Testbericht

Ein Wink für Stille - Sony Ericsson W380i im Test

Wenn es klingelt, reicht ein Wink über die Kameralinse aus, um es verstummen zu lassen. Doch das neue Walkman-Handy kann noch weit mehr. Wir haben es einem Test unterzogen.

Sony Ericsson W380i
Immer wieder werden in Deutschland wahre Luxushandys mit unzähligen Extras und Sonderfunktionen unter das Volk gebracht - zu entsprechend hohen Preisen. Dass es auch anders geht, beweist Sony Ericsson mit dem neuen Walkman-Handy W380i. Es ist nur mit den wichtigsten Funktionen ausgestattet und wird auch deswegen zu einem erschwinglichen Preis angeboten. Wir haben das schwarze Klapphandy unter die Lupe genommen und besonders die Musik-Funktionen auf die Probe gestellt.

Der erste Eindruck: billig!

Angeboten wird das W380i bei diversen namhaften Online-Shops für aktuell rund 155 Euro. Schon das zeigt, dass Käufer kein besonders hochwertiges Endgerät erwarten dürfen. Und trotzdem fällt der erste Eindruck ernüchternd aus. Die Hülle des 92x49x16 Millimeter und 100 Gramm leichten Handys ist komplett aus Kunststoff gefertigt. Dadurch wirkt das Telefon leider auf den ersten Blick sehr billig.

Ordentliche Tastatur

Daran ändert sich auch kaum etwas, wird das Handy aufgeklappt. Zwar kann der in die Oberschale integrierte TFT-Bildschirm 262.000 Farben darstellen, allerdings nur mit einer Auflösung von 176x220 Bildpunkten. Schweift der Blick weiter nach unten zur Zifferntastatur, folgt im wahrsten Sinne des Wortes ein erster Lichtblick. Sie ist nicht nur elegant weiß beleuchtet, sondern auch mit ausreichend großen Tasten ausgestattet. Geübte Finger kommen auch mit dem Druckpunkt gut zurecht. Eine gewisse Eingewöhnungsphase ist aber notwendig, da die Tasten fast auf einer Ebene mit der Unterschale liegen.

Viele runde Tasten

Das trifft auch auf die diversen runden beziehungsweise ovalen Menütasten des Telefons zu, die direkt über den Zifferntasten zu finden sind. Einmal an das Menü gewöhnt, ist es aber ein großer Komfort, mit nur einem Druck den Internetzugang ebenso schnell wie das Menü aufrufen zu können. Dabei muss im Übrigen niemand Angst haben, dass die Internetverbindung ungewollt aufgebaut wird, da das Handy in der Hosentasche in zugeklapptem Zustand getragen wird. Auch der integrierte Musikplayer startet sofort, wenn die Menütaste einmal nach oben gedrückt wird. Erfreulich übersichtlich gestaltet sich die Menüführung des W380i. Wie von Sony Ericsson gewohnt, leiten insgesamt zwölf kleine Grafiken auf der Menü-Startseite den richtigen Weg zur gewünschten Funktion. SMS- oder E-Mail-Funktionen werden über einen kleinen Briefumschlag aufgerufen, Spiele oder andere Unterhaltungsmedien über ein schwarzes Gamepad, der umfangreiche Organizer über einen Kalender und der Musicplayer über ein orangefarbenes "W" für Walkman.

Walkman-Player unter der Lupe

Da sich alle Walkman-Handys vor allem durch einen komfortablen MP3-Player auszeichnen, haben wir uns die Musik-Funktion besonders genau angeschaut. Auf einen Blick sind auf dem Handydisplay im Player-Modus alle wichtigen Informationen einsehbar. Sofern die Musikdatei entsprechend bearbeitet wurde, sind Name und Interpret des aktuellen Titels sichtbar. Hinzu kommt die Gesamtlänge und abgespielte Zeit des aktuellen Tracks. Um zum nächsten Song zu springen, reicht es aus, kurz auf der Menütaste nach rechts zu drücken, für ein schnelles Vorspulen im gleichen Track wird die Menütaste so lange nach rechts gedrückt, bis die gewünschte Stelle erreicht wurde. Um eine Pause einzulegen, wird die Menütaste einmal kurz in der Mitte gedrückt.


Doch das ist nicht alles: Der MP3-Player bietet darüber hinaus die Möglichkeit, eigene Playlisten zu erstellen, den gewünschten Klang inklusive Megabass-Unterstützung über einen Equalizer individuell einzustellen und den Player auf Wunsch komplett in den Hintergrund zu schalten. Dann kann während des Musikgenusses zum Beispiel parallel eine SMS getippt oder im Internet gesurft werden. Ideal für langweilige Stunden im Zug oder im Stau auf der Autobahn.

Zusätzliche Musiktasten auf der Außenseite

Und weil kein Nutzer eines Klapphandys den integrierten Musicplayer nur dann bedienen möchte, wenn das Handy geöffnet ist, haben sich die Sony Ericsson-Designer einen kleinen Kniff einfallen lassen. Auf der Außenseite der Oberschale sind drei separate Musik-Tasten für die Walkman-Bedienung und ein kleiner Schwarz-Weiß-Bildschirm zu finden. Der Bildschirm signalisiert darüber hinaus in einem Schriftband, ähnlich der Lauftexte bei den bekannten TV-Nachrichtensendern, verpasste Anrufe und SMS. Der integrierte Lautsprecher ist jedoch - wie so oft bei Handys - sehr enttäuschend: Er klingt extrem blechern und lässt kaum Hörgenuss aufkommen. Deutlich hochwertiger: das mitgelieferte Stereo-Headset. Ein nettes Gimmick ist die so genannte Shake Control-Funktion. Ist sie aktiviert, und liegt das Telefon bei einem eingehenden Anruf in geschlossenem Zustand auf dem Tisch, reicht es aus, einmal mit der Hand über die Kameralinse zu winken, damit sich das Telefon stumm schaltet. Das ist vorteilhaft, weil das Telefon nicht extra aufgeklappt werden muss, um den Anruf stumm zu schalten. Vielen Nutzern wird diese Funktion vermutlich gar nicht bekannt sein, denn sie ist standardmäßig deaktiviert und auch im Menü gut versteckt. (Einstellungen > Allgemein > Gestensteuerung)

Intergrierte Kamera

Kein besonders großer Wurf ist die integrierte Kamera des W380i. Sie erlaubt nur die Aufnahme von Fotos, Videos zu drehen ist nicht möglich. Die maximale Auflösung liegt bei 1.280x1.024 Pixel (ein Megapixel) und kann wahlweise auf 640x480 oder 320x240 Pixel geändert werden. In der höchsten Auflösungsstufe kann der interne Speicher des Handys rund 70 Fotos speichern. Eine Speichererweiterung auf bis zu zwei Gigabyte ist aber möglich. Ergänzt wird die Kamera durch eine Serienbild-Funktion (vier Bilder), einen Nachtmodus und einen Selbstauslöser.

Qualitativ sind die Fotos aufgrund des fehlenden Autofokus wenig berauschend. Die Farben wirken häufig verwaschen und die Bilder insgesamt recht unscharf. Deswegen macht das digitale Fotografieren nur wenig Spaß. Für den ein oder anderen Schnappschuss von Freunden lässt sich die Kamera durchaus nutzen, nicht aber als Ersatz für eine kompakte Digitalkamera im Urlaub.

Fazit: Nicht mehr als Durchschnitt

Trotz des komplikationslos zu bedienenden MP3-Players und des günstigen Preises ist das W380i nicht mehr als ein Durchschnittshandy. Auf schnelle Datenverbindungen über UMTS oder gar HSDPA muss der Nutzer komplett verzichten, immerhin wird der Datenbeschleuniger EDGE unterstützt. Das heißt, in GSM-Netzen kann - Stand heute - mit bis zu 200 Kilobit pro Sekunde im Internet gesurft werden. Allerdings auch nur dort, wo EDGE-Technik in die Basisstationen integriert wurde. Ansonsten sinkt die Download-Geschwindigkeit auf langsames ISDN-Niveau von knapp 60 Kilobit pro Sekunde. Enttäuschend ist zudem, dass relativ billige Design. Positiv ist die lange Sprechzeit von sieben Stunden hervorzuheben. Eher durchschnittlich fällt die Bereitschaftszeit aus. Sie liegt bei gut zwölf Tagen.

Keine Abstriche muss der Nutzer indes bei der Sprachqualität machen. In keinem unserer Testanrufe konnten wir nennenswerte störende Echos vernehmen, und der Gesprächspartner war stets sehr gut zu hören.

Name: W380i
Hersteller: Sony Ericsson
Internet: www.sonyericsson.de
Preis: ca. 155 Euro
Technische Daten:
Antenne: GSM Triband; EDGE
Abmessungen: 92 x 49 x 16 Millimeter
Gewicht: 100 Gramm
Display: 2 Zoll, 176x220 Pixel, 262.144 Farben
Speicher: 14 MB intern, erweiterbar über Sony Ericsson Memory Stick auf 2 GB
Schnittstellen: Bluetooth, USB
Digitalkamera: 1 Megapixel mit Digitalzoom
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, Datenkabel
Extras: MP3-Player, Radio, Bluetooth, externer Lautsprecher, Flugzeugmodus
Akkulaufzeit im Test: sieben Stunden Sprechzeit, zwölf Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
günstiger Preis
komfortabler MP3-Player
lange Sprechzeit
kein UMTS
kleiner interner Speicher
billiges Design
schwache Kamera
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): befriedigend
Verarbeitung (20%): ausreichend
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): gut
Preis-Leistung: gut
Gesamtnote: befriedigend (2,8)

(Hayo Lücke)

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