Testbericht

Sony Tablet S im Test: Android in Keilform

Sonys Tablet-PC kommt spät, aber nicht zu spät: Zwar sind schon etliche Tablets mit Android "Honeycomb" und Nvidia Tegra 2 am Markt vertreten, Sony hat jedoch mit einer Playstation-Zertifizierung, einer praktischen und leichten Bauform sowie einer App, die sämtliche Fernbedienungen ersetzen kann, tief in die Feature-Kiste gegriffen.

Sonys Tablet-PC kommt spät, aber nicht zu spät: Zwar sind schon etliche Tablets mit Android "Honeycomb" und Nvidia Tegra 2 am Markt vertreten, Sony hat jedoch mit einer Playstation-Zertifizierung, einer praktischen und leichten Bauform sowie einer App, die sämtliche Fernbedienungen ersetzen kann, tief in die Feature-Kiste gegriffen.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Sonys Einstieg in den Tablet-PC-Markt erinnert ein bisschen an die Anfänge der Netbook-Zeit. Viele Konkurrenten des japanischen Konzerns waren bereits mit entsprechenden Produkten am Markt vertreten, als sich Sony zu einem späteren Zeitpunkt anschloss. Dann allerdings reihte sich der Hersteller nicht mit einem "Me too"-Gerät in eine Schlange voller ähnlicher Rechenzwerge ein, sondern stellte mit dem Vaio P etwas Eigenständiges auf die Beine. Auch das Sony Tablet S mit Android-Betriebssystem betritt keine rar besiedelte Marktnische, sondern trifft zum Start im Herbst auf jede Menge anderer Androiden, zum Teil bereits in zweiter Generation. Doch der Vater des Walkman und der Playstation hat einiges getan, um sein Honeycomb-Tablet von anderen abzugrenzen. Was genau, zeigt unser Test.

Sony Tablet S Test – Inhalt

  • Seite 1: Optik, Schnittstellen und Fernbedienung
  • Seite 2: Android, Display, Hardware und Sound
  • Seite 3: Kameras, Fazit und Info-Tabelle

Leichtes Tablet, das gut in der Hand liegt

Wer den rund 241x174 Millimeter (mm) großen Tablet-Computer aus der Verpackung hebt und schon das eine oder andere Tablet in der Hand halten durfte, dem wird direkt auffallen, wie leicht Sonys S ist. Mit 598 Gramm dringt es als eines der wenigen Geräte jenseits einer Displaygröße von 9 Zoll in die niedrige Gewichtsklasse des iPad 2 von Apple vor, das je nach Modell 601 Gramm oder mehr auf die Waage bringt. Bei längerer Nutzung in beiden Händen ist das klar von Vorteil. Auffällig aber nicht minder praktisch ist die Keilform. An der dicksten Stelle misst das Tablet rund 20 mm, an der Vorderseite läuft es auf 10 mm zu. Auf den Tisch abgelegt ergibt sich dadurch ein angenehmer Winkel, zum Beispiel, um Texte mit der Bildschirmtastatur (mit einblendbarem Nummernblock) einzutippen oder verschiedene Geräte im Wohnzimmer via Infrarot fernzusteuern.



1 Tablet statt 10 Fernbedienungen: Verschiedene Geräte steuern

Das von Sony entwickelte Tool entpuppt sich als tatkräftige Unterstützung: Zahlreiche Tasten-Layouts von Fernbedienungen für Fernseher, DVD-Player, Kabelboxen, PCs mit dem Windows Media Center oder iPod Docks unterschiedlicher Hersteller werden bereits mitgeliefert. Ist das eigene Equipment nicht aufgeführt, kann der Nutzer dem Tablet die Befehle der Fernbedienung beibringen. Wir haben die Lernprozedur mit einer Digital-TV-Box und einem Flachbildfernseher ausprobiert und konnten beide Geräte im Anschluss daran sofort mit dem Sony Tablet steuern. Getestet haben wir nur den Programmwechsel und die Lautstärketasten, kompliziertere Befehle lassen sich jedoch auf die gleiche Weise einüben. Eine Tastenfunktion nachzuahmen dauert nur ein paar Sekunden: Lernanwendung starten, die Fernbedienung dicht an das Tablet halten und die jeweilige Taste drücken.

Wenige Anschlüsse, unglückliche Kartenleser-Position

Die Kehrseite des geringen Gewichts ist die Dominanz von Plastik: Statt eines festen Aluminiumgebildes umgibt schwarz-glänzender Kunststoff das Gerät. Nach längerem Gebrauch sammeln sich deshalb auch auf der Rückseite Fingerabdrücke an, die sanfte Strukturierung schafft nur bedingt Abhilfe. Spärlich gesät sind Schnittstellen: Ein proprietärer Anschluss für das Netzteil, ein Kopfhörerausgang und hinter einer Abdeckung ein kleiner USB-Anschluss sowie ein Speicherkarten-Schacht, der SD-Karten herkömmlicher Größe aufnimmt. Das Einschieben der Karte klappt noch problemlos, das Einrasten und insbesondere das Herausnehmen stellen aber die Geduld auf die Probe. Durch die ungeschickte Position lässt sich die Speicherkarte kaum mit den Fingern greifen.

Die Daten lassen sich direkt von der Speicherkarte aus öffnen beziehungsweise abspielen, aber auch bequem auf den wahlweise 16 oder 32 Gigabyte (GB) großen Flashspeicher des Tablets übertragen. Leider ist das auch die einzige Möglichkeit, um ohne weiteres Zutun Daten zwischen dem Tablet und einem anderen Gerät auszutauschen. Ein passendes Kabel für den Mini-USB-Port liegt nämlich nicht bei. Lediglich eine Trageschlaufe hat Sony mit in den Karton gepackt. Wer sich in Sonys Webshop nach Zubehörartikeln für das Tablet umschaut, findet zwar eine Ladestation und diverse Tragetaschen, aber auch hier keine Spur von einem passenden USB-Kabel. Allerdings versteht sich das Tablet mit DLNA-zertifizierter Hardware und Medien-Servern. Wer über eine entsprechende Ausstattung verfügt, kann Filme, Musik und Fotos unkompliziert per WLAN-Verbindung von einem Gerät zum anderen schicken.

Das Sony Tablet S wird mit Android in der Version 3.2 geliefert, physische Tasten zum Aufrufen des Menüs, der Optionen oder der Zurückfunktion gibt es daher nicht. Die Lautstärke lässt sich über zwei Tasten regeln, alle übrigen Befehle nimmt der Touchscreen entgegen. Die Android-Oberfläche ist zwar sofort wiederzuerkennen, zum Beispiel anhand der wechselbaren Desktops, der Statusleiste am Displayrand und dem Einstellungs-Menü, optisch hat Sony aber mit lilafarbenen Symbolen, einem weißen Hintergrund in der App-Ansicht und minimalistischen Animationen seine eigene Handschrift hinterlassen. Prominent auf dem Homescreen verlinkt sind die Anwendung Video Unlimited aus dem Sony Netzwerk, ein Reader für E-Books und eine App für soziale Netzwerke. Ansonsten liefert das Tablet noch die üblichen Android-Apps wie Google Mail, Google Maps, Latitude und Navigation (GPS ist an Bord), einen Kalender, Google Talk und eine Sprachsuche, die mittlerweile auch deutschsprachige Anweisungen zum Öffnen von Karten und Websites entgegennimmt. Zusätzlich zum Android Market lässt sich die Sony-Website select App anzapfen, um weitere Anwendungen für das Tablet zu finden.

Sony Tablet S Test – Inhalt

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  • Seite 3: Kameras, Fazit und Info-Tabelle

Touchscreen lässt sich sehr gut bedienen

Das Display kommt mit einer Diagonalen von 9,4 Zoll in einer ungewöhnlichen Größe, durch die hohe Auflösung von 1.280x800 Bildpunkten wirkt das Sony Tablet S dennoch beim Surfen und Nutzen von Apps nicht beengter als ein klassisches 10-Zoll-Tablet. Der Android-eigene Browser mit Tab-Unterstützung und Privatmodus lässt den Nutzer zügig durch das WWW streifen, nur beim schnellen Scrollen durch lange Webseiten oder starkem Vergrößern oder Verkleinern von Inhalten kommt es hier und da zu kurzen Unterbrechungen. Über einen Lagesensor schaltet das Tablet selbständig zwischen Hoch- und Querformat um, wie viele andere Tablets ist es dabei nicht so flott wie Apples iPad. Die Handhabung ist vorbildlich, der Touchscreen reagiert unmittelbar und macht das zielgenaue Ansteuern von Links und Verschieben oder Anpassen mit Mehrfingergesten zum Kinderspiel. Auch hinsichtlich der Bildqualität kann der Touchscreen überzeugen. Die Farben sind kräftig und die Spiegelungen halten sich trotz glatter Oberfläche noch in Grenzen. Quergehalten besticht der Bildschirm durch einen großen horizontalen Blickwinkel, schaut man schräg von oben oder unten auf das Display, lässt sich ein kleinerer Winkel feststellen.

Optional mit UMTS

Ob nur zuhause und an WLAN-Hotspots oder auch außerhalb davon über das Mobilfunknetz gesurft werden kann, hängt von der Tablet-Version ab. Je nach Bedarf bietet Sony den flotten Keil mit oder ohne UMTS-Modul an, letzteres ist aber noch nicht verfügbar. Mit einem Nvidia Tegra 2 Chip mit Dual-Core-Prozessor mit 1,0 Gigahertz und HD-fähiger Grafik ist das Tablet S gut gerüstet, um unterwegs als Unterhalter zu dienen. HD-Clips in 720p lassen sich mit dem integrierten Mediaplayer problemlos, das heißt ruckelfrei, abspielen. Full-HD-Videos akzeptiert das Tablet nicht und blendet stattdessen einen Hinweis ein. Ähnliches spielt sich auf der Videoplattform YouTube ab. Dank Flash-Unterstützung lassen sich die Clips nicht nur über die mitgelieferte YouTube-App, sondern auch auf der herkömmlichen Desktop-Website abspielen. Wer auf 1080p umschaltet, wird jedoch Ruckler feststellen, flüssig laufen die Videos bis zu einer Auflösung von 720p über den Bildschirm. Die mobile Version in Form der App unterscheidet lediglich zwischen SD und HD und beschert in beiden Auflösungen störungsfreien Videogenuss.

Playstation-Spiele auf dem Tablet

Nvidias Tegra-Chip zielt auch auf Spielefans ab, mit Sony hat der Grafikprozessor-Hersteller einen passenden Partner gefunden: Das Tablet S ist das erste Gerät mit PlayStation-Zertifizierung und holt die Spiele der Sony Konsole auf den Touchscreen. Mit Crash Bandicoot und Pinball Heroes gibt der japanische Elektronikriese den Käufern zwei Kostproben aus, die per Button verlinkt sind und erst heruntergeladen werden müssen. An die Steuerung über den Touchscreen muss sich der Spieler in jedem Fall zunächst gewöhnen, das schnelle Antippen mehrerer Tasten ist nicht so einfach. Weitere Titel lassen sich beispielsweise über den ebenso verlinkten Playstation Store beziehen. Die Auswahl des Spieleladens ist aber noch übersichtlich, zum Testzeitpunkt Anfang November bot die Auswahl zehn Spiele für jeweils 4,99 Euro an.

Starke Hardware, schwacher Sound

Die Lautsprecher können mit der Hardware-Leistung leider keineswegs mithalten. Der Sound strömt eher flach und schwach statt kräftig aus dem Tablet und lässt sich zwar laut aufdrehen, empfehlenswert ist das aber nicht. Zum Musikhören greift man definitiv lieber zu Ohrhörern. Und das beherrscht das Tablet S besser als manch anderes Android-Gerät. Neben dem Android-Player mit Equalizer kann der japanische Konzern seinen Kunden ein eigenes Unterhaltungs-Netzwerk bieten. Teil des Sony Entertainment Network ist unter anderem der Musikdienst Music Unlimited, der eine Musik Flatrate per Streaming ab 3,99 Euro pro Monat liefert. Auch die Sony Tablets können seit Mitte Oktober darauf zugreifen. Um Tablet-Besitzern eine Mitgliedschaft schmackhaft zu machen, gibt Sony ihnen einen 180-tägigen Probezugang aus.

Auch auf eine Kamerafunktion hat Sony bei der Gestaltung des Tablet S nicht verzichtet. Auf der Rückseite gibt es ein 5-Megapixel-Exemplar mit Autofokus, das nicht nur Fotos in verschiedenen Qualitätsstufen, sondern auch Videos aufnehmen kann. Da das Sony Tablet gut in der Hand liegt, ist beides zu bewerkstelligen, ohne dass das Festhalten zu unangenehm wird. Während der Videoaufnahme stellt die Kamera selbständig permanent scharf, das gewünschte Objekt wird dabei zügig in den Fokus gerückt. Die Qualität der Bilder ist gut genug für ein paar Schnappschüsse zwischendurch, da kein Blitz zur Verfügung steht, darf es aber nicht zu dunkel sein. Dass die Fotos nicht so perfekt aussehen, wie mit einer guten Digitalkamera aufgenommen, zeigt sich beim Bildrauschen. Um Videogespräche zu führen, steht auf der Vorderseite eine zweite Kamera bereit. Sony verlässt sich hier auf ein günstigeres VGA-Modell (0,3 Megapixel), das bei guten Lichtverhältnissen aber absolut ausreicht.

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Fazit: Das etwas andere Android-Tablet

Mit dem Tablet S von Sony steht Android-Interessenten zunächst ein weiteres Honeycomb-Tablet mit Nivdia Tegra 2 zur Verfügung. Doch statt einfach nur später als viele andere Hersteller dazuzustoßen haben sich die Japaner für ein Tablet entschieden, das sich in verschiedenen Punkten von der Android-Masse abhebt. Die ungewöhnliche Keilform sorgt – auch ohne Standfuß – für eine gute Handhabung und auch die Software fügt dem S-Tablet das gewisse Etwas hinzu. Dank Sonys Entertainment-Netzwerk kann der Nutzer Musik, Videos, Spiele und digitale Bücher aus einer Hand erhalten und die App zur Fernsteuerung schiebt die unschöne Ansammlung von Fernbedienungen im Wohnzimmer in die Schublade ab – ein starkes Argument für das Tablet S. Trotz der überzeugenden Stärken gibt es auch Punkte, die weniger gut gefallen. Der Lautsprecher-Sound könnte besser sein, an Schnittstellen wurde gespart und der Kartenleser ist alles andere als leicht zugänglich. Die Akkulaufzeit liegt mit rund 6 Stunden beim Surfen im Mittelfeld.


Weitere Tablet-PCs im Test und eine Kaufberatung zum Thema Tablet-PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: Tablet S
Hersteller: Sony
Internet: www.sony.de
Preis: UVP ab 479 Euro
Tablet S 16 GB (WLAN)

ab 475 Euro


Tablet S 32 GB (WLAN)

ab 578 Euro

Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Nvidia Tegra 2 - Dual-Core-Prozessor mit 1,0 GHz
Bildschirm: 10,1 Zoll WXGA (1.280x800 Pixel) Touchscreen
Speicher: 1 GB RAM, 16 oder 32 GB Flash Speicher
Akku: Herstellerangaben: 8 Stunden;
gemessen: Web-Browsing (WLAN) 6 Stunden, Standby (WLAN ein) 22 Tage
Kommunikation: WiFi 802.11b/g/n, Bluetooth 2.1+ EDR, UMTS optional
Betriebssystem: Android 3.2 (Honeycomb)
Abmessungen: HxBxT: 241x174x10 bis 20 mm Millimeter; 598 Gramm
Anschlüsse: Mini-USB-Anschluss, Kopfhörer (3,5 mm Klinke), SD-Kartenleser
Formatunterstützung: AAC, mp3, WAV, WMA, WMA Pro, FLAC, MIDI, Ogg Vorbis, H.263, H.264/AVC, MPEG-4, WMV, JPEG, GIF, PNG, BMP, WBMP
Sonstiges: GPS, Beschleunigungssensor, Lichtsensor, 5-Megapixel-Kamera für Fotos und Videos (HD) mit Autofokus, VGA-Webcam, Flash-Support, Fernbedienungsfunktion (Infrarot), Playstation-Zertifizierung
Gutes Display
praktische Form
Content-Unterstützung
Multitasking
zwei Kameras
Fernbedienungsfunktion
GPS
Flash-Support
wenige Schnittstellen
kein USB-Kabel dabei
schwer erreichbarer Kartenleser
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): gut
Display (20%): gut
Bedienung/Handhabung (15%): sehr gut
Akkulaufzeit (15%): gut
Verarbeitung (10%): gut
Gesamt: gut (1,9)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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