Testbericht

Sinus A 602 Touch im Test - Design ist nicht alles

Dass ein DECT-Telefon heutzutage durchaus auch designtechnischen Ansprüchen genügen kann, beweist die Telekom mit dem Sinus A 602 Touch. Doch das Schnurlostelefon mit Sensortasten hat auch Nachteile.

Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Wie hat ein modernes Festnetztelefon heutzutage auszusehen? In der Regel haben DECT-Telefone ein eher langweiliges Design. Auf das Sinus 602 Touch, das von der Deutschen Telekom angeboten wird, trifft das nicht zu. Vielmehr handelt es sich bei diesem Telefon um eine eher außergewöhnliche Ausführung. Wir haben das kleine oder genauer gesagt lange Schwarze genauer auf die Probe gestellt.

Die Inbetriebnahme

Wer das Sinus 602 das erste Mal in den Händen halten darf, wird sogleich verstehen, warum es sich bei diesem Telefon um ein Modell handelt, das man durchaus als anders bezeichnen darf. Es misst gerade einmal 40 Millimeter in der Breite, dafür aber rund 200 Millimeter in der Länge. Der Nutzer hat also mehr den Eindruck, eine Fernbedienung zu nutzen, als ein Festnetztelefon.

Die nächste Überraschung folgt sogleich. Während sich die Basisstation mit integriertem Anrufbeantworter simpel und intuitiv mit dem Telefonanschluss verbinden lässt, ist beim Einlegen des Akkus in das Mobilteil ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl gefragt. Denn anders als bei anderen DECT-Telefonen wird nicht auf klassische, einzeln einzulegende Mignon- oder Micro-Batterien gesetzt, sondern auf ein Akku-Pack, das über ein kleines Doppel-Kabel per Steckverbindung mit dem Mobilteil verbunden wird. Gewöhnungsbedürftig ist das auch vor dem Hintergrund, dass es im Anschluss schwer fallen kann, die Akku-Abdeckung auf das Mobilteil zu schieben.

Ist das Mobilteil mit Energie versorgt und auch die Basisstation an das Stromnetz angeschlossen, kann es praktisch sofort losgehen. Das mitgelieferte Mobilteil ist bereits an der Basisstation angemeldet. Wird ein zusätzliches Mobilteil gekauft, muss es zunächst mit der Basis synchronisiert werden. Das geht aber leicht von der Hand. Über die Einstellungen des Mobilteils den Punkt MT anmelden auswählen, PIN eingeben (werkseitig 0000), an der Basis vier Sekunden die Taste Halten drücken, kurz warten, fertig.

Das Handling

Doch wie ist das Telefon eigentlich zu seinem Namen gekommen? Was hat der kleine Zusatz "Touch" zu bedeuten? Die Antwort ist simpel. Hersteller VTech hat bei der Fertigung komplett auf die Verwendung von mechanischen Tasten verzichtet. Sowohl Mobilteil als auch Anrufbeantworter werden über Sensortasten bedient - ähnlich wie bei einem Touchscreen. Das ist gewöhnungsbedürftig und erfordert auch nach mehreren Wochen Nutzung immer wieder ein gewisses Umdenken. Gerade dann, wenn parallel möglicherweise ein Handy benutzt wird, das noch nicht mit Sensortasten und/oder Touchscreen arbeitet.

Trotzdem: wer sich auf die neue Art des Telefonierens mit einem Festnetztelefon einlässt, kommt mit den Tasten mehr oder weniger gut zurecht. Nicht nur, weil sie zumeist schnell und präzise reagieren, sondern auch, weil sie ausreichend groß sind. Ein Verrutschen auf die benachbarte Ziffer geschieht in der Regel nicht.

Und auch an ein weiteres Problem hat man bei VTech gedacht. Um nicht während des Telefonierens unabsichtlich eine Sensortaste zu treffen, wird die komplette Oberfläche des Mobilteils gesperrt, sobald der Nutzer das Telefon ans Ohr hält. Dafür sorgt ein neben der Hörkapsel integrierter Näherungssensor. Er aktiviert sich aber erst, wenn eine Verbindung hergestellt wird. Es kommt deswegen immer wieder vor, dass unabsichtlich Tasten gedrückt werden, sobald das Telefon in die Hand genommen wird.

Inklusive Bluetooth-Schnittstelle

Ganz davon abgesehen, ist es gerade bei längeren Telefonaten nicht wirklich komfortabel das Mobilteil des Sinus 602 Touch zu nutzen. Es ragt deutlich über das Kinn hinaus und wirkt anders als ein kleines Handy eher wie ein Fremdkörper in der Hand. Aber auch hier wurde vorgesorgt. Auf Wunsch ist es nämlich möglich, wahlweise die integrierte Freisprechfunktion zu nutzen oder aber ein Bluetooth-Headset mit dem Mobilteil zu verbinden.

Auf diese Weise lassen sich auch bis zu vier klassische GSM-Handys über die Bluetooth-Schnittstelle mit der Basis verbinden. Die Einrichtung und Bedienung sind zwar etwas umständlich, ist aber erst einmal alles miteinander gekoppelt, kann eine Nummer über das Sinus 602 Touch-Mobilteil angewählt und im Anschluss mit dem gekoppelten Headset oder GSM-Handy telefoniert werden. Praktisch.

Erfreulich ist, dass alle Sensortasten durch eine weiße Hintergrundbeleuchtung sehr gut ablesbar sind. Weitestgehend trifft das auch auf das monochrome Display zu. Insbesondere tagsüber wirkt die Beleuchtung aber ein bisschen zu schwach. Darüber hinaus ist der Bildschirm erstaunlich klein gehalten; gerade einmal 4,5 Zentimeter in der diagonalen Abmessung. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang allerdings auch, dass dem Display schon aufgrund der schmalen Bauform des Telefons Grenzen gesetzt sind.

Kein echter Genuss sind die zehn (Basis) bzw. 18 (Mobilteil) Klingelmelodien. Zwar ist der Begriff "Melodie" gerechtfertigt, weil die Klingeltöne durchaus als kleine Kompositionen durchgehen, allerdings ist der Klang aufgrund des eher mangelhaften Lautsprechers extrem dumpf und blechern. Die Klingeltonlautstärke von Basis und Mobilteil lässt sich mehrstufig regulieren und erreicht in der Spitze eine ordentliche, aber keinesfalls sehr hohe Lautstärke.

Wer schon immer ein Festnetz-Telefon besitzen wollte, das auch in Sachen Design punkten kann, sollte sich das Sinus 602 Touch genauer anschauen. Dabei darf aber niemand vergessen, dass das DECT-Telefon auch Schwachstellen hat. So steht es beispielsweise aufgrund seiner Abmessungen während des Ladevorgangs äußerst wackelig in der Basisstation und liegt insbesondere bei langen Telefonaten nicht wirklich angenehm in der Hand.

Fazit – Ein Design-Telefon mit Ecken und Kanten

Pluspunkte kann das Telefon durch die in die Basis integrierte Bluetooth-Schnittstelle und den Anrufbeantworter sammeln. Der lässt sich über das Mobilteil einrichten, kann aber leider nur bis zu 25 Minuten an eingehenden Gesprächen aufzeichnen. Schade ist auch, dass nur 100 Telefonnummern im internen Telefonbuch abgespeichert werden können. Die Gesprächszeit lag im Test bei maximal 7,5 Stunden, die Bereitschaftszeit bei knapp vier Tagen. Wird die Bluetooth-Funktion genutzt, sinken die Akkuwerte allerdings deutlich. Auch erstaunlich: ein leeres Akku-Pack braucht extrem lange, um wieder volle Leistung vorweisen zu können - mehr als einen halben Tag.

Aktuell (Stand: Dezember 2010) ist das Sinus A 602 Touch bei der Telekom für 79,99 Euro zu haben. Der reguläre Preis liegt bei 99,99 Euro. Ein zusätzliches Mobilteil wird für 79,99 Euro angeboten. Hier wird deutlich, dass sich die Telekom auch das Design mitbezahlen lässt. Denn zum gleichen Preis sind am Markt Telefone erhältlich, die vielleicht nicht ganz so schön aussehen, aber mehr leisten; zum Beispiel eine SMS-Funktion.

Name: Sinus A 602 Touch
Hersteller: Deutsche Telekom / VTech
Internet: http://www.telekom.de
Preis: 99,99 Euro
Technische Daten:
Abmessungen Mobilteil: 203x41x23 Millimeter
Gewicht: 144 Gramm
Display: 4,5 Zentimeter, monochrom
Tastaturbeleuchtung ja (weiß)
Signalisierung verpasster Anrufe ja (Hinweis auf Mobilteil & an der Basis)
Reichweite bis zu 300 Meter im Freien
bis zu 50 Meter in Gebäuden
Extras: Bluetooth-Schnittstelle,
integrierter Anrufbeantworter
Akkulaufzeit im Test: ca. 7 Stunden Sprechzeit
ca. 4 Tage Bereitschaftszeit
Akkus Akkublock
Pro & Contra:
integrierter Anrufbeantworter (25 Minuten)
Bluetooth-Schnittstelle
Näherrungssensor sperrt Sensortasten
durchschnittliche Akkuleistung
div. Tasten an der Basis nicht beleuchtet
kleines Display
Bedienung des Mobilteils nicht immer intuitiv
Bewertung:
Bedienung (30%): befriedigend
Ausstattung (20%): ausreichend
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote befriedigend (3,1)
Preis-Leistung: befriedigend

(Hayo Lücke)

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