Testbericht

Test: ATI RADEON 9600 Pro - was leistet der neue Chip?

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Leistet der RADEON 9600 Pro mehr als sein Vorgänger RADEON 9500 Pro - ein Test muss das Potential des neuen Mittelklasse-Chips klären.

Die 9x00-Familie

Mit dem RADEON 9600 Pro hat ATI ein weiteres Mitglied der sehr beliebten 9x00-Familie vorgestellt. Der Chip gleicht den anderen neueren Modellen in fast allen Punkten und besitzt daher die von den anderen Chips bereits bekannten Features.

So unterstützt der Grafikchip dank der SmartShader-Engine DirectX 9.0, während sich SmoothVision um die Kantenglättung kümmert. Hyper Z III+ steht zur effizienten Ausnutzung der Speicherbandbreite zur Verfügung und dank des VideoShaders kann der Chip normale Videofiles in Hardware überarbeiten, jedenfalls bei DivX und Real Network-Medien.

Neuerungen im Design

Zwar besitzen einige Einheiten eine neue Versions-Stelle hinter dem Komma, wirkliche Neuerungen sind jedoch nicht zu finden. Im Gegenteil, genauer betrachtet wurde der neue Chip gegenüber dem RADEON 9500 Pro sogar beschnitten. So stehen nunmehr lediglich vier Render-Pipelines zur Verfügung, der RADEON 9500 Pro konnte noch auf acht Pipelines zurückgreifen.

Und auch die Zahl der Vertex Shader wurde reduziert, von vier auf zwei Shader. Die kleinen technischen Neuerungen im Bereich der Architektur fangen allerdings die Einschnitte auf - dies hofft jedenfalls ATI. Doch schon in der Vergangenheit hat sich oftmals gezeigt, dass das Fehlen von Render-Pipelines durch leichte Architekturverbesserungen nicht ausgeglichen werden kann.

Neue Größe und neuer Takt

Daher hat sich ATI zu einer Erhöhung der Taktrate entschieden. Das beim RADEON 9500 Pro genutzte 0,15 µm Herstellungsverfahren war für ATIs Plan nicht genug, 0,13µm-Layer mussten her. Der RADEON 9600 Pro wird somit mit einem fortschrittlicheren Herstellungsverfahren als der RADEON 9500 Pro gefertigt.

Dies führt zu einem deutlich geringeren Energiebedarf. Karten auf Basis des neuen Chips müssen nicht an das Netzteil zusätzlich angeschlossen werden. Der AGP-Slot ist in der Lage, den gesamten Bedarf zu decken.

Gleichzeitig taktet der Chip nun deutlich höher. Statt der bisherigen 275 MHz Chiptakt wird der RADEON 9600 Pro nun mit 400 MHz betrieben. Der Speicher, der weiterhin mit 128 Bit angebunden ist, taktet immerhin mit 300 MHz, bei RADEON 9500 Pro-Karten sind hingegen 270 MHz Standard.

Umbau- und Übertaktmöglichkeiten

Mit dem neuen Chip sinken auch die Möglichkeiten, den Chip zu manipulieren. Da sowohl die Standard- als auch die Pro-Variante auf vier Pipelines setzen, ist eine Aktivierung von weiteren vier Pipelines nicht möglich - diese sind schlichtweg nicht vorhanden.

Allerdings sorgt das 0,13µm-Design für eine stattliche Übertaktbarkeit. 500 MHz sind für den Chip ohne Problem erreichbar - und je nach Hersteller und dem genutzten Speicher ist auch dieser problemlos übertaktbar. In dem uns vorliegenden Referenzboard war zudem der Takt nicht fixiert, allerdings könnte sich dies bei Retail-Karten ändern.

Benchmarks

Der praktische Teil dieses Tests wurde auf einem Intel Pentium 4-System mit 3 GHz Prozessortakt durchgeführt. 512 MByte DDR-RAM und zwei 120 GByte-Festplatten (als RAID-Array) kamen ebenfalls zum Einsatz. Die Soundausgabe übernahm eine Soundblaster Live aus dem Hause Creative, das genutzte Betriebssystem war Windows XP SP1.

3DMark 03 Score

RADEON 9600 Pro NoAA
1024x32
3298
RADEON 9600 Pro 4xAA
1024x32
1781
RADEON 9500 Pro NoAA
1024x32
3655
RADEON 9500 Pro 4xAA
1024x32
1860

Der Standard-Test 3DMark 03 zeigt deutlich, wohin die Richtung geht. Egal ob ohne oder mit AntiAliasing, der RADEON 9500 Pro ist stets einen Tick schneller - sowohl im Score als auch in den Einzelwertungen. Allerdings ist der Unterschied recht gering, im praktischen Einsatz fällt dieser daher kaum auf.

3DMark 03 Vertex/Pixel Shader

RADEON 9600 Pro Vertex
1024x32
10,4
RADEON 9600 Pro Pixel
1024x32
28,1
RADEON 9500 Pro Vertex
1024x32
13,2
RADEON 9500 Pro Pixel
1024x32
34,7

Bei genauerer Analyse zeigt sich, dass die Einschränkungen beim Vertex Shader und den Render Pipelines für die geringere Leistung trotz der höheren Taktrate verantwortlich sind.



3DMark 03 Fillrate Single/Multi

RADEON 9600 Pro Single
1024x32
892,3
RADEON 9600 Pro Multi
1024x32
1540,1
RADEON 9500 Pro Single
1024x32
812,2
RADEON 9500 Pro Multi
1024x32
1817,3

Auch die Fillrate leidet unter den Einschränkungen. Trotz eines deutlich höheren Takts liegt die Fillrate nur auf oder sogar unter dem Niveau des älteren Grafikchips.

Serious Sam 2 High Details OpenGL

RADEON 9600 Pro
1024x32
82,7
RADEON 9600 Pro
1600x32
39,2
RADEON 9500 Pro
1024x32
104,0
RADEON 9500 Pro
1600x32
53,0

Nicht nur in Direct3D, auch bei OpenGL ist ein deutlicher Unterschied feststellbar. In Serious Sam 2, das viele Grafikeffekte ausnutzt und mit einem Script dazu animiert wurde, auch undokumentierte Grafikfeatures zu aktivieren, liegt die Performance des neueren Grafikchips doch beträchtlich unter der des RADEON 9500 Pro.



MDK 2 High OpenGL

RADEON 9600 Pro
1024x32
174,06
RADEON 9600 Pro
1600x32
117,03
RADEON 9500 Pro
1024x32
172,04
RADEON 9500 Pro
1600x32
148,31

Allerdings befindet sich der RADEON 9600 Pro nicht immer unter dem Niveau des RADEON 9500 Pro. Bei MDK 2 ist die Performance auf einem Level, jedenfalls bei der Standardauflösung von 1024x768 Pixeln. Jedoch verliert der neuere Grafikbeschleuniger mit zunehmender Auflösung verstärkt an Leistung.

3DScore 03 Score Overclock

RADEON 9600 Pro 400/300
1024x32
3298
RADEON 9600 Pro 500/350
1024x32
4008
RADEON 9500 Pro 275/270
1024x32
3655
RADEON 9500 Pro 320/310
1024x32
4171

Bleibt die Frage, ob man dank der 0,13µm-Bauweise den Nachteil durch das Übertakten des Chips und des Speichers kompensieren kann. Die Antwort lautet Jein. Mit einer starken Übertaktung auf 500 MHz erreicht der RADEON 9600 Pro das 4000 Punkte-Niveau. Doch auch der RADEON 9500 Pro lässt sich allgemein gut übertakten - wenn auch nicht derart stark. Dank der höheren Leistung pro MegaHertz reicht dies jedoch für den Platz an der Sonne aus.



Fazit

Der RADEON 9600 Pro ist ohne Frage ein leistungsfähiger Chip, der für günstige Karten sehr gut geeignet ist. Erste Boards, beispielsweise von Sapphire, gibt es bereits für etwa 200 EUR im Netz zu kaufen.

Allerdings ist der RADEON 9600 Pro vor allem in schlauer Schachzug von ATI. Ohne großen Aufwand hat man die Produktionskosten gesenkt und wohl auch die Verfügbarkeit dank der höheren Zahl von Chips pro Wafer erhöht. Doch leider sorgen die Einschränkungen dafür, dass selbst mit der höheren Standard-Taktwerte und der dazu noch guten Übertaktbarkeit der RADEON 9500 Pro nicht ganz erreicht wird.

Wer daher in der nächsten Zeit aufrüsten möchte, der sollte sich nach einer RADEON 9500 Pro-Karte umschauen, diese sind bereits ab 180 EUR im Internet erhältlich. Doch auch wenn der RADEON 9500 Pro bald nicht mehr verfügbar sein wird, mit dem RADEON 9600 Pro kann man nicht viel falsch machen. Und dank der günstigen Produktionskosten dürfte bei einem etwaigen Preiskampf mit NVIDIA sogar noch ein gutes Stück Luft für Preissenkungen vorhanden sein.

(Alexander Moritz)

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