seit dem vergangenen Dezember kann der neue Fritz! auch an der Ladenkasse abgeholt werden. Die neue AVM Fritz!Box Fon WLAN 7270 hat viele Talente: Der Router bringt seinen Nutzer nicht nur kabelgebunden oder per Funk ins Netz, er bietet auch direkt eine integrierte Telefonanlage und DECT-Basisstation für schnurlose Telefone. Die bereits von anderen AVM-Modellen bekannte USB-Schnittstelle, über die Drucker oder externe Festplatten ins Netzwerk eingebunden werden können, findet sich ebenfalls beim 7270 wieder. Dennoch kann der neue Fritz! nicht so viel, wie ursprünglich gedacht. Wir haben den Fast-Alleskönner einem ausführlichen Test unterzogen.

ADSL 2(+), aber kein VDSL

Rein äußerlich muss man die neue Fritz!Box schon neben eine ihrer Verwandten halten, um die Unterschiede zu erkennen. Von den auffälligen drei WLAN-Antennen abgesehen, unterscheidet sich das Modell kaum von seinen Vorfahren. In typischem Rot-Silber gehalten, ist der Router mit seinen 210x155x25 Millimetern etwas üppiger gebaut, als beispielsweise noch der Vorgänger Fritz!Box Fon WLAN 7170. Auf der Oberseite finden sich außerdem neuerdings zwei Tasten für WLAN und DECT. Darüber hinaus hat Fritz! seine Fähigkeiten seit der letzten Versionsnummer ordentlich weiterentwickelt. Das 7270-Modell bringt ein Modem für ADSL und ADSL 2(+) mit und ermöglicht so Internetanbindungen mit bis zu 16 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Außerdem beherrscht der USB-Port den schnelleren Standard USB 2.0, der nun Datenübertragungsraten von theoretisch 480 Mbit/s ermöglicht. Auch die integrierte DECT-Basisstation ist seit dem 7170-Modell neu hinzu gekommen.
Allerdings haben viele Anwender vergeblich auf eine VDSL-Unterstützung gewartet, die auf der CeBIT 2007 noch angekündigt wurde. AVM hat auf den neuen Standard vorerst verzichtet. Einem Mitarbeiter des Unternehmens zufolge ist derzeit nicht einmal klar, ob es überhaupt ein VDSL-Modell von AVM geben wird. Das hänge von der Marktentwicklung bei VDSL ab und davon, ob sich in Deutschland ein einheitlicher Standard durchsetzen werde, so die Auskunft. Einem Leserhinweis zufolge ist es sogar so, dass sich die neue Fritz!Box – im Gegensatz etwa zum älteren FRITZ!Fon 7150 – noch nicht einmal als Router hinter einem externen VDSL-Modem betreiben lässt. AVM versprach aber in dieser Hinsicht Abhilfe.

Bis zu 300 Mbit/s

Neu ist bei der Fritz!Box Fon WLAN 7270 vor allem die Unterstützung des schnellen WLAN-Standards 802.11n (Draft 2.0), der im heimischen Netzwerk Funkverbindungen mit bis zu 300 Mbit/s zulassen soll. Allerdings müssen dafür alle Komponenten den neuen Standard unterstützen. Der Rechner muss also im Zweifelsfall mit einem passenden USB-Stick aufgerüstet werden. Die Verschlüsselung der Daten erfolgt per WPA, WPA2 und 64-/128-Bit WEP. Alternativ stehen auch vier LAN-Anschlüsse an der Rückseite des Geräts bereit, um kabelgebunden mit maximal 100 Mbit/s ins Netzwerk zu kommen. Anders als beispielsweise Netgear oder Belkin, verzichtet AVM beim neuen Fritz! jedoch auf Gigabit-LAN, womit der Datendurchsatz noch zehn Mal höher wäre. Eine ganz große Stärke der Fritz!Box Fon WLAN 7270 ist die Telefonie: So stecken nicht nur eine DECT-Basisstation nach dem GAP-Standard und ein Anrufbeantworter unter der Haube, auch alle Funktionen einer TK-Anlage für VoIP und Festnetz beherrscht der Datenakrobat. Neben der Anmeldung von bis zu fünf Schnurlostelefonen über DECT, können auch schnurgebunden analoge Telefone, Faxe und Anrufbeantworter oder – über einen integrierten S0-Port – auch ISDN-Telefone und -Anlagen angeschlossen werden. Wer jedoch gern mehrere analoge Telefone einsetzen möchte, muss sich etwas einschränken: Während das Vorgängermodell 7170 noch über drei Anschlüsse hierfür verfügte, hat AVM der neuen 7270 nur zwei analoge Telefonports spendiert. Die unterstützten Komfortfunktionen, wie etwa Telefonbuch, Anruflisten, Rufnummernsperre oder Wahlregeln stehen beim Telefonieren sowohl per Festnetz als auch per VoIP zur Verfügung. Als praktische Zusatzfunktion kann der neue Fritz! auch über die Telefontastatur konfiguriert werden.

Aufgeräumter Einrichtungsassistent

Praktischer ist jedoch der Einrichtungsassistent, der auf CD mitgeliefert wird. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen, hat AVM die Benutzeroberfläche überarbeitet und aufgeräumt. Das Programm bietet Hilfestellung beim Anschließen und Einstellen der Geräte und gibt gleichzeitig Zugriff auf Komfortfunktionen und Anruflisten. Nach der Installation steht außerdem das Fritz!DSL Startcenter zur Verfügung, über das Statusanzeigen eingesehen, ein Diagnosetool aufgerufen, Updates gefahren oder Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden können.

Die Nutzerführung ist intuitiv und die Konfiguration wurde so weit vereinfacht, dass sich auch Unerfahrene ohne Schwierigkeiten zurechtfinden können. Schritt für Schritt, ähnlich wie bei der Installation eines Windows-Betriebssystems, führt die Software durch den Prozess. Zunächst muss die Fritz!Box mit Strom versorgt und an die DSL-Buchse oder ein -Modem angeschlossen werden. Anschließend nimmt der Computer über LAN oder WLAN den ersten Kontakt auf. Optional kann dann direkt noch ein Analog- ISDN- oder Schnurlos-Telefon angeschlossen werden.

Konfiguration unproblematisch

Die Konfiguration erfolgt erfreulich unproblematisch: Nachdem sich Rechner und Fritz! kennengelernt haben, können alle wichtigen Angaben am Computerbildschirm festgelegt werden. So stehen bereits 14 bekannte Internetprovider zur Auswahl, weitere können über "andere Anbieter" eingestellt werden. Sind die Zugangsdaten hinterlegt, geht's auch schon auf ins Netz. Auf Wunsch kann zudem ein VoIP-Anbieter angelegt werden. Hier stehen bereits 13 Namen in der Auswahlliste, exotischere Provider sind aber ebenfalls einstellbar.

Praktisch: Die Fritz!-Software testet automatisch sowohl bei den Internet- als auch den VoIP-Einstellungen, ob die Verbindung funktioniert und gibt erst nach erfolgreicher Prüfung grünes Licht. Zusätzlich bietet der Einrichtungsassistent die Möglichkeit, Komfortfunktionen fürs Telefon einzurichten, die Anrufliste einzusehen und den Anrufbeantworter zu konfigurieren. Letzterer kann für einzelne Rufnummern eingestellt werden, eingehende Nachrichten werden dem Nutzer auf Wunsch als WAV-Datei per E-Mail zugesandt. Interessant ist die DECT-Basisstation, die AVM im Gehäuse der neuen Fritz!Box verstaut hat. Sie bietet die Möglichkeit, bis zu fünf Schnurlostelefone an dem Gerät anzuschließen und ihnen so Zugang zu Festnetz- und Internet-Telefonie zu geben. So können maximal drei Schnurlostelefone parallel zum Telefonieren verwendet werden. An der Oberseite der Fritz!Box findet sich – neben dem WLAN-Aktivierungsknopf – auch eine DECT-Taste, um so genannte Paging-Rufe zum Auffinden verlegter Mobilteile zu starten oder neue DECT-Endgeräte anzumelden. Ein- und Ausschalten kann man den Funk fürs Telefon hier jedoch nicht, das geschieht automatisch, sobald ein DECT-Telefon an- oder abgemeldet wird.

DECT-Basis bedingt praktisch

Die DECT-Basisstation ist für das Fritz!Fon MT-C optimiert. Allerdings kann auch jedes andere Schnurlostelefon verwendet werden, das mit dem GAP (Generic Access Profile) Übertragungsprotokoll arbeitet. Der Standard ermöglicht das Zusammenspiel mehrerer Geräte verschiedener Hersteller. Allerdings müssen Nutzer dann auf einen Großteil ihres gewohnten Komforts verzichten, denn der Funktionsumfang ist bei Anmeldung über die Fritz!-Basisstation stark eingeschränkt. Da bei den meisten DECT-Geräten die Basis benötigt wird, um das Mobilteil mit Strom aufzuladen, ist es daher empfehlenswert, die Telefon-eigene Basisstation über den Analog- oder ISDN-Port mit der Fritz!Box zu verbinden.

Fazit: Fritz! kann was, aber nicht alles

Die neue Fritz!Box Fon WLAN 7270 trägt ihren Titel Flaggschiff angesichts ihrer zahlreichen Talente zu Recht. Keine Frage, AVM hat in Sachen Multifunktionalität neue Standards am Router-Markt gesetzt. Teilweise scheint die Technik jedoch aus dem vergangenen Jahr zu stammen: Wer sich zu Hause ein Hochleistungs-Netzwerk bauen möchte, freut sich zwar sicherlich über die Unterstützung des neuen schnellen WLAN-Standards, wird aber Gigabit-LAN schmerzlich vermissen. Zudem mangelt es der DECT-Basisstation bislang an Verständnis für den neuen CAT-iq-Standard, der höhere Bandbreiten für bessere Sprachqualität und Audio- sowie Videostreams ermöglichen soll. Laut AVM ist die Hardware aber bereits für CAT-iq vorbereitet. Der GAP-Standard verhilft Schnurlos-Telefonen zwar herstellerunabhängig zu einer Funkverbindung, der ganze Funktions-Luxus steht über DECT aber nur mit einem AVM-Telefon zur Verfügung, was den Nutzen der Basisstation stark einschränkt. Wer will schließlich bei einem empfohlenen Verkaufspreis von happigen 249 Euro für die Fritz!Box noch zusätzlich 89 Euro für das passende Fritz!Fon MT-C berappen. Alles in allem ist die neue Fritz!Box Fon WLAN 7270 aber ihre Anschaffung wert – solange kein VDSL benötigt wird und der Nutzer nicht auf DECT und ADSL 2(+) verzichten kann. Für Ottonormal-Surfer wird jedoch vielfach das weitaus günstigere Vorgängermodell 7170 ausreichen.

Produkt: Fritz!Box Fon WLAN 7270
Hersteller: AVM
URL: www.avm.de
Preis: 249 Euro (UVP)
Gewährleistung: fünf Jahre
Technische Daten:
  • DSL-Modem mit ADSL und ADLS2(+)-Unterstützung
  • DSL-Router mit DHCP-Server, NAT-Firewall, DynDNS-Client, UPnP
  • WLAN Access Point (IEEE802.11n Draft 2.0, abwärtskompatibel)
  • Mehrantennenverfahren MIMO (Multiple Input Multiple Output) für höheren Datendurchsatz und größere Reichweite
  • USB 2.0 Port für Drucker oder Festplatten
  • Basisstation für DECT-GAP (CAT-iq vorbereitet)
  • Integrierter Anrufbeantworter und Medienserver
  • Telefonanlage für VoIP und Festnetztelefonie (ISDN oder analog)
  • Unterstützung von ISDN-Leistungsmerkmalen auch bei VoIP
  • Internettelefonie SIP-konform nach RFC 3261
  • Intelligentes Codec Management
  • Verwaltung von bis zu zehn SIP-Accounts auch unterschiedlicher Provider
  • Anschlüsse: DSL/Tel., 4xLAN, 2xAnalog-Telefone, ISDN-S0-Anschluss, USB 2.0 (abwärtskompatibel), Strom
Pro & Contra
einfache Einrichtung
schnelles ADSL 2(+) und WLAN-N
WLAN per Schalter deaktivierbar
umfassende Telefonfunktionen
HD-Telefonie (High Definition)
keine VDSL-Unterstützung
eingeschränkte DECT-Kompatibilität
kein Gigabit-LAN
Bewertung Gewichtung
Funktionsumfang (30%): gut
Bedienung (30%): sehr gut
Anschlussmöglichkeiten (20%): gut
Sicherheit (20%): sehr gut
Gesamt: gut (1,7)
Preis-Leistung: gut

(Aleksandra Leon)

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