Testbericht

Sony Xperia Tablet S im Test: 3G-Tablet mit Wasserschutz

Vom Sony Tablet S zum Xperia Tablet S hat der Hersteller die Hardware-Leistung verbessert und Android aktualisiert. Außerdem steuert es das TV-Gerät und ist spritzwassergeschützt, aber noch genauso arm an Schnittstellen wie zuvor.

Sony Xperia Tablet S© Sony

Im vergangenen Jahr stieg Sony als einer der letzten namhaften Hardware-Hersteller ins Tablet PC-Geschäft ein und ließ sich daher etwas Besonderes einfallen statt nur "Me-too-Geräte" zu launchen. Das Sony Tablet P brachte zwei Displays mit und das Sony Tablet S (Test) setzte auf eine ungewöhnliche – und in der Praxis durchaus komfortable – Keilform. Letzteres hat mittlerweile einen Nachfolger erhalten, firmiert aber nun unter der eigentlich für Smartphones reservierten Xperia-Linie. Wir haben das Xperia Tablet S mit Android 4.0 genauer angeschaut.

Wer bereits den Vorgänger kennt, wird beim Auspacken des etwa 240 x 175 x 9 Millimeter großen und lediglich 570 bis 585 Gramm schweren Flachrechners nur marginale optische Unterschiede zwischen Tablet S und Xperia Tablet S wahrnehmen. Die schwarze Hochglanz-Front und die silberfarbene Gehäuserückseite sind ebenso geblieben wie die schräge Form, die das Gerät auf dem Tisch oder Schoß in eine angenehme Position bringt. Gerade bei der Nutzung als Universalfernbedienung, was das Tablet per Infrarotschnittstelle bewerkstelligt, ist uns das beim ersten Modell positiv aufgefallen. Leider ist das Xperia optisch ein nicht mehr ganz so steiler Zahn wie das Tablet S, sodass es sich dem Nutzer nur noch leicht entgegenneigt. Die Standfüßchen wurden ausradiert, statt "Sony" prangt nun "Xperia" auf der Rückseite und der schwarze Überschlag zieht sich nur noch etwa ein Drittel weit statt fast über den kompletten Rücken.

Keine echte Wasserratte

Neu gestaltet wurde zudem die Lage der Schnittstellen. Der proprietäre Anschluss für das beiliegende USB-Kabel und somit auch das Netzteil befindet sich nun mittig und rückwärtig. Der Stecker wirkt jedoch etwas billig und sitzt bei unserem Testgerät nicht völlig fest. Der Anschluss ist außerdem durch eine Gummi-Abdeckung geschützt. Schade, dass der Hersteller ihr keine Leine verpasst hat, denn so könnte sie verloren gehen. Nötig ist sie für den Spritzwasserschutz des Tablets, daher verschwinden auch der Einschub für eine SD-Karte und in den 3G-Modellen für eine SIM-Karte für mobiles Internet per HSPA hinter eine Klappe – in diesem Fall auch fest verbunden.

Wenn die Öffnungen verschlossen sind, ist der Tablet-PC laut Sony ähnlich dem IPX4-Standard vor Wassertröpfchen geschützt.

Die Einschränkungen: Weder Netzteil noch USB-Kabel oder Kopfhörer dürfen angeschlossen sein.

Außerdem sollte das Tablet keinen zu großen Wassermengen oder Druck wie unter Wasserhähnen ausgesetzt und nicht mit nassen Fingern angefasst werden. Übrig bleibt daher beispielsweise eine Nutzung in der Küche, falls doch mal etwas Wasser spritzen sollte, das andere Tablets beschädigen könnte. Ein Einsatz am Herd mit Fettspritzern zählt aber nicht dazu, damit wird wohl nur das Qooq fertig.

Kurz nach dem Marktstart stellte der Anbieter übrigens Probleme bezüglich der Wasserresistenz bei den US-Modellen des Xperia-Tablets mit WiFi-Modul fest: Bestimmte Geräte erfüllten die Anforderungen nicht und konnten bei Schäden durch den Kundenservice repariert oder ausgetauscht werden. Später lief der Verkauf jedoch normal weiter.

Guter Sound, durchwachsene Fotos

Ansonsten gibt ein prüfender Blick auf das Tablet einen Einschaltknopf und einen deutlich ertastbaren Lautstärkeschalter und auf der Rückseite zwei Lautsprechergitter preis. Deren Anordnung ist geglückt, weder hochkant noch quer gehalten werden sie von den Händen verdeckt. Auch der Klang ist ordentlich, ausreichend laut und klar. Sonys "ClearAudio+"-Modus scheint seine gewünschte Wirkung zu entfalten.

Wie die meisten Tablets liefert auch das Xperia-Exemplar zwei Kameras. Die rückwärtige wartet mit einer 8-Megapixel-Linse und Autofokus auf, hat aber keinen LED-Blitz an die Hand bekommen. Wenn die Lichtverhältnisse nicht stimmen, wird es daher schwierig, ein gutes Foto aufzunehmen. Ein Extra ist der Panoramamodus, bei dem das Tablet seitlich geschwenkt wird, um Rundumfotos anzufertigen. Die auf der Vorderseite platzierte Webcam hat eine Auflösung von 1.296 x 808 Pixel = 1 Megapixel.

Am Display hat sich mit dem Generationswechsel wenig getan. Nach wie vor spielt sich das Geschehen auf einem 9,4 Zoll großen Touchscreen mit 1.280 x 800 Bildpunkten ab. Die großen Blickwinkel in alle Richtungen lassen den Verdacht auf ein IPS-Panel aufkommen, auch wenn Sony den Paneltyp nicht explizit erwähnt. Das Display ist recht hell, spiegelt aber. Um das Tablet im Freien bei Sonnenschein nutzen zu können, hätte die Helligkeit daher gerne noch höher ausfallen dürfen. Weiße Flächen werden auch nicht richtig weiß dargestellt. Da sich die Pixeldichte nicht vergrößert hat, sind Texte zwar gut lesbar, aber nicht so gestochen scharf wie auf Full-HD-Exemplaren oder den Retina-iPads von Apple. An der Farbdarstellung gibt es kaum etwas auszusetzen, doch der Kontrast scheint eher gering zu sein.

4 statt 2 Kerne: Vom Tegra 2 zum Tegra 3

Neben den äußerlichen Anpassungen hat Sony auch Hardware-Änderungen vorgenommen. Das Innenleben wurde von einem Nvidia Tegra-2-Chip auf die dritte Tegra-Generation und somit vom Dual-Core- auf einen Quad-Core-Prozessor aktualisiert. Der Chip erreicht eine Taktrate von 1,3 Gigahertz und holt sich bei 1 Gigabyte (GB) RAM Unterstützung. Bot das erste Tablet S nur zwei Speichergrößen, 16 oder 32 GB, so sind es beim Nachfolger drei: Das Maximum liegt bei 64 GB. Allerdings sind – anders als beim Apple iPad – nicht alle Speichervarianten mit oder ohne Mobilfunkmodul verfügbar. Mit WiFi-Anbindung gibt es das Xperia Tablet S wahlweise mit 16 oder 32 GB Speicherplatz, die WiFi/3G-Ausgabe hingegen mit 16 oder 64 GB.

Nvidias dritte Tegra-Plattform bietet streng genommen fünf Prozessorkerne, der fünfte Kern im CPU-Gespann ist aber lediglich ein sparsamer Ersatz für anspruchslosere Aufgaben wie Internetsurfen, Musikhören oder den Standby-Betrieb. Wird das Tablet gefordert, springt der Quad-Core-Verbund ein; so lassen sich eine geringe Energieaufnahme und hohe Leistung kombinieren. Schlafend kommt das Xperia fast zwei Wochen ohne Netzteil aus. Mit eingeschaltetem WLAN-Empfang sind bei 50-prozentiger Helligkeit 10 bis 11 Stunden YouTube-Videos realistisch. Bis der Akku dann wieder aufgeladen ist, vergehen 5,5 Stunden.

Aus der Tegra-3-Generation haben wir bereits das Asus Eee Pad Transforer Prime und das Transformer Pad TF300T getestet, Spiele für die Tablets gibt es über Google Play und die Nvidia Tegra Zone. Sony hat auf dem Homescreen des Xperia Tablets Links zum eigenen Fundus unter Xperia Games, Gameloft Spielen und dem Angebot WildTangent verewigt, zudem hat unser Testgerät nachträglich den PlayStation Store heruntergeladen, in dem ebenfalls Spiele und Apps zum Download bereitstehen.

Sony möbelt Android auf

Generell ist das Xperia Tablet S gut mit Content-Quellen vernetzt, denn der japanische Elektronikriese sitzt bekanntlich auch auf einem Video on demand– und Musik-Streaming-Angebot. Darüber hinaus ist Sony im E-Book-Reader-Geschäft aktiv und hat daher auch eine Reader-App installiert. Nach dem Öffnen stellt sich aber heraus, dass der digitale Bücherladen nur in den USA, Großbritannien und in Kanada geöffnet hat. Alternativ lässt sich Google Play Books anzapfen, Musik und Filme sind dort ebenfalls zu finden. Soziale Netzwerke fasst das Tablet unter Socialife zusammen, in der App werden Facebook, Twitter, Nachrichten-Feeds und ein eventuell vorhandenes Sony-Entertainment-Network-Konto gebündelt. Multimedia-Fans kommt ferner die breite Formatunterstützung entgegen. Ohne zusätzlichen Videoplayer und Konvertierzwang ließen sich sogar .avi- und .mkv-Dateien in Full-HD abspielen.

Android ist auf dem Xperia-Tablet in der Version 4.0 alias Ice Cream Sandwich installiert, das heißt, Flash ist noch nutzbar. Freude kommt dabei aber nicht unbedingt auf. In unserem Test stürzte der Android-Browser beim Aufrufen eines Flash-Videos zunächst ab, als es nach dem zweiten Anlauf über den Bildschirm flimmerte, vermissten wir jedoch Steuerungstasten und auch die einblendbaren Bedientasten von Android ließen sich nicht mehr aufrufen. Zurück kamen wir dann nur noch durch Betätigen der Power-Taste.

Fernbedienung und parallele Apps

Ein nettes Feature hat Sony seinem neuen Tablet noch gegönnt: Die Fernbedienungsfunktion lässt sich über den Startbildschirm über einen separaten Button als Mini-App aufrufen. Auch andere Tools wie Notizen, ein Taschenrechner oder Timer und sogar der Browser können auf diese Weise zusätzlich zum eigentlichen Bildschirminhalt angezeigt werden. Eine solche parallele Darstellung verschiedener Apps wird so mancher Tablet-Nutzer immer vermisst haben, das neue Windows RT ist dazu beispielsweise von Haus aus in der Lage. Für Familien oder Nutzer, die ihr Tablet an Freunde verleihen möchten, ist zusätzlich der Gastmodus interessant. Auf diese Weise können bestimmte Informationen oder Apps für sich behalten werden.

Fazit: Verbesserter Keil, weniger steil

Mit dem Xperia Tablet S hat Sony eine konsequente Modellpflege zum vorherigen Tablet S betrieben. Die Hardware-Leistung wurde verbessert, eine Variante mit Mobilfunkanbindung hinzugefügt und das Android-Betriebssystem aktualisiert. Der steilen Form und dem Zusatznutzen durch eine Infrarotschnittstelle ist Sony treu geblieben, auf Bewährtes verzichtet man schließlich ungern. Schade, dass der Hersteller bei den Anschlüssen nicht zugelegt hat, vielleicht liegt das auch an der Idee, das Tablet spritzwassergeschützt zu konzipieren und die Ports daher verstecken zu müssen. Davon, dass die Kameraauflösung auf stattliche 8 Megapixel gestiegen ist, hat der Kunde leider wenig, da ein Blitzlicht fehlt. Zudem sind die Fotos etwas farbschwach beziehungsweise blass.

Praktisch: Wer mit der Bildschirmtastatur nicht auskommt, kann für 99 Euro eine passgenaue Tastatur-Schutzhülle von Sony kaufen. Sie erinnert an das Touch Cover, das wir im Microsoft Surface mit Windows RT Test ausprobiert haben. Alternativ hält Sony verschiedene Schutz-Cover und Ständer sowie eine Docking-Station mit USB-Ports und HDMI für sein Tablet bereit. Wer das Xperia-Tablet mit dem iPad 4 vergleicht, kommt bei Sony 100 Euro günstiger davon. Das gilt auch für die Mobilfunkmodelle. Das kleine iPad mini (Test) ist hingegen günstiger als das Xperia-Modell.

Unser Testfazit zum Sony Xperia Tablet S
Pro Contra
  • Tegra-3-Plattform
  • geringes Gewicht
  • blickwinkelstabiles Display
  • lange Akkulaufzeit
  • praktische Zusatz-Features
  • 3G-Version verfügbar
  • großes Zubehörangebot
  • Browser z.T. mit langen Ladezeiten
  • kein Blitzlicht
  • nur wenige Anschlüsse
  • 64 GB nur für 3G-Modell
Bewertung
  • Geschwindigkeit (20%):gut
  • Ausstattung (20%):gut
  • Display (20%):gut
  • Bedienung/Handhabung (15%):gut
  • Akkulaufzeit (15%):gut
  • Verarbeitung (10%):gut
Gesamtnote der Redaktion: Preis-Leistung:
2,0gut gut

(Saskia Brintrup)

Sony Xperia Tablet S
Sony Xperia Tablet SZum Xperia Tablet S
Allgemein
Sony Xperia Tablet S
Herstellungsjahr2012
MarktstartSeptember 2012
Farben
Schwarz
AbmessungenHöhe: 241 mm
Breite: 174 mm
Tiefe: 20,6 mm
Gewicht598 g
Display
Sony Xperia Tablet S
TechnologieTouchscreen
TypTFT
Größe9,4 Zoll
Auflösung800 x 1280 Pixel
Pixeldichte161 ppi
AnmerkungenLED-Hintergrundbeleuchtung
Speicher
Sony Xperia Tablet S
Speicher intern16 GB
32 GB
64 GB
Arbeitsspeicher1 GB
Prozessor und Akku
Sony Xperia Tablet S
ProzessorNvidia Tegra 3
Quad-Core-Prozessor
Taktrate 1,3 GHz
Akku-Kapazität6000 mAh
Laufzeit7 Stunden
Software
Sony Xperia Tablet S
BetriebssystemAndroid 3.1 Honeycomb
App-ShopGoogle Play
Anmerkungen SoftwareDLNA, Crash Bandicoot vorinstalliert, Reader for Tablet
Daten und Netze
Sony Xperia Tablet S
AnschlüsseBluetooth
Infrarot
USB
WLAN
Kopfhöreranschluss
TV-Ausgang
Datentransfernur Datentransfer möglich (keine Telefon-Option)
Messaging und Multimedia
Sony Xperia Tablet S
MessagingE-Mail
Instant Messaging
Videotelefonie
Soziale Netzwerke
MultimediaMP3-/Music-/Mediaplayer
Video-Player
NavigationNavigationssoftware
GPS
Kamera5 Megapixel
Video: möglich
Zweit-Kamera0,3 Megapixel

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