Testbericht

Sony Ericsson Xperia pro im Test - Tastatur-Androide

Das Sony Ericsson Xperia pro ist ähnlich ausgestattet wie das Xperia neo, ist aber mit einer ausschiebbaren QWERTZ-Tastatur ausgestattet, die gut zu bedienen ist. Wir haben das Android-Smartphone auf die Probe gestellt.

Sony Ericsson Xperia Pro

Es scheint eine klare Sache zu sein: Smartphones der neuesten Generation werden praktisch ausschließlich über moderne Touchscreens bedient. Immer? Nein, nicht immer. Denn einige wenige Multimediatelefone sind zusätzlich mit einer physischen QWERTZ-Tastatur ausgestattet, die vor allem das Schreiben von längeren Texten vereinfachen soll. Beispiele sind das Dell Venue Pro oder auch das Nokia E7. Neuerdings hat auch Sony Ericsson ein Android-Handy im Angebot, das mit einer ausschiebbaren Tastatur ausgestattet ist: das Xperia pro.

Vergleichsweise dickes Smartphone

Wer das Telefon aus seiner Verpackung befreien darf, wird schnell feststellen, dass es sich um ein vergleichsweise dickes Smartphone handelt. Aufgrund der hinter dem Display hervorschiebbaren QWERTZ-Tastatur bringt es das Telefon auf eine Tiefe von knapp 14 Millimetern. Zum Vergleich: das deutlich größere Samsung Galaxy Note bringt es auf nur 10 Millimeter, das iPhone 4 S sogar nur auf 9 Millimeter. Beim Sony Ericsson Xperia pro kommen 120 Millimeter in der Länge und 57 Milliemter in der Breite dazu. Das Gewicht liegt bei rund 140 Gramm, fühlt sich aufgrund der vergleichsweise wuchtigen Verarbeitung aber nach mehr an.

Apropos Verarbeitung: wer auf der Suche nach einem eleganten Handy mit wenigen Kanten und Auswölbungen ist, ist beim Xperia pro an der falschen Adresse. Die physischen Bedientasten sowie der HDMI-Anschluss und der Kopfhörer-Ausgang an den Seiten ragen recht deutlich aus dem Handykörper heraus. Ebenso die physischen Menütasten unter dem Display. Hier wurde - bei Sony Ericsson bei diversen Modellen wie dem Schwestermodell Xperia neo typisch - auf den komfortableren Einsatz von Sensor-Tasten verzichtet.

Kein Performance-Wunder

Herzstück des Telefons ist ein fast schon etwas schwach aufgestellter Qualcomm Snapdragon-Prozessor mit einer Taktrate von 1 Gigahertz. Im allgemeinen Gebrauch sind zwar keine nennenswerten Ruckler oder Hakler in der Navigation durch das Menü, über Internetseiten oder durch Apps zu erkennen, wer aber gerne Spiele auf seinem Smartphone spielt, sollte zu einer etwas besser ausgestatteten Handy-Variante greifen.

Das Display - übrigens recht anfällig für Fingerabdrücke - kommt mit einer diagonalen Abmessung von 3,7 Zoll daher. Das sind 0,2 Zoll mehr als beim iPhone 4 S, andererseits aber auch 0,6 Zoll weniger als beim Samsung Galaxy S II. Bei einer Auflösung von 854x480 Pixeln werden bis zu 16,78 Millionen Farben dargestellt. Zu beachten ist aber auch, dass das Xperia pro über keinen Helligkeitssensor verfügt. Wer die Displayhelligkeit zu schwach einstellt, kann zwar den Akku schonen, muss aber mit einem deutlich sichtbaren Gelbstich leben. Der wird besonders sichtbar, wenn auf weißen Internetseiten gesurft oder weiße Elemente des Menüs angezeigt werden.

Ausgeliefert wird das Sony Ericsson Xperia pro auf Basis von Googles mobilem Betriebssystem Android in der Gingerbread-Version 2.3.4. Nutzbar ist es über die integrierte Quadband-Antenne überall dort, wo GSM-Netze zur Verfügung stehen. Mobile Internet-Ausflüge sind über UMTS, HSDPA und WLAN möglich.

Speicherkarte im Lieferumfang enthalten

Wer beabsichtigt, viele Musik-, Foto- und Videodateien auf dem Handy zu speichern, darf sich über 1 Gigabyte Speicherplatz freuen. Einen Großteil davon nimmt aber schon das installierte Betriebssystem für sich in Anspruch sodass letztlich nur 320 Megabyte frei verfügbar sind. Deswegen ist eine Speichererweiterung über eine microSD-Karte schon fast Pflicht. Die maximal mögliche Größe der Speicherkarte beträgt 32 Gigabyte, eine micrSD mit einer Kapazität von 8 Gigabyte ist im Lieferumfang erfreulicherweise bereits inklusive. Der Arbeitsspeicher liegt bei 512 Megabyte.

Die Bedienung des Telefons erfolgt in großen Teilen über das Display, das schnelle und zuverlässige Reaktionszeiten liefert - auch beim SMS- oder E-Mail-Schreiben. Ergänzend lässt sich seitlich hinter dem Display eine vollständige QWERTZ-Tastatur herausschieben. Und tatsächlich macht das Schreiben damit noch ein bisschen mehr Spaß. Die einzelnen Tasten haben eine vernünftige Größe, einen guten Druckpunkt und liegen nicht zu eng nebeneinander. Einen Nachteil gibt es aber auch. Weil die Tastatur wirklich nur zur Seite ausgeschoben wird, kippt das Telefon nach hinten über, wenn es im Querformat zum Beispiel auf einem Tisch abgelegt wird, um ohne verkrampfte Finger einen Text zu schreiben. Da ist die Lösung des Nokia E7, wo das Display leicht nach oben klappt, deutlich eleganter.

Leider ohne Sensortasten

So viel Spaß auf der einen Seite die zusätzliche Tatstatur macht, so wenig Freude kommt bei Verwendung der Menütasten auf. Sie wirken wie beim Xperia neo ziemlich altbacken und sind - weil viel zu schmal gehalten - wenig komfortabel zu bedienen. Hinzu kommt eine fehlende Hintergrundbeleuchtung, was insbesondere bei Dunkelheit eine Bedienung spürbar erschwert. Eine beleuchtete Sensor-Lösung wie beim Sony Ericsson Xperia ray wäre die deutlich schönere und sinnvollere gewesen.

Für die mobile Unterhaltung hat Sony Ericsson nicht nur einen MP3-Player integriert, sondern auch ein RDS-fähiges UKW-Radio. Verschiedene Apps sind schon ab Werk vorinstalliert - auch das Chatprogramm WhatsApp, das weltweit immer mehr Freunde findet. Twitter und Facebook sind ebenso in die Timescape-Oberfläche integriert wie die Anzeige zu geführten und verpassten Anrufen sowie des SMS-Posteingangs. Das ist auf den ersten Blick zwar etwas gewöhnungsbedürftig, mit der Zeit aber richtig übersichtlich und ein echter Mehrwert.

Für Foto- und Video-Freunde hat Sony Ericsson eine Digitalkamera mit einer Maximalauflösung von 8,1 Megapixel in das Telefon integriert. Sie ist mit verschiedenen Bild- und Fotomodi ausgestattet und kann mit einem Autofokus und Kameralicht punkten. Zudem stehen Bildstabilisator, Lächel- und Gesichtserkennung Rote-Augen-Korrektur und Digitalzoom (16x) bereit. Qualitativ sind Fotoaufnahmen bei guten Lichtverhältnissen richtig gut und überzeugen mit satten Farben. Wer sich aber zum Beispiel Erinnerungen in einem weniger gut ausgeleuchteten Restaurant festhalten möchte, wird schnell feststellen, dass die Kamera an ihre Grenzen stößt. Videos können in HD-Qualität (720p) aufgenommen werden, auf der Vorderseite steht eine VGA-Kamera für Videochats zur Verfügung.

Eher mäßiger Akku

Einmal mehr nur wenig überzeugen kann der integrierte Akku. Dem Xperia pro wurde ein Energiespeicher mit einer Kapazität von 1.500 mAh spendiert, der den Nutzer zwar ordentlich durch einen 12- bis 18-Stunden-Tag begleitet. Viel mehr sollten Nutzer von ihrem Telefon aber nicht erwarten. Insbesondere dann nicht, wenn intensiv eine mobile Datenverbindung genutzt wird. Wenn zusätzlich auch noch Extras wie der MP3-Player, Kamera oder GPS-Schnittstelle Verwendung finden, sinkt die Akkuleistung noch deutlich schneller in den Keller - wie bei praktisch allen anderen Smartphones auch.

Fazit: Tolle Idee mäßig umgesetzt

Wer auf der Suche nach einem Smartphone ist, das mit einer ausschiebbaren QWERTZ-Tastatur ausgestattet wurde, sollte das Sony Ericsson Xperia pro auf jeden Fall in die engere Auswahl ziehen. Denn kaum ein Tastatur-Telefon ist was diesen Aspekt angeht - sofern es in den Händen gehalten und nicht auf den Tisch gelegt wird - besser zu bedienen. Andererseits gibt es Abzüge für eine weniger schöne Verarbeitung und schlecht designte Menütasten.

Dafür überzeugt das Android-Smartphone mit einer schönen Menü-Oberfläche, einer (bei Tageslicht) rundum guten Kamera, einer weitestgehend sehr ordentlichen Performance und vor allem einer angenehmen Telefon-Akustik. Umso bedauerlicher ist es, dass Sony Ericsson beim generellen Design nicht noch ein bisschen mehr Liebe zum Detail hat walten lassen.

Und was kostet das Xperia pro? Ohne Vertrag ist es im Online-Fachhandel ab 275 Euro zu haben. Bei Amazon kostet es ohne zusätzliche Lieferkosten knapp 285 Euro. Gemessen an der ordentlichen Ausstattung ist das ein fairer Kurs. Angeboten wird es in den Farben Rot, Schwarz und Silber. Das auf Symbian basierende Nokia E7 ist ab 260 Euro zu haben.

Name: Xperia pro (MK16i)
Hersteller: Sony Ericsson
Internet: www.sonyericsson.de
Preis: ab ca. 275 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 2.3 (Gingerbread)
Prozessor: 1 Ghz. Qualcomm Snapdragon MSM8255
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 120x57x14 Millimeter
Gewicht: 142 Gramm
Display: 3,7 Zoll, 854x480 Pixel, 16,8 Mio. Farben
Speicher: 320 MB intern,
über microSD um max. 32 GB erweiterbar;
8 GB Speicherkarte inklusive
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN, HDMI
Digitalkamera: 8,1 Megapixel Kamera, 16x Digitalzoom, HD-Videofunktion (720p)
Frontkamera für Videotelefonate
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel, 8 Gigabyte Speicherkarte
SAR-Wert: 0,88 W/kg (hoch)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung, HDMI, ausschiebbare QWERTZ-Tastatur
Akkulaufzeit im Test: 6-7 Stunden Sprechzeit
1-2 Tage Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
ausschiebbare QWERTZ-Tastatur
WLAN und HSDPA
HDMI-Anschluss
Gute Kamera
reaktionsschneller Bildschirm
Status-LED
Verarbeitung mit Schwächen
vergleichsweise dick
Menütasten nicht beleuchtet
kein NFC
mäßiger Akku

Bewertung:
Bedienung (30%): befriedigend
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): befriedigend
Akkulaufzeit (20%): befrieidgend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote befriedigend (2,6)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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