Testbericht

Satspeed: Tooway Internet per Satellit im Test

Onlinekosten.de testete mehrere Wochen Internet und VoIP über Satspeed, den Sat-Internetdienst der Internetagentur Schott. Es zeigten sich Licht- und Schattenseiten bei dem über die Tooway-Plattform von Eutelsat realisierten Internetzugang.

Satellitenschüssel© Alexandr Blinov / Fotolia.com

Ländliche Idylle, viel Natur und ein Breitbandanschluss - das ist in abgelegenen Regionen Deutschlands immer noch häufig unvereinbar. Ein Internetzugang per DSL, Kabel oder auch mobiles Internet per UMTS sind auf dem Land nicht selten noch Fehlanzeige. Als Lösung bieten sich hier Anbieter von Internet über Satellit an. Der Internetzugang aus dem All hat jedoch noch mit Vorurteilen zu kämpfen. Insbesondere Poweruser wie Online-Gamer oder Filesharer finden sich immer wieder als Kritiker dieser Technologie in den verschiedenen Online-Foren ein: Zu langsam und zu teuer lauten die Vorwürfe. Unsere Redaktion hat in einem mehrwöchigen Test nun selbst einen Sat-Internetzugang von satspeed ausgiebig in der Praxis nutzen können. Der Internetdienst der Internetagentur Schott aus dem oberfränkischen Viereth-Trunstadt basiert auf der Tooway-Plattform des Satellitennetzbetreibers Eutelsat. Getestet wurden Internet und Telefonie mit dem Triple Play-Produkt satspeed+, unsere Redaktion verzichtete aber auf die optionale TV-Funktion.

Systemaufbau vom Fachmann

Was erwartet Kunden, wenn sie einen Internetzugang per Satellit bestellen? Die satspeed-Lösung besteht aus einer Satellitenschüssel mit 100 Zentimetern Durchmesser, einer speziellen rückkanalfähigen LNB-Einheit, einem Satelliten-Modem und optional einem VoIP-fähigen Router. Der Aufbau und die Konfiguration der Sat-Anlage vor Ort erfolgt durch einen satspeed-Techniker. Da es sich um ein Zwei-Wege-System handelt, das Rückfragen direkt an den Satellit sendet, muss der Techniker die Sat-Schüssel mit einem Messinstrument exakt auf den Eutelsat-Satelliten Eurobird 3 auf Position 33.1° Grad Ost ausrichten. Freie Sicht nach Südosten sollte gegeben sein. In Deutschland wird das KU-Band für die Datenübertragung genutzt. Die Verkabelung sollte möglichst die Länge von 30 Metern nicht überschreiten, mit Spezialkabeln lassen sich nach Unternehmensangaben aber auch Strecken von bis zu 90 Metern überwinden.

Die Konfiguration durch einen Fachmann ist anzuraten. In den von satspeed angebotenen Pauschaltarifen ab 28,90 Euro monatlich sind die Kosten für Montage und Installation allerdings nicht enthalten. Der Techniker benötigt in der Regel rund zwei Stunden, bis das System einsatzfähig ist. Satspeed stellt über Tooway im Downstream Bandbreiten von bis zu 3,6 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) bereit. Der Upload von Daten ins Netz erfolgt mit maximal 384 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s).

Satspeed Box II: VoIP-WLAN Router unterstützt Datenkomprimierung

Das Modem und der VoIP-Router wurden für den Test in der Redaktion platziert, ein Notebook per LAN-Anschluss direkt mit dem Router verbunden. Der VoIP-Router satspeed Box II bietet neben vier LAN-Anschlüssen und zwei Telefon-Anschlüssen, WLAN-Funktionalität nach dem 802.11 b/g-Standard, eine integrierte Firewall sowie Einstellungen unter anderem für VoIP und Jugendschutz. Der Zugriff über WLAN erfolgte nach Eingabe des WLAN-Schlüssels problemlos. Als Sat-Modem kommt das für die Eutelsat Tooway-Plattform optimierte ViaSat SurfBeam SM-1101 zum Einsatz. Hier wurden die beiden Kabel für ein- und ausgehende Signale angeschlossen (Receiver und Transmitter).

Der Sat-Internetzugang lässt sich über die browserbasierte Benutzeroberfläche des Routers optimieren. Dazu nutzt satspeed ein Proxy-Routing und Datenkomprimierung. Über die Plattform satspeed Next Generation Gateways lassen sich große Dateien wie etwa Bilder um bis zu 80 Prozent komprimieren. Der Datentraffic reduziert sich nach Angaben von satspeed entsprechend. Das erhöht bei einigen Webseiten auch die Surfgeschwindigkeit. Optional lässt sich die Datenkomprimierung auch deaktivieren. Die Komprimierung der Bilder wirkte sich im Test nicht störend auf deren Darstellung aus.

Deutsche IP per Proxy und die Folgen

Den Proxy-Einsatz vermarktet satspeed als besonderes Feature: Auf einer Webseite identifiziert sich der Internetnutzer mit einer deutschen IP-Adresse. Die Tooway-Uplink-Station steht im italienischen Turin, satspeed-Kunden ohne aktivierten Proxy surfen daher mit einer italienischen IP-Adresse im Internet. Eine deutsche Internetseite, die den Zugriff auf Inhalte etwa aus lizenzrechtlichen Gründen regional beschränkt, wäre mit einer italienischen IP-Adresse nicht nutzbar. Bei dem Online-TV Dienst Zattoo funktionierte der Proxy recht gut. Die TV-Streams der über dieses Portal angebotenen öffentlich-rechtlichen TV-Sender ließen sich ruckelfrei aufrufen.

Probleme bereitete im Test aber ein Zugriff auf die Online-Videothek maxdome. Beim Versuch, dort einen Film per Stream zu starten, erschien eine Fehlermeldung, mit dem Hinweis es dürfe kein Proxy genutzt werden. Wird dieser jedoch deaktiviert, folgt die Meldung, dass die Inhalte nicht für eine Region außerhalb Deutschlands freigegeben sind. Bei solchen Einschränkungen seitens der Webseitenbetreiber ist satspeed nach eigenen Angaben machtlos. Inhalte über YouTube ließen sich dagegen problemlos und ohne Ruckeln abspielen.

Telefonie per Satellit

Über das satspeed-System ist mit dem optional für 109 Euro erhältlichen VoIP-Router satspeed Box II auch Internettelefonie möglich. Für den Test hat unsere Redaktion die Basis eines analogen Schnurlostelefons direkt mit dem entsprechenden Anschluss am satspeed-Router verbunden. Der erste VoIP-Testanruf verlief zunächst enttäuschend: Es hallte und ein deutliches Echo war vernehmbar. Schnelle Abhilfe ist jedoch durch einen Zugriff auf die Routereinstellungen über den Webbrowser möglich.

Unter der Adresse 192.168.100 gelangen Kunden zur Benutzeroberfläche des Routers. Hier sind Informationen zum Router selbst sowie zu über ihn aufgebauten Internet- und VoIP-Verbindungen abrufbar. Unter dem Menüpunkt VoIP -> Anschluss -> Lautstärkenregelung lässt sich die Lautstärke von Mikrofon und Lautsprecher regeln. Nach einer Absenkung der jeweiligen Lautstärke verschwand das störende Echo und die Nebengeräusche. Die systembedingte Signalverzögerung durch die große Entfernung zum Satelliten wirkte sich in Telefonaten nicht spürbar aus. Eine VoIP-Flat in das Festnetz der EU-Länder bietet satspeed für einen monatlichen Aufpreis von 9,95 Euro an.

Der Aufruf von Standard-Webseiten wie spiegel.de verlief meist relativ zügig. Nach einer Wartezeit von durchschnittlich rund zehn Sekunden wurde die gewünschte Webseite inklusive Fotos und Grafiken komplett angezeigt. Die Wartezeit variierte jedoch je nach Internetseite. Mit Hilfe gängiger, im Netz verbreiteter Speedtests, konnte unsere Redaktion in der Spitze eine Bandbreite von rund 3,5 Mbit/s bei Downloads verzeichnen. Dieser Wert wurde aber nicht immer erreicht.

satspeed im Geschwindigkeitscheck

Satspeed weist darauf hin, dass die im Netz bereitgestellten Speedtests für Internet per Sat eher ungenaue Messergebnisse liefern. Das gelte insbesondere für die Angaben bei Uploads. Ein Grund sei die für die Datenübertragung verwendete Komprimierung. Unsere Redaktion hat daher zur besseren Veranschaulichung an mehreren Tagen Downloads von 10, 20 und 100 Megabyte (MB) großen Testdateien mit Binärdaten heruntergeladen und die dafür benötigte Zeit protokolliert:

  • 10 MB: 1:15 bis 3:30 Minuten
  • 20 MB: 0:46 bis 1:08 Minuten
  • 100 MB: 4:31 bis 4:59 Minuten

Die durchschnittliche Übertragungsgeschwindigkeit erreichte bis zu 420 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s). Erstaunlicherweise wurden größere Dateien vergleichsweise schneller heruntergeladen. Auch dafür hat satspeed eine Erklärung und verwies gegenüber unserer Redaktion darauf, dass zu Beginn eines Down- oder Uploads einige Zeit für die Aufnahme der Verbindung benötigt werde. Stehe die Verbindung dann erst einmal, könne der Datentransfer mit der vollen zur Verfügung stehenden Bandbreite erfolgen. Das wirke sich bei kleineren Dateien entsprechend stärker aus. Gegenüber ISDN lassen sich Software-Updates zur Aktualisierung von Programmen oder des Betriebssystems über Sat-Internet erheblich schneller ausführen. Der Upload von Dateien erfolgt dagegen eher gemächlich mit laut satspeed maximal möglichen 384 Kbit/s. Ein 104 Kilobyte großes Testbild ließ sich in 18 Sekunden auf Facebook hochladen, eine 1,2 MB große Testdatei gelangte innerhalb von 1:05 Minuten in das Facebook-Album.

Hohe Ping-Raten: Aus für Ego-Shooter, browserbasierte Flash-Spiele aber möglich

Spieler von schnellen Ego-Shootern werden mit Sat-Internet jedoch keine Freude haben. Die gemessenen Ping-Raten lagen etwa bei einer Prüfung der onlinekosten.de-Webseite bei rund 670 Millisekunden. Zum Vergleich: Über die schnelle Anbindung der Redaktionsrechner wurde im Durchschnitt ein guter Ping von 7 bis 14 Millisekunden erreicht. Dennoch können auch satspeed-Kunden browserbasierte Online-Games spielen. Onlinekosten.de testete einfache Flashspiele etwa auf gameduell.de. Diese ließen sich problemlos starten und auch mit mehreren Mitspielern spielen.

Die Fair Use-Policy von Satspeed: Drosselung in mehreren Stufen

Für den Test stellte uns satspeed die Internet-Flatrate in der Basis-Variante bereit. Diese ermöglicht die Nutzung einer Bandbreite von bis zu 3,6 Megabit pro Sekunde. Wie alle anderen Sat-Internet-Anbieter setzt aber auch satspeed auf eine Regulierung der nutzbaren Bandbreite per Fair-Use-Policy (FUP), da sich die Nutzer die Kapazität eines Satellitentransponders teilen müssen. Die Anzahl und Größe von Downloads sollte der satspeed-Nutzer immer im Hinterkopf haben. Bei Überschreitung bestimmter Grenzen an genutztem Datentraffic wird die Surf-Geschwindigkeit stufenweise gedrosselt.

Die FUP greift bei satspeed in fünf verschiedenen Stufen und errechnet ständig für jeden Nutzer einen möglichen Durchschnitt an nutzbarem Datenvolumen (Treshold) für eine Zeitspanne von einer Stunde, vier Stunden, einem Tag, einer Woche oder vier Wochen. Die Surfgeschwindigkeit sinkt am stärksten bei Überschreitung des monatlichen erlaubten Schwellenwertes und rutscht dann unter das Niveau von ISDN. Den Datendurchschnitt berechnet satspeed nach folgender Formel: Threshold = 0,5 * Download + 1,5 * Upload. In dem von uns genutzten Basis-Tarif mit einem monatlichen Treshold von 2.400 lassen sich damit im Monat theoretisch 4.800 Megabyte ohne Drosselung herunterladen. Da gleichzeitig auch immer Datenvolumen für den Upload anfällt, liegt das in der Praxis ohne Drosselung nutzbare Downloadvolumen jedoch etwas niedriger. Eine Lockerung der FUP-Regelung bietet satspeed im Zeitraum von 0 Uhr bis 6 Uhr morgens an: Nur die Hälfte des dann anfallenden Download-Volumens wird auf den FUP-Grenzwert angerechnet. Damit lassen sich ohne Drosselung beispielsweise Downloads von 1.600 MB statt 800 MB durchführen. Viele satspeed-Kunden würden größere Dateien daher mit Hilfe von Download-Managern in der Nacht herunterladen.

Um die Drosselung auszutesten, luden wir innerhalb von 37 Minuten eine 800 MB große Datei herunter. Zuvor wurden bereits einige kleinere Downloads durchgeführt. Der Datendurchsatz für einen Tag ist auf 400 MB festgelegt, was einen Download von höchstens 800 MB mit maximaler Bandbreite ermöglicht hätte. In kräftigem Alarm-Rot leuchtete kurz darauf ein Balkendiagramm in der alle 15 Minuten aktualisierten Online-Trafficübersicht, die im Kundenbereich abrufbar ist, auf. Es zeigte die Überschreitung der FUP-Grenze für diesen Tag an. Einen Warnhinweis per E-Mail oder SMS zur Überschreitung der FUP erhält der satspeed-Kunde nicht. Auch mehr als 24 Stunden später wurde uns eine Überschreitung der FUP angezeigt, obwohl diese längst hätte abgebaut sein müssen. Hier bestätigte uns satspeed eine fehlerhafte Generierung der FUP-Grafik. Der Sat-Internetzugang selbst ließ aber bereits wieder schnelles Surfen zu. An Verbesserungen des Systems werde aktuell noch gearbeitet erklärte der Anbieter weiter.

satspeed: 1 bis 3 Prozent der Kunden werden gedrosselt

Das Surfen und der Aufruf von Webseiten wird beim Einsetzen der Drosselung zum Geduldsspiel, die Bandbreite spürbar reduziert. Satspeed teilte auf Anfrage jedoch mit, dass in der Regel nur 1 bis 3 Prozent der Kunden überhaupt von der FUP betroffen seien. Der Großteil der Kunden nutze Sat-Internet vor allem zum Aufruf von Webseiten, also zur Information. Für Kunden, die häufiger größere Downloads - etwa von Filmen oder Videos - vornehmen, ist die satspeed-Lösung nur bedingt geeignet. Alternativ können Kunden aber auch in Tarife mit größerem monatlichen Downloadvolumen wechseln. Die Tarife Bronze, Silber oder Gold sind für 11, 27 beziehungsweise 71 Euro monatlichen Aufpreis buchbar. Im Gold-Tarif sind dann theoretisch Downloads mit einem Datenvolumen von bis zu 24 GB im Monat möglich. Der sogenannte satspeedBOOST für einmalig 14,90 Euro bietet sich außerdem als (teure) Sofort-Lösung an, um die Beschränkungen der FUP kurzzeitig aufzuheben. Geboten wird hier ein zusätzliches Volumenkontingent für einen weiteren Download von bis zu 1000 Megabyte an Daten. Während sich damit wieder schneller surfen lässt, baut sich die FUP in der Zwischenzeit je nach Drosselungsstufe wieder ab.

Fazit: Sat-Internet flächendeckend nutzbar, aber mit Einschränkungen in der Praxis

Provider wie satspeed sehen die Zielgruppe für den von ihnen angebotenen Sat-Internetzugang vor allem bei Nutzern in noch nicht mit Breitband erschlossenen Gebieten. Der ideale Kunde nutzt Sat-Internet vor allem zum schnellen Surfen, jedoch weniger für große Downloads. Poweruser sind nicht willkommen und werden auch schnell durch die Fair-Use-Policy ausgebremst. Zum Surfen, zum gelegentlichen Updaten von Programmen und auch für kleinere Online-Games sowie den Abruf von YouTube-Videos eignet sich das satspeed-Angebot recht gut. Der größte Vorteil ist vor allem die bundesweite Verfügbarkeit von Sat-Internet. Satspeed bot im Testzeitraum einen erfreulich stabilen Internetzugang. Preislich müssen die je nach gewähltem Tarif hohen Hardwarekosten von mindestens 699 Euro berücksichtigt werden. Bei 24-monatiger Vertragslaufzeit bietet satspeed mit dem "Tarif 2" aber auch eine Option, bei der die Hardwarekosten bereits in den monatlichen Grundgebühren von 59,90 Euro enthalten sind. Nach zwei Jahren sinkt die Monatsgebühr dann auf 28,90 Euro. Die einmalige Aktivierungspauschale beträgt 99 Euro. Die Kosten relativieren sich bei Blick auf die von der Telekom angebotene, langsamere Alternative über analoge Modems beziehungsweise ISDN. Die Surf Eco Flat der Telekom kostet 79,99 Euro im Monat und ermöglicht das Surfen maximal mit ISDN-Geschwindigkeit.

Die komplexe FUP-Regelung trübt dagegen die ansonsten für den genügsamen Durchschnittssurfer brauchbare satspeed-Lösung. An DSL reicht der Sat-Internetzugang auch aufgrund Einschränkungen durch den Proxy-Einsatz (noch) nicht heran. Am Ende dieses Jahres startet Eutelsat jedoch den Satelliten KA-SAT, der im KA-Band ab dem kommenden Jahr Bandbreiten von bis zu 10 Mbit/s ermöglicht. Damit sollen dann auch über Sat-Internet Dienste angeboten werden, die hinsichtlich der Geschwindigkeit, dem Preis und der Qualität denen von DSL-Anbietern entsprechen würden.

(Jörg Schamberg)

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