Testbericht

Sony Google TV Box im Test: Gutes Gerät, magere App-Auswahl

Was leistet Google TV? Die TV-Oberfläche des US-Unternehmens ist in bestimmte Flachbildfernseher integriert, lässt sich aber auch nachrüsten. Wir haben Sonys NSZ-GS7 Internet Player mit Google TV ausprobiert; leider lässt die App-Auswahl noch zu wünschen übrig.

Sony Google TV-Box © onlinekosten.de

Was Sony unter der Bezeichnung NSZ-GS7 Internet Player anbietet, wird den meisten wohl eher als Apparat für Google TV bekannt sein. Mit dem Gerät lässt sich ein herkömmlicher Fernseher zum Smart TV verwandeln. Und da diese je nach Modell mit langen Startzeiten oder einer hakeligen Bedienung zu kämpfen haben und nicht zuletzt teurer sind als Offline-Flatscreens, ist das Zubehörteil für Dauervernetzte auf dem Papier eine interessante Option. Wie sich die 199 Euro teure Box im Wohnzimmer macht, verrät unser Testbericht.

Kleiner, schwarzer Kasten

Die TV-Box von Sony ist ausgesprochen leicht und lediglich so groß wie ein Taschenbuch. Das schwarze Hochglanz-Gehäuse ist anständig verarbeitet, dass es aus Plastik besteht, sieht und fühlt man aber sofort. Aufgehübscht wird der glatte Kunststoff durch kleine, griffige Punkte, die auch die zwangsläufig auftauchenden Fingerabdrücke abmildern. Da die Bedienung aber ohnehin gänzlich über die mitgelieferte Fernbedienung erfolgt, beschränkt sich das Anfassen des Geräts auf die Inbetriebnahme. Ober- beziehungsweise Vorderseite bleiben mit Ausnahme des Sony-Logos, der Produktbezeichnung und Betriebsleuchte blank, die Lüftungsschlitze befinden sich an den Seiten und die Schnittstellen ausnahmslos hinten: je ein HDMI Ein- und Ausgang, ein optischer Audioausgang, zwei USB-Anschlüsse, ein Eingang für den beiliegenden Infrarot-Empfänger und eine LAN-Schnittstelle (100 Megabit pro Sekunde). Alternativ lässt sich die Box per WLAN mit dem Internet oder Heimnetzwerk verbinden. An Kabeln legt der Hersteller nur eines für die Stromversorgung bei, für den Anschluss des Fernsehers oder Receivers muss der Nutzer selbst sorgen. Da unsere Test-Kabel-Box kein HDMI spendiert, haben wir den Player unmittelbar an den Fernseher angedockt, konnten deshalb aber auch weder Live-TV noch die Aufzeichnungsfunktion testen.

Einfache Einrichtung dank funktionsreicher Fernbedienung

Nachdem eine Internetverbindung hergestellt wurde, fragt der NSZ-GS7 Internet Player nach einem Google-Konto. Falls noch kein Account vorhanden ist, lässt sich an dieser Stelle ein neuer anlegen. So oder so, die Einrichtung ist ein Punkt, bei dem so mancher für die Gestaltung der Fernbedienung dankbar sein dürfte. Denn sie ist beidseitig nutzbar: Auf der Oberseite sind Navigationstasten, Ein-/Ausschalter, Pause und Menü sowie ein klickbares Touchpad untergebracht, während sich auf der Rückseite eine QWERTZ-Tastatur befindet. Dank Hintergrundbeleuchtung ist diese auch abends noch zu gebrauchen. Beim Eingeben von Text, insbesondere komplizierten Passwörtern, sind die Tasten ein Segen, beim Apple TV (Test) ist das deutlich umständlicher. Intelligent gelöst ist auch, dass sie die Bedienung des Fernsehers gleich mit übernehmen kann. Hierzu können TV-Hersteller und -Typenbezeichnung eingetragen werden. Wir ließen es in unserem Versuch darauf ankommen und gaben lediglich den Hersteller an, trotzdem klappte die Erkennung auf Anhieb. Prinzipiell versteht sich die Fernbedienung mit allen Gerät mit Infrarotsignal. Zur Verbesserung der HDMI-Übertragung schob Sony ein System-Update nach, das wir installierten.

Ist alles eingerichtet, klärt Sony am Bildschirm kurz über die wichtigsten Funktionstasten auf, anschließend zeigen sich ein noch leerer Startbildschirm und eine Menüleiste zum Zugriff auf das laufende TV-Programm, YouTube, Google Play, Sonys Entertainment-Netzwerk, die Suche, Chrome und eine ausführliche Hilfefunktion. Darüber hinaus gibt es einen Button, der zu einer Übersicht aller Funktionen und Apps führt – genau wie bei Android-Smartphones und -Tablets. Dort befinden sich unter anderem ein Ordner für Downloads, die Einstellungen, eine Foto-App, ein Tool zum Erkennen von Songs, Sonys Content-Lager Music Unlimited und Video Unlimited sowie Twitter. Der Twitter-Client zeigt nur Favoriten und Erwähnungen, aber keine Nachrichten und Listen an. Darüber hinaus können über "Sociallife" Inhalte per Twitter oder Facebook geteilt werden. Nicht nachvollziehbar: Google+ ist nicht mit an Bord. Zwar kann über den Google-Account für Apps in Google Play das +1 vergeben werden, um sich ins Netzwerk einzuklinken, ist aber der Chrome-Browser erforderlich. Die kleine Sprechblase im Startmenü informiert über neue Updates oder Download-Fortschritte und bietet die Möglichkeit, auf zuletzt verwendete Apps zuzugreifen.

Sonys NSZ-GS7 Internet Player genehmigt sich lediglich 6 bis 9 Watt, je nachdem ob gerade gesurft wird oder Videos laufen. Im Standby sank die Energieaufnahme während unseres Tests aber wider Erwarten nicht ab, es blieb bei 5 bis 6 Watt. Das lag offenbar an der "Schnellstart"-Einstellung. Ohne diese Funktion benötigt die Box 30 bis 40 Sekunden, bis sie bereit ist. Sehr angenehm ist der absolut geräuschlose Betrieb, dafür erwärmt sie sich bereits nach kurzer Einsatzzeit.

Wie steht es um die Content-Auswahl? Diese ist kürzlich gewachsen: Mitte November sind in Deutschland Google Play Music und Movies gestartet, womit Google Play auch Musiktitel und Filme zum Leihen, nicht aber zum Kaufen bereithält. Aktuelle Titel wie Ziemlich beste Freunde oder Men in Black 3 können für 3,99 Euro angeschaut werden, ältere Streifen wie Die Monster AG kosten 2,99 Euro. Wer HD-Qualität genießen möchte, muss 1 Euro drauflegen. Im Endeffekt liegen die Preise bei Google mit denen bei iTunes gleichauf. Mit TV-Serien kann Google Play aber nicht aufwarten. Angenehmer zu durchforsten ist Sonys Video Unlimited, da es auf die Tasten der Fernbedienung abgestimmt ist. Während einige Filme zum gleichen Preis wie in Google Play verfügbar sind, verlangt Sony für andere Titel in SD oder HD jeweils 1 Euro mehr.

Chrome-Browser: Flash ja, Silverlight nein

Erfolglos sind Versuche, im Store Anwendungen von Video on demand-Anbietern wie Maxdome oder Lovefilm (Test) zu finden. Die Android-App für Lovefilm wird in Google Play gar nicht erst angezeigt, da sie nicht kompatibel ist. Mangels Streaming-Unterstützung wäre sie aber ohnehin nur zum Verwalten der Leihliste geeignet. Über den Browser lassen sich die Dienste ebenso wenig nutzen: Beide erfordern Microsofts Silverlight, womit die Android-Box nicht dienen kann. Wer sich an einer Installation versucht, landet beim Plug-In für Linux, das nur heruntergeladen aber natürlich nicht verwendet werden kann. Mehr Möglichkeiten ergeben sich in den USA: Dort sind beispielsweise Apps von HBO und Netflix nutzbar.

Kein "Angry Birds" im Wohnzimmer

Weitere Ernüchterung stellt sich ein, sobald Google Play nach den Lieblings-Apps von Smartphone und Tablet durchforstet wird. Von Angry Birds oder Flipboard fehlt jede Spur, auch von Google+. Generell lässt das Spielaufgebot zu wünschen übrig; wir fanden beispielsweise Titel, die augenscheinlich voreilig auf Google TV umgestrickt wurden und denen die Touch-Bedienung noch anzusehen war. Sehr schade, wenn doch schon ein so netter Controller in der Hand liegt. Auch der Umweg über den Chrome Web Store läuft ins Leere, da der Browser nicht dem Desktop-Exemplar entspricht. So bekommt der Nutzer abermals einen Installationsvorschlag für Linux zu sehen. Kurz ausprobiert haben wir die Apps PostTV der Washington Post, IMDB, Accu Weather und eBay Kleinanzeigen. Teilweise könnten die Anbieter noch etwas nachbessern; so ist der Aktualisieren-Button in der Wetter-App in der deutschen Version italienisch beschriftet und eBay zeigt die abzunickenden rechtlichen Hinweise derart klein an, dass sie auf einem Fernseher schlichtweg nicht lesbar sind. Musik lässt sich außerhalb von Sonys Streaming-Dienst oder Google auch über Napster abspielen. Der Rhapsody-Dienst hat seine App bereits auf Google TV zugeschnitten, Konkurrenten wie Spotify lassen noch auf sich warten. Die auf der Google TV Website angeführten Apps wie Bild.de, tape.tv oder Kinowelt sind offenbar Fernsehgeräten mit Google TV vorbehalten; auf der Box von Sony sind sie weder vorab installiert noch über Google Play nachzuschieben.

Anpassbare Suche

Dass sich Android hinter Google TV verbirgt, wird auch deutlich, wenn im Browser Links auf Apps in Google Play oder YouTube-Videos angeklickt werden. Ganz wie auf den Mobilgeräten muss dann entschieden werden, ob der Browser, der Store oder aber die YouTube-App geöffnet werden soll. Eine umfassende Suche lässt sich per Klick auf die Lupe auf der Fernbedienung starten. Nicht nur Google, sondern auch YouTube wird mit den Werkseinstellungen automatisch durchsucht. Google Play bleibt - für uns unverständlich - außen vor. Über die Optionen kann der Nutzer aber selbst Bereiche wie installierte Apps oder Videos auf einem angeschlossenen USB-Stick hinzufügen. Der Platz für die Trefferliste ist begrenzt, um an Suchergebnisse aus der Filmdatenbank IMDB zu gelangen, mussten wir stets ein weiteres mal klicken. Ein entsprechendes Symbol fehlt der Anwendung noch, YouTube und Google Play weisen sich bereits aus. Die Snippets sind allerdings knapp gehalten und wenig aussagekräftig.

Mobil-Websites auf dem Flatscreen

Der Chrome-Browser zeigte sich während unserer Testphase stabil und ist lediglich einmal abgestürzt. Das Zusammenspiel mit der Fernbedienung ist ganz ordentlich, doch es zehrt an den Nerven, lange Webseiten durchzuscrollen. Schöner beziehungsweise schneller wäre es, wenn die Touch-Fläche wie das Trackpad eines Notebooks die Zeilen selbständig weiterollen lassen könnte. Problematisch kann es werden, wenn Plug-Ins benötigt werden. Flash-Inhalte können zwar angezeigt werden, doch es hakt – wie auf einem Tablet – an der Bedienung. Wer Steuerelemente wie das Pausesymbol schon auf einem 10-Zoll-Tablet zu klein und zu fummelig findet, der sollte sie erst auf einem 47-Zoll-Fernseher sehen. Dann sind gute Augen und zielgerichtetes Ansteuern ein Muss. Umgekehrt das Erlebnis, wenn eine Website den Chrome-Browser auf einem mobilen Gerät vermutet und die Handy-Version lädt.

Insgesamt ist die Bedienung des NSZ-GS7 mit Google TV zwar nicht sonderlich kompliziert, so einfach nutzbar wie ein Apple TV mit stark reduziertem Funktionsumfang und ebenso karger Fernbedienung ist der Internet Player aber nicht – schließlich kann er deutlich mehr. So erhielten wir im Test von Haus aus kein Vollbild. Rund um die Google TV-Anzeige war ein Rahmen zu sehen und Symbole auf dem Startbildschirm am Rand abgeschnitten. Glück hat, wer Android bereits kennt, über die Einstellungen lässt sich das schnell beheben. Darüber können auch die Elemente auf dem Startbildschirm verschoben, gelöscht oder ersetzt werden, wenn auch etwas umständlich: Einfaches Drag&Drop, wie vom Smartphone gewohnt, erzielt nicht das gewünschte Ergebnis. Ordner anzulegen, ist nicht möglich. Unter den Widgets befinden sich im Auslieferungszustand nur drei Stück (Twitter, die Uhrzeit und Google Play).

Auch die Fernbedienung ist trotz oder gerade wegen ihrer zahlreichen Funktionen anfangs gewöhnungsbedürftig. Sie ist spürbar schwerer als ein einfaches Exemplar und eher als Controller zu betrachten. Dass sie sowohl hochkant als auch quer gehalten gut in der Hand liegt, stellt Sony durch eine matte, rutschfeste Oberfläche und eine Verbreiterung zu den Seiten hin sicher. Dort sind auch die zwei Batterien untergebracht. Zunächst ist es noch merkwürdig, das Gerät immer wieder in der Hand herumzudrehen. Hat man einmal zur Tastatur gewechselt, können weitere Menüeingaben aber auch damit fortgesetzt werden. Das Touchpad ist dann automatisch deaktiviert, um versehentliche Eingaben zu vermeiden.

Geklickt wird das Pad in der Mitte, was für Laptop-Nutzer etwas ungewohnt ist, leichtes Antippen bewirkt nichts und die klickbaren Ecken sind nicht mit Rechts- und Linksklick gleichzusetzen. Gescrollt wird mit zwei Fingern. An einigen Stellen hätten wir uns innerhalb der Google TV-Oberfläche optisches Feedback gewünscht, um deutlich zu sehen, was gerade angeklickt oder ausgewählt wurde. Das ist nicht immer der Fall, was wohl daran liegt, dass Android normalerweise per Touchscreen bedient wird. Zum allgemeinen Navigieren ist der Mauszeiger präzise genug, Markieren von Text fällt dagegen schwerer. Aushelfen kann ein Android-Smartphone/-Tablet oder iPhone. Hierzu bietet Sony die Media Remote-App an, über die unter anderem per Spracheingabe gesucht werden kann. Außerdem lassen sich Websites vom Fernseher auf das Mobilgerät und zurück schicken. Ein Pendant zu Apples AirPlay, um Fotos, Videos oder Spielinhalte von einem Handy oder Tablet auf den Fernseher zu verschieben, gibt es in der Form nicht.

Fazit: Da geht noch was

Während die Hardware von Sony eine gute Figur macht und insbesondere die QWERTZ-Tastatur der Fernbedienung gefällt, wirkt die Google TV-Software noch ausbaufähig. Musik und Filme reichte das US-Unternehmen erst später per Update nach und die App-Auswahl in Google Play ist keineswegs mit der Angebotsfülle für andere Android-Geräte vergleichbar. Sind die Apps nicht auf Google TV zugeschnitten, sind sie schlichtweg nicht nutzbar. Auch eine so flüssige Bedienung wie im Mobilbereich ist nicht zu erwarten. Insgesamt gilt es abzuwägen, ob der NSZ-GS7 Internet Player die gewünschten Funktionen bereits mitliefert oder eben nicht. Mit Spielen sieht es zum aktuellen Zeitpunkt jedenfalls noch mau aus und die Formatunterstützung für USB-Inhalte ist unvollständig. Wenn sich das App-Lager füllt, wird die Google-Box zum praktischen Smart-TV-Aufrüstsatz, bis dahin bewerten wir das Preis-/Leistungsverhältnis als "befriedigend".

Name: NSZ-GS7 Internet Player mit Google TV
Hersteller: Sony
Internet: www.sony.de
Preis: 199 Euro (UVP) für 199 Euro
Kompatibilität: Kompatibel mit High-Definition Fernsehgeräten mit HDMI und Receivern mit HDMI
Schnittstellen: HDMI in, HDMI out, optischer Audioanschluss, 2x USB, Ethernet, WLAN 802.11n
Formatunterstützung: JPG, GIF, PNG, BMP, MP3, AAC, WMA, WMV10, MPEG-1, MPEG-2, MPEG-4, MKV, xVid (nach Firmware-Update)
Lieferumfang: Netzkabel, Fernbedienung, Handbuch
Unser Testfazit zur Sony Google TV Box
Pro Contra
  • schnelle Einrichtung
  • Chrome-Browser mit Flash
  • geringer Stromverbrauch
  • lautloser Betrieb
  • Fernbedienung mit Tastatur
  • kein physischer Aus-Schalter
  • noch geringe App-Auswahl
  • teils ruckelige Bedienung
Bewertung
  • Bedienung (40%):sehr gut
  • Ausstattung (40%):befriedigend
  • Verarbeitung (20%):gut
Gesamtnote der Redaktion: Preis-Leistung:
2,4gut befriedigend

(Saskia Brintrup)

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