Testbericht

Spielkiste: Xbox 360 im Test

Top Grafik, super Spielfluss, aber leider auch noch eine Menge Kinderkrankheiten bringt die Xbox 360 mit.

Top Grafik, super Spielfluss, aber leider auch noch eine Menge Kinderkrankheiten bringt die Xbox 360 mit.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com
Ein munteres hin und her war es in den letzten Wochen und Monaten. Wann genau soll sie erscheinen? Und wie viel wird sie kosten? Welche Hardware wird integriert? Diese Fragen sorgten über lange Zeit dieses Jahres für Gerüchte und Spekulationen zu Microsofts neuer Spielkonsole Xbox 360. Denn der Konzern gab erst spät konkrete Daten bekannt.

In den USA ist das mit einem Drei-Kern-Prozessor ausgestattete Gerät seit dem 22. November erhältlich und erlebte bei Verkaufsstart einen regelrechten Ansturm. Doch auch schon die ersten Kinderkrankheiten wurden in den ersten Tagen aufgedeckt. In Deutschland steht die Spielkiste ab Freitag (2. Dezember) in den Verkaufsregalen. Wir haben die Konsole schon vorab unter die Lupe genommen und herausgefunden, mit welchen Macken der Grafikprotz zu kämpfen hat.

Zwei Geräte-Versionen

Die Box wird in zwei Preiskategorien erhältlich sein. Die Light-Version geht für 299 Euro über die Ladentheke, ist dafür aber nur mit einem Kabel-Controller und ohne Festplatte ausgestattet. Zudem ist das Gerät nicht kompatibel zu Spielen der ersten Xbox. Die teurere Variante für 399 Euro verfügt über eine integrierte 20-Gigabyte-Festplatte und wird mit Funk-Controller, Headset, Netzwerk-Karte und Fernbedienung ausgeliefert. Auf dieser Konsole können mit einem installierten Emulator dann auch Spiele der ersten Xbox gezockt werden - allerdings auch nur die in Microsofts Kompatibilitäts-Liste aufgeführten.

Das steckt drin

Die übrige Hardware-Ausstattung bleibt bei beiden Geräte-Ausführungen gleich. Die Box wird von einem PowerPC-basierten Prozessor mit drei symmetrischen Prozessorkernen und einer Taktfrequenz von 3,2 Gigahertz befeuert. Der Level-2-Cache der CPU ist ein Megabyte groß. Der von ATI entwickelte Grafikprozessor ist mit 500 Megahertz getaktet und verfügt über 10 Megabyte embedded DRAM.

Dazu kommen ein 512 Megabyte umfassender DDR2-Arbeitsspeicher und ein Soundsystem, dass Audio mit 16 Bit bei 48 Kilohertz an ein Surround-Boxen-System ausgeben kann. Daten speist man der Konsole über das 12-fach DVD-ROM-Laufwerk, die Netzwerkkarte oder einen der drei USB-2.0-Ports ein. Ein wahrer Klotz ist das externe Netzteil.

Steuergeräte

Befassen wir uns mit der Steuerung, die bei Spielekonsolen nur über einen Kontroller erfolgen kann. Das Steuergerät hat sich zu seinem Xbox-1-Vorgänger kaum verändert. Hinzugekommen sind lediglich zwei Schultertasten, zudem ist der Kontroller bei der 399-Euro-Version wie angesprochen kabellos. Er liegt gut in der Hand, spielen lässt sich damit exzellent. Die Fernbedienung ist praktisch und kann die Konsole auch starten oder ausschalten. Die Wiedergabe von DVDs, Musik oder einer Diashow lässt sich gut steuern.

Sicherheit zu groß geschrieben?

Raubkopierern und Hackern soll bei der Xbox 360 möglichst das Lachen vergehen. Deshalb stattete Microsoft die Konsole mit zahlreichen Sicherheitsmechanismen aus, die jedoch die alltägliche Nutzung und den multimedialen Spaß stark einschränken. So ist es trotz 20-Gigabyte-Festplatte, USB-Ports und Netzwerk-Verbindung zu einem PC nicht möglich, Daten auf die Konsole zu übertragen. Die Software erlaubt lediglich das Wiedergeben (Streamen) von Musik und Bildern, die auf dem PC gespeichert ist. Damit soll verhindert werden, dass man sich herunter geladene Videos, Musik oder gar Spiele auf die Konsole aufspielen kann. Auch bei der Wiedergabe über das DVD-Laufwerk gibt es Einschränkungen. Unterstützt werden nur die Formate MPEG-1 und MPEG-2 mit DRM-Schutz. AVI-Dateien, und somit auch DivX-Filme, werden nicht abgespielt.

Firmware-Updates werden während einer Online-Verbindung oder beim Einlegen eines neuen Spiels automatisch auf die Konsole aufgespielt. Der Nutzer soll darauf keinen Einfluss haben und automatisch die neuesten Updates erhalten. Dies soll verhindern, dass Hacker Sicherheitslöcher in älteren Firmwares nutzen können – dies ist etwa bei der Playstation Portable mittlerweile nämlich verbreitet.

Und trotz aller Sicherheitsvorkehrungen tüfteln Freaks schon jetzt daran, die neue Spielkiste zu entschlüsseln. Als erstes Ziel haben sich die Hacker gesetzt, die Konsole Linux-kompatibel zu cracken.

Lass zocken!

Unser Testgerät kam mit den drei Spielen "Project Gotham Racing 3" (PGR), "Perfect Dark Zero" und "Kameo – Elements of Power". Bei PGR, dem schon zuvor von Microsoft angekündigten ersten Aufhänger für die Xbox 360, wird die Power der Konsole am besten deutlich. Die Grafik ist atemberaubend. Zahlreiche Spiegelreflexe auf den Autos, animierte Zuschauer und eine beeindruckende Flüssigkeit machen das Spiel zu einem ersten Knaller. Wählt man beim Rennen die Innenansicht aus dem Cockpit, sind sogar realistische Schattenbewegungen, Dreck und je nach Sonneneinfall Kratzer auf der Windschutzscheibe zu sehen. Auch die gesamte Steuerung und Fahrphysik macht Spaß. Kameo und Dark Zero hingegen sind auf die Dauer zu linear was den Spielaufbau angeht, und auch die Grafik lässt die Kinnlade nicht unbedingt herunterfallen.


Heiß und Laut

Leider ist die Konsole trotz sich automatisch regelnder Lüfter und CPU-Leistung sehr laut. Zum einen gibt das DVD-Laufwerk beim Spielen ununterbrochen einen beträchtlichen Geräuschpegel ab, zum anderen scheinen die eingebauten Lüfter nicht von der leisesten Sorte zu sein. Microsoft kündigte zwar vor einigen Wochen an, die Xbox 360 sei leiser als ihr Vorgänger, doch das können wir ganz und gar nicht bestätigen. Im Gegenteil, bei der neuen Konsole muss man die Lautstärke des Fernsehers schon sehr weit aufdrehen um die Konsole zu übertönen.

Nervige Abstürze

Es ist verständlich, das ein Drei-Kern-Prozessor eine Menge Wärme abgibt und entsprechend viel gekühlt werden muss. Doch abstürzen darf die Konsole deshalb normalerweise noch lange nicht. Genau dies macht sie Medienberichent zufolge jedoch bei vielen Zockern in den USA schon nach einer halben Stunde. Die Hardware in der Konsole erhitze sich einfach zu stark und das Gerät hänge sich auf, heißt es.

Noch heißer erging es einer Zockerin aus Großbritannien, deren Netzteil im Betrieb in Flammen aufging. Die Frau wurde aufgrund der entstandenen Giftgase ohnmächtig, konnte aber zum Glück von zwei Männern gerettet werden, die die Rauchentwicklung aus einer gegenüberliegenden Kneipe bemerkten und zur Hilfe eilten. Grund für die entstandenen Flammen war ein schlecht verarbeitetes Netzteil-Kabel.

Xbox Live

Die Online-Umgebung Xbox Live wurde für die Xbox 360 deutlich ausgebaut. Microsoft will die Zocker über das Internet näher zusammenbringen. Mehr Spiele bieten Online-Funktionen an. Bei Project Gotham Racing 3 kann man sich mit Xbox Live etwa Rennszenen anderen Spieler angucken. Andere Games bieten neben einem direkten Online-Duell auch ein kooperierendes Spielen an. Vor Abschluss dieses Tests hatten wir leider noch keine Freischaltung für das Xbox-Live-Portal. Entsprechende Tests dieses Online-Portals reichen wir nach.

Jukebox und Diashow

Die auf einem Windows-PC gespeicherten Bilder und Musik-Dateien lassen sich wie schon angesprochen über die Konsole wiedergeben. Die Verbindung stellt der Nutzer direkt von der Xbox zum PC mit dem mitgelieferten Netzwerkkabel, oder über einen dazwischen geschalteten Router her. Zunächst muss auf dem PC jedoch die Software "Windows Media Connect" installiert werden. Microsoft stellt hierzu das Programm kostenlos zum Download bereit.

Die Installation und Bedienung des Tools ist sehr einfach, jedoch konnten wir bei unseren Tests manchmal erst nach mehreren Anläufen von der Box auf den Rechner zugreifen. Für die Musikwiedergabe kann man sich in einem integrierten Music-Player eigene Playlisten zusammenstellen - die Box listet die Musik schön sortiert nach Titel, Künstler oder Genre. Bilder-Verzeichnisse können in Diashows wiedergeben werden.

Horizontal oder vertikal?

Auch von einer CD oder DVD kann man Multimedia-Daten wie etwa Videos wiedergeben oder Musik auf die Festplatte speichern – allerdings nur im Rahmen der zuvor genannten Sicherheitsaspekte. Aber Vorsicht: In den USA häufen sich Meldungen, dass die neue Box horizontal aufgestellt die Oberfläche von DVDs zerkratzt – wohl eine weitere Kinderkrankheit.

Ist man im Besitz eines Media Center PCs - etwa eines Wohnzimmer-PCs - kann man sich mit der Xbox 360 die Media Center Oberfläche des PCs auch auf den Fernseher holen. Sinnvoll ist dies aber nur, wenn der Wohnzimmer-PC nicht sowieso schon mit dem Fernseher verbunden ist.

Unter dem Tannenbaum

Für den bevorstehenden Europa-Start liefert Microsoft zunächst 300.000 Konsolen aus und will Gerüchten zu folge den Ausverkauf schon am ersten Tag erzwingen. Außerdem deckt der Kaufpreis angeblich nicht die Herstellungs-Kosten; der Konzern muss 125 Euro pro Gerät draufzahlen. Vermutlich will man das Geld mit den Einnahmen aus dem Spielverkauf wieder reinholen. Mit der Einführung sollen gleich 14 Spiele erhältlich sein, die pro Titel mit rund 60 Euro zu buche schlagen.

Power-Box in Kinderschuhen

Rundum ist die Xbox 360 ein sattes Power-Paket. Die Rechenleistung reicht für Spiele in hoher Grafikqualität aus, Project Gotham Racing 3 beweist dies. Und das ist erst der Anfang, zukünftige Spiel-Titel werden sicherlich noch besser auf die Konsole abgestimmt werden können und der Spielkiste noch mehr Power entlocken. "Mehr Power" ist für uns aber auch das Stichwort für Kritik, denn die Leistungsstarke CPU gibt viel Wärme ab, was sich in dem deutlich zu hohen Geräuschpegel widerspiegelt. Zudem kämpft die Konsole derzeit mit insgesamt noch zu vielen Kinderkrankheiten herum. Grundlose Abstürze, zerkratzte DVDs und die hohen Sicherheitsvorkehrungen könnten auf eine zu kurze Test-Phase zurückzuführen sein.

Insgesamt hat es Microsoft aber geschafft, einen neuen Meilenstein im Konsolen-Bereich zu setzen. Wenn es der Konzern zudem erreicht, die Defekte zu beheben und den Verkaufs-Preis noch etwas zu drücken, könnte die Konsole auch für Nicht-Zocker als DVD- und Hifi-Ersatz interessant werden.

(Filip Vojtech)

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