Testbericht

Spieletest: Battlefield 2142

Mit Battlefield 2142 wird die Battlefield-Serie zur Quadrologie. Fragt sich, ob auch der vierte Teil an die Erfolge der Vorgänger anknüpfen kann? Wir haben den Ego-Shooter ausführlich getestet.

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Die Battlefield-Serie geht in die vierte Runde: Im Gegensatz zu den Vorgängern spielt die Handlung nicht mehr im Zweiten Weltkrieg, in Vietnam oder im Mittleren Osten, sondern in der düsteren Zukunft. Es geht um das Überleben der Menschheit, die durch die globale Erwärmung die nächste Eiszeit ausgelöst hat. Als Angehöriger der EU-Truppen oder der Pan Asian Coalitions-Armee (PAC) kämpft man mit modernen Waffen und Fahrzeugen um die letzten Reserven auf der Erde. Die Schlachten werden auf zehn verschiedenen Karten ausgetragen. onlinekosten.de hat den neuen Ego-Shooter von EA-Games ausführlich getestet.

Modifikation oder neues Spiel?

Bei der Fortsetzung eines Spiels oder einer Serie stellt sich immer eine Frage: Handelt es sich um eine Modifikation oder um eine komplett neue Programmierung? Eine Entwicklungszeit von knapp sieben Monaten lässt vermuten, dass Battlefield 2142 auf seinem Vorgänger aufbaut. Der erste Eindruck bestätigt den Verdacht, denn nach wenigen Minuten werden Fans von Battlefield 2 schnell die Gemeinsamkeiten erkennen.

Beispielsweise erfolgt die Kommunikation mit verbündeten Soldaten weiterhin über das so genannte "Commo Rose" (linkes Bild) oder über die integrierte VoIP-Funktion. Geblieben sind auch der "Squadleader"- und der "Commander"-Modus, in denen die Spieler mehr Möglichkeiten für taktische Befehle haben. So kann der Commander neben den üblichen Truppenbewegungen auch den Abwurf von Vorsorgungsgütern, den Einsatz von Drohnen, eine Satelliten-Überwachung, einen Artillerieschlag oder das Absetzen eines elektromagnetischen Impulses befehlen (rechtes Bild). Fans von Battlefield 2 werden also auf ihre Kosten kommen und schnell ins Spiel finden. Eine Modifikation muss aber nicht bedeuten, dass das Spiel schlecht ist. Red Orchestra war beispielsweise eine Mod für Unreal Tournament 2004, bis es unter dem Namen Red Orchestra: Ostfront 41-44 als eigenständiges Spiel auf den Markt kam. Eine Modifikation bedeutet lediglich, dass mit bekannten Elementen zurechnen ist.


Weiterhin Ranking-System

Die Battlefield-Reihe ist vor allem durch den Multiplayer-Modus bekannt geworden. Bis zu 64 Teilnehmer können im Internet gleichzeitig mit- oder gegeneinander spielen. Battlefield 1942, das bereits am 10. September 2002 vorgestellt wurde, hat bis heute noch eine Fan-Gemeinde. Battlefield Vietnam konnte sich dagegen nicht etablieren und geriet schnell in Vergessenheit. Battlefield 2 war dagegen technisch eine komplette Neuentwicklung, sorgte aber anfangs in der Online-Community für hitzige Gemüter. Durch die Einführung des "Ranking-Systems" wurden Fähigkeiten, Waffen und Dienstgrade erst ab bestimmten Punktzahlen verfügbar. Das Problem: Hierzulande durfte nur K-Play solche Server anbieten, was einer Monopolisierung gleich kam. Installiert ein Clan Battlefield 2 auf den eigenen Servern, dann funktioniert das Ranking-System nicht. Beim jüngsten Spross der Battlefield-Reihe ist das Punktesystem zwar geblieben, es wurde jedoch überarbeitet und mittlerweile dürfen mit K-Play, 4NetPlayers und Hosters.at insgesamt drei Anbieter in Deutschland Ranking-Server anbieten. Ob das die Gemüter beruhigt, bleibt erst einmal unbeantwortet. Die Handlung spielt bei Battlefield 2142 in der Zukunft. Neben neuen Fahrzeugen und Karten, gibt es aber auch einige grundlegende Veränderungen im Spiel. Das Ziel: mehr und vor allem längeres Spielvergnügen im Internet.

Neuer Multiplayer-Modus

Bei Battlefield 2142 gibt es im Multiplayer-Modus jetzt nur noch drei Spielarten: Bei "Conquest" müssen die Spieler weiterhin gegnerische Stützpunkte erobern. Wenn nicht genügend menschliche Mitspieler vorhanden sind, können die Spieler bei "Conquest-Coop" auch gegen Bots kämpfen oder mit deren Hilfe die Stützpunkte einnehmen. An der KI der Computergegner hat sich nicht viel geändert.

Zwar kann man von ihnen keine taktisch durchdachte Vorgehensweise erwarten, sie reagieren aber weiterhin auf Befehle und Aufforderungen. Die Bots halten also auch tatsächlich, wenn man eine Mitfahrgelegenheit benötigt.

Neu hinzugekommen ist der "Titan-Modus", bei dem die Spieler eines Teams gemeinsam das letzte Mutterschiff der gegnerischen Mannschaft zerstören müssen. Diese so genannten Titane sind große, fliegende Kommandozentralen, die schwer bewaffnet und mit Schutzschildern versehen sind (linkes Bild). Ein einzelner Spieler ist mit seinem Fahrzeug nicht in der Lage den feindlichen Titan zu stören. Hier müssen die Spieler also zusammenarbeiten, taktisch vorgehen und geschlossen angreifen. Es sind sehr viele Raketen nötig, um einen Titan vom Himmel zu holen. Ob sich dieser Modus bei den Clan- und Funwars durchsetzen wird, muss sich noch zeigen. Bislang wurde bei Wettkämpfen meist der Conquest-Modus mit einer zeitlichen Begrenzung bevorzugt.


Weniger Klassen

Im Vergleich zum Vorgänger gibt es bei Battlefield 2142 wieder weniger Klassen. Neben dem Aufklärer gibt es nur noch den Sturmsoldaten, den Pionier und den Versorgungssoldaten. Die Aufgaben der Special Forces, des Scharfschützen und des Sanitäters sind auf die vier Klassen verteilt worden (rechtes Bild). So kann der Aufklärer neben Präzisionswaffen jetzt auch Sprengladungen und Schnellfeuerwaffen nutzen. Der Sturmsoldat ist dagegen nun auch in der Lage sich selbst und verbündete Soldaten zu heilen. Für ein besseres Zusammenspiel können sich die Spieler weiterhin zu einem Squad, einer kleineren Kampfeinheit, zusammenschließen. Der Squadleader hat dabei das Kommando und kann Befehle erteilen. Führen die Teammitglieder die Anweisungen erfolgreich aus, dann erhalten sie Punkte für ein "Feld-Upgrade". Hierbei handelt es sich um ein temporäres Freischalten der Ausrüstung, die der Spieler beim Erreichen des nächsten Dienstgrades erhalten würde. Sobald die Verbindung zum Server unterbrochen wird, fallen alle Feld-Upgrades aber wieder weg.

Die Battlefield-Spiele gehören zu den First-Person-Shootern, in denen auch Fahr- und Flugzeuge benutzt werden können. Bei Battlefield 2142 gibt es eine Reihe von neuen Vehikeln, mit denen die feindlichen Stützpunkte erobert werden können. Dabei wurde an der Steuerung grundsätzlich nicht viel geändert. Sie bleibt weiterhin einfach und für Neueinsteiger geeignet.

Keine Flugzeuge mehr

Luftkämpfe mit schnellen Flugzeugen gehören aber der Vergangenheit an, den Battlefield 2142 bietet keine Kampfjets mehr. Stattdessen stehen den Truppen der EU- und der PAC-Streifkräften zwei neuartige Flugobjekte zur Verfügung. Bei den Gunships (linkes Bild) handelt es sich um schwer bewaffnete Flugzeuge mit Düsenantrieb, die aber ähnlich wie Hubschrauber oder Senkrechtstarker funktionieren und sich fast genauso steuern lassen.

Gänzlich ohne Waffen müssen dagegen die Air Transporter auskommen, die sich lediglich mit Gegenmaßnahmen vor feindlichem Beschuss schützen können. Durch das Fehlen der Kampfjets besteht nicht mehr die Gefahr, dass ein Team durch die Luftüberlegenheit das Spiel vorzeitig für sich entscheidet. Die Gunships und Air Transporter fliegen deutlich langsamer und sind damit leichter für die Luftabwehr oder andere Gunships abzuschießen (rechtes Bild).


Futuristische Bodenfahrzeuge

Für die Bodentruppen gibt es jetzt vier verschiedene Fortbewegungsmittel: Während der leicht bewaffnete Truppentransporter mehrere Soldaten zu einem Einsatzort befördert, dienen die schnellen und wendigen FAVs eher zur Aufklärung und der schnellen Beförderung von kleineren Teams. Wer mit einem solchen Gefährt durch das Kampfgebiet fährt, sollte aber damit rechnen aus der Bahn geworfen zu werden. Sie fahren deutlich schneller als die Humvees und Technical Recoiles bei Battlefield 2. Wer gut gepanzert zum Einsatzort fahren möchte, der kann sich einen Panzer aussuchen. Hier gibt es aber zwischen den beiden Streitkräften eine kleine Diskrepanz. Während der EU Heavy Tank ein konventioneller Panzer mit Kettenantrieb und drehbarem Turm ist, müssen Fahrer des PAC Heavy Tanks (rechtes Bild) sich erst einmal umgewöhnen. Der Panzer der Pan Asian Coalition fährt auf einem Luftkissen. Mit der Tastatur kann das Fahrzeug nur nach vorne und hinten sowie seitlich bewegt werden. Da der PAC Heavy Tank keinen Turm besitzt, muss das gesamte Fahrzeug mit der Maus in Richtung feindliches Objekt gedreht werden. Dadurch wird es schwieriger ein schnell bewegendes Fahrzeug anzuvisieren. Der Vorteil: Durch das starre Kanonenrohr kann es nie passieren, dass Fahrt- und Schussrichtung sich unterscheiden.


Unterwegs im Mechwarrior

Neu dazugekommen sind auch die schwer bewaffneten Battlewalker (linkes Bild), die aufgrund ihrer Bauart auch mittelgroße Hindernisse überwinden können. Die Fahrzeuge sind vom Science-Fiction-Brettspiel BattleTech abgekoppelt und die Steuerung ähnelt sehr den Mechwarriorern aus der gleichnamigen PC-Spiele-Serie. Zwei Spieler können gleichzeitig in dem futuristischen Kampfgefährt sitzen. Während der Fahrer zugleich auch die Hauptwaffen bedient, kann der Schütze die Schnellfeuerwaffe für kleinere Boden- und Luftziele bedienen. Battlefield 2142 ist definitiv nicht für Einzelspieler gedacht: Wer lokal auf seinem Rechner die Karten durchspielen möchte, ist schnell am Ende. Nur fünf der insgesamt zehn Karten lassen sich mit Bots spielen, der Rest ist für Conquest und den Titan-Modus vorgesehen.

Einfache Steuerung

Die Steuerung der Fahrzeuge und der Bodentruppen ist dagegen sehr einfach. Während bei Battlefield 1942 das Fliegen eines Hubschraubers sehr viel Übung brauchte, kann fast jeder bei Battlefield 2142 die Gunships und Truppentransporter auf Anhieb fliegen. Am besten lassen sich die neuen Flugobjekte mit einem Joystick steuern, der über eine integrierte Schubkontrolle und Ruder-Funktion verfügt.

Lediglich das Landen und riskante Flugmanöver bedarf noch einiger Stunden Übung. Noch einfacher lassen sich die Bodenfahrzeuge und der EU-Panzer fahren. Nur der schwebende PAC Heavy Tank ist gewöhnungsbedürftig, nicht aber schwer zu steuern.


Grafik setzt viel Leistung voraus

Obwohl die Systemvoraussetzungen bei 1,7 Gigahertz für den Prozessor, 512 Megabyte Arbeitsspeicher und einer Grafikkarte mit 128 Megabyte Grafikkartenspeicher liegen, wird ein leistungsstarkes System benötigt. Bei einer Auflösung von 1.024 x 768 Bildpunkten und niedriger Detailstufe sind die Gegner und Fahrzeuge einfach zu schwer zu erkennen. Teambeschuss ist also fast schon vorprogrammiert, da die Spieler und Fahrzeuge aus der Ferne nur durch die farblich unterschiedliche Markierung der Namen erkennbar sind. Erst bei einer Auflösung von 1.200 x 960 Bildpunkten, hohen Details und aktivierter Kantenglättung (Antialiasing) sowie Texturenfilterung (Anisotrope Filterung) sind die Unterschiede deutlich zu erkennen. Auf einem schnellen System macht das Spiel aber durch die gute Grafik richtig Spaß.


Battlefield 2142 wurde im Vergleich zum Vorgänger optisch aufgewertet. Trotzdem könnten die Karten an bestimmten Stellen etwas detailreicher sein. Neue Fahrzeuge und ein neuer Multiplayer-Modus sollen mehr Spielspaß vermitteln und bis auf wenige Ausnahmen ist das Electronic Arts auch gelungen.

Zu viel Hightech an Bord

Der Kampf im 21. Jahrhundert wird durch die Technik bestimmt. Fahrzeuge sind teilweise mit Schutzschildern ausgestattet oder können mit EMP-Ladungen zeitweise außer Gefecht gesetzt werden. Die Hightech-Ausrüstung kann einem Spieler zeitweise aber schnell auf die Nerven gehen. Teilweise stören die vielen Warnhinweise beim Spielen.

So wird feindlicher Beschuss visuell und akustisch angezeigt. Es kann also durchaus passieren, dass man während eines Kampfgefechts in einem Battlewalker dauernd Warnsignal und Hinweise von sich nähernden Truppen erhält und die Übersicht verliert. Hier gilt es Ruhe zu bewahren und den gefährlichsten Gegner zuerst auszuschalten.


Unser Fazit

Obwohl es sich bei Battlefield 2142 nicht um eine Neuentwicklung handelt, kommt im Multiplayer-Modus schnell Spielspaß auf. Die zehn Karten bieten ausreichend Szenarien für stundenlanges Spielen im Internet oder auf einer Lan-Party. Voraussetzung ist aber ein schneller Rechner mit einer guten Grafikkarte. Andernfalls leidet die Grafik stark darunter und die Freund-Feind-Erkennung wird übermäßig schwierig. Battlefield 2-Fans werden an dem Spiel gefallen finden, da es dem Vorgänger sehr ähnelt. Eingefleischte Battlefield 1942-Fans, die sich bereits mit Battlefield 2 nicht anfreunden konnten, werde es sicherlich nicht mögen. Für alle anderen bleibt: Testen und selbst entscheiden. Die ein Gigabyte große Demo kann von der EA-Seite heruntergeladen werden.

Name: Battlefield 2142
Publisher: Electronic Arts
URL: http://battlefield.ea.com
Betriebssysteme: Windows XP
Preis: 54,99 Euro
Systemanforderungen:
  • Prozessor: AMD Athlon oder Pentium IV 1.7 GHz
  • 512 MB RAM (ein GB empfohlen)
  • 128 MB DirectX 9c-kompatible Grafikkarte
  • DirectX 9c-kompatible Soundkarte
  • 8-fach DVD-ROM-Laufwerk oder schneller
  • 2,2 GB Festplattenspeicher
Pro & Contra
Einfache Steuerung
Gute Grafik
Effektvoller Sound
Drei Multiplayer-Modi
Conquest mit Bots möglich
Ranking-System
gelungene KI
keine wesentlichen Neuerungen
Viel Rechenleistung für gute Grafik erforderlich
nur drei Anbieter für Ranking-Server
Bewertung (Maximum: zehn Sterne) Gewichtung
Grafik: (8 / 10) 30%
Sound: (10 / 10) 20%
Steuerung: (9 / 10) 10%
Spielspaß: (8 / 10) 40%
Gesamt:
(9,3 / 10)

(Nam Kha Pham)

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