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Samsung Galaxy W im Test - Ein Preiswunder

Auf der Suche nach einem preiswerten Smartphone? Das Samsung Galaxy W kann eine gute Wahl sein, wenn man Abstriche beim Umfang der nutzbaren Extras machen kann.

Samsung Galaxy W

Über einen sehr langen Zeitraum war Nokia auf dem Markt für Mobiltelefone so etwas wie das Maß aller Dinge. Es war cool, ein Nokia-Handy zu besitzen. Wer keins aus der Jackentasche zauberte, wurde skeptisch beäugt. Doch das hat sich geändert. Heute gelten andere Marktgrößen als hip. Insbesondere bei Smartphones, die von jüngeren Generationen gegenüber klassischen Handys auf Grund ihrer multimedialen Funktionen bevorzugt werden. Apple ist mit seinem iPhone ähnlich beliebt wie Samsung mit seinen Galaxy-Modellen. Die auf Android basierenden Smartphones der Koreaner konnten in den vergangenen Monaten immer wieder mit Bestnoten überzeugen - jetzt auch in der Mittelklasse. Denn das Samsung Galaxy W kostet weit weniger als die Highend-Modelle Galaxy S II, Galaxy Nexus oder Galaxy Note, macht aber trotzdem eine rundum gute Figur auf dem Testparcours.

Etwas dicker als viele Luxus-Modelle

Mit dem für das Telefon ausgesuchten Namen hat Samsung die Messlatte vergleichsweise hoch gesteckt. Denn das W im Produktnamen steht für Wonder und lässt schnell die Hoffnung entstehen, dass das Telefon etwas ganz Besonderes bieten kann. Der erste Eindruck fällt hingegen eher nüchtern aus. Mit Abmessungen von 116 x 60 x 12 Millimetern erinnert das Galaxy W nicht direkt an die Smartphone-Flundern neuester Generationen. Die Haptik hingegen ist klasse: das Telefon liegt aufgrund seiner geriffelten Rückseite gut in der Hand. Positiv ist auch, dass eine Bedienung mit einer Hand gut möglich ist. Herzstück ist ein Single-Core-Prozessor, der mit 1,4 Gigahertz getaktet ist, der Arbeitsspeicher kann 512 Megabyte RAM vorweisen.

Apropos Bedienung: die erfolgt nahezu ausnahmslos über einen Touchscreen, der es in der diagonalen Abmessung auf 3,7 Zoll (9,4 Zentimeter) bringt. Das ist etwas mehr als beim iPhone 4 S (3,5 Zoll), aber auch weniger als bei vielen anderen Multimedia-Handys. Das HTC Sensation XL bringt es zum Beispiel auf 4,7 Zoll, das LG Optimus Black auf 4,0 Zoll. Insgesamt ist die Display-Größe aber ausreichend, um weitgehend komfortabel das mobile Internet zu nutzen bzw. Inhalte der zahlreichen Android-Apps abzurufen. Auch für Videos sind 3,7 Zoll eine gerade noch akzeptable Größe.

Ohne Helligkeitssensor

Abstriche müssen Galaxy W-Nutzer aber trotzdem machen. Denn Samsung hat seinem Mittelklasse-Smartphone nur einen klassischen TFT-Bildschirm spendiert. Die von anderen Galaxy-Modellen bekannte Super AMOLED-Technologie kommt nicht zum Einsatz. Otto-Normal-Nutzer wird davon nicht viel merken, das geschulte Auge stellt aber schnell einen weniger starken Kontrast und weniger satte Farben fest. Auch ein Helligkeitssensor fehlt dem Smartphone. Technisch bringt es der Touchscreen auf bis zu 16 Millionen darstellbare Farben bei einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln.

Sehr wohl an Bord ist ein Lagesensor. Das hat zur Folge, dass sowohl im Hoch- als auch im Querformat eine virtuelle QWERTZ-Tastatur auf dem Display sichtbar wird. Das Schreiben von E-Mails, SMS oder Instant-Messenger-Nachrichten geht leicht von der Hand, weil der Bildschirm schnell und zuverlässig reagiert. Im Hochformat liegen die einzelnen Buchstabentasten aber schon recht eng nebeneinander. Auf Wunsch kann eine Text-Eingabe auch per Fingerwischer (Swype-Technologie) erfolgen. Zeiten, in denen Bildschirme einen insgesamt trägen Eindruck machten, scheinen langsam aber sicher auch in der Smartphone-Mittelklasse der Vergangenheit anzugehören.

Wer das Galaxy W in Betrieb nimmt, wird Schritt für Schritt durch einen Einrichtungs-Assistenten begleitet. Um alle Funktionen des Telefons uneingeschränkt nutzen zu können, ist ein Google-Konto Voraussetzung. Erstaunlich ist, dass der Assistent anders als bei anderen Galaxy-Modellen nicht nach nutzbaren WLAN-Netzen fragt, obwohl eine WLAN-Schnittstelle zum Einsatz bereitsteht. Nutzbar ist das Smartphone in allen GSM-Netzen (Quadband) und darüber hinaus überall dort, wo UMTS zur Verfügung steht. Per HSDPA sind Downstreams mit maximal 14,4 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich, im Upstream stehen auf Basis von HSUPA bis zu 5,8 Mbit/s zur Verfügung. Vorausgesetzt, das genutzte Mobilfunknetz wurde entsprechend ausgebaut.

Zwei Sensortasten integriert

Für die Steuerung durch das gewohnt übersichtliche Android-Menü (Version 2.3.6 Gingerbread) mit Samsungs Touchwiz-Oberfläche (Version 4.0) stehen direkt unter dem Display neben einer physischen, nicht beleuchteten Home-Taste zwei Sensortasten zur Verfügung. Damit ist es möglich, einen Schritt zurück zu navigieren oder Menüfunktionen aufzurufen. Die vergleichsweise schwache Hintergrundbeleuchtung kommt aber nur so lange zum Einsatz, wie mit einem Finger über den Touchscreen getrichen wird. Auf eine spezielle Taste zum Aufrufen der Suchfunktion muss man zwar verzichten, dafür steht aber auf einem Startbildschirm vorinstalliert ein Such-Widget zur Verfügung. Damit ist nicht nur die Google-Onlinesuche abrufbar, sondern auch das Durchsuchen von auf dem Telefon abgespeicherten Kontakten und Apps möglich.

Auf weitere physische Tasten hat Samsung weitestgehend verzichtet. An der linken Seite wurde eine Lautstärke-Wippe integriert, rechts findet sich ein Knopf zum Ein- und Ausschalten des Telefons. Außerdem lässt sich darüber der Stand-by-Betrieb oder der Flugzeug-Modus aktivieren. Auf der Kopfseite wurde neben einem 3,5-Millimeter-Audioeingang ein Micro-USB-Anschluss (mit Schutzklappe) integriert. Der Lautsprecher (klingt sehr blechern) findet sich wie bei eigentlich allen Samsung-Handys auf der Rückseite. Ein direkter HDMI-Ausgang fehlt, auch ein NFC-Chip ist nicht mit an Bord.

Weitere Extras an Bord

An weiteren Extras liefert das Samsung Galaxy W nicht nur ein FM-Radio mit RDS-Unterstützung, sondern auch einen MP3-Player und eine integrierte Digitalkamera. Die löst im Fotomodus mit bis zu 5,0 Megapixeln auf und liefert bei guten Lichtverhältnissen durchaus brauchbare Ergebnisse. Ein Bildrauschen ist vielen Fotos trotzdem zu entnehmen - insbesondere in weniger gut ausgeleuchteten Räumlichkeiten. Auffällig ist, dass der Autofokus Bilder nicht permanent von selbst scharfstellt, sondern nur einmal kurz vor der Aufnahme. Und das hat Folgen: zwischen Betätigung des Auslösers auf der eigentlichen Aufnahme vergehen vergleichsweise lange ein bis zwei Sekunden. Das kann je nach gewünschtem Fotomotiv ziemlich ärgerlich sein.

Auf Wunsch lässt sich ein Fotolicht zuschalten, aus verschiedenen Foto-Modi auswählen (Portrait, Landschaft, Nacht, Sport, Party/Innen) und eine Makro-Funktion (Nahaufnahmen) aktivieren. Über eine zweite Kamera auf der Vorderseite sind Selbstportraits möglich - mit bis zu 640 x 480 Pixeln (VGA). Wer mit der Kamera Videos drehen möchte, kann das in HD-Qualität mit bis zu 720p tun. Auch hier sind aber Unschärfen im Bild unübersehbar. Full-HD (1.080p) wird nicht unterstützt.

Dass es sich um ein Mittelklasse-Telefon handelt, wird auch bei einem Blick auf den integrierten Speicher deutlich. Er ist auf nur 4 Gigabyte beschränkt, große Teile davon sind aber durch das Android-System bereits belegt. Aber: eine Speichererweiterung über eine MicroSD-Karte ist möglich - um bis zu 32 Gigabyte. Im Lieferumfang ist eine Speicherkarte allerdings nicht enthalten. Dafür aber ein kabelgebundenes Stereo-Headset und ein Datenkabel.

Fazit: Zum angebotenen Preis ein Hit

Wer auf der Suche nach einem Telefon ist, das viel zu einem vergleichsweise kleinen Preis bietet, ist mit dem Samsung Galaxy W gut bedient. Zwar fehlt es an der einen oder anderen Stelle an der Ausstattung, die Bedienung macht aber aufgrund einer guten Gesamtperformance über den integrierten 1,4-Gigahertz-Prozessor richtig Spaß. Die Sprachqualität ist im Allgemeinen ordentlich, aber nicht berauschend. Die Haptik ist optimal getroffen worden, werthaltig wirkt es aufgrund seines komplett in Kunststoff gehaltenen Äußeren allerdings nicht. Kleiner Tipp am Rande: nach dem Start ein Firmware-Update durchführen.

Hinzu kommt, dass das Telefon mit einer ordentlichen Akku-Laufzeit aufwarten kann. Wer sein Smartphone nur zwischendurch zum Abruf von Internetinhalten nutzt, kommt locker zwei bis drei Tage mit einer Akkuladung über die Runden. Beim intensiven Einsatz von GPS-Empfänger, WLAN-Funktion, Kamera oder MP3-Player ist aber auch bei diesem Smartphone nach nur einem Tag neue Energiezufuhr notwendig. Einen abgeschlossenen Ladevorgang signalisiert das Telefon mit einem deutlich wahrnehmbaren Piepton. Dafür fehlt es an einer Status-LED, die auf verpasste Anrufe oder eingegangene (SMS-)Nachrichten hinweist.

Zu haben ist das Galaxy W im Online-Fachhandel ab circa 235 Euro; bei Amazon werden ohne Versandkosten sogar nur 229 Euro fällig (Stand: Mitte Januar 2012). Der Preis ist fair, aufgrund des geringen Gerätespeichers und der eher mäßigen Kamera aber nicht sehr gut. Alternativen sind das Samsung Galaxy S Plus oder das LG Optimus Black, die ebenfalls beide auf Googles Android-System basieren.

Name: Galaxy W (GT-I8150)
Hersteller: Samsung Mobile
Internet: www.samsung.de
Preis: ab ca. 230 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android (Version 2.3 Gingerbread)
Prozessor: 1,4 Ghz. Single Core
Arbeitsspeicher: 512 Megabyte
SIM: Standard-SIM
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 116 x 60 x 12 Millimeter
Gewicht: 115 Gramm
Display: 3,7 Zoll, 800 x 480 Pixel, 16 Mio. Farben
Speicher: 4 GB intern;
per microSD erweiterbar (max. 32 GB)
Schnittstellen: Bluetooth 3.0, WLAN
Digitalkamera: 5 Megapixel Kamera, Digitalzoom, Autofokus
HD-Videofunktion (720p) VGA-Frontkamera
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,52 W/kg (gering)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung
Akkulaufzeit im Test: 8-10 Stunden Sprechzeit
2-3 Tage Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
gute Verarbeitung
recht preiswert
schöne Haptik
ordentliche Gesamtperformance
mäßige Kamera
recht wenig Handyspeicher
keine Status-LED
nur Android 2.3.6 nutzbar

Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): befriedigend
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): befriedigend
Gesamtnote gut (2,2)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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