Testbericht

Sony Ericsson Xperia X10 im Test

Das neue X10-Smartphone von Sony Ericsson wird mit Googles Betriebssystem Android ausgeliefert und hat einige Stärken vorzuweisen. Aber auch ein paar Schwächen. Wir zeigen, welche.

Sony Ericsson Xperia X10

Welches Betriebssystem für Handys wird in Zukunft überleben? Diese Frage stellen sich nicht nur viele User im Internet. Es ist auch eine Fragestellung, die auf großen Kongressen in der Telekommunikationsbranche immer wieder für Diskussionen sorgt. Ein Name, der in diesem Zusammenhang immer fällt: Android. Das von Google entwickelte Handy-OS gilt schon allein aufgrund seiner für Programmierer offenen Plattform als richtungweisend und wurde kürzlich in der Version 2.2 Froyo vorgestellt. Momentan noch standardmäßig in der Version 1.6 kommt Android auch auf dem neuen Smartphone Xperia X10 von Sony Ericsson zum Einsatz. Wir haben getestet, wie das schwarze Touchscreen-Mobiltelefon (das alternativ auch in Weiß zu haben ist) im Alltagsgebrauch abschneidet.

Ein Handy, das Gewicht auf die Waage bringt

Gleich vorweg: wer ein Telefon sucht, das handlich, klein und geschmeidig in jeder Tasche Platz findet, sollte das neue Sony Ericsson-Modell meiden. Der Handyklotz misst 119 Millimeter in der Länge und 63 Millimeter in der Breite. Damit ist es sogar noch 3 Millimeter länger beziehungsweise 1 Millimeter breiter als das auch schon recht sperrige iPhone 3GS von Apple. Hinzu kommen 13 Millimeter in der Tiefe (iPhone: 12 Millimeter) und satte 135 Gramm Gewicht. Wer hingegen tatsächlich etwas in den Händen halten will, wenn telefoniert oder mobil das Internet genutzt wird, dürfte am Sony Ericsson Xperia X10 Gefallen finden.

Großes Display macht Spaß

Apropos mobiles Internet: das Surfen unterwegs sollte natürlich auch aufgrund des großen Displays Spaß machen. Satte 4 Zoll hat Sony Ericsson seinem neuen Smartphone-Flaggschiff spendiert. Und in der Tat ist es mit dem X10 im Vergleich zu klassischen Handymodellen durchaus angenehm durch das weltweite Datennetz zu navigieren. Vor allem, weil schon auf den ersten Blick viel über den TFT-Bildschirm ablesbar ist - insbesondere im Hochformat.

Und doch gibt es eine Schwachstelle: der installierte Browser bremst das Surfvergnügen häufig aus. Gar nicht unbedingt, weil er langsam arbeitet, sondern vielmehr, weil die Bedienung sehr umständlich ist. Das macht sich insbesondere immer wieder dann bemerkbar, wenn neue Internetadressen eingetippt werden sollen. Für den Besuch der Lieblingsseiten verfügt das Telefon aber über eine intuitive und leicht verständliche Lesezeichen-Funktion. Außerdem ist es möglich, mehrere Browserfenster parallel zu öffnen.

Startscreen individuell anpassbar

Ein wenig mehr Eingewöhnungsphase braucht die Navigation durch das Menü des Android-Handys. Wer das Smartphone einschaltet, wird zunächst mit einem Startbildschirm konfrontiert, der sich individuell an die eigenen Vorstellungen anpassen lässt. Das heißt: es können aus den unterschiedlichsten Menüunterpunkten Icons auf den Startbildschirm geschoben werden, um die meistgenutzten Anwendungen direkt starten zu können; zum Beispiel Twitter, Facebook, die integrierte Kamera oder auch den Browser. Außerdem ist es möglich, einzelne Kontakte aus dem Adressbuch - etwa den Lebenspartner oder Chef - auf dem Startscreen zu platzieren. Mit nur einem Tipper wird das Gespräch aufgebaut. Praktisch, wenn es mal schnell gehen soll.

Doch das X10 bietet mehr als nur einen Startscreen. Wird von der Ausgangsposition einmal über den Bildschirm nach links gewischt, erscheint eine Chronik der (meist)besuchten Internetseiten, ein Wischer nach rechts liefert nicht nur die Möglichkeit, über Google das Internet zu durchsuchen, sondern auch WLAN-Schnittstelle, Bluetooth und aGPS ein- und auszuschalten sowie das Telefon in den Lautlos-Modus zu versetzen.

Display mit Stärken und Schwächen

Und wer dann noch nicht genug auf dem Bildschirm herumgewischt hat, kann das eigentliche Handymenü aktivieren, indem ein kleiner Schieberegler vom unteren Rand des Bildschirms nach oben gezogen wird. Anders funktioniert das Aufrufen des Menüs trotz drei zusätzlicher Tasten unter dem Display übrigens nicht.

Das alles hat Folgen: Schnell finden sich auf dem Display viele einzelne oder ineinander übergehende Fingerabdrücke und Schmierflecken. Das kann insbesondere bei direkter Sonneneinstrahlung unter freiem Himmel ziemlich an den Nerven nagen. Denn dann spiegelt der Bildschirm nicht nur, sondern es ist aufgrund der vielen Flecken auch deutlich schwieriger, überhaupt etwas vom Bildschirm klar ablesen zu können. Display putzen steht beim Xperia X10 also regelmäßig auf der To-Do-Liste. Positiv hervorzuheben ist, dass die Helligkeit des Bildschirms automatisch an die aktuellen Lichtverhältnisse angepasst wird bzw. mehrstufig individuell angepasst werden kann. Ärgerlich hingegen: der Handymonitor ist sehr anfällig für Kratzer.

Auch SMS-Schreiben macht Spaß

Doch das soll es dann auch an Kritik am Display gewesen sein. Denn im Großen und Ganzen ist es eine wahre Freude, mit dem Touchscreen zu arbeiten. Er liefert einen ordentlichen Kontrast und reagiert zügig auf die Tipp- und Wischbefehle des Nutzers. Das macht sich insbesondere dann bemerkbar, wenn beispielsweise längere Texte in Form einer SMS oder Facebook-Nachricht geschrieben werden. Sowohl im Hoch- als auch in Querformat ist ein zügiges Schreiben möglich. Auch, weil das Handy beim Tippen automatisch komplette Worte anzeigt, die gerade möglicherweise geschrieben werden sollen. Ein Tipper auf den Bildschirm reicht und schon wird das ausgewählte Wort in den Text integriert.

Insbesondere bei langen Worten kann das richtig hilfreich sein. Einziger Kritikpunkt: im Querformat ist die Space-Taste für das Leerzeichen zu klein geraten. Statt eines Leerzeichens landet deswegen sehr häufig ein Punkt im geschriebenen Text. Neue SMS werden über eine grün blinkende Diode rechts oberhalb des Displays signalisiert.

Timescape-Oberfläche sorgt für Ordnung im Posteingang

Grundsätzlich sehr praktisch, aber auch ein bisschen gewöhnungsbedürftig, ist die neue Timescape-Oberfläche. Hier werden alle Nachrichten, die innerhalb der letzten 24 Stunden über die verschiedenen Kanäle (SMS, E-Mail, Facebook, Twitter, VZ-Netzwerke, Anrufe, Fotos usw.) in einer Inbox gesammelt und chronologisch angezeigt. Alternativ ist es möglich, jeden Posteingang nacheinander auf neue Nachrichten zu prüfen. Zu den einzelnen Posteingängen kann der Nutzer ganz einfach navigieren, indem er über den Bildschirm von Kanal zu Kanal wischt.

Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert die Mediascape-Oberfläche, bei der der Name Programm ist. Übersichtlich werden hier Foto-, Video- und Musikdateien angezeigt und verwaltet.

Richtig viel Spaß können mit dem X10 auch jene Personen haben, die das Telefon als mobilen Fotoapparat nutzen. Denn in das Handy wurde eine Digitalkamera mit 8,1 Megapixel-Linse integriert. Sie liefert unter anderem einen 16-fachen Digitalzoom, Autofokus und Geotagging-Funktion. Darüber hinaus einen Bildstabilisator, ein Fotolicht, eine Gesichts- und Lächelnerkennung und die Möglichkeit, Fotos direkt bei Facebook hochzuladen. Auch an einer Video-Funktion fehlt es nicht.

Fotos top, Videos eher Pixelbrei

Doch während die Qualität bei einzelnen Bildern durchaus überzeugend ist, fällt die Kamera bei Videos überraschend durch. Machen die Aufnahmen auf dem Handydisplay noch einen weitestgehend zufriedenstellenden Eindruck, werden nach einem Überspielen auf den PC oder ein Notebook schnell grobe Pixel sichtbar. Die Auflösung lässt sich in fünf Stufen regulieren; bestenfalls auf WVGA-Qualität mit einer Auflösung von 854x480 Bildpunkten. Mit an Bord ist auch eine YouTube-Videofunktion, die Bilder im bereits richtig komprimierten Format für Googles Videoplattform aufnimmt. Fotos werden wahlweise mit 8, 6 oder 2-Megapixel-Auflösung geschossen. Hinzu kommt die Möglichkeit, aus vier Aufnahme- und acht Szenenmodi wie beispielsweise "Nachtportrait", "Sport" oder "Party" auswählen zu können. Unschön gelöst ist die lange Verzögerung zwischen Betätigung des Auslösers und der tatsächlichen Aufnahme.

Fazit: Die Idee ist gut, aber es gibt noch viel zu tun

Was bleibt abschließend über das Xperia X10 von Sony Ericsson zu sagen? Nun, das Smartphone mit vorinstalliertem Android-Betriebssystem der Version 1.6 kann schon jetzt diverse Stärken ausspielen, muss aber auch viele Schwächen wegstecken. Und das wird vorerst auch noch so bleiben. Ein Update auf Version 2.1 wird es nach Angaben von Sony Ericsson erst im Laufe des vierten Quartals geben. Lust auf mehr machen beispielsweise die von Sony Ericsson entwickelten Media- und Timescape-Oberflächen, die für einen guten Überblick in den eigenen Nachrichten- und Medien-Ordnern sorgen. Auch die Kamera kann überzeugen. Allerdings nur in der Foto-Funktion. Videos machen im Vergleich zu aktuell am Markt bereits erhältlichen HD-Kameras deutlich weniger Spaß. Mit dem Update auf Version 2.1 zum Jahresende soll aber auch das Xperia X10 HD-fähig werden.

Nicht zu viel sollte man zudem vom mitgelieferten Akku erwarten. Wer sein Smartphone mit all den sich bietenden Möglichkeiten nutzt, wird sich daran gewöhnen müssen, abends eine Energiequelle zu suchen. Viel Strom frisst das Handy insbesondere dann, wenn das Display auf die höchste Helligkeit eingestellt wurde und die vorhandenen WLAN- bzw. aGPS-Schnittstellen genutzt werden. Auch das regelmäßige automatische Aktualisieren der E-Mail- und Social-Network-Konten nagt am Stromspeicher des Handys. Ein manuelles Aktualisieren sollte in der Regel ausreichen und verlängert die Akkulaufzeit spürbar.

Licht und Schatten müssen X10-Nutzer auch beim Display hinnehmen. Kann es in Sachen richtig flinker Reaktionszeit und vor allem bei der Nutzerfreundlichkeit beim Nachrichten-Schreiben überzeugen, sind die maximal darstellbaren 65.536 Farben eher eine Enttäuschung. Hinzu kommt die Anfälligkeit für Kratzer und Fingerabdrücke.

Es ist noch Luft nach oben vorhanden

Viele Schwachpunkte wenn man bedenkt, dass das Telefon im Fachhandel immerhin 435 Euro kostet (Stand Ende Mai 2010). Da helfen auch markante Extras wie der im Handy arbeitende 1-Gigahertz-Prozessor und HSDPA-Unterstützung nicht viel. Alles in allem in Sony Ericsson mit dem Xperia X10 aber ein Smartphone gelungen, das trotz des hohen Gewichts und der recht sperrigen Abmessungen viel Spaß macht. Luft nach oben ist trotzdem noch da.

(Hayo Lücke)

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