Testbericht

Stark abgezogen: Hochglanz-Bilder zum Nulltarif

Digitale Bilder – gut und schön, aber Abzüge zum Anfassen kommen dann und wann gut an. Und müssen bei Picabee nichts kosten. Der Preis: ein Werbeblock. Onlinekosten.de hat das Portal getestet.

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Klickklack – Bild im Sack: Wie ein Lauffeuer hat sich die bequeme digitale Fotografie verbreitet. Manche analoge "Knipse" vermodert im Schrank: Digital ist schick, schnell und preiswert. Abzüge gehören der Vergangenheit an - Oder doch nicht? In der gemütlichen Sofarunde kann man Urlaubsbilder auf Papier dann doch leichter durch die Hände gehen lassen als das Laptop von Schoß zu Schoß zu reichen. Sind Abzüge also doch ein saurer Kostenapfel, in den man beißen muss?

"Value Strip" macht's möglich

Nicht unbedingt, findet Christoph Lienke, Geschäftsführer des Online-Services Picabee. Die Idee: Kostenlose Abzüge, finanziert durch Werbung, ganz nach Google-Manier. Der Vorteil: Der Nutzer zahlt für bis zu 30 Abzüge keinen Cent.

Der Nachteil: Er muss mit einem etwa vier Zentimeter langen "Value Strip" (Wert-Bereich) für Werbung am rechten Bildrand oder einem Firmenlogo unten links vorlieb nehmen. Hört sich gut an, fand onlinekosten.de und hat das Portal getestet.

Die Fakten: Durch kostenlose Mitgliedschaft können 30 Bilder monatlich im 10x15-Format entwickelt werden. Dazu lädt der Nutzer mindestens 20 Jpeg-Dateien in 1600x1200 Pixel Auflösung oder höher per Mausklick auf die Picabee-Webseite. Dort wandern sie in ein virtuelles Fotoalbum, das 60 Motive aufnehmen kann. Insgesamt steht ein Gigabyte Speicherplatz pro Mitglied zur Verfügung. Außerdem gilt: jedes Bild darf maximal sechs Megabyte groß sein. Die ungewöhnliche Anmeldeprozedur soll wohl die Spannung steigern und den Zulauf steuern. Denn wer meint, sich gleich einloggen zu können, wird enttäuscht: Zunächst muss sich der Sparfuchs mit Hilfe eines Links auf der Startseite um eine Einladung bewerben, damit die Betreiber nicht in einer begeisterten Nutzer-Flut ertrinken. Nur nicht drängeln: Picabee versichert, es gehe immer der Reihe nach, was aber schon mal ein paar Tage dauern kann. Im Redaktionstest ging alles zügig vonstatten: Bereits am Folgetag landete die Einladung mit dem Freischaltcode im elektronischen Postkasten.

Technische Voraussetzungen

Das Picabee-Portal ist mit Java-Script und Flash programmiert. Ohne Adobe-Player und JavaScript Freigabe schaut der Nutzer also in die Röhre. Verfügt er aber über beides, gelangt er mit Hilfe des Einladungscodes schnell und einfach in den Anmeldedialog. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen hält der Betreiber seine schützende Hand über das anvertraute Gut: Bilder- und Rechteklau seien kein Thema, betont Picabee. In den FAQ erfährt der irritierte Nutzer jedoch, dass die Anzahl der kostenlosen Bilder schon mal variieren kann, obwohl ihm doch 30 versprochen sind.

Verfügt der Rechner über wenig Arbeitsspeicher, wird das Aufladen schnell zum Geduldsspiel. Dafür sind Menü und Grafiken übersichtlich und leicht verständlich. Müssen sie auch, denn ein Hilfsmenü sucht man vergebens. Eine Kurzanweisung verbirgt sich jedoch hinter dem Button "Fotos bestellen". Wer suchet, der findet.

Countdown zur nächsten Runde

Das Album besteht aus Vorschau-Bildern, die der Nutzer in die Bestellbox zieht. Zuvor kann er sie in einer Großansicht betrachten und drehen. Das muss reichen – Ende der grafischen Bearbeitung. Helligkeit, Kontrast, Farbsättigung bleiben, wie sie sind. Man bekommt, was man knipst – oder kommt um ein ein separates Grafikprogramm auf dem heimischen Computer nicht herum. Ein Klick auf "Bestellen" und der Auftrag ist unterwegs. Eine E-Mail bestätigt das. Und auf der Albumseite zeigt ein Zähler an, wie viel Tage der Nutzer bis zur nächsten Bestellung warten muss. Das ist hilfreich, wenn man schon mit der nächsten Bilddatei-Ladung in den Startlöchern steht. 29 mal werden wir noch wach...

Eine Woche warten

Auf die ersehnten Abzüge wartet die Redaktion dann doch sieben statt fünf Arbeitstage. Dafür kommen sie aber in Hochglanz und guter Qualität. Der Werbestreifen befindet sich wie versprochen auf der rechten Seite und wahrt die 4,5 Zentimeter-Grenze. Vereinzelt erscheinen Firmenlogos unten links – und so stirbt die insgeheim gehegte Hoffnung, den Value Strip via Schere zu entsorgen, damit die Bilder werbefrei ins Album wandern können. Dafür sind die Bilder sogar 10x18 Zentimeter groß, obwohl nur 10 x 15 versprochen wurden. Geworben wird in unserem Test für den Netzwerkausrüster Cisco, das Computerspiel "Spore", das Handy Sony Ericsson C902 und das Shopping-Portal konsumgöttinnen.de.

Unser Fazit: Für Schnappschüsse ideal

Picabee ist eine gute Idee für Werbekunden und Nutzer gleichermaßen. Die Qualität der Abzüge ist in Ordnung, der Service ebenfalls, und die Versprechen werden weitgehend eingehalten. Das kostenlose Angebot eignet sich jedoch eher für Schnappschüsse und Spaßabzüge und ist somit vor allem für Junge und Junggebliebene interessant. Wer "seriöse" Ereignisse wie Taufe oder Hochzeit für die Ewigkeit festhalten will, sollte den Geldbeutel öffnen und sich für einen kostenpflichtigen Anbieter entscheiden. Oder er wirbt im Familienalbum noch bei den Enkeln für Produkte, die es bis dahin längst nicht mehr gibt.

(Dorothee Monreal)

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