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Sony Ericsson Live mit Walkman im Test

Ein Android-Handy mit integriertem Walkman-MP3-Player? Ja, das gibt es: mit dem Sony Ericsson Live. Wir haben das kleine Mittelklasse-Smartphone getestet.

Sony Ericsson Live mit Walkman© Sony Ericsson

Dass ein Smartphone auf Basis des mobilen Betriebssystems Android nicht immer einen großen Bildschirm vorweisen muss, ist spätestens seit dem Vodafone 858 klar. Doch auch Sony Ericsson hat ein Android-Smartphone im Angebot, das eher mit handlichen Abmessungen überzeugen möchte als mit einem gigantischen Display: das Live mit Walkman. Der Name ist bei diesem Handy Programm. Denn Sony Ericsson hat dem Handy einen MP3-Player der Walkman-Generation spendiert.

Klein, aber etwas dick

Eines steht außer Frage: das Sony Ericsson Live mit Walkman ist eines der kleinsten Android-Smartphones, die aktuell auf dem Markt erhältlich sind. Es misst gerade einmal 106 Millimeter in der Länge und 56 Millimeter in der Breite. Etwas schade ist, dass es den Produktdesignern nicht gelungen ist, das Telefon schön flach zu halten. Mit rund 14 Millimetern Tiefe hat es einen vergleichsweise dicken Bauchumfang. Zum Vergleich: das HTC Titan und das Samsung Galaxy Note bringen es auf nur 10 Millimeter Dicke, das Nokia Lumia 800 auf 12 Millimeter, das iPhone 4 S sogar nur auf 9 Millimeter.

Die kompakten Abmessungen des Walkman-Smartphones haben aber auch an anderer Stelle Auswirkungen. Das TFT-Display verfügt nur über eine diagonale Abmessung von 3,2 Zoll und bietet eine eher enttäuschende Auflösung von gerade einmal 480x320 Pixeln. Immerhin werden 16,78 Millionen Farben dargestellt. Als nachteilig erweist sich das kleine Display nicht nur beim Browsen durch das Internet und bei der Navigation durch Apps, sondern auch beim Schreiben von E-Mails und SMS. Ist im Querformat noch ein weitestgehend unkompliziertes Tippen über eine virtuelle QWERTZ-Tastatur möglich, wird im Hochformat nur eine altmodische T9-Tastatur auf dem Bildschirm angezeigt. Gewöhnungsbedürftig und weit entfernt vom gewohnten Smartphone-Komfort.

Von der Mitte zur Kante

Insgesamt liegt das Handy durch eine gummierte Rückseite sehr griffig in der Hand. Für die Bedienung hat Sony Ericsson eine große Home-Taste in Form eines Halbmondes unter dem Display integriert. Links und rechts davon wurden zwei beleuchtete Sensortasten (Zurück / Menü) verbaut - ganz ähnlich wie beim Sony Ericsson Xperia ray.

Eine kleine Überraschung ist auch die Navigation durch das Android-Menü auf der von Sony Ericsson angepassten Oberfläche. In jeder Ecke des Startbildschirms hat der japanisch-schwedische Mischkonzern Elemente des Hauptmenüs untergebracht. Links oben einen Briefumschlag für die SMS-Funktion, rechts oben eine Schnellauswahl, um Walkman-Player, Radio oder die Fotogalerie aufzurufen. In den unteren Bildschirm-Ecken sind Telefonbuch und das virtuelle Ziffernblatt auswählbar. Zum Haupmenü gelangt der Nutzer über ein mittig dazwischen angeordnetes Icon. Praktisch: in jeder Ecke kann der Nutzer die persönlich favorisierten Menüpunkte platzieren, also Änderungen nach den persönlichen Interessen vornehmen.

Herzstück des Telefons ist ein Single-Core-Prozessor, der mit 1 Gigahertz getaktet ist. Das klingt verglichen mit anderen Top-Smartphones erst einmal nach vergleichsweise wenig, ist in der Preisklasse, in der das Sony Ericsson Live mit Walkman mitspielen möchte, aber ein ordentlicher Wert. Die Navigation über die Android-Oberfläche (Gingerbread-Version 2.3.4) funktioniert flüssig und ohne erkennbare Ruckler. Im Hauptmenü wird grundsätzlich über mehrere Seiten von links nach rechts und wieder zurück gesteuert. Nutzer können auswählen, ob die installierten Apps nach einer vorgegebenen Sortierung, alphabetisch oder nach der häufigsten Nutzung angezeigt werden sollen.

Speicherkarte im Lieferumfang enthalten

Weitere Kernelemente der installierten Hardware: 512 Megabyte Arbeitsspeicher und 320 Megabyte frei verfügbarer Handyspeicher. Weil der Speicherplatz für ein Smartphone etwas knapp bemessen ist, wurde dem Walkman-Telefon auch ein microSD-Slot zur Erweiterung spendiert. Das Handy unterstützt microSD-Karten mit einer Kapazität von bis zu 32 Gigabyte, im Lieferumfang enthalten ist eine Speicherkarte mit 2 Gigabyte.

Ordentlich aber längst kein großer Wurf ist die integrierte Digitalkamera. Sie löst mit maximal 5 Megapixeln auf und verfügt auch über eine Autofokus-Funktion, LED-Fotolicht und eine eigene Kamerataste an der Seite. Das allein reicht für eine gute Handykamera aber längst nicht aus. Insbesondere wenn die Lichtverhältnisse nicht gut sind, zeigt das Walkman-Handy im Fotomodus klare Schwächen. Unschärfen und starkes Bildrauschen sind immer wieder klar zu erkennen. Wer einen gut ausgeleuchteten Platz zum Fotografieren erwischt, darf sich hingegen über ordentliche Fotoergebnisse freuen. Im Videomodus sind HD-Aufnahmen (720p) möglich, auf der Vorderseite wurde eine zweite Kamera für Videochats integriert. Aber: die löst nur mit 640 x 480 Pixeln (VGA) auf.

Status-LED als Infoquelle

Ein nettes Beiwerk ist - wie bei vielen Handys von Sony Ericsson - die auf der Vorderseite integrierte Status-LED. Sie informiert nicht nur über verpasste Anrufe, sondern auch über den Ladezustand. Sinkt die Akku-Kapazität auf unter 10 Prozent, leuchtet die kleine LED zum Beispiel dauerhaft rot. Ein klarer Hinweis, dass möglichst bald mit dem beiliegenden Ladegerät eine Steckdose aufgesucht werden sollte.

Apropos Akku: Auch wenn beim neuen Walkman-Handy energiehungrige Smartphone-Anwendungen eher nicht im Fokus stehen, verlangt das Telefon bei normaler Nutzung nach circa 24 bis 36 Stunden nach neuer Energie. Das wird insbesondere dann deutlich, wenn GPS-Empfänger, WLAN- und / oder Bluetooth-Schnittstelle aktiviert wurden oder die integrierten Kamera- und Musikfunktionen genutzt werden.

Häufig als störend erweist sich die Tatsache, dass der integrierte GPS-Empfänger erstaunlich lange braucht, um sich mit dem Satellitennetzwerk zu verbinden. Ganz gegensätzlich präsentiert sich hingegen der integrierte WLAN-Chip. Er verbindet sich immer wieder munter mit offenen WLAN-Netzen - auch wenn er dazu gar nicht aufgefordert wurde und auch das Passwort für das Netzwerk unbekannt ist. Um über eine mobile Datenverbindung im Internet surfen zu können, muss die WLAN-Schnittstelle erst unnötig deaktiviert (und zu einem späteren Zeitpunkt wieder aktiviert) werden.

Den Fokus möchte das Telefon allerdings auf die integrierten Musikfunktionen richten. So ist nicht nur ein RDS-fähiges UKW-Radio integriert, sondern auch ein MP3-Player samt Walkman-Software. Die wurde zwar schön gestaltet und erlaubt eine komfortable Erstellung von Playlisten, ist aber dennoch nicht in allen Situationen intuitiv zu bedienen. Das ist aber in erster Linie dem recht kleinen Display mit seinen eher mäßigen Darstellungsmöglichkeiten geschuldet. Praktisch: auf der Kopfseite findet sich eine so genannte Walkman-Taste, mit der der MP3-Player schnell und unkompliziert gestartet werden kann. In der Walkman-Software selbst liefert eine so genannte Infinity-Taste Direktlinks zu YouTube-Videos, Songtexten und Wikipedia-Informationen jenes Interpreten, dessen Klängen gerade gelauscht wird.

Satter Sound

Akustisch kann das Telefon hingegen rundum überzeugen - so lange der Nutzer keine übertriebenen Anforderungen an ein Smartphone stellt. Über das mitgelieferte Stereo-Headset darf man sich über einen kraftvollen Sound freuen, der einfach Laune macht. Die Stereo-Lautsprecher auf der Rückseite klingen hingegen eher blechern und lösen entsprechend wenig Begeisterung aus. Dafür sind sie aber vergleichsweise laut. Auf Wunsch ist über die Stereo-Bluetooth-Schnittstelle mit entsprechender, optional erhältlicher Hardware auch kabelloser Musikgenuss in besserer Qualität möglich.

Generell einsetzbar ist das Walkman-Handy rund um den Erdball in GSM-Netzen (Quadband-Antenne), aber auch überall dort, wo UMTS und HSDPA zur Verfügung stehen. Wie bereits erwähnt, ist darüber hinaus eine WLAN-Schnittstelle nutzbar. Eine HDMI-Schnittstelle und ein NFC-Chip fehlen hingegen im Funktionsumfang.

Angeboten wird das Sony Ericsson Live mit Walkman im Online-Fachhandel ab 160 Euro ohne Vertrag. Amazon bietet das Einsteiger-Smartphone zu einem Preis von 177 Euro an (Stand Mitte Dezember 2011). Das ist gemessen an den Schwächen, die das Telefon hat, kein richtig preisbrechender Kurs, aber für ein Android-Handy sehr fair. Zur Auswahl stehen Varianten in Weiß und Schwarz.

Fazit: Ein solides Mittelklasse-Smartphone

Der Auftrag für Sony Ericssons neues Walkman-Handy ist klar: eine konsumfreudige Zielgruppe in der Mittelschicht ansprechen, die Freude an digitaler Musik hat und dabei auf das breite Angebot mobiler Internetdienste nicht verzichten möchten. Problem: für viele Nutzer wird das verbaute Display eine Spur zu klein ausfallen. Gerade für eine jugendliche Zielgruppe ist Musik zwar auf der einen Seite wichtig, andererseits haben Facebook und Co aber einen ebenfalls hohen Stellenwert. Und gerade das mobile Internet macht mit kleinen Displaydiagonalen nur wenig Spaß.

Insofern nimmt das Live mit Walkman einen Platz im Smartphone-Mittelfeld ein, versucht mit seiner Walkman-Funktionalität zu punkten, muss dabei aber gegen Konkurrenzmodelle wie das HTC Sensation XL mit kraftvollen Beats-Kopfhörern oder auch die inzwischen häufig preiswerte und deswegen beliebte Galaxy-Familie von Samsung bestehen.

Name: Live mit Walkman (WT19i)
Hersteller: Sony Ericsson
Internet: www.sonyericsson.de
Preis: ab ca. 160 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 2.3 (Gingerbread)
Prozessor: 1 GHz Qualcomm Snapdragon MSM8255
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 106x56x14 Millimeter
Gewicht: 115 Gramm
Display: 3,2 Zoll, 480x320 Pixel, 16,8 Mio. Farben
Speicher: 320 MB intern,
über microSD um max. 32 GB erweiterbar;
2 GB Speicherkarte inklusive
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN
Digitalkamera: 5,0 Megapixel Kamera, 8x Digitalzoom, HD-Videofunktion (720p)
Frontkamera für Videotelefonate (VGA)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel, 2 Gigabyte Speicherkarte
SAR-Wert: 1,00 W/kg (hoch)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung, Walkman-Player
Akkulaufzeit im Test: 5-6 Stunden Sprechzeit
ca. 2 Tage Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
günstiger Anschaffungspreis
recht flotter Browser
Walkman-Player mit div. Funktionen
Status-LED
recht kleines Display
schwache Display-Auflösung
vergleichsweise schwache Kamera

Bewertung:
Bedienung (30%): gut 
Ausstattung (20%): befriedigend
Verarbeitung (20%): befriedigend
Akkulaufzeit (20%): befrieidgend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote befriedigend (2,5)
Preis-Leistung: sehr gut

(Hayo Lücke)

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