Testbericht

TechniSat TechniPad 8 im Test: Die Besonderheit bleibt aus

Wir haben das TechniSat TechniPad 8 getestet: Kann es das 8-Zoll-Tablet mit Dual-Core-Prozessor mit anderen Mini-Tablets unter 200 Euro aufnehmen?

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Kürzlich ist TechniSat ins Tablet-Geschäft eingestiegen: Der proppenvolle Android-Markt soll mit zwei Flachrechnern in verschiedenen Größen erobert werden - dem TechniPad 8 und dem TechniPad 10. Wir haben uns das kleinere TechniPad 8 in die Redaktion geholt, das auch bezogen auf den niedrigen Preis mit beliebten Minis wie dem Google Nexus 7 oder Kindle Fire konkurriert. Ab unter 200 Euro ist das Android-4.1-Gerät zu haben, das Gesamtpaket zündet aber nicht richtig.

TechniSat TechniPad 8 Test – Inhalt

  • Seite 1: Optik, Display und Schnittstellen des TechniPad 8
  • Seite 2: Ausstattung des TechniPad 8 - Hardware, Akku, Kameras
  • Seite 3: Android & Apps, Fazit und technische Daten zum TechniPad 8

Kein Leichtgewicht

Optisch kann sich das TechniPad 8 durchaus sehen lassen: Der rund 203 x 154 Millimeter (mm) große Tablet PC besteht aus einer schwarzen Front, wobei der etwa 1,5 bis 2 Zentimeter große Display-Rahmen unter der Touch-Oberfläche angebracht ist, einer dunkelbraunen Umrandung, die sich hinten bis um die Kamera herumzieht und einer grauen Rückseite. Diese ist schraffiert und außerdem matt, wodurch ein griffiges Gefühl entsteht und das Gerät gut festgehalten werden kann. Andererseits lässt der Oberflächen- und Farbmix das Tablet nicht gerade filigran, sondern eher robust wirken. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das TechniPad 8 mit einer Höhe von 10 mm ganz schön dick und mit 449 Gramm auf der Waage auch recht schwer ist. Das Acer Iconia A1 im 7,9-Zoll-Format bringt es beispielsweise zwar auf ähnliche Abmessungen, ist aber rund 40 Gramm leichter. Das iPad mini (Test) mit 7,9-Zoll-Display wiegt sogar 140 Gramm weniger. Im typischen Tablet-Einsatz geht das Gewicht trotzdem in Ordnung.

Der Bildschirm: Scharf genug, aber kein Highlight

Die Verarbeitung ist nicht perfekt. Wer etwas fester zupackt, bringt das Gehäuse zum Knarzen und wer weiter nach Kritikpunkten sucht, der trifft auf leicht abweichende Spaltmaße. Bei unserem Testgerät in erster Linie am Rand des Displays, genau an dieser Stelle tritt außerdem eine etwas ungleichmäßige Beleuchtung auf. Auf unruhigen Hintergründen fällt das nicht weiter auf, aber insgesamt dürfte der Bildschirm gerne etwas heller sein. In der Wohnung bereitet die Leuchtkraft keinerlei Probleme, im Freien wäre es aber vorteilhaft, mit einer helleren Einstellung gegen die Spiegelungen ankämpfen zu können. Ein Umgebungslichtsensor fehlt. Die Schärfe ist durchschnittlich, wie es bei 1.024 x 786 Pixel auf einer Fläche von 8 Zoll diagonal zu erwarten ist. Das iPad mini macht es nicht besser, die Auflösung ist identisch (7,9 Zoll). Bei Texten sind daher Pixel auszumachen.

Fotos und Videos könnten besser abschneiden, wenn nicht die Gitternetzstruktur des Touchscreens leicht durchscheinen würde. Die Farbwiedergabe ist nicht berauschend, Fotos wirken etwas kalt beziehungsweise Hauttöne grau. Trotz einiger Kritikpunkte ist der Bildschirm unterm Strich für diese Preisklasse okay, die großen Blickwinkel sprechen übrigens für ein hochwertiges Panel. Das 4:3-Format sorgt beim Surfen und Betrachten von Fotos für eine große Bildfläche, Filme werden unter Umständen gestreckt - je nach Format und Player. Mehr Informationen zum Android-Betriebssystem und den Apps auf dem TechniPad 8 finden sich auf Seite 3.

HDMI, USB, Kartenleser - die volle Auswahl im Micro-Format

Besser als beim Mini-iPad: Die Schnittstellenauswahl. Micro-USB, Micro-HDMI, die obligatorische Kopfhörerbuchse und ein MicroSD-Kartenleser, um die 16 Gigabyte (GB) internen Speicher aufzustocken, bieten Erweiterungsmöglichkeiten. Die Qual der Wahl hat der Käufer nicht, denn das 8-Zoll-TechniPad gibt es nur als 16-GB-Version, das 10-Zoll-Exemplar liefert standardmäßig 32 GB. Um einen Flachbildfernseher oder USB-Stick anschließen zu können, sind aufgrund der verkleinerten Ports Adapter nötig, die separat angeschafft werden müssen. Im Lieferumfang ist keiner enthalten. TechniSat verkauft die Tablets inklusive Netzteil, USB-Kabel, über das der Akku ebenfalls geladen werden kann, Putztuch und Bedienungsanleitung. Im TechniPad 8G kommt für einen Aufpreis von 60 Euro ein SIM-Kartenschacht für das 3G-Modul für mobiles Internet hinzu, das TechniPad 8 greift stattdessen per WLAN 802.11b/g/n drahtlos auf das Internet oder Heimnetzwerk zu. Bluetooth befindet sich auch an Bord.

Das Innenleben wird von einem ARM Cortex A9 Dual-Core-Prozessor mit einer Taktrate von 1,6 Gigahertz sowie 1 GB RAM gestellt. Das reicht für übliche Alltagsanwendungen auf einem Tablet aus.

TechniSat TechniPad 8 Test – Inhalt

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Gute Leistung im Alltag

Unser Testgerät spielt neben HD-Videos in 720p sogar Full-HD-Filme in 1080p flüssig ohne Ruckler ab. Apps wie Angry Birds laufen problemlos, einschränken müssen sich Nutzer aber bei anspruchsvolleren 3D-Spielen. Iron Man 3 ist auf unserem Test-Tablet zwar spielbar, gerät bei aufwendigen Sequenzen aber ins Stocken. Ein Lagesensor ist eingebaut, ebenso GPS. Weitgehend verzögerungsfrei erfolgt das Wechseln zwischen Homescreens oder Navigieren durch das App-Menü und die Einstellungen: Sowohl der sehr gut ansprechbare Touchscreen als auch das Android-System bereiten Freude. Kurze Unterbrechungen treten nur selten auf, zum Beispiel in Google Play, wenn gleichzeitig Downloads aktiv sind. Im Chrome-Browser scrollt es sich mit dem neuen Update flüssiger als zuvor. Einen weniger guten Eindruck hinterlässt die Tatsache, dass unser Testgerät sich vor der ersten Benutzung erst nach Betätigen des Reset-Knopfes einschalten ließ und sich im Betrieb bei hastigen Aktionen zweimal sträubte, noch auf Tippen der Sensor-Tasten zu reagieren. Weitere Probleme traten aber nicht auf.

Akkuausdauer und Fotoqualität nur Durchschnitt

Die Akkulaufzeit ist etwas knapp: Nur 5,5 Stunden hält das Tablet durch, wenn HD-Videos bei YouTube abgespielt werden. Offline ist eine Videowiedergabe nur etwa eine halbe Stunde länger möglich. Unverständlich, denn das Tablet ist kein Fliegengewicht und Konkurrenten wie das iPad mini oder das Google Nexus 7 (Test) schaffen fast die doppelte Zeit.

Die 5-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite ist nur bei guten Lichtverhältnissen zu gebrauchen. In Räumen sind die Fotos selbst dann verrauscht, wenn es noch hell ist. Auf ein Blitzlicht muss verzichtet werden, nur ein Autofokus ist vorhanden. Die Videoqualität und die Leistung der 2-Megapixel-Webcam stimmen zufrieden.

Ist die Umgebung nicht gerade still, bleibt vom Sound der beiden 0,5-Watt-Lautsprecher nicht viel übrig, da sie aufgrund ihrer Lage auf der Rückseite vorrangig das Gegenüber beschallen. Bei der Aufgabe als Musikspieler für das Treffen mit Freunden sind sie überfordert, gerade basslastige Musik oder Rock klingt auf voller Lautstärke nicht wirklich schön. Sobald der musikalische Einsatz über das Radiohören hinausgeht, ist kurzum der Griff zum Kopfhörer angeraten.

Als Betriebssystem ist Android 4.1.1 alias Jelly Bean installiert, das durch TechniSat um einige Zusatz-Apps ergänzt wurde. Zu einem Update auf die aktuelle Android-Version 4.2 macht der Hersteller im Übrigen keine Angaben. Neben den Google-typischen Anwendungen versammeln sich dort Zoner AntiVirus, iKiosk für digitale Magazine, Aldiko und EBook für E-Books, die Nachrichten-App News Republic, ein Installer für .apk-Dateien und Napster. Praktisch: TechniPad-Besitzer können den Musik-Streaming-Dienst zwei Monate lang kostenlos ausprobieren, regulär ist das nur für 30 Tage möglich. Mit MyTechniSat lassen sich ferner Receiver des Herstellers steuern und Aufnahmen timen, allerdings kann die App auch auf anderen Android-Geräten gratis installiert werden. Die Musik-App von Google fehlt und ihr altbackener Ersatz ist nicht ebenbürtig, weshalb sich ein Blick in Google Play - ebenfalls installiert - empfiehlt. Besser ist der eigene Videoplayer, der ein nützliches Gimmick offenbart: Man kann nicht nur die Bildschirmhelligkeit regulieren, was in der Standardanwendung von Google nicht klappt, sondern sogar eine Bild-in-Bild-Anzeige nutzen. Das Videofenster lässt sich mit zwei Fingern verkleinern und an eine beliebige Stelle über dem herkömmlichen App-Bildschirm oder auch über den Browser ziehen.

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Fazit: Ganz gut, aber zu teuer, um zu überzeugen

Das TechniPad 8 von TechniSat ist in der Summe ein solider Tablet-PC, der für eine Reihe von Anwendungen genügend Leistung mitbringt - aufwendige Spiele ausgenommen. Was ihm aber fehlt, ist das gewisse Etwas, wodurch es nur ein weiteres Antroid-Tablet unter vielen ist. Es ist weder besonders dünn und leicht noch ausdauernd, gerade ein mobiles 8-Zoll-Tablet sollte länger durchhalten. Die knappe Akkulaufzeit und weitere Schwachpunkte wie die Hauptkamera wären zu verschmerzen, wenn der Preis niedriger wäre. Denn für 200 Euro als WLAN-Modell beziehungsweise 260 Euro mit Mobilfunkmodul wird es der 8-Zöller schwer haben, sich gegen andere Günstig-Tablets zu behaupten. Das Nexus 7 bietet zum gleichen Preis beispielsweise das bessere Display. Noch ein heißer Konkurrent: Das Asus MeMO Pad HD 7 mit Quad-Core-Prozessor für nur 150 Euro. Außerdem bieten diese bereits Android 4.2.

Weitere Tablet PCs im Test, einen Tablet PC Vergleich und eine Kaufberatung zum Thema Tablet PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: TechniPad 8
Hersteller: TechniSat
Internet: www.technisat.com
Preis: UVP: 199,99 Euro WiFi /
259,99 Euro 3G (TechniPad 8 G)
 
bei Amazon:

ab 192 Euro
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: ARM Cortex A9 Dual-Core Prozessor mit 1,6 GHz
(3DMark Score:
Ice Storm: 2.857 / Extreme: 2.148)
Bildschirm: 8 Zoll 4:3 (1.024 x 786 Pixel)
Touchscreen, glänzend
Speicher: 1 GB RAM, 16 GB Speicherplatz
Akku: (Li-Polymer mit 4.000 mAh)
gemessen:
5,5 Stunden YouTube (WLAN),
6 Stunden HD-Videos (offline)
8 Tage Standby
Kommunikation: WiFi 802.11b/g/n, Bluetooth
Betriebssystem: Android 4.1.1 (Jelly Bean)
Abmessungen: HxBxT: 203 x 154 x 10 Millimeter;
449 Gramm
Anschlüsse: Micro-USB, Mikro-HDMI, MicroSD-Kartenleser,
Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
Sonstiges: Lagesensor, GPS, 5-Megapixel-Kamera für Fotos
und Videos mit Autofokus,
2-Megapixel-Webcam
Schnittstellenauswahl
Kartenleser
optional als 3G-Modell zu haben
Display zu dunkel
mittelmäßige Bildschirmauflösung
Kameraqualität, kein Blitzlicht
relativ schwer
zu kurze Laufzeit
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): gut
Display (20%): befriedigend
Bedienung/Handhabung (15%): gut
Akkulaufzeit (15%): befriedigend
Verarbeitung (10%): befriedigend
Gesamt: gut (2,5)
Preis-Leistung: ausreichend

(Saskia Brintrup)

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