Testbericht

Samsung Wave im Test - Bada Telefon schlägt ein

Vielerorts wird es in diesen Tagen beworben: das Samsung Wave S8500. In einem umfangreichen Test haben wir viele Stärken, aber auch ein paar Schwächen entdeckt.

Samsung S5330 Wave

Wer in diesen Tagen den Fernseher einschaltet und die Übertragungen der FIFA Fußball Weltmeisterschaft verfolgt, wird es möglicherweise in Werbespots schon zur Kenntnis genommen haben: das neue Samsung S8500, das auch unter dem Produktnamen Wave vermarktet wird. Es ist seit Ende Mai in Deutschland erhältlich und der Marktstart wird durch eine umfangreiche Werbekampagne begleitet. Das alles geschieht natürlich nicht ohne Grund. Denn das Smartphone soll eines der Highlights von Samsung Mobile im Jahr 2010 werden. Und erste Zahlen zeigen, dass der südkoreanische Elektronikkonzern auf einem guten Weg ist. "Das Wave verkauft sich richtig gut", wusste eine Samsung-Sprecherin zuletzt in München zu berichten. Doch was kann das Handy wirklich? Das haben wir im Rahmen eines mehrwöchigen Langzeittests genauer unter die Lupe genommen.

Samsung Wave - Erstes Bada-Telefon

Eine der wichtigsten Neuerungen gleich vorweg: das Samsung Wave ist als erstes Handy mit dem neuen Betriebssystem Bada ausgerüstet worden. Der Begriff Bada stammt aus dem Koreanischen, steht für Ozean und soll - so heißt es seitens Samsung - die unendlichen Möglichkeiten einer offenen Handy-Plattform kennzeichnen. Denn jeder Hobby-Programmierer hat die Möglichkeit, eigene Applikationen für das Telefon zu entwickeln.

Diese so genannten Apps werden nach einer Prüfung durch Samsung in einem eigenen App Store veröffentlicht, wo sie gegen eine Gebühr oder in vielen Fällen auch kostenlos heruntergeladen und anschließend auf Handys mit installiertem Bada-Betriebssystem genutzt werden können. Der Samsung App Store präsentiert sich momentan (Ende Juni 2010) aber mit eher mäßig interessanten Inhalten: Noch ist die Anzahl wirklich brauchbarer Apps überschaubar. Namhafte Firmen fokussieren ihre App-Entwicklung derzeit noch sehr stark auf das iPhone von Apple und vernachlässigen so die Nutzer anderer Smartphones.

Bisher nur wenige deutschsprachige Apps

Doch auch wenn Apps von Deutscher Bahn, Lufthansa oder den VZ-Netzwerken aktuell noch fehlen, sind Web 2.0-Inhalte auf dem Samsung Wave nutzbar. Bereits vorinstalliert sind nämlich leicht zu bedienende Applikationen für die Nutzung von Twitter und Facebook. Allerdings können beide Apps nur mit einem einzigen Account verknüpft werden. Bei Facebook mag das noch ausreichen, wer aber beispielsweise einen beruflichen und einen privaten Twitter-Account nutzt, wird schnell darüber fluchen, dass sich die vorinstallierte App für den Micro-Blogging-Dienst in diesem Punkt sehr unflexibel zeigt. Echofon als Alternative? Nicht im Samsung App Store - zumindest bisher nicht.

Erfreulich ist, dass es problemlos möglich ist, mehrere Anwendungen auf dem Samsung Wave parallel laufen zu lassen. Multitasking und dem integrierten Prozessor mit 1 Gigahertz Taktfrequenz sei Dank. Leichte Probleme bekommt das Handy zum Teil nur dann, wenn richtig speicherfressende Apps genutzt werden - das vorinstallierte Auto-Rennspiel Asphalt 5 zum Beispiel. Grundsätzlich ist die Bedienung sämtlicher Oberflächen aber ohne Probleme möglich. Kein Ruckeln, keine Verzögerungen, alles läuft flüssig und zuverlässig.

Die Bedienung des Samsung Wave erfolgt fast ausschließlich über das integrierte Full-Touch-Display. Es misst in der Diagonalen 3,3 Zoll (8,4 Zentimeter), liefert eine Auflösung von 800x480 Bildpunkten und ist mit der neuen Super AMOLED-Technologie ausgestattet. Um die Nutzung von Touch-Displays weiter zu verbessern, wird bei Super AMOLED-Bildschirmen der Touch-Sensor direkt auf das AMOLED-Glas gelegt. Bisher war eine zusätzliche Glasschicht inklusive weiterem Luftpolster notwendig, damit der Touchscreen seinen Dienst verrichten konnte.

Display-Helligkeit in zehn Stufen regulierbar

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Reflexionen sind praktisch nicht zu erkennen, und die Farben wirken satt und kräftig. Kurzum: das Samsung Wave liefert ein Kontrastverhältnis, das Spaß macht. Allerdings: bei unmittelbarer Sonneneinstrahlung wird es auch auf dem Wave-Display schwierig, Inhalte abzulesen. In diesem Fall kann es allerdings helfen, die Helligkeit des Bildschirms manuell anzupassen. Eine entsprechende Regulierung ist in zehn Stufen möglich. Wer sein Handydisplay permanent mit der höchsten Helligkeit belechten lässt, muss aber auch mit einer verkürzten Akku-Laufzeit rechnen.

Doch in erster Linie stellt sich bei einem Handy mit Touchscreen natürlich vor allem eine Frage: ist die Bedienung über das Display ohne große Komplikationen möglich? Beim Samsung Wave ist die Antwort einfach und simpel: ja. Der Bildschirm reagiert schnell und ohne Verzögerungen, die Einrichtung individueller Startscreens über spezielle Widgets erleichtert den Zugriff auf häufig genutzte Telefon-Funktionen.

Die Eingabe von Telefonnummern über das virtuelle Tastenfeld geht leicht von der Hand, weil den Zifferntasten eine ordentliche Größe spendiert wurde. Wurde eine Nummer eingegeben, besteht wahlweise die Möglichkeit, eine klassische Sprachverbindung aufzubauen oder innerhalb eines UMTS-Netzes einen Videoanruf zu tätigen. Eine zusätzliches Symbol unter der Raute-Taste macht es möglich.

Nachrichten im Querformat gehen zum Teil vorschnell auf die Reise

Und die SMS-Eingabe? Nicht nur hier hat sich Samsung stark am iPhone orientiert. Sichtbar wird das vor allem an der Tatsache, dass es wie bei Apples Smartphone eigene Tasten für das @-Zeichen und die Domain-Endung .com gibt. Grundsätzlich gilt: Das Tippen auch längerer SMS oder E-Mails geht sowohl im Hoch- als auch im Querformat erfreulich leicht von der Hand.

Vorsicht ist allerdings im Querformat geboten, wenn viel Wert auf Groß- und Kleinschreibung gelegt wird. Da die Shift-Taste unmittelbar über dem Button "Senden" angeordnet wurde, kommt es sehr schnell vor, dass eine Nachricht schon vor endgültiger Fertigstellung auf die Reise geschickt wird. Ärgerlich und auf Dauer auch teuer, wenn auf eine SMS- oder Daten-Flatrate verzichtet wird. Etwas nervig kann auch die werkseitig voreingestellte automatische Worterkennung sein. Sie kennt vor allem viele längere Wörter nicht, ist aber schnell zu deaktivieren, wenn auf der virtuellen Tastatur die Taste mit dem kleinen Globus samt Zusatz DE (länger) gedrückt wird.

Wichtig für ein Smartphone ist in der heutigen Zeit darüber hinaus die integrierte Digitalkamera. Beim Samsung Wave haben sich die Südkoreaner für ein Modell mit Fünf-Megapixel-Linse entschieden, die mit einem Digitalzoom, LED-Licht und Autofokus ausgestattet ist. Praktisch: wer bestimmte Bildausschnitte in den Fokus rücken möchte, tippt einfach auf die entsprechende Stelle auf dem Bildschirm (das Display dient als Sucher) und der Autofokus verschiebt sich für dieses eine Bild von der Bildmitte an die entsprechende Stelle.

Kamera des Samsung Wave im Test

Während die Foto-Auflösung in gleich acht Stufen individuell einstellbar ist, stehen für Videos fünf Auflösungen zur Wahl. Im Optimalfall werden die Kurzfilmchen mit einer Auflösung von 1280x720 Pixeln gedreht, was HD-Qualität entspricht (720p). Das von uns aufgenommene Testvideo am Strand von Lissabon (siehe unten) wurde allerdings nicht in HD-Qualität, sondern "nur" mit einer Auflösung von 720x480 Bildpunkten (480p) aufgenommen.


Qualitativ machen sowohl Fotos als auch Videos richtig Spaß. Allerdings nur, wenn die Lichtverhältnisse stimmen. Zu beachten ist darüber hinaus, dass die Aufnahmen zwar auf den ersten Blick scharf und gut belichtet wirken, wer sie aber in Originalgröße öffnet, wird schnell feststellen, dass unscharfe Bildausschnitte überwiegen. Trotzdem: im Vergleich zu vielen anderen Handykameras macht das Samsung Wave gute Bilder und Videos. Und wer nicht ganz so kritisch hinschaut, wie wir es getan haben, wird mit den Aufnahmen seine helle Freude haben. Schließlich werden digitale Bilder auf dem PC nur selten in Originalgröße betrachtet.

An weiteren Extras liefert die Kamera einen Zeitlupe-Modus für Videos, Panorama-Funktion, Serienbild- und Smile-Shot-Option. Dabei löst die Kamera erst aus, wenn die Person auch tatsächlich lächelt. Darüber hinaus stehen 13 verschiedene Szenenmodi, zum Beispiel Gegenlicht-, Nacht- und Feuerwerk-Modus, zur Verfügung. Auch Selbstauslöser (2, 5 und 10 Sekunden) und Bildstabilisator lassen sich nutzen.

Eine nette Spielerei ist zudem die auf "Social Hub" getaufte Möglichkeit, alle Kontakte an einer zentralen Stelle zu vereinen. Heißt im Klartext: in nur einer Mailbox werden per Push-Technologie SMS, E-Mails, Nachrichten von Twitter- oder Facebook-Freunden sowie von Instant-Messenger-Kontakten gesammelt. Verknüpft ist der Social Hub zudem mit dem Adressbuch. Dort ist bei jedem Kontakt sichtbar, wie auf welchen Plattformen zu welcher Zeit miteinander kommuniziert wurde.

Inhalt:

  1. Ein Blick auf Bada und die Apps
  2. Touchscreen unter der Lupe
  3. Was kann die integrierte Kamera
  4. Fazit zum Samsung Wave und Info-Tabelle

HSDPA mit bis zu 3,6 Mbit/s

Nutzbar ist das Samsung Wave praktisch überall dort, wo ein GSM-Netz aufgebaut wurde; der integrierten Quadband-Antenne sei dank. Darüber hinaus funkt das Smartphone in UMTS-Netzen und erlaubt mobiles Internet auf Basis von HSDPA mit bis zu 3,6 Megabit pro Sekunde im Downstream. Alternativ ist ein Webzugriff auch über die integrierte WLAN-Schnittstelle möglich - neuester N-Standard inklusive. Das Einbuchen in Drahtlosnetzwerke geht leicht von der Hand. Auch ein GPS-Empfänger, eine Bluetooth-Schnittstelle sowie MP3-Player und RDS-Radio sind mit an Bord.

Punkten kann Samsungs Bada-Telefon auch in Sachen Speicher. Satte zwei Gigabyte Flash-Speicher stehen serienmäßig zur Verfügung. Eine Erweiterung über eine microSD-Karte auf bis zu 32 Gigabyte ist möglich. Durchaus ordentlich präsentiert sich darüber hinaus der Akku. Bei normaler Nutzung verlangt das Handy erst nach knapp einer Woche nach neuer Energie. Hardcore-User, die ihr Handy regelmäßig nutzen, um E-Mails oder Social Media Nachrichten abzurufen, müssen aber schon nach 12 bis 15 Stunden nach einer neuen Stromquelle suchen.

Fazit: Ein Handy, das überzeugen kann

Ohne Frage ist das Samsung Wave eines der nutzerfreundlichsten Smartphones, das aktuell auf dem Markt erhältlich ist. Schneller Prozessor, flink reagierender Touchscreen, ein kontrastreiches Display und viele technische Extras machen das Wave zu einer interessanten Alternative zum iPhone von Apple. Allerdings nur dann, wenn man auf die Vorzüge der iPhone-Apps verzichten kann. Denn das, was der Samsung App Store momentan bietet, wird keinen deutschen Nutzer zufrieden stellen. Mehr überzeugen kann das Menü, das sehr aufgeräumt und klar strukturiert wirkt. Auf Wunsch werden die einzelnen Menüpunkte nach der Häufigkeit der meisten Nutzung angeordnet.


Und trotzdem überwiegen die Pluspunkte. Die Nutzung des Samsung Wave macht einfach Spaß. Auch, weil es zwar im Vergleich zum (alten) iPhone recht schmal wirkt, aber trotzdem mit einem Gewicht von 116 Gramm gut in der Hand liegt. Vorteilhaft ist auch, dass das Display einiges wegstecken kann. Tiefe Kratzer werden auch dann nicht sichtbar, wenn die Display-Oberfläche mit einem Messer bearbeitet wird. Und auch die Rückseite des Handys präsentiert sich aufgrund ihrer metallischen Struktur sehr robust. Da wundert es nicht, dass das Handy in verschiedenen Test-Rankings einen der vorderen Plätze belegt - und das zu einem verhältnismäßig günstigen Preis von aktuell etwa 300 Euro.

Name: Wave S8500
Hersteller: Samsung
Internet: http://www.samsungmobile.de
Preis: ca. 300 Euro
Technische Daten:
Antenne: GSM Quadband, EDGE, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 118x56x11 Millimeter
Gewicht: 116 Gramm
Display: 3,3 Zoll, 800x480 Pixel, 16 Millionen Farben
Speicher: 2 GB intern
über microSD auf 32 GB erweiterbar
Schnittstellen: USB, Bluetooth 3.0, WLAN b/g/n
Digitalkamera: 5 Megapixel mit Autofokus, Fotolicht & HD-Videos
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, Datenkabel
Extras: MP3-Player, Bluetooth, WLAN, aGPS, HD-Kamera
Akkulaufzeit im Test: ca. 7 Stunden Sprechzeit
ca. 21 Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
kontraststarkes Super AMOLED-Display
Display nicht anfällig für Kratzer
günstiger Preis
WLAN-Schnittstelle
HSDPA mit bis zu 3,6 Mbit/s
1 Gigahertz Prozessor
übersichtliches Menü
App-Store (noch) sehr übersichtlich
Fotos in Originalgröße häufig nicht ganz scharf
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): sehr gut
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote sehr gut (1,3)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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