Testbericht

Sony Xperia P im Test - Der Helligkeitskünstler

Das Sony Xperia P überzeugt im Test mit einem besonders hellen Display. Allerdings gibt es auch Schattenseiten: eine maue Kamera und einen miserablen Akku.

Sony Xperia P© Sony

Smartphones von Sony sind noch relativ neu am Mobilfunkmarkt. Die ersten Nachfolger der Sony Ericsson-Ära sollen unter anderem mit recht markanten Zügen sowie einem insgesamt schlichten Design überzeugen und darüber hinaus eine ganze Reihe an attraktiven Extras liefern. So auch das Xperia P, das vor allem mit seinem 4 Zoll großen TFT-Display Begeisterung wecken soll. In unserem Test konnten wir aber auch die ein oder andere Schattenseite aufdecken.

Rutschige Rückseite

Die Einrichtung des Telefons geht schnell von der Hand: acht Schritte sind notwendig, um das Smartphone auf Basis von Android 2.3.7 in Betrieb nehmen zu können. Auffällig ist die recht eckige Verarbeitung, die nicht jedem Nutzer gefallen dürfte. Hinzu kommt, dass die Rückseite des Telefons sehr rutschig ist und eigentlich immer die Gefahr besteht, dass das Telefon aus der Hand gleitet. Außerdem haben sich die Entwickler von Sony für eine leicht gebogene Rückseite entschieden. Positiv: die Kameralinse ragt anders als zum Beispiel bei vielen aktuellen HTC-Smartphones nicht aus dem Gehäuse heraus.

Einen besonderen Fokus hat Sony beim Xperia P auf die Helligkeit des Displays gelegt. Sie lässt sich wahlweise in einem Energiesparmodus oder aber mit der so genannten "White Magic"-Technologie betreiben. Durch die Zuschaltung weißer Subpixel erhöht sich die Leuchtkraft spürbar. Insbesondere unter freiem Himmel bei starker Sonneneinstrahlung ist das von Nutzen, weil es deutlich einfacher ist, Inhalte vom Bildschirm abzulesen. Aber: wer "White Magic" aktiviert und recht hell einstellt, muss mit einer spürbar kürzeren Akkulaufzeit rechnen. Gleiches gilt für den Fall, dass der integrierte Helligkeitssensor in den Display-Einstellungen deaktiviert wird.

Schön ist, dass das Display des Xperia P im Allgemeinen einen sehr scharfen Eindruck macht: sowohl beim Betrachten vom Videos als auch bei der Nutzung von Apps. In Kombination mit der hohen Helligkeit und den satten Farben der so genannten Bravia Engine kommt in der Endabrechnung ein recht einzigartiges Nutzungsgefühl auf, bei dem viele Konkurrenz-Modelle ziemlich alt aussehen. Erstaunlich ist auch, dass das Display vergleichsweise wenig spiegelt.

QWERTZ-Tastaturen im Hoch- und Querformat

Von seiner guten Seite präsentiert sich das Xperia P auch in Sachen Messaging. Sowohl im Hoch- als auch im Querformat ist auf dem Touchscreen eine virtuelle QWERTZ-Tastatur nutzbar. Wer gerne schneller mit zwei Händen die Buchstaben eintippt, sollte allerdings die Eingabe im Querformat nutzen, wo die einzelnen Tastenfelder spürbar größer ausfallen. Eine gute Hilfe ist die automatische Worterkennung, die zuverlässig arbeitet.

Für reichlich Individualität sorgen die fünf Startbildschirme, auf denen nicht nur App-Verknüpfungen, sondern auch viele vorinstallierte Widgets platziert werden können. Im Hauptmenü werden die installierten Apps ebenfalls auf nebeneinander angeordneten Seiten dargestellt. Eine Sortierung ist sowohl nach den eigenen Wünschen, aber auch nach der häufigsten Verwendung oder klassisch in alphabetischer Reihenfolge möglich. Nebenbei bemerkt: schon im Laufe der nächsten Wochen will Sony ein Upgrade auf Android-Version 4.0 Ice Cream Sandwich bereitstellen.

Gewöhnungsbedürftige Sensortasten

Ein kleiner Hingucker sind die drei Sensor-Menütasten unter dem Display. Sie sind nicht direkt in das Display integriert worden, sondern in eine schmale, durchsichtige Leiste. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, eine zuverlässige Navigation durch das Android-Menü ist aber mit ein bisschen Fingerübung trotzdem möglich. Abzüge gibt es lediglich dafür, dass die Beleuchtung der drei Tasten sehr schwach ausfällt.

Kritik muss sich Sony auch beim verbauten Mono-Lautsprecher gefallen lassen. An der rechten Gehäuseseite integriert klingt er extrem blechern und macht überhaupt keinen Spaß. Gerade von einem Konzern, der für gute Performance bei Hifi-Hardware bekannt ist, muss man in diesem Punkt mehr erwarten können. Immerhin ist ein solides Stereo-Headset mit Ohrstöpseln in verschiedenen Größen im Lieferumfang inklusive.

Diverse Musik-Funktionen

Abgesehen davon ist das Xperia P aber ein kleiner Unterhaltungskünstler. Im Musik-Player werden heruntergeladene Songs sowohl alphabetisch als auch nach Künstlername sortiert. Darüber hinaus lassen sich Playlisten anlegen und es besteht Zugriff auf das Angebot von Music Unlimited mit Millionen (kostenpflichtiger) Musikdateien. Ergänzend dazu stellt Sony ein UKW-Radio mit RDS-Unterstützung bereit.

Sorgen über ein lahmendes Gerät muss man sich beim Xperia P nicht machen. Der integrierte Dual-Core-Prozessor mit einer Taktrate von 1 Gigahertz leistet gute Arbeit - flankiert durch 1 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher. Ruckler sind weder bei der Navigation durch das Menü, noch bei der Nutzung von Apps zu beobachten. Auch das Starten von Anwendungen läuft erfreulich zügig ab. Der interne Speicher ist auf 16 GB beschränkt, wovon 3 GB für das vorinstallierte Betriebssystem verwendet werden. Schwach: Eine Speichererweiterung über eine MicroSD-Karte ist nicht möglich.

An weiteren Extras stehen dem Nutzer eine HDMI-Schnittstelle für den Anschluss an Fernseher, Stereo-Bluetooth für kabellosen Musikgenuss, DLNA und sogar NFC zur Verfügung. Mobile Internetausflüge sind auf Basis von HSDPA oder über die integrierte WLAN-Schnittstelle möglich. Die generelle Nutzung ist nicht nur in GSM- sondern auch in UMTS-Netzen möglich.

Mit Licht und Schatten präsentiert sich die integrierte Digitalkamera. Zwar löst sie mit bis zu 8 Megapixeln auf und ist mit einem sehr zuverlässig arbeitenden Autofokus ausgestattet, jedoch lassen sich nicht alle Schnappschüsse in der gewünschten Qualität aufnehmen. Recht häufig werden Bilder falsch belichtet und fallen extrem dunkel aus - weil etwa der Himmel im Hintergrund fokussiert wird. Praktisch keine Abstriche müssen bei der Bildschärfe gemacht werden. Selbst Makroaufnahmen können überzeugen. Mit an Bord sind ein 8-facher Digitalzoom und ein LED-Blitzlicht. Wer statt Fotos lieber Videos aufnimmt, kann sich über eine Full-HD-Funktion (1.080p) freuen - sollte aber auch hier an die Qualität keine zu hohen Erwartungen stellen. Als Auslöser dient wahlweise das Display oder eines separate Kamerataste an der rechten Seite. Auf der Vorderseite wurde eine zweite Kamera für Videotelefonate integriert.

Aussetzer im Roaming-Betrieb

Gar nicht gefallen hat uns im Rahmen unseres Tests eine mehrfach aufgetretene Fehlfunktion im Roaming-Betrieb. Während eines Aufenthalts in England mussten wir wiederholt feststellen, dass das Telefon die Verbindung zum Mobilfunknetz komplett verlor. Mehr noch: auch der Trick, das Telefon nach Aktivierung des Flugmodus zu einer neuen Einbuchung ins Mobilfunknetz zu zwingen, schlug fehl. Denn der Flugmodus konnte erst gar nicht aktiviert werden. Nur ein kompletter Neustart des Telefons schaffte Abhilfe.

Keine gute Figur macht das Xperia P darüber hinaus bei der Akkulaufzeit. Wer das Gerät zum Beispiel im Zug oder als Beifahrer im Auto intensiv nutzt, muss damit rechnen, dass schon nach fünf bis sechs Stunden neue Energie zugeführt werden muss. Insbesondere bei einer aktivierten Datenverbindung geht dem Telefon sehr schnell die Puste aus. Hinzu kommt, dass es auch nicht möglich ist, mit Ersatzakkus vorzubeugen: der Akku des Xperia P ist fest verbaut und demnach nicht austauschbar.

Fazit - Tolles Smartphone mit Patzern

Es ist gar nicht so leicht ein passendes Urteil über das Sony Xperia P zu fällen. Denn eigentlich überzeugt das Telefon mit einer grundsoliden Performance, die nur durch gewöhnungsbedürftige Sensortasten und Verbindungspatzer im Ausland getrübt wird. Die Gesprächsqualität macht Laune, der integrierte Lautsprecher hingegen überhaupt nicht. Und das brillante Display kann seine Stärken nur recht kurzweilig ausspielen, weil der fest verbaute Akku viel zu kurz Energie liefert. Hinzu kommt, dass das Telefon zwar mit einem schlichten Design überzeugen kann, aufgrund der glatten und gebogenen Rückseite aber sehr rutschig in der Hand liegt. Und die Kamera? Tolle, scharfe Bilder, die häufig aber falsch belichtet werden. Kurzum: das an sich positive Gesamterscheinungsbild wird immer wieder durch Mankos überschattet. Schade.

Zu haben ist das 122 x 60 x 11 Millimeter kleine und 120 Gramm schwere Smartphone in den Farben rot, silber und schwarz zu einem Preis ab knapp 317 Euro. Bei Amazon ist es abhängig von der gewählten Farbe ab 330 Euro ohne zusätzliche Versandkosten erhältlich. Betrieben wird es mit einer Micro-SIM-Karte, die an der linken Seite in das Gehäuse geschoben werden kann. Eine kleine Status-LED oberhalb des Displays informiert mehrfarbig über verpasste Anrufe und noch nicht gelesene Nachrichten.

Name: Xperia P
Hersteller: Sony Mobile
Internet: www.sonymobile.com
Preis: ab ca. 317 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android (Version 2.3.7 Gingerbread)
Prozessor: 1 Ghz. Dual Core
Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte
SIM: Micro-SIM
Antenne: GSM Quadband (850, 900, 1.800, 1.900 Megahertz)
UMTS (850, 900, 1.900, 2.100 Megahertz)
Abmessungen: 122 x 60 x 11 Millimeter
Gewicht: 120 Gramm
Display: 4 Zoll, 960 x 540 Pixel, 16,8 Mio. Farben
Speicher: 16 GB intern;
per microSD nicht erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN, NFC, DLNA
Digitalkamera: 8 Megapixel Kamera, Digitalzoom, Autofokus
HD-Videofunktion (1.080p), Frontkamera (VGA)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset inkl. Ohrstöpsel in verschiedenen Größen, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,78 W/kg (gering)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung, NFC, Status-LED 
Akkulaufzeit im Test: 4-6 Stunden Sprechzeit
8-10 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
gute Verarbeitung
gute Performance
sehr helles Display
Status LED
schwacher Akku
Akku nicht austauschbar
mäßige Kamera
sehr glatte Rückseite

Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): mangelhaft
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (2,4)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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