Testbericht

Sony Ericsson LiveView: Android-Mäusekino im Test

LiveView ist ein Mini-Touchscreen für's Handgelenk, der per Bluetooth mit Android-Smartphones verbunden wird und unter anderem SMS, Anrufe oder Facebook-Nachrichten anzeigen kann. Wir haben uns das Mäusekino von Sony Ericsson einmal näher angesehen.

Sony Ericsson

Müsste man Sony Ericssons LiveView mit einem einzigen Satz beschreiben, könnte dieser in etwa so lauten: Nettes Gadget mit Potential, allerdings nur halbherzig umgesetzt. Dabei ist LiveView ein weiteres Beispiel dafür, wie ein eigentlich innovatives Produkt durch Software-Mängel um seine Lorbeeren beraubt wird. Die zugrundeliegende Idee ist jedenfalls nicht schlecht: ein am Handgelenk oder per Clip tragbarer Mini-Touchscreen kommuniziert per Bluetooth mit dem Smartphone und zeigt vibrierend nicht nur eingehende Nachrichten sowie Anrufe an, sondern ermöglicht auch die Fernsteuerung von Musik-Player und Lautstärke-Einstellungen. Weitere Funktionen lassen sich einfach per Plugin kostenfrei nachrüsten. In unserem Test traten diese Features allerdings schnell in den Hintergrund und wurden von den vielen kleinen, aber nervenden Fehlern überlagert.

1,3-Zoll-Display mit Vier-Wege-Touchscreen

Dabei war der erste Eindruck durchaus gefällig: Geliefert wird das 35 x 35 x 11 Millimeter messende OLED-Farbdisplay mit Klettarmband, Kunststoffclip, microUSB-Ladekabel sowie einer viersprachigen Bedienungsanleitung (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch). Das Gerät selbst macht bei Verarbeitung und Materialanmutung zunächst eine gute Figur. Der nicht vollflächig bedienbare Vier-Wege-Touchscreen im 1,3-Zoll-Format erreicht eine Auflösung von 128 x 128 Bildpunkten, wobei einzelne Pixel gut zu erkennen sind. Am unteren Seitenrand des quadratischen Displays befindet sich eine per Gummikappe abgedeckte microUSB-Buchse, die zum Anschluss des USB-Ladekabels dient. An der oberen Seite sind zudem zwei physische Tasten angebracht, die jeweils mehrere Funktionen in sich vereinen. Links befindet sich der Ein- und Ausschalter inklusive LED-Leuchte, mit dem unter anderem auch der sogenannte "Kopplungsmodus" zur Kommunikation mit dem Smartphone aktiviert wird. Der rechte Knopf dient hingegen der Menü-Navigation, startet Anwendungen und lässt bei längerem Tastendruck eine Steuerung für den Musik-Player erscheinen.

Wird LiveView nicht genutzt, dunkelt die Anzeige in zwei Stufen ab, um Energie zu sparen: Nach fünf Sekunden wird die Helligkeit merklich gedrosselt; die Display-Abschaltung erfolgt nach 20 Sekunden. Lediglich bei Ereignissen oder Betätigung der Außenknöpfe erwacht der Bildschirm wieder aus dem Ruhemodus. Die Startansicht zeigt dabei Uhrzeit, Datum sowie Akkukapazität. Angezeigte Inhalte lassen sich sowohl von vorn als auch aus seitlichem Blickwinkel gut ablesen. Farbdarstellung und Leuchtkraft sind für den Innenbereich völlig ausreichend, geraten bei starker Sonneneinstrahlung trotz weißer Schrift auf schwarzen Grund allerdings schnell an ihre Grenzen. Je nach Stärke und Einfall des Umgebungslichtes neigt die Bildschirmoberfläche zudem zum Spiegeln. Auffällige Kratzer sind bei normaler Nutzung hingegen kaum ein Thema, sichtbare Fett- und Fingerabdrücke wiederum schon.

Akku nicht wechselbar

Weniger durchdacht wirkt das mitgelieferte elastische Armband mit Plastikrahmen, das an dünneren Handgelenke gern auch einmal hin und her rutscht. Wird es fester gezogen, steht es schnell über und bleibt durch den Klettverschluss gern an Ärmel oder Jacke hängen. Auch der als Alternative beigelegte Mini-Clip kann nicht vollends überzeugen. Zwar ist die Halteklammer aus Metall gefertigt, der übrige Korpus besteht jedoch aus Kunststoff, der an der dünnsten Stelle gerade einmal über einen Millimeter Wandstärke verfügt; Brüche sind selbst bei vorsichtiger Behandlung fast vorprogrammiert. Ebenfalls nicht optimal gelöst: Der Akku des LiveView kann nicht getauscht werden. Macht er außerhalb der Garantiezeit schlapp, ist das Gerät praktisch wertlos, denn eine Reparatur dürfte sich kaum lohnen. Da Sony Ericsson zudem kein separates Netzteil beilegt, kann der Stromspeicher nur an einem Computer mit USB-Anschluss geladen werden. Hier gilt offenbar die Devise: Wenn per Steckdose laden, dann bitte ein entsprechendes Handy-Ladegerät nutzen. (Update, 21. März: Nach dem Hinweis eines Lesers, ein Netzteil gehöre doch zum Lieferumfang des Gerätes, haben wir noch einmal bei Sony Ericsson nachgefragt. Und tatsächlich: Einzig unser Testgerät wurde versehentlich ohne das Netzteil ausgeliefert. Da dies für das Gesamtfazit allerdings keine nennenswerte Rolle spielte, ändert sich dadurch auch an den vergebenen Noten nichts.)

Wie lange das LiveView-Display dabei ans Netz muss, wird über die LED am Einschaltknopf angezeigt. Während des Energietransfers leuchtet diese dauerhaft rot und wechselt auf grün, wenn der Akku ausreichend befüllt wurde. Abseits des Ladevorgangs werden darüber hinaus auch andere Ereignisse über Lichtsignale verkündet: Blinkt die Leuchte blau beziehungsweise grün, sind Anrufe oder Nachrichten eingegangen. Rotes Blinken warnt wiederum vor niedriger Akkukapazität und mahnt zum Nachladen - in unserem Test trat dieser Fall bei gelegentlicher Nutzung und ohne Abschaltung über Nacht nach rund fünf Tagen ein. Ein wechselndes Leuchten von Grün und Rot ist hingegen ausschließlich während des laufenden Kopplungsprozesses zwischen LiveView und Smartphone zu sehen.

Bevor die Funkverbindung zum eigenen Androiden allerdings das erste Mal aufgebaut wird, empfiehlt Sony Ericsson die Installation der App LiveWare Manager aus dem Android Market. Auf dem im Test genutzten Samsung Galaxy Wave 551 mit Android 2.2 wollte sich das Tool nach der Installation jedoch partout nicht starten lassen. Jeder Aufruf endete sofort in einem Absturz und nötigte Android, das Programm zwangsweise wieder aus dem Speicher zu werfen.

Fehlerhafte Apps & verärgerte Nutzer

Auf einem ersatzweise hinzu gezogenen Samsung Galaxy Ace mit Android 2.2.1 gab es hingegen keine Schwierigkeiten. Erst bei der Deinstallation der App hängte sich das Smartphone auf und ließ sich nur durch Entfernen des Akkus wieder zum Leben erwecken. Ob das Verhalten typisch ist, lässt sich anhand dieser zwei Geräte natürlich nicht verifizieren - möglicherweise handelt es sich also nur um Einzelfälle. Dagegen sprechen allerdings zahlreiche Erfahrungen anderer Nutzer. Offenbar ist der LiveWare Manager bis hin zur aktuellen Version 2.0.8 kein Glanzstück der Programmierkunst: Sowohl im Android Market als auch auf anderen Download-Plattformen finden sich dutzende Kommentare zu ähnlichen Symptomen – und das seit Monaten. Selbst jüngere Einträge lassen dabei kaum ein gutes Haar an der Software. Für die Funktion von LiveView war die fehlerhafte Management-App in unserem Test allerdings nebensächlich, obwohl Sony Ericsson in der Anleitung gegenteiliges angibt. So dient der LiveWare Manager in erster Linie zur komfortableren Suche nach zusätzlichen Plugins und ermöglicht die Verknüpfung von Apps mit bestimmten, im Vorfeld definierbaren, Aktionen.

Als weitaus wichtiger entpuppte sich die zweite App LiveView Anwendung, mit dem das japanisch-schwedische Mäusekino zunächst an das Smartphone gekoppelt wird. Diese war auf beiden getesteten Samsung-Modellen ohne Beanstandungen ausführbar. Die App bietet zudem einige Einstellungs- und Konfigurationsmöglichkeiten - leider aber nur in sehr überschaubarer Anzahl. Wer etwa das Abdunkeln des Displays verhindern oder zumindest zeitlich hinauszögern will, wird enttäuscht: Solche und andere Vorgaben können nicht geändert werden. Lediglich die auf dem LiveView-Display nach dem Einschalten zuerst sichtbare Anwendung sowie die Art der anzuzeigenden Inhalte und Dienste können lassen sich festlegen.

Verwirrende Angaben zu Kompatibilität, fehlende Hinweise auf Updates

Nachbessern sollte Sony Ericsson ebenfalls in Sachen Nutzerinformation. Ohne auch nur eine einzige Erwähnung in der Anleitung bleibt etwa die Möglichkeit, die LiveView-Firmware über das beiliegende USB-Kabel auf den neuesten Stand zu bringen - und damit etwaige Fehler zu beheben. Nur wer die zugehörige Support-Seite aufruft, erfährt Näheres zu Updates und wie sie installiert werden. Aber auch die Homepage von Sony Ericsson ist nicht immer ein guter Ratgeber.

So finden sich dort ebenso konfuse Angaben zur Kompatibilität mit unterschiedlichen Smartphones. Demnach verträgt sich LiveView vorwiegend mit hauseigenen Modellen sowie einer offenbar nur kleinen Schar weiterer Mobiltelefone. Andererseits heißt es, die meisten Android-Handys ab Betriebssystem-Version 2.0 (Donut) würden unterstützt. Ein Blick auf die Produkt-Verpackung hilft jedenfalls nicht weiter, denn aussagekräftige Hinweise fehlen hier gleichermaßen. Dem Käufer bleibt somit lediglich der Selbsttest und gegebenenfalls die Inanspruchnahme seines Widerrufsrechtes bei Onlinekauf.

Die bei erstmaliger Nutzung notwendige Kopplung mit dem Mobiltelefon funktionierte in unserem Test bei beiden Samsung-Geräten derweil auf Anhieb, jedoch sollte man sich genau an die Schritte in der Anleitung halten. Wer den "Kopplungsmodus" nicht wie beschrieben aufruft, bleibt beim obligatorischen Scanvorgang nach neuen Bluetooth-Geräten erfolglos.

Wenn es läuft, dann läuft es - meist

Ist LiveView anschließend auf dem Smartphone registriert, soll die Verbindungsherstellung idealerweise automatisch erfolgen, sobald sich das Gerät innerhalb der maximalen Bluetooth-Reichweite befindet. Sony Ericsson nennt hier eine Maximaldistanz von zehn Metern; in mehreren Versuchen verlor das Gerät aber spätestens nach einer Entfernung von sieben Metern die Konnektivität zum genutzten Mobiltelefon – in einigen Fällen auch deutlich früher. Zudem gelang der automatische Aufbau einer Funkverbindung zwischen Handy und LiveView nicht immer so zuverlässig wie versprochen. Gelegentlich musste durch einen manuellen Suchlauf nachgeholfen werden.

Davon abgesehen tat LiveView im Alltagsbetrieb aber weitgehend problemfrei seinen Dienst: Eingehende SMS, Anrufe mit Name und Nummer, RSS-, Facebook- und Twitter-Nachrichten sowie Kalendereinträge wurden durch kurzes Vibrieren angekündigt und stets im Volltext auf dem Display angezeigt. Ältere Nachrichten bleiben dabei mit Datum gespeichert. Warum sich dabei nicht ebenfalls E-Mails auf das Mini-Display transferieren lassen, bleibt das Geheimnis von Sony Ericsson. Darüber hinaus ebenfalls vorhanden ist eine Paging-Funktion, mit der sich ein verlegtes Handy suchen lässt. Da LiveView aber vor allem auf Erweiterbarkeit getrimmt ist, steht und fällt das Gesamtkonzept mit verfügbaren Dritt-Anwendungen. Bislang ist die Auswahl solcher Plugins – trotz einer Reihe durchaus interessanter Exemplare - allerdings bescheiden: Rund 30 zusätzliche Apps sind derzeit im Android Market erhältlich. Bis Mai dieses Jahres soll ihre Zahl Sony Ericsson zufolge aber auf über 100 ansteigen.

Fazit: Günstig zu haben, aber wenig Mehrwert und unnötige Macken

Zum Schluss bleibt vor allem eine Erkenntnis: Gut gedacht, aber (bislang) nicht wirklich gut gemacht. Prinzipiell ist LiveView ein Gadget, welches das Herz jedes Technik-Fans erst einmal merklich höher schlagen lässt. Im täglichen Einsatz gerät das Blut dann aber oft aus anderen Gründen in Wallung, denn Software-Abstürze, lückenhafte Informationen oder Kompatibilitätsprobleme lassen jede anfängliche Begeisterung im Handumdrehen verfliegen. Hier sollte und muss Sony Ericsson dringend nachbessern. Zwar ist das kleine Touch-Display mit einem aktuellen Marktpreis von rund 45 Euro vergleichsweise günstig zu haben, allerdings bietet es für Otto-Normal-Nutzer in der Basisversion auch keinen großen Mehrwert. Die geringe Bluetooth-Reichweite, gelegentliche Verbindungsabbrüche sowie ein Mangel an weiterem Zubehör, wie etwa modischeren Armbändern, tun dabei ihr Übriges.

Für Sportler und Fitness-Begeisterte könnte LiveView dennoch von Interesse sein - als Teil des in Kürze erhältlichen Fitness Experience Pack XP111. Dieses liefert neben dem Mini-Bildschirm die App SportyPal Pro sowie eine Handgelenkstasche, um das Smartphone beim Joggen, Radfahren oder anderen Aktivitäten sicher und komfortabel transportieren zu können. Trainingsrelevante Daten wie zurückgelegte Distanz, Zeit und verbrannte Kalorien lassen sich dabei direkt auf dem Display anzeigen und machen es zu einem vielseitig verwendbaren Sportcomputer.

Name: LiveView
Hersteller: Sony Ericsson
Internet: http://www.sonyericsson.de
Preis: ca. 45 Euro (Marktpreis, Stand März 2011)
Technische Daten:
Abmessungen: 35x35x11 Millimeter
Gewicht: 15 Gramm
Farbe: schwarz
Display: 1,3 Zoll, 128x128 Pixel, Vier-Wege-Touchscreen, OLED-Technologie
Schnittstellen: microUSB, Bluetooth 2.1 (max. Reichweite 10 Meter)
Lieferumfang: LiveView-Display, USB-Ladekabel, Klettarmband, Clip, Bedienungsanleitung
Akkulaufzeit im Test: ca. 5 Tage bei gelegentlicher Nutzung
Pro & Contra:
günstiger Anschaffungspreis
nützliche Paging-Funktion
eingehende Nachrichten direkt im Volltext lesbar
neue Features durch Plugins integrierbar
Farbdisplay
ungelöste Software-Probleme
bislang nur wenige Plugins vorhanden
gelegentliche Verbindungsabbrüche
E-Mails können nicht angezeigt werden
zerbrechlich wirkender Befestigungs-Clip
Akku nicht wechselbar
relativ geringe Reichweite über Bluetooth
Bewertung:
Bedienung & Funktionalität (50%): befriedigend
Software & Installation (25%): ausreichend*
Akkulaufzeit (15%): gut
Verarbeitung (10%): befriedigend 
Gesamtnote befriedigend (3,1)
Preis-Leistung: gut
* Abwertung um eine Note, da benötigte LiveView-Apps teilweise nicht stabil ausführbar oder lauffähig

(Christian Wolf)

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