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Sony Ericsson Xperia ray im Test - Mini-Smartphone

Das Sony Ericsson Xperia ray überzeugt vor allem durch eine tolle Kamera, hat aber auch sonst viel zu bieten. Wir haben uns das 9,4 Millimeter flache Telefon genauer angeschaut.

Sony Ericsson Xperia ray© Sony Ericsson

Wird in der heutigen Zeit ein neues Smartphone vorgestellt, ist es in der Regel mit meinem großen Touchscreen ausgestattet. Doch es geht auch anders; sogar noch kleiner als beim iPhone 4 S, das mit einem 3,5 Zoll-Display ausgestattet ist. Sony Ericsson hat schon vor einigen Wochen das Xperia ray in den Handel geschickt - ausgestattet mit einer Bildschirmdiagonalen von nur 3,3 Zoll. Doch das gerade einmal 9,4 Millimeter flache Android-Telefon kann trotzdem in vielen Punkten überzeugen. Wir haben uns das "kleine Schwarze" genauer angeschaut.

Einrichtung in zehn Schritten

Auf Basis von Android 2.3.4 Gingerbread ist beim Xperia ray für eine optimale Nutzung die Einrichtung eines Google-Kontos notwendig. Damit lassen sich verschiedene Google-Dienste nutzen und es ist möglich, aus dem Android Market Apps auf das Handy zu laden. Ein umfangreicher Assistent sorgt in zehn Schritten dafür, dass unter anderem automatisch die richtigen SMS- und Internet-Einstellungen auf dem Handy eingestellt werden und ein ggf. verfügbares WLAN-Netzwerk abgespeichert wird. Das ist nutzerfreundlich und geht erfreulich leicht von der Hand.

Erhältlich ist das 111 Millimeter kurze und 53 Millimeter schmale Smartphone in den Farben Schwarz, Weiß, Pink und Gold - bei einem Gewicht von gerade einmal 100 Gramm. Optisch erinnert es eher an klassische GSM-Telefone der Vergangenheit und nicht an die teilweise fast schon zu großen Flaggschiffe von HTC, Samsung und Co. Insbesondere Menschen mit kleineren Händen dürften an dem Xperia ray Gefallen finden. Denn es liegt nicht nur wegen seiner schmalen Abmessungen nahezu perfekt in der Hand, sondern auch wegen der gummierten Rückseite. Sie sorgt dafür, dass das Telefon fast keine Chance hat, aus der Hand zu gleiten.

Gigahertz-Prozessor an Bord

Herzstück des Telefons ist ein Single Core Prozessor, der mit 1 Gigahertz getaktet ist. Das ist absolut ausreichend, im Vergleich zu anderen aktuellen Telefonen aber fast schon ein bisschen wenig. Zum Vergleich: das iPhone 4 S spult seine Arbeit zwar nur mit einem 800 Megahertz schnellen Prozessor ab, kann aber zwei CPU-Kerne (Dual Core) vorweisen. Das Samsung Galaxy S Plus bringt es mit einem Single Core Chip auf 1,4 Gigahertz Taktrate. Insgesamt ist die Performance des Xperia ray aber als gut zu bewerten - auch bei ausgewählten Spielen wie Angry Birds. Nur phasenweise kommt es bei der Auswahl von Apps oder Online-Suchen zu etwas längeren Wartezeiten.

Gleichwohl muss man festhalten, dass das Handy nicht darauf ausgelegt ist, eine Multimediamaschine darzustellen. Spiele machen auf dem kleinen Display trotz knackiger Farben (bis zu 16,8 Millionen) und einem ordentlichen Kontrast eher weniger Spaß. Die Auflösung ist für die Display-Größe mit 854x480 Pixeln in Ordnung. An anderer Stelle werden dem Telefon aber klare Grenzen aufgezeigt.

Wer das Telefon im Hochformat hält, muss damit leben, dass keine virtuelle QWERTZ-Tastatur zur Verfügung steht. Sie wird nur sichtbar, wenn das Handy um 90 Grad gedreht und im Querformat gehalten wird. Die T9-Tastatur im Hochformat ist für alle, die schon einmal mit größeren Displays hantiert haben, eine echte Umstellung. Wer hingegen von einem klassischen GSM-Handy auf das Xperia ray umsattelt, hat keine Umstellungsschwierigkeiten.

Schnelles SMS-Schreiben per Display-Wischer

Dennoch bleibt festzuhalten: auch im Querformat landet der Finger bei schnellem Tippen schnell auf dem benachbarten und damit falschen Buchstaben. Aber auch dafür hat Sony Ericsson eine Lösung parat: einzelne Buchstaben werden nicht einzeln angetippt, sondern der Finger wischt wie bei der Swype-Technologie von einem Buchstaben zum nächsten. Das klappt mit Ausnahme von ausgefallenen Worten wie "Weihnachtsfeier" sehr zuverlässig und macht sogar richtig Spaß.

Die Bedienung des Telefons ist simpel und schnell erklärt. Alle Funktionen werden über den Touchscreen und zwei Sensortasten gesteuert, die unter dem Bildschirm integriert wurden. Einziges Manko: die Sensortasten sich nicht beleuchtet, was den Daumen bei Dunkelheit insbesondere während der ersten Nutzungstage recht orientierungslos über das Mineralglas gleiten lässt. Umso schöner ist es, dass Sony Ericsson dem Xperia ray eine halbmondförmige Status LED spendiert hat, die elegant um die Home-Taste verläuft. Verpasste Anrufe, SMS und Messenger-Nachrichten (Whatsapp) werden von der Status LED durch ein dezentes Pulsieren signalisiert. Bei einem nicht angenommen Anruf blinkt sie beispielsweise grün, auf eine verpasste Whatsapp-Nachricht wird durch weißes Blinken aufmerksam gemacht.

Wichtig für die Gesamtbewertung ist auch ein Blick auf die Akkulaufzeiten des Telefons. Zwar spricht Sony Ericsson davon, dass die Bereitschaftszeit bei bis zu 18 Tagen liegt, realistisch sind im alltäglichen Gebrauch mit aktiver Datenverbindung aber eher drei bis vier Tage. Das allein ist für ein Smartphone schon ein guter Wert, aber auch abhängig davon, wie häufig eine Synchronisation verschiedener Applikationen stattfindet. Wer beispielsweise regelmäßig sein E-Mail- oder Twitter-Konto auf neue Nachrichten prüfen lässt, muss mit einer deutlich kürzeren Akku-Laufzeit rechnen. Ebenso sinkt die Standbyzeit spürbar wenn GPS-Empfänger oder Bluetooth-Schnittstelle dauerhaft aktiviert sind.

Speicher erweiterbar

Positiv anzumerken und beispielsweise im Vergleich zu aktuellen Windows Phone-Smartphones ein echter Vorteil: das Xperia ray wird als Wechseldatenträger erkannt, wenn man es per USB-Kabel an einen PC anschließt. Das macht das Übertragen von Fotos und Videos besonders einfach. Zudem ist der interne Telefonspeicher (300 Megabyte) über eine microSD-Karte erweiterbar - auf Wunsch um bis zu 32 Gigabyte. Einer Speicherkarte mit einer Kapazität von 4 Gigabyte ist im Lieferumfang bereits inklusive.

Aus rein technischer Sicht ist das Xperia ray in GSM- und UMTS-Netzen einsetzbar - auch für schnelle Internetdownloads auf Basis von HSDPA. Alternativ dazu steht eine WLAN-Schnittstelle zur Verfügung. Aber auch hier gilt: Wegen des kleinen Displays muss auf Internetseiten a) viel gescrollt werden und die Schriften fallen b) insgesamt ohne Seitenzoom sehr klein aus. Der vorinstallierte Browser selbst überzeugt durch einen recht schnellen Seitenaufbau.

Ein Highlight ist die integrierte Digitalkamera, die zwar ohne separate Kamerataste ausgestattet wurde, dafür aber mit einer Auflösung von 8,1 Megapixeln, verschiedenen Bild- und Foto-Modi sowie einem hellen Kameralicht aufwarten kann. Fast schon selbstverständlich sind Autofokus, Gesichtserkennung und eine Rote-Augen-Korrektur. Doch das ist noch längst nicht alles. Schön ist auch, dass die Kamera automatisch in einen Makro-Modus schaltet, wenn zum Beispiel Detail-Aufnahmen eines Produkts aus nächster Nähe abgelichtet werden sollen. Darüber hinaus sind HD-Videos mit 720p möglich.

Kamera kann überzeugen

Qualitativ sind Fotos und Videos ein echter Hingucker. Das war aber auch schon bei vielen anderen Sony Ericsson-Handys der Fall; die Sony-Kameratechnik ist einfach überzeugend gut. Bei Makro-Aufnahmen wirken nur die Bildecken häufig unscharf. Farben und Kontraste kommen auf Fotos und Videos allgemein sehr gut zur Geltung, im Video-Modus verläuft alles ohne erkennbare Ruckler. Erfreulich ist aber vor allem, dass ein Bildrauschen kaum zu erkennen ist. Besonders ausgefallen: die Kamera liefert sogar eine 3D-Panorama-Funktion, obwohl nur eine Kameralinse zur Verfügung steht. Auf der Vorderseite ist darüber hinaus eine VGA-Kamera (640x480 Pixel Auflösung) für Videotelefonate integriert.

Fazit: Klein, handlich, süß

Wer auf der Suche nach einem bezahlbaren und vor allem handlichen Smartphone ist, kann mit dem Sony Ericsson Xperia ray nichts falsch machen. Das vergleichsweise kleine Display hat zwar seine Nachteile beim Konsum von Multimedia- und Internet-Inhalten, insgesamt macht das Smartphone aber einen überraschend positiven Gesamteindruck. Sony Ericsson beweist deutlich, dass es nicht immer ein fast 5 Zoll großes Display sein muss, um mit einem Smartphone Spaß haben zu können.

Die ohnehin schon gute Ausstattung wird durch GPS-Empfänger, Stereo-Bluetooth-Schnittstelle, einen leistungsstarken MP3-Player und ein RDS-Radio abgerundet. Kleinere Schwachstellen wie die fehlende Kamerataste, einen nicht vorhandenen NFC-Chip, fehlende HDMI-Schnittstelle und die vergleichsweise schwache Frontkamera verzeiht man dem Xperia ray recht schnell.

Preiswerte Alternative zu Luxus-Smartphones

Preislich gruppiert sich das Telefon ungefähr in jener Kategorie ein, in der auch das Optimus Black von LG und das Galaxy S Plus von Samsung zu finden sind. Ohne Vertrag ist es im Online-Fachhandel ab circa 230 Euro erhältlich, bei Amazon wird es versandkostenfrei für rund 244 Euro angeboten (Stand: Mitte November 2011). Das ist gemessen am Funktionsumfang, der guten Kamera und der insgesamt ordentlichen Verarbeitung ein mehr als fairer Preis.

Name: Xperia ray (ST18i)
Hersteller: Sony Ericsson
Internet: www.sonyericsson.de
Preis: ab ca. 230 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 2.3 (Gingerbread)
Prozessor: 1 Ghz. Qualcomm Snapdragon MSM8255
Arbeitsspeicher: 512 Megabyte
SIM: Normale SIM-Karte
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 111x53x9 Millimeter
Gewicht: 100 Gramm
Display: 3,3 Zoll, 854x480 Pixel, 16,8 Mio. Farben
Speicher: 300 MB intern,
über microSD um max. 32 GB erweiterbar;
4 GB Speicherkarte inklusive
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN
Digitalkamera: 8,1 Megapixel Kamera, 16x Digitalzoom, HD-Videofunktion (720p)
Frontkamera für Videotelefonate (VGA)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,96 W/kg (moderat)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung
Akkulaufzeit im Test: 6-7 Stunden Sprechzeit
3-4 Tage Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
sehr gute Kamera
liegt griffig in der Hand
Status-LED
ordentliche Ausstattung
vergleichsweise preiswert
sehr kleiner Bildschirm
Bildschirm reagiert zum Teil etwas träge
Sensortasten nicht beleuchtet
kein NFC
keine HDMI-Schnittstelle

Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): befrieidgend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote gut (2,1)
Preis-Leistung: sehr gut

(Hayo Lücke)

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