Testbericht

Samsung HomeSync im Test: Cloud-Speicher im Wohnzimmer mit Hindernissen

Mit dem HomeSync hat Samsung einen Cloud-Speicher für zuhause auf den Markt gebracht, der nebenbei ein Mediaplayer und eine Art Google TV darstellt und so einem Otto-Normal-Fernseher Smart-TV-Fähigkeiten verleiht. Das klingt nicht nur kompliziert, das ist es (leider) auch.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Daten in der Cloud abzulegen, ist doch sehr praktisch, um von verschiedenen Geräten ausgehend und auch unterwegs auf die eigenen Daten zugreifen zu können. Aber nicht jeder möchte seine persönlichen Dokumente, privaten Urlaubsfotos und Videos einem bestimmten Anbieter wie Dropbox, Google, Microsoft oder Apple anvertrauen. Eine Alternative ist ein eigener Cloud-Server, der die Daten über das Heimnetzwerk oder Internet verteilt - wie der Samsung HomeSync. Das kleine Gerät des südkoreanischen Konzerns kann aber noch mehr: Es ist zudem als Multimediaplayer und dank Android-4.2-Oberfläche auch wie eine Art Google TV-Box mit App-Zugriff einsetzbar und lässt sich per Smartphone oder Tablet PC bedienen. Klingt gut, doch ganz ohne Hindernisse und Komplikationen klappt das noch nicht.

Was kann/ist die Samsung HomeSync Box genau?

  • Cloud-Speicher mit 1-Terabyte-Festplatte
  • Cloud-Zugriff für bis zu acht Benutzerkonten und sechs Geräte pro Konto
  • Direktes Abspielen von Medieninhalten von USB-Sticks
  • Apps aus dem Google Play Store sowie Samsung Apps Store nutzen
  • Smart-TV-/Google-TV-Funktionen nachrüsten: Zugriff auf Content-Dienste von Samsung und Google für Filme/Musik, Browser
  • Videoüberwachung: Live-Streaming per separat erhältlicher IP-Kamera

Anschlüsse

Die kleine schwarz-silberfarbene HomeSync-Box misst etwa 183 x 30 x 136 Millimeter und wiegt 733 Gramm, ist also etwa so groß und schwer wie eine externe Festplatte. Wie vorgesehen aufgestellt, ist von vorne aus nur die silberne Front in gebürsteter Metall-Optik sichtbar, die dem Cloud-Speicher ein recht edles Aussehen verleiht. Die Einschalttaste und ein Schalter zum Koppeln von Geräten hat Samsung an der rechten Seite untergebracht, die Anschlüsse befinden sich praktischerweise allesamt hinten. Nebeneinander reihen sich dort Micro-USB, HDMI, zwei USB-3.0-Ports, SPDIF und LAN auf. Für die drahtlose Kommunikation sind Bluetooth, NFC und ein WLAN-Modul mit Unterstützung der Funkstandards 802.11 a/b/g/n eingebaut, das sowohl im 2,4-Gigahertz- als auch 5-Gigahertz-Spektrum funkt.

Lieferumfang

Neben der Box sind im Lieferumfang ein Stromkabel, ein LAN- und HDMI-Kabel für den Anschluss eines Flachbildfernsehers oder Monitors und eine Kurzanleitung enthalten. Eine Fernbedienung wird hingegen nicht mitgeliefert. Diesen Job lädt Samsung komplett dem Kunden auf und setzt daher entsprechendes Zubehör voraus. So lässt sich die HomeSync Box ausschließlich mit einer HDMI-CEC-Fernbedienung oder einem der ausgewählten Smartphones und Tablets bedienen, für die der Hersteller die zwingend erforderliche HomeSync-App bereitstellt. Dazu zählen aktuelle Galaxy-Mobiltelefone wie das Samsung S4 und Ace 3 sowie Galaxy Tabs, während andere Hersteller eher spartanisch abgedeckt werden: zwei bis drei Modelle von HTC, Sony und LG. Eine vollständige Liste aller kompatiblen Geräte findet sich im Eintrag zu HomeSync bei Google Play. Einerseits mag das für diejenigen praktisch sein, die tatsächliches ein passendes Gerät besitzen, denn dann muss keine weitere Fernbedienung zu den anderen auf den Couch-Tisch gepackt werden. Andererseits aber schließt Samsung durch diese Beschränkung alle anderen möglichen Kunden aus. Dieses Vorgehen ist vor allem vor dem Hintergrund unverständlich, dass die Box auf einer Android-Basis fußt und Samsung die Mobil-App auch für andere aktuelle Jelly-Bean-Modelle anbieten könnte.

Einrichten von Samsung HomeSync

Wie wird der Samsung HomeSync in Betrieb genommen? Nach Einschalten und Verbinden von Cloud-Box und Fernseher und gegebenenfalls einer Stereo-Anlage muss zunächst die Bildschirmgröße abgestimmt werden, anschließend erfolgt die Koppelung mit Smartphone oder Tablet, auf dem die App installiert wurde. Im Handbuch wirbt der Hersteller mit einer einfachen Einrichtung über NFC, diese nützt dem Kunden aber wenig, wenn sein Endgerät keine NFC-Schnittstelle mitbringt. Das wäre zum Beispiel bei einem Samsung Galaxy Note 10.1 2014 Edition der Fall, obwohl sich dieser Tablet-PC in der Samsung-Liste befindet. Doch das ist eine Kleinigkeit, denn für die Einrichtung sind weitere Schritte nötig, als nur eine Verbindung herzustellen.

Ein Muss: Samsung-Account

Zwingend notwendig ist ein Samsung-Account, wie er auch für Samsungs Content-Dienste erforderlich ist. Wer noch keinen hat, muss ein neues Benutzerkonto anlegen, auf die Bestätigungs-E-Mail warten und dann per WLAN (oder NFC) die Geräte koppeln. Im Anschluss wird ein Google-Konto erfragt - genau wie bei einem neuen Android-Smartphone oder -Tablet. Für das Streamen von Daten aus dem Heimnetzwerk ist das Google-Konto natürlich nicht nötig, wer aber unbedingt seine Google-Mails über die Box im Wohnzimmer auf dem Fernseher abrufen möchte, der kommt um das Verknüpfen nicht herum. Für Apps aus dem Google Play Store ist der Account ebenso unumgänglich.

Wir haben das HomeSync Cloud-Gerät, das mit einem 1,7 Gigahertz starken Dual-Core-Prozessor bestückt ist, mit dem zuvor erwähnten Samsung Galaxy Note 10.1 2014 Edition getestet. Um auf die Box zuzugreifen, muss auf dem Touch-Gerät das App-Symbol HomeSync angeklickt werden, schon erscheint eine Fernbedienungsansicht. Im linken Bereich wird eine Touchpad-Fläche eingeblendet, daneben verschiedene Tasten. Das 3er-Set Optionsmenü, Home-Taste und Zurück hat Samsung von seinem gewohnten Layout übernommen, das in etwa den Android-typischen Tasten entspricht. Das macht es Android-Nutzern einfach, sich an die Bedienung zu gewöhnen. Eine On-Screen-Taste ist allerdings nicht selbsterklärend, und zwar ausgerechnet die wichtigste: Sie schaltet zwischen der Bedienfeld-Ansicht und dem TV-Bildschirminhalt hin und her. Alternativ lässt sich nämlich der Fernsehinhalt klonen und auf dem Touchscreen darstellen: ein gespiegeltes Android-System auf dem eigentlichen System. Installiert ist das Mobil-Betriebssystem auf einer 8 Gigabyte großen eMMC und startet etwa binnen 25 Sekunden, wenn der HomeSync zuvor vollständig abgeschaltet war. Der Energieverbrauch ist erfreulich niedrig: Mehr als 7,5 Watt zeigte unser Messgerät nicht an.

Bedienung: Touchpad oder gespiegelter Bildschirm

Der Spiegelmodus zeigt schnell seine Tücken, denn er gerät selbst auf dem brandaktuellen und leistungsstarken Galaxy Note-Tablet ins Stocken. Soll heißen, was auf dem Fernseher zu sehen ist, wird nicht 1:1 verzögerungsfrei auf dem Tablet oder Smartphone abgebildet, sondern wirkt stets etwas zäh und Bilder sind nicht knackig scharf, sondern pixelig. Schön ist anders. Auch das Bedienfeld spielt nicht immer perfekt mit dem Bildschirminhalt zusammen und erfordert etwas Übung. Ein Beispiel: Bei der Einrichtung der Konten verschluckt die Ansicht einen Scrollbalken und dadurch auch den untenliegenden OK-Button, um zum nächsten Schritt zu gelangen. Dass sich dort noch weiterer Text befindet, kann man dann nur erraten. Außerdem ist die Navigation mit dem Cursor nicht ganz einfach, immer mal wieder kommt es vor, dass er ein Stück zu weit springt, hakt oder die Eingabe falsch interpretiert wird.

Aufbau der HomeSync-Oberfläche

Das eigentliche HomeSync-Menü offeriert dem Nutzer unter Meine Inhalte auf der Startseite in Flipboard-Optik Vorschau-Thumbnails zu einigen Anwendungen wie Videos oder Foto-Ordnern, die sich auf insgesamt drei Seiten erstrecken. Jederzeit zugänglich ist ein Schnellzugriff auf die Punkte Google-Suche, Bildergalerie, MP3-Player, Videos und eigene Dateien. Die Symbole entsprechen dem bekannten Android-Look, allerdings ist die Aufmachung nicht konsistent. Mal wird nach dem Aufrufen der App seitlich eine Menüleiste eingeblendet, die verschiedene Quellen anzeigt, mal werden nur die jeweiligen Inhalte angeordnet und die weiteren Punkte rutschen in die Kopfnavigation. Da der Samsung HomeSync von sich aus Inhalte von verschiedenen verbundenen Geräten wie dem internen Speicher, USB-Stick und dem Tablet zusammenführt, wird es dadurch schwer zu erkennen, was eigentlich wo abgelegt ist.

Filmangebot von Samsung

Unter dem Punkt Favoriten öffnet sich Samsungs Videoangebot, in dem Filme in SD- oder HD-Qualität ausgeliehen oder gekauft werden können. Da bei der Anmeldung für ein Samsung-Konto auch das Geburtsdatum abgefragt wird, gibt es an dieser Stelle mitunter auch nur Zugang zu altersgerechten Titeln. Da wir ein beliebiges Datum aus diesem Jahr genannt hatten, konnten wir zum Beispiel nur Filme unter FSK16 ansehen. Für eine flüssige Wiedergabe empfiehlt sich eine stabile LAN-Anbindung oder ein WLAN-n-Router. Unsere Probe aufs Exempel per Funkstandard 802.11g verlief indes nicht reibungslos: Ein beliebig ausgewählter Trailer war nicht nur von pixeliger Qualität, sondern stockte auch fortwährend. Weitere Videos lassen sich über YouTube und Google Play Movies auf den Fernseher bringen.

Menü: Apps und App-Shops

Menü führt schließlich zu einer Übersicht aller Apps, genau wie es der Punkt "Alle Apps" auf einem Android-Mobiltelefon oder -Tablet-PC erledigt. Samsung hat hier neben den bereits erwähnten Anwendungen Google Play Music, einen Datei-Manager, einen McAfee Virenscanner und Polaris Office zum Betrachten von Dokumenten installiert. Samsungs App-Angebot und der Play Store von Google stehen für zusätzliche Apps zur Verfügung, aber es fehlen viele bekannte Anwendungen. So scheiden nicht nur Größen wie eBay, Facebook und Twitter aus, auch Spiele mit Bewegungssteuerung werden nicht angezeigt. Andere wie Fruit Ninja oder Flipboard für Nachrichten sind wiederum möglich. Inwieweit es jedoch überhaupt sinnvoll ist, solche Apps zu installieren, um sie auf dem großen Fernsehbildschirm zu betrachten, darüber kann man sich streiten. Gerade dann, wenn der Samsung HomeSync mit einem besonders großen Smartphone oder Tablet bedient wird, wäre es doch weitaus naheliegender, die Spiele oder Apps gleich auf dem mobilen Gerät zu nutzen. Auch der Browser bringt auf der Couch wenig, da sich Samsungs HomeSync - genau wie wir es bereits im Sony Google TV Box Test erlebt haben - als Mobilgerät anmeldet und demzufolge mobile Versionen von Websites serviert bekommt, die auf dem großen TV-Bildschirm schlicht und ergreifend untergehen. Ersetzen lässt sich der Android-Browser im Übrigen nicht, weder Chrome noch Opera werden im Google Play Store offeriert.

Um die 1-Terabyte-Festplatte der Samsung HomeSync-Box mit Daten zu befüllen, muss diese per Micro-USB-Kabel als externer Datenträger mit dem Computer verbunden werden. Obwohl der integrierte Mediaplayer eine breite Formatunterstützung bietet und selbst vor FLAC-Musikdateien, passwortgeschützten Office-Dateien, MKV-Filmen und Untertitelspuren nicht zurückschreckt, müssen Videos stets konvertiert werden. Andernfalls sind sie nicht abspielbar. Die Qualität leidet dabei jedoch gehörig, schade, wo doch der große Speicher so gut zu hübschen HD-Inhalten passt. Daten von einem USB-Stick lassen sich nicht einfach auf die Festplatte kopieren, sondern nur direkt wiedergeben - dies klappte allerdings reibungslos. Dem Einsatz als Cloud-Speicher wird HomeSync insofern gerecht, als dass nicht nur die Daten auf der Festplatte und von angesteckten Speichersticks für mobile Geräte bereit stehen, sondern auch umgekehrt ein automatischer Upload von Smartphone oder Tablet aus möglich ist. Unterwegs mit der Handy-Kamera aufgenommene Fotos und Videos werden dann auf die Box hochgeladen und stehen später bei der Rückkehr im Wohnzimmer zur Verfügung. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auf jeden Fall eine großzügig bemessene Handy Internet Flat oder aber ein zeitverzögerter Upload über das heimische WLAN-Netz. Doch dann erspart die Box nur noch den Griff zum Kabel.

Nutzerverwaltung: Wunsch und Wirklichkeit

Damit auch andere Familienmitglieder und Bekannte auf die Daten zugreifen können, lassen sich bis zu acht Konten einrichten, mit denen jeweils sechs Geräte verbunden werden können. Leider bleibt das für viele Nutzer ein reines Wunsch-Szenario, da das in der Praxis nur dann klappt, wenn alle Beteiligten HomeSync-kompatible Galaxys oder Xperias und einen Samsung-Account besitzen.

Fazit: Große Ambitionen, aber nicht ausgereift

Mit dem HomeSync hat Samsung einen Cloud-Speicher für zuhause auf den Markt gebracht, der nebenbei als Mediaplayer und Smart-TV-Box dient. Das klingt nicht nur kompliziert, das ist auch kompliziert. Unterm Strich ist Samsungs HomeSync ein als eierlegende Wollmilchsau konzipiertes Gerät, das sich in (zu) vielen Disziplinen versucht, aber kaum eine zur vollsten Zufriedenheit meistert. Optisch ist der Cloud-Speicher ein Hingucker, aber Software-seitig sind Verbesserungen nötig. Die Oberfläche beziehungsweise die Bedienung ist gewöhnungsbedürftig und wirkt an vielen Stellen schlichtweg noch nicht ausgegoren.

Unverständlich ist auch, dass Samsung gar keine Fernbedienung spendiert. Zwar würde es sicherlich wenig Freude bereiten, die zahlreichen Funktionen von HomeSync mit einer reduzierten Fernbedienung im Stile eines Apple-TV-Exemplars anzugehen, aber eine generelle Android-App für alle aktuellen Geräte sollte drin sein. Denn so verkleinert Samsung die Zielgruppe für seine Cloud-Box künstlich und setzt sie quasi nur den Galaxy-Nutzern vor. Ganz ohne Magenschmerzen dürften Anwender mit Priorität auf Privatsphäre diese Speicherlösung auch nicht nutzen wollen, denn es stellt sich die Frage, wie "daheim" die Daten tatsächlich sind: Die Hardware mag im Wohnzimmer stehen, doch durch die Verknüpfung mit Samsung- und Google-Account bleibt dann doch nicht alles in den eigenen vier Wänden.

Name: HomeSync (GT-B9150)
Hersteller: Samsung
Internet: www.samsung.com/de
Preis: UVP: 289 Euro

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Technische Daten
Prozessor: Dual-Core mit 1,7 GHz
Speicher: 8 GB eMMC + 1 Terabyte Festplattenspeicher
Betriebssystem: Android 4.2 Jelly Bean
Formatunterstützung: Musik: mp3, m4a, 3ga, wma, ogg, oga, aac, wav und flac;
Bilder: bmp, gif, jpg und png;
Videos: avi, wmv, asf, flv, mkv, mp4, 3gp und webm;
Dokumente: doc, docx, dot, dotx, rtf, xls, xlsx, xlt, xltx, csv, ppt, pptx, pps, ppsx, pot, potx, pdf, hwp, txt, asc und mit Passwort geschützte MS Office-Dateien
Anschlüsse: 2x USB 3.0, micro-USB, HDMI, SPDIF
Kommunikation: Gigabit LAN, NFC, Bluetooth, WLAN 802.11 a/b/g/n
(2,4 GHz + 5 GHz)
Abmessungen: BxTxH: 183 x 136 x 29,9 mm; 733 Gramm
Lieferumfang: Box, Stromkabel, LAN-Kabel, HDMI-Kabel,
Kurzanleitung
Energieverbrauch: Ausgeschaltet am Netz: ca. 0 Watt
Eingeschaltet (WLAN an): ca. 6 Watt
Videobetrieb (WLAN an): ca. 7,5 Watt
Pro & Contra
Schönes Design
nahezu lautloser Betrieb
extrem niedriger Energieverbrauch
erweiterbarer Funktionsumfang
breite Formatunterstützung
volle Funktion nur mit kompatiblem Smartphone
oder Tablet ausreizbar
keine Fernbedienung dabei
hakelige Bedienung
inkonsistente Benutzeroberfläche
geringe App-Auswahl
Bewertung:
Gesamt: 2,5 von 5 Sternen
Preis-Leistung: ausreichend

(Saskia Brintrup)

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