Testbericht

Samsung Nexus S im Test - Das Google-Flaggschiff

Das neue Google-Handy Nexus S wird mit Android 2.3 ausgeliefert und kann unter anderem einen NFC-Chip vorweisen. Wir haben das Smartphone ausführlich getestet.

Samsung Galaxy Nexus© Samsung

Lange wurde auf das neue Google-Handy Nexus S gewartet, seit einigen Wochen ist es auch in Deutschland erhältlich. Wurde der Vorgänger (Nexus One) noch von HTC gefertigt und mutierte eher zu einem Ladenhüter, setzt der Internet-Konzern bei seinem neuen Smartphone auf die Erfahrung von Samsung. Wohl auch in der Hoffnung, einen ähnlichen Verkaufsschlager landen zu können wie es Samsung selbst mit den Modellen Galaxy S oder Wave gelungen ist. Wir haben uns das Nexus S mit vorinstalliertem Android-Betriebssystem in der Version 2.3 Gingerbread genauer angesehen.

Schwarz und leicht

Bei einer ersten Betrachtung fällt vor allem eines auf: das Nexus S ist in seiner Standard-Ausführung schwarz wie ein Panther. Deutlich wird das insbesondere auf der Vorderseite. Ist das Display nicht aktiviert, fällt es auf den ersten Blick sogar schwer, zu unterscheiden, wo denn nun eigentlich oben und unten ist. Einen Samsung- oder Google-Schriftzug sucht man vergeblich; beide sind auf der Gehäuse-Rückseite zu finden. Und die gibt es im Übrigen alternativ auch in weißer Ausführung.

Ebenfalls auffällig: auf die Verwendung hochwertiger Materialien wurde bei der Fertigung des Nexus S verzichtet. Das komplette Gehäuse wurde aus Kunststoff entworfen und macht - anders als beispielsweise das iPhone 4 oder das Nokia E7 - einen eher weniger hochwertigen Eindruck. Trotzdem gibt es an der allgemeinen Verarbeitung wenig auszusetzen. Zwar wurde das Gehäuse nicht aus einem Block gefertigt, was Staub die Möglichkeit bietet, sich in der ein oder anderen Rille abzusetzen, alles in allem macht das Nexus S aber eine rundum gute Figur. Auch, weil es zwar 140 Gramm auf die Waage bringt, aber keinesfalls als Schwergewicht wahrgenommen wird. Ein kleiner Nachteil ist die glatte Gehäuserückseite, die zudem in schwarzer Ausführung sehr anfällig für Fingerabdrücke ist.

Konkaves Display

Als dritte Besonderheit liefert das Nexus S ein konkaves Display. Im Klartext: es steht nicht etwa ein ebener Bildschirm zur Nutzung bereit, sondern ein leicht nach innen gewölbtes Modell. Laut Google soll das dafür sorgen, dass sich das Handy beim Telefonieren besser an die Wange schmiegen kann. Und das geschieht tatsächlich. Nachteil: wer gerne auf Gesichtscreme setzt, wird nicht drum herum kommen, seinem Handybildschirm regelmäßig eine kleine Politur zu verpassen. Auch, wenn dem Display laut Produktdatenblatt eine spezielle Beschichtung gegen Fingerabdrücke spendiert wurde.

Aus rein technischer Sicht wurde dem Google-Handy ein in der diagonalen Abmessung 4 Zoll (10,2 Zentimeter) großes Display integriert. Zum Einsatz kommt allerdings nicht die von diversen anderen Samsung-Handys bekannte (Super) AMOLED-Technologie, sondern ein Super Clear LCD Display mit 800x480 Pixeln Auflösung. Unterschiede sind für Otto-Normal-Nutzer aber kaum sichtbar. Zwar steht die Super AMOLED Technologie insbesondere für hohe Kontraste und besonders scharfe Abbildungen, doch auch das Super Clear LCD-Display des Nexus S liefert rundum gute Darstellungsergebnisse. Auch aufgrund der realistische(re)n Farbdarstellung.

Ebenfalls keine Kritik lässt das Nexus S bei der Navigation durch das Handymenü zu. Die Oberfläche von Android 2.3 (vorinstalliert ist die fehlerbereinigte Version 2.3.3) macht einen aufgeräumten Eindruck und liefert unter anderem einen Download-Ordner, in dem alle Inhalte abgespeichert werden, die aus dem Internet auf das Handy geladen werden. Praktisch ist zudem der Automodus, der auf dem Display die wichtigsten Handy-Funktionen darstellt: Navigieren, Ziel einsprechen, Telefon, Kontakte und Musik. Übersichtlich und für die Nutzung im Auto absolut ausreichend.

Prozessor mit 1 Gigahertz

Herzstück des Telefons ist ein Hummingbird Prozessor aus der Schmiede von Samsung, der mit 1 Gigahertz getaktet ist. Momentan ist das noch das Maß aller Dinge auf dem Smartphonemarkt, schon im Laufe der nächsten Monate werden aber verstärkt Dual-Core-Telefone in den Handel kommen. Für die Anforderungen des Nexus S reicht der installierte Prozessor aber aus und er erfüllt seine Aufgaben rundum solide. Ruckler bei der Navigation oder beim Internetsurfen gibt es praktisch keine - auch nicht beim Betrachten von YouTube-Videos. Flash-Unterstützung ist vorhanden.

Kommunikativ zeigt sich das Nexus S in praktisch allen Bereichen, die sich ein Smartphone-Nutzer in der heutigen Zeit wünschen kann. Zum Einsatz kommt nicht nur eine Quadband-GSM-Antenne, sondern auch der UMTS-Datenturbo HSDPA. Internet-Downloads sind mit einer Maximalgeschwindigkeit in Höhe von 7,2 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich. Uploads können über HSUPA eine Geschwindigkeit von bis zu 5,8 Mbit/s erreichen. Doch das ist noch längst nicht alles. Auch auf eine WLAN-Schnittstelle inklusive schnellem N-Standard, Bluetooth-Schnittstelle (Version 2.1) und GPS-Empfänger müssen Nutzer des Google-Handys nicht verzichten. Darüber hinaus wurde dem Telefon ein NFC-Chip eingepflanzt, der in Zukunft unter anderem das bargeldlose Bezahlen ermöglichen soll.

Nicht vorgesehen ist hingegen, dass der interne Speicher erweitert wird. Er ist auf 16 Gigabyte (GB) begrenzt von denen circa 13 GB als USB-Speicher nutzbar sind. Eine Speichererweiterung über eine microSD-Karte ist nicht möglich. Positiv hervorzuheben ist, dass das Nexus S an Windows-Rechnern über das mitgelieferte Datenkabel automatisch als Wechseldatenträger erkannt wird. Das macht zum Beispiel den Austausch von Bildern und Videos, die mit der integrierten Kamera aufgenommen wurden, sehr einfach.

Kamera mit Stärken und Schwächen

Freude kann die integrierte Kamera bereiten. Allerdings nur dann, wenn wirklich gute Lichtverhältnisse herrschen. Dann liefern die aufgenommenen Fotos satte Farben und starke Kontraste. Gegenteilige Effekte lassen sich beobachten, wenn die Handykamera in abgedunkelten Räumen oder bei (einsetzender) Dunkelheit verwendet wird. Dann sind viele unscharfe Bereiche und ein ordentliches Rauschen in den Bildern auszumachen. Da kann auch der ansonsten gut arbeitende Autofokus, das recht helle LED-Fotolicht und die vierstufig (VGA-Qualität bis 5 Megapixel) einstellbare Auflösung wenig ausrichten. Pluspunkt: das Nexus S erlaubt über eine Frontkamera auch die Nutzung von Videotelefonaten.


Ganz ähnlich sieht es bei Videos aus, die mit einer maximalen Auflösung von 720x480 Pixeln (kein HD!) gedreht werden können. Qualitativ richtig brauchbare Filmchen lassen sich unter freiem Himmel bei Tageslicht aufnehmen. Ganz anders sieht es bei weniger optimalen Lichtverhältnissen aus. Dann werden die Schwächen der kleinen Kameralinse mehr als deutlich. Hinzu kommt: das Mikrofon ist kaum in der Lage, brauchbare Aufnahmen zu liefern. Insbesondere bei einem hohen Lautstärkepegel - zum Beispiel wie in unserem Testvideo in einem Eishockeystadion - mutiert der aufgenommene Ton zu einem blechernen, fast nicht zu verstehenden Geräuschemix. Schade.

Ein Manko ist einmal mehr der mitgelieferte Akku (Li-Ion 1.500 mAh), der insbesondere dann eine Enttäuschung ist, wenn es zu häufigen Daten-Synchronisationen kommt. Das Handy einmal pro Tag an die Stromquelle zu hängen, daran sollte man sich in einem solchen Fall gewöhnen. Wird aber insbesondere die E-Mail-Synchronisation abgeschaltet, hält der Akku bei normaler Nutzung auch schon mal 24 bis 48 Stunden. Mehr ist aber bei einem smartphonetypischen Einsatz nicht drin. Die im Produktdatenblatt versprochenen knapp 30 Tage Bereitschaftszeit sind jedenfalls nicht realistisch. Die maximal mögliche Sprechzeit liegt nach Herstellerangaben in UMTS-Netzen bei knapp 7 Stunden und bei bis zu 17 Stunden in klassischen GSM-Netzen.

Daten-Flatrate macht Sinn

Generell sollten sich Nutzer eines Android-Handys darüber im Klaren sein, dass ihr Smartphone darauf ausgelegt ist, das mobile Internet zu nutzen. Das heißt, viele Apps und Anwendungen nehmen (auch ungefragt) Verbindung mit dem Internet auf, um zum Beispiel Benutzerkonten zu synchronisieren. Wer das vermeiden will, sollte in den Einstellungen nicht nur die automatische Synchronisierung deaktivieren, sondern auch die Übertragung von Hintergrunddaten. Dann macht die Nutzung eines Smartphones aber nur noch halbsoviel Spaß. Die Buchung einer Handy Internet Flat ist daher empfehlenswert. Kostenpunkt: circa 10 Euro monatlich.

Schade ist auch, dass dem Nexus S zwar ein MP3-Player spendiert, auf die Integration eines Radios aber verzichtet wurde. Musikalische Unterhaltung gibt es also nur eingeschränkt. Zudem hat das Smartphone keine Status LED zu bieten. Verpasste Anrufe oder eingegangene SMS werden nur dann sichtbar, wenn ein Blick auf das Display geworfen wird. Das Schreiben von SMS ist über die virtuellen QWERTZ-Tastaturen sowohl im Hoch- als auch im Querformat gut möglich. Etwas störend ist, dass das integrierte Wörterbuch die geschriebenen Worte teilweise falsch verbessert.

Nicht schlecht gestaunt haben wir im Übrigen noch an ganz anderer Stelle. Kurz nach erster Inbetriebnahme des Samsung Nexus S warum auf dem Gerät automatisch all jene Apps zu finden, die wir einige Wochen zuvor auf unserem Testmodell des Samsung Galaxy Ace installiert hatten. Außerdem kannte das Nexus S bereits das Passwort eines privat genutzten WLAN-Routers. Wie kann das sein? Die Antwort ist simpel. So genannte Google Experience Devices (GED), zu denen neben dem Galaxy Ace unter anderem auch das Nexus S zählt, erstellen eine Art Sicherung des mobil genutzten, persönlichen Google-Kontos samt aller genutzten Apps. Und sofern es der Nutzer wünscht, wird mit dem ersten Start eines neuen GED ein Daten-Abgleich gestartet, der alle zuletzt installierten Apps automatisch auf das neue Smartphone lädt. Nebenbei bemerkt: auch das Adressbuch des Nexus S lässt sich mit einer Online-Kontaktsammlung von Google (www.google.de/contacts) synchronisieren.

Bleibt noch eine Frage: was kostet das Nexus S überhaupt? Ein Schnäppchen ist das Smartphone sicherlich nicht, aber das kann auch niemand bei den vielen nutzbaren Funktionen erwarten. Ohne Vertrag ist das Telefon momentan ab circa 425 Euro erhältlich. Bei Amazon kostet es rund 450 Euro. Wer gleichzeitig einen Vertrag abschließt, kann bei Vodafone ab 99,90 Euro zuschlagen, bei o2 werden mindestens 149,99 Euro fällig. Günstiger kann es bei Vertragsabschluss allerdings sein, einen Blick auf die Angebote von The Phone House und mobilcom debitel zu werden, wo es das Nexus S schon ab 1 Euro zu kaufen gibt - jeweils bei zwei Jahren Vertragslaufzeit.

Name: I9023 Nexus S
Hersteller: Samsung
Internet: http://www.samsungmobile.de
Preis: ca. 440 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 2.3.3
Antenne: GSM Quadband, EDGE, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 125x63x12 Millimeter
Gewicht: 140 Gramm
Display: 4,0 Zoll, 800x480 Pixel, 16 Mio. Farben
Speicher: 16 GB intern; nicht erweiterbar
Schnittstellen: USB, Bluetooth, WLAN
Digitalkamera: 5,0 Megapixel, Autofokus, Fotolicht
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Datenkabel, Stereo-Headset
SAR-Wert: 0,50 W/kg (niedrig)
Extras: MP3-Player, Bluetooth, WLAN, GPS, NFC
Akkulaufzeit im Test: ca. 8 Stunden Sprechzeit
ca. 3 Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
NFC Chip
WLAN-Schnittstelle
HSDPA mit bis zu 7,2 Mbit/s
gute Gesprächsqualität
Google Sync
schwacher Akku
kein Radio
keine Status LED
interner Speicher nicht erweiterbar
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote gut (1,8)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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