Testbericht

Ausgepackt: Der Speedport W 920V im Test

Die T-Home-Box soll als Symbiose von WLAN-Router, (V)DSL2-Modem und DECT-Telefonanlage frischen Wind in deutsche Wohnzimmer bringen. Die Redaktion hat den Fritz!Box-Konkurrenten einmal in Betrieb genommen.

Telekom Speedport W 920VSpeedport W 920V: WLAN-Router, (V)DSL-Modem und DECT-Telefonanlage in einem.© T-Home

Zur diesjährigen CeBIT hatte die Deutsche Telekom ein erstes ernstzunehmendes Konkurrenzprodukt zum AVM-Flaggschiff Fritz!Box Fon WLAN 7270 aus den Hut gezaubert: Der Speedport W 920V sollte als Symbiose von WLAN-Router, (V)DSL2-Modem und DECT-Telefonanlage frischen Wind in deutsche Wohnzimmer bringen. Auch hier zeichnet sich AVM für die Herstellung verantwortlich. Die Ankündigungen klangen vielversprechend und steigerten den Hunger auf hohe Bandbreiten. Jetzt steht die Box in den Regalen der Telekom-Shops und die Redaktion von onlinekosten.de nahm dies zum Anlass, um einen genaueren Blick auf den T-Router zu werfen.

Die Äußerlichkeiten

Das Design des Speedport W 920V kann ruhigen Gewissens als "gelungen" bezeichnet werden. Da wären zum einen die erfreulich kompakten Maße von 15x23x5,5 Zentimetern, andererseits kann das Gehäuse durch die klaren Form punkten. Die sonst bei WLAN-Routern übliche Antenne wurde integriert, dazu erscheint die Front im versilberten Kunststoff. In ihrer Mitte prangt das "T-Home"-Logo umgeben von kleinen Infoleuchten, die eher diskret Auskunft über den Zustand des Routers geben.

Das Gerät kann direkt an die Wand montiert oder aufrecht aufgestellt werden. Auf der Rückseite – außerhalb des Sichtfeldes – wurden die Schnittstellen für die Anschlüsse an die Telefondose, an den Splitter sowie für analoge und ISDN-Endgeräte versteckt. Ebenso sitzen hier die Buchse für das Netzteil wie auch die vier LAN-Anschlüsse für die Verbindung mit Netzwerkrechnern und Media Receivern. In mittlerer Höre befinden sich auf beiden Seiten je ein Knopf: Der eine dient der manuellen Aktivierung des WLAN-Moduls, über den anderen kann die DECT-Funktion ein- und ausgeschaltet werden. Schade: Der USB-Eingang, über den sich ein Hub oder direkt ein Drucker oder externe Speichermedien anschließen lassen, befindet sich rechts an der Außenseite - ganz auf störende Kabel im Sichtbereich kann also nicht verzichtet werden.

Der Speedport W 920V wird mit einem Netzteil sowie einem DSL-, Netzwerk- und ISDN/Analog-Kabel ausgeliefert – wobei ihre jeweilige Länge mit gerade einmal 1,8 Meter ein wenig knapp bemessen ist. Auf die Beigabe einer Software-CD wird völlig verzichtet, dafür findet der neue Besitzer ein gedrucktes Handbuch mit beachtlichen 150 Seiten.

Der Router ist ein Produkt, das speziell auf die Bedürfnisse von T-Home-Kunden zugeschnitten wurde. Dementsprechend einfach geht hier die erste Einrichtung von der Hand: Ohne weiteres Zutun besogt sich die angeschlossene Box eigenständig die persönlichen Zugangsdaten und aktualisiert die Firmware. Wer allerdings über einen anderen Provider ins Netz geht, muss sich auf die manuelle Konfiguration verlassen, außerdem steht in diesem Fall auch das automatische Firmware-Update nicht zur Verfügung.

Die Einrichtung

In drei Schritten führt im genannten Fall die Browser-basierte Oberfläche des Speedport W 920V durch die Einrichtung der Internetverbindung und der Telefonie. Aufgerufen wird es durch die Eingabe der Adresse 192.168.2.1 beziehungsweise speedport.ip. Im Normalfall ist der Router nach wenigen Klicks online. Problematisch wird es für den Nutzer erst, wenn er während des Prozesses von unterschiedlichen Rechnern auf das Menü zugreifen möchte, um beispielsweise schnell die WLAN- und Sicherheitsoptionen zu ändern: Dann sperrt der Router kurzerhand und für einige Zeit den Zugang, um den "Unbefugten" am Schlimmsten zu hindern.

Bis zu 300 Mbit/s

Computer können wahlweise per Kabel oder aber per WLAN mit der Box verbunden werden. Letztes empfiehlt sich sogar für Nutzer, die mit schneller Breitbandanbindung (der Router unterstützt ADSL, ADSL2+ und VDSL) ausgestattet sind, da der Speedport W 920V den neuen WLAN-Standard 802.11n wahlweise im 2,4 oder im fünf GHz-Frequenzband unterstützt: Bis zu 300 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) sind somit möglich, was sich vor allem bei der kabellosen Übertragung von HD-TV-Signalen, aber auch beim Anfertigen von Backups im eigenen Netzwerk bemerkbar macht. Die Verbindung ist dabei jederzeit gesichert: wahlweise per WPA oder WPA2 – selbst das veraltete WEP wird noch angeboten.

Dennoch lässt sich auch Kritisches berichten: Durch die Verlagerung der Antenne in das Innere scheint dem WLAN-Modul auf weiten Entfernungen und bei Betonhindernissen schnell die Puste auszugehen. Während des Tests schaffte es die Funkkraft des Speedport W 920V bis in zwei Nachbarräume: etwa 20 Meter, danach war Schluss. Durch die zusätzliche Investition in Repeater – bis zu vier können in das Netz angebunden werden – kann nachträglich die Reichweite erhöht werden.

Funkeinschränkungen

Für den Wohnzimmeranwender dürfte die Schwachbrüstigkeit weniger problematisch sein als für Administratoren in kleinen bis mittleren Unternehmen. Hingegen könnten sich Privatnutzer, die viel von Energiesparen und wenig von Elektro-Smog halten, daran stören, dass der Router seine Sendeleistung nicht automatisch an den Anspruch des drahtlosen Netzwerks anpasst. Von Werk aus feuert das Gerät die Daten mit gleichbleibend hoher Intensität, die sich lediglich nachträglich in die Kategorien "hoch", "mittel" und "niedrig" stufen lässt. Eine Disziplin, die einiges an Fingerspitzengefühl verlangt. Immerhin: Die WLAN-Funktion lässt sich nach vorgegebenen Zeitplänen ein- und wieder ausschalten.

Der erste Anruf

Der Speedport W 920V ist nicht nur ein WLAN-Router, sondern auch eine DECT-Basisstation für bis zu fünf Mobilteile, sprich: Schnurlostelefone brauchen künftig nur noch in der Ladeschale zu warten, zudem wurde ein digitaler Anrufbeantworter direkt in dem Gehäuse integriert. Die Zuordnung geschieht recht unkompliziert, im Test kam ein Sinus 500i zum Einsatz, das im Festnetz anstandslos seinen Dienst verrichtete. Alternativ können auch bis zu acht ISDN-Telefone oder eine -Telefonanlage über die interne S0-Buchse angeschlossen werden. Auch der VoIP-Betriebsmodus machte keine Probleme: Tatsächlich unterstützt der Router Voice over IP – oder "DSL-Telefonie", wie es die Telekom ausdrückt.

Dazu werden die vom VoIP-Anbieter zugewiesenen Kontodaten in die Web-Oberfläche des Routers eingetragen, wobei beliebig viele SIP-Accounts angelegt werden können. Die Verbindung wird ohne Verzögerung aufgebaut, während das Sinus 500i im Display über die Art des Anrufs – ob Festnetz oder VoIP – aufklärt. Die eigentliche Sprachqualität ist gut bis sehr gut, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Speedport W 920V eine Art Bandbreitenmanagement serienmäßig an Bord hat: Gleichzeitig stattfindende Up- und Downloads werden gedrosselt, sodass eine ausreichende Datenrate für VoIP reserviert bleibt. In der Praxis klappt das ganz gut, nehmen die Downloads jedoch einmal Überhand, hört der Anrufer trotz Traffic-Shaping lediglich ein Besetztzeichen.

Der Speedport W 920V war gegen das derzeitige AVM-Flaggschiff angetreten und alle Zeichen deuten darauf hin, dass er den Kampf gewonnen hat – wenn auch nur knapp. Im Gegensatz zur Fritz!Box Fon WLAN 7270 unterstützt der Telekom-Router den Internetzugang zu VDSL. Erfreulich einfach gestalteten sich der Aufbau eines Netzwerks und das Einbinden externer Geräte über den integrierten USB-Port.

Fazit

Sehr gut gefiel zudem die unkomplizierte Konfiguration von SIP-Konten und die durchweg gute Gesprächsqualität: gerade Anfängern der VoIP-Telefonie wird dadurch die Angst vor der neuen Technik genommen. Und bei all dem macht der Speedport W 920V unzweifelhaft auch noch äußerlich etwas her.

Doch es gibt auch Kritikpunkte, die nicht verschwiegen werden sollten: Nutzer, die nicht die Dienste von T-Home in Anspruch nehmen, müssen sich auf Kompromisse einlassen, denn sowohl die Einrichtung als auch das Aktualisieren der Firmware werden dadurch umständlicher. Darüber hinaus schwächelt bei entsprechender Architektur der WLAN-Datendurchsatz, was jedoch beim Privatanwender kaum auffallen dürfte. Als störender zeigte sich hingegen der Energiehunger der Anlage: Während es die Fritz!Box Fon WLAN 7270 dank WLAN-Eco-Mode bei der durchschnittlichen Leistungsaufnahme auf sechs bis acht Watt bringt, sind es beim Speedport W 920V im WLAN-Leerlauf bereits neun Watt. Die maximale Leistungsaufnahme im Betrieb lässt den Wert dann auf satte 18 Watt ansteigen. Beim Kauf dürfte zudem der Preis eine Rolle spielen: Knapp 230 Euro verlangt T-Home für den neuen Router, der AVM-Router hingegen geht bei Netzhändlern derzeit für rund 170 Euro über den Ladentisch.

(André Vatter)

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