Testbericht

Sinus A 205 im Test: Hausschuh statt High-Heel

Es trägt kein Apfel-Logo und wird auch nie ein schickes Kult-Fon werden. Aber ein treuer Begleiter schon: Das schnurlose Sinus A 205 punktet mit gutem Akku und einigen Extras bei günstigem Preis.

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Auch wenn inzwischen jeder Dritte bereit ist, auf sein Festnetztelefon zu verzichten, liegt es vor allem bei der älteren Generation immernoch hoch im Kurs. Was sollte man auch sonst aufs Nierentischchen stellen und wofür noch Deckchen häkeln? Und nicht jeder möchte seinem Gesprächspartner die hierzulande zum Teil noch immer recht üppigen Minutenpreise für Telefonate zu Mobilfunkanschlüssen zumuten. Das weiß auch die Deutsche Telekom und bedient diese Klientel mit ihrer Sinus-Reihe. Ein aktueller Neuzugang: Das Sinus A 205 für rund 40 Euro. Auf den ersten Blick etwas altbacken, kommt es mehr wie ein Hausschuh als wie ein High-Heel-Sandale daher. Aber vielleicht punktet es durch innere Werte? Wir haben es ausgepackt und auf die Probe gestellt.

Anrufbeantworter mit an Bord

Das Sinus A 205 mit Anrufbeantworter (AB) beweist, dass auch ein Basismodell außer telefonieren noch Extras im Gepäck haben kann: So ist das Menü laut Hersteller wahlweise in Deutsch, Englisch und Türkisch verfügbar. Außerdem können die Nutzer Textnachrichten (SMS) verfassen, versenden und empfangen.

Babyphone meldet auch leises Rufen

Für Eltern wird das Telefon zum Babyphone, das bei auffälligen Geräuschen im Raum eine vorprogrammierte Telefonnummer wählt. Das kann eine Mobilfunknummer sein oder die Festnetz-Verbindung der Nachbarin, aber auch das Zweit-Mobilteil im eigenen Haus.

Der AB lässt sich per Fernabfrage prüfen, und eine Teilsperre ermöglicht auch sehr kleinen Kindern oder betagten Senioren, eine bestimmte Nummer anzurufen, ohne Einzeltasten zu drücken. Bis zu fünf Mobilteile bieten kostenloses hausinternes Telefonieren – praktisch bei mehrgeschossigen Häusern und großen Wohnungen. Sie müssen allerdings separat gekauft werden, da im Basispaket nur ein Mobilteil enthalten ist.

Verpackung und Installation stellen den Nutzer vor keine große Herausforderung. Das Paket liefert neben dem Basis- und dem bereits daran angemeldeten Mobilteil auch ein 3 Meter großes Telefon- und Stromkabel nebst zwei Standard-Akkus vom Typ AAA. Das nicht-digitale Anleitungsheft zum Blättern und Stöbern zählt inzwischen schon zur Komfortausrüstung. Es ist verständlich verfasst, so dass auch Laien leicht durch die wichtigsten Funktionen ihres Neuerwerbs navigieren können.

Schnell ist das Gerät mit Stromquelle und Telefonbuchse verbunden und die bereits eingelegten Speicher beginnen, Energie zu saugen. In der Hand liegt das 160x46x24 Millimeter große Mobilteil gut, leider sammelt die Klarlackfläche auf der Vorderseite im Rekordtempo Fingerabdrücke und die Tastenschrift könnte für Senioren größer und klarer sein. Im Dunkeln kommt man hingegen dank Tastatur- und Bildschirmbeleuchtung prima klar.

Das 32x40 Millimeter große Display bietet nur Zweifarb-Darstellung - nicht hübsch, aber praktisch, weil energiesparend. Der Kontrast lässt sich in mehreren Stufen einstellen, so bleibt der Bildschirm trotz Tristesse gut lesbar.

Page-Funktion an Bord

Unverzichtbar für Familien: Mit der Page-Funktion meldet sich ein verlegtes Mobilteil mittels Signalton. Denn wer hat nicht schon einmal den Hörer gesucht und im Stillen die schnurlose Technik verflucht? Ein Druck auf der Basisstation, und das Gesuchte meldet sich im Kinderzimmer, in der Küche oder unter dem Sofakissen, bevor der nächste darauf Platz genommen hat.

Wird eine Taste berührt, schaltet der Bildschirm des Mobilteils in den hellen Aktivmodus. Bei Nichtgebrauch geht's auf Dämmerlicht-Standby. Auch das schont den Akku und damit den Geldbeutel. Dazu trägt auch der schlichte Bildschirmschoner bei, der lediglich die aktuelle Uhrzeit anzeigt. Keine Grafik, keine Gimmicks – dafür ökonomisch. Denn sparsam soll das Telefon sein: Laut Hersteller hält es rund zehn Tage ohne Gespräch und Stromzufuhr durch.

Nach einer Nacht an der Steckdose sind die Akkus vor dem ersten Gebrauch voll aufgeladen. Ein Blick ins Menü zeigt: Der schlüssige Aufbau erlaubt schnelles Einarbeiten, denn die wichtigsten Eigenschaften finden sich im Grundmenü unter sechs selbsterklärenden Symbolen - wenn auch grafisch nicht sonderlich schön gestaltet.

Telefonbuch für 150 Einträge

Das Telefonbuch fasst 150 Einträge, die der Nutzer in Gruppen sortieren kann. Jede Gruppe kann der Nutzer mit einen separaten Rufton verknüpfen und weiß schon vor der Annahme, ob Familie, Arbeitskollegen oder der Kegelverein gerade den Mittagsschlaf stören. Auch interne und externe Anrufe können so gekennzeichnet werden. Schade, dass nur wenige ansprechende Klingelton-Melodien zur Auswahl stehen.

Auf die Schnelle: Pro Ziffer eine Kurzwahl

Der erste Testanruf zeigt: Die Tonqualität ist leicht körnig, aber der Gesprächspartner gut zu verstehen. Während des Telefonats lässt sich der Hörer lauter stellen - schöne Funktion mit wenig Wirkung: Die Anpassung ist marginal und kaum geeignet, Menschen mit Hörschwäche beim Verstehen "unters Ohr zu greifen".

Praktisch ist hingegen die Kurzwahl-Funktion: Alle Nummerntasten können mit einer Schnellwahl belegt werden, sodass die neun wichtigsten Rufkontakte bequem und ohne Telefonbuch aufgerufen werden können.

Verlaufs-Informationen ruft der Nutzer rasch über die Nachrichtentaste ab. Hier kann er zügig auf neue SMS sowie auf bis zu 30 entgangene und angenommene Anrufe zugreifen, die mit einem Kreissymbol voneinander unterschieden werden. Außerdem fungiert die Taste als Anrufmelder: Sie blinkt bei einer neuen SMS oder AB-Meldung, was optisch jedoch nur in der Dämmerung gut wahrzunehmen ist.

Außer AB und Besetztzeichen gibt es diverse Möglichkeiten, einen Anrufer glücklich zu machen, der auf ein Besetztzeichen stößt. Er kann auf eine andere Nummer geleitet werden, sich durch Anklopfen bemerkbar machen oder einfach auf den AB sprechen. Der liefert allerdings nur bis zu 20 Minuten Aufzeichnungsdauer und ist auch über das Mobilteil abrufbar.

Wahlwiederholung, Raumüberwachung und Fernabfrage funktionieren im Test ebenso tadellos wie schreiben und empfangen von SMS. Auch das Programmieren des AB stellt die Nutzer vor keine nennenswerten Hindernisse. Abhören, löschen und Nachrichtentext aufsprechen – wie das geht, ist schnell verstanden und unterscheidet sich kaum von anderen Modellen.

Auch die Babyphone-Funktion übersteht den Test einwandfrei. Schon bei leisem Rufen wird das Gerät aktiv und wählt die gewünschte Alarmnummer. Teilsperre und AB-Fernabfrage machen ebenfalls kein Problem und der leistungsfähige Akku beeindruckt durch Standhaftigkeit: Acht Tage hielt er ohne Basistation bei vereinzelten Gesprächen aus.

Fazit: Ein Telefon für Anspruchslose

Praktisch ist auch die Weckfunktion, die den herkömmlichen Wecker ablöst. Dabei können drei Wecksignale hintereinander programmiert werden. Als Weckton sind die Rufsignale hinterlegt - so brauchen sich Telefonbesitzer nicht von unsanftem Schrillen aus dem Schlaf bringen zu lassen.

Das Sinus A 205 ist nichts für Verspielte. Der nüchterne Zweifarb-Bildschirm mit seinen zweidimensionalen Symbolen und großen Buchstaben ist optisch wenig reizvoll, aber praktisch, weil sparsam. Und so hat das Festnetzgerät trotz des relativ niedrigen Preises einen leistungsfähigen Akku - sechs Tage kam das Mobilteil im Test ohne Basisstation aus, brauchte dann aber auch drei Stunden zum Wiederaufladen.

Ein paar mehr Klingeltöne wären schön gewesen und das monochrome Display ist sicherlich auch nicht mehr ganz State of the art. Trotzdem bietet Sinus A 205 ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis.

Name: Sinus A 205
Hersteller: VTech Telecommunications Ltd.
(Auftraggeber: Deutsche Telekom)
Internet: http://www.vtech.com
http://www.telekom.de
Farbe: schwarz/silber
Preis: ca. 40 Euro
Technische Daten:
Abmessungen: 160 x 46 x 24 Millimeter (Hörer)
130 x 112 x 59 Millimeter (Basis)
Gewicht: 137 Gramm (Hörer inkl. Akkus)
192 Gramm (Basis)
Anschlussart: Analog
Typ: Schnurlos (DECT/GAP)
Reichweite: bis zu 300 Meter im Freien
bis zu 50 Meter in Gebäuden
Display: monochromes Grafik-Display, 38 x 38 Millimeter
Telefonbuch: 150 Einträge
Anrufbeantworter: ja (Aufzeichnung bis zu 20 Minuten)
Freisprechen / Lauthören: ja
Tastaturbeleuchtung: ja
Signalisierung verpasster Anrufe: ja
Extras: Babyfon-Modus ("Raumüberwachung"), SMS-Funktion, Timer-Memos, Wecker,   Anzeigensprache in Englisch, Deutsch und Türkisch
Maximale Akkulaufzeit (laut Hersteller): 18,5 Stunden Sprechzeit
245 Stunden Bereitschaftszeit (ca 10 Tage)
Pro & Contra:
integrierter Anrufbeantworter mit Fernabfrage
Minimal-Strahlung (Full ECO Mode plus)
Beleuchtete Tastatur
Hörgeräte-tauglich
bis zu fünf Mobilteile möglich
Babyfon-Modus ("Raumüberwachung")
lange Akkudauer
Übersichtliches Menü
wenige Klingeltöne
monochromes Display
mittlere Sprachqualität
Tastatur-Lesbarkeit
3 Stunden fürs Akku-Aufladen
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): ausreichend
Verarbeitung (20%): befriedigend
Akkulaufzeit (20%): gut
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote befriedigend (2,6)
Preis-Leistung: gut

(Dorothee Monreal)

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