Testbericht

Samsung Galaxy Tab 10.1v: Tablet im Test

Mit dem Samsung Galaxy Tab 10.1v mit Android 3.0 alias "Honeycomb" steht der nächste iPad-2-Konkurrent mit Tegra-Prozessor auf der Matte. Wie sich das Tablet schlägt und wie gut die 8-Megapixel-Kamera mit Full-HD-Videoaufnahme ist, verrät unser Test (mit Videos).

Samsung Galaxy Tab 10.1© Samsung

Die Honeycomb-Tablets nehmen die Verfolgung auf: Mit dem Samsung Galaxy Tab 10.1v lauert der nächste potentielle iPad- und iPad-2-Konkurrent mit Android 3.0 und Nvidia Tegra 2 in der Ringecke. Nachdem Samsung mit seinem ersten Galaxy Tab mit 7-Zoll-Display einen Mittelweg zwischen großem Smartphone und kompaktem Tablet PC beschritt, kommt die neue Version mit 10,1 Zoll großem Bildschirm und gleicht sich damit an die Mitbewerber an. Steht der größere Touchscreen dem Samsung Galaxy Tab besser zu Gesicht oder verliert das Tablet dadurch seinen eigenen Charakter? Wir haben uns auf die Suche nach einer Antwort begeben.

Verwechslungsgefahr: Galaxy Tab 10.1v und 10.1

Zunächst ist es nötig, die Fakten zu sortieren. Zum ersten Mal in Erscheinung trat das 10-Zoll-Galaxy auf dem Mobile World Congress in Barcelona, der im Februar stattfand. Unter spanischem Himmel war das auf den Namen Samsung Galaxy Tab 10.1 getaufte Gerät rund 11 Millimeter (mm) dick und integrierte eine 8-Megapixel-Kamera. Fünf Wochen später holte der südkoreanische Elektronikkonzern das Tablet anlässlich der CTIA Wireless 2011 in Orlando im US-Staat Florida erneut auf die Bühne; dann allerdings mit 3-Megapixel-Kamera. Besonders wichtig war es Samsung offenbar, das iPad 2 hinsichtlich der Figur auszustechen: Das Galaxy Tab magerte auf 8,6 mm ab und zog als schlankeres Modell am 8,8 mm dünnen iPad 2 vorbei. Das uns vorliegende Samsung Galaxy Tab 10.1v, das in Deutschland von Vodafone mit oder ohne Vertrag verkauft wird (ohne Branding, aber mit Logo auf der Rückseite), kommt in Gestalt des Barcelona-Tablets – sprich: etwas dicker, aber mit einer besseren Kamera.


Test der Videofunktion mit Filter

Fotos auf Digicam-Niveau und gute HD-Videos

Und das lohnt sich: Die Fotofunktion mit Blitzlicht und Autofokus schneidet sehr gut ab. Rauschverhalten und Kontrast unserer probeweise in der höchsten Auflösung geknipsten Bilder entsprechen etwa dem Niveau einer 10-Megapixel-Digitalkamera (Casio Exilim EX-Z1080), wobei die Schärfe sogar noch ein bisschen besser ist. Außerdem können 1080p-Videos aufgezeichnet werden und auch das kann sich sehen lassen. Bei schlechteren Lichtverhältnissen wird auf Wunsch das LED-Licht hinzugeschaltet, der Autofokus ist während des Videodrehs ebenfalls aktiv und stellt das Gefilmte scharf. Mit einem so großen Gerät zu fotografieren oder zu filmen, ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber machbar.


Video Review Samsung Galaxy Tab 10.1v

Fest im Griff

Das 10.1v ist etwa 246x170x11 mm groß und wiegt rund 590 Gramm, womit es knapp leichter ist als das iPad 2 Wi-Fi (241x186x8,8 mm; 601 Gramm). Dass bei einem Tablet 100 Gramm mehr oder weniger tatsächlich ins Gewicht fallen, bemerkten wir kürzlich anhand des Motorola Xoom Test: Das ebenfalls auf Android Honeycomb basierende Gerät ist mit 13,4 mm nicht nur etwas dicker, sondern auch 20 Prozent schwerer (730 Gramm). Das neue Galaxy Tab 10.1v liegt daher auf Anhieb spürbar leichter in der Hand. Wo Licht ist, findet sich wie immer Schatten – wenn auch wenig. So macht der Kunststoffrahmen des Galaxy Tab keinen ganz so guten Eindruck wie das schwerere Aluminiumgehäuse des Motorola Xoom.

Sehr angenehm ist hingegen die strukturierte Rückseite, die zwei Mulden für die Hände bietet, um es gut festzuhalten. So kommt nicht das Gefühl auf, dass es wegrutschen könnte. Das Galaxy Tab 10.1 hat ein anderes Design und einen glatten Rücken.

Auf der Vorderseite gibt es Android-3.0-typisch keinerlei physische Tasten. Den Wippschalter für die Lautstärke hat Samsungs neuester Tablet-Mitstreiter hat – im Querzustand gehalten – nach oben verfrachtet, die SIM-Karte für mobiles Internet via UMTS/GPRS wird an der Seite eingesteckt und gegenüber stehen ein 3,5-mm-Klinkenanschluss für Kopfhörer und der Power-Schalter bereit. Eine etwas unglückliche Platzwahl: Dreht man das Tablet im Betrieb hin und her, verliert man den Überblick, wo oben und unten ist und muss den Knopf suchen. Ihn wie Motorola auf die Rückseite zu verfrachten, hat also seine Vorteile. Wer beim Galaxy Tab 10.1v einen Kartenleser, Mini-HDMI- oder -USB-Port erwartet, dürfte enttäuscht sein. Lediglich ein Synchronisationsanschluss ist vorhanden. Das mitgelieferte Kabel endet auf USB und wird auch für den Netzstecker verwendet. Laden per USB-Port wird nicht unterstützt.

Das Galaxy Tab 10.1 ummantelt Android mit der hauseigenen Touchwiz-Oberfläche. Unser Vodafone-Testgerät 10.1v kommt im Gegensatz dazu mit dem "nackten" Android-3.0-Interface ohne Samsungs Handschrift und unterscheidet sich bezüglich der Bedienung deshalb in keinem Punkt von anderen Honeycombs wie dem Motorola Xoom: Navigiert wird über drei On-Screen-Tasten, eine Thumbnail-Ansicht der fünf zuletzt verwendeten Apps greift beim Multitasking unter die Arme, bis zu fünf Homescreens können mit Widgets und Verknüpfungen befüllt werden und die Statusinformationen sind unten rechts ablesbar. Die einblendbare Tastatur lässt sich hochkant gut mit den Daumen bedienen. Um im Querformat zu tippen, wird das Tablet besser abgelegt und mit dem Zeigefinger geschrieben. Stets verlinkt ist die Spracheingabe, die sich vor allem für spontane Suchanfragen über Google oder im Android Market als praktisch herausstellt.

Spiegelndes, aber gutes Display

Das Display hat WXGA-Format mit 1.280x800 Pixeln und macht – solange das Tablet nicht im Freien benutzt wird – einen durchweg guten Eindruck. Je nach Wetterlage und Blickwinkel sind mehr oder weniger starke Spiegelungen zu erkennen und auch die sich schnell ansammelnden Fingerabdrücke schränken die Sicht ein. Daher ist Putzen angesagt. Die Lautsprecher sind okay, wer ernsthaft Musik genießen möchte, kommt aber nicht drumherum, Kopfhörer anzuschließen. Samsung liefert In-Ear-Exemplare mit Aufsätzen in unterschiedlichen Größen mit, die bequem sitzen und auch gut klingen.

Tegra-Prozessor und HD-Wiedergabe

Herzstück ist ein Nvidia Tegra 2 Chipsatz mit Dual-Core-Prozessor mit 1,0 Gigahertz, der mit seiner HD-fähigen Grafikkomponente einen guten Auftritt hinlegt. Wechseln zwischen Anwendungen, Surfen und Abspielen von Videos in der High-Definition-Qualität 720p (MPEG4, H.263, H.264) gehen dem Tegra-Chip souverän von der Hand. Nicht ganz so leicht fällt das Handling von 1080p-Inhalten, zumindest unsere MP4-Testinhalte ruckeln ab und an. Hier kommt es offenbar darauf an, den richtigen Codec zu treffen. Mit dem Galaxy Tab aufgenommene 1080p-Videos bereiten nämlich keine Probleme. Ein Bewegungssensor zum Drehen von Tablet und Inhalt ist auch an Bord. Er ist zwar nicht der schnellste, in einem Autorennspiel, das sich des Sensors bedient, stellten wir jedoch keinerlei Schwierigkeiten fest.

Apps und Spiele: Nachholbedarf bei Android 3.0

Zu den vorinstallierten Apps zählen die Google Anwendungen Maps mit Navigation, Latitude und Places, Mail, Kontakte, Kalender, die App Movie Studio, mit der einzelne Videos sowie Musik oder Tonspuren zu einem Film zusammengepuzzelt werden können, und das VoIP-Tool Google Talk. Eine Telefonie- oder SMS-Funktion beschert Android 3.0 nämlich nicht. Außerdem sind YouTube, QuickOffice zum Anzeigen und Erstellen von Dokumenten oder Präsentationen, und der News Reader Pulse installiert. Alle diese Programme profitieren vom großen Tablet-Bildschirm, was leider nicht unbedingt auf jede bekannte App im Android Market zutrifft. Twitter und eBay nutzen den Platz zum Beispiel bislang nicht sinnvoll aus und füllen ihn stattdessen mit Weißraum. Gezielt nach Android-3.0-Apps suchen kann man im Market leider nicht. Spiele lassen sich – abgestimmt auf die Hardware – auch über die Nvidia Tegra Zone App entdecken. Bislang ist die Auswahl aber mager.

Mit das wichtigste Element am Tablet-PC ist der Browser, den Google für Android 3.0 deutlich verbessert hat. Neu sind zum Beispiel Tabs, die Synchronisation mit Google Chrome und der "Inkognito"-Modus, der keine History aufzeichnet. Gezoomt wird mit einem Doppelklick oder mit zwei Fingern; an dieser Stelle zeigt sich, dass der Touchscreen sehr gut auf die Berührungen reagiert. Das Galaxy Tab 10.1v unterstützt den Flash Player, bis zum Upgrade auf Android 3.1, das eine tiefergehende Flash-Integration sowie hardwarebeschleunigtes Abspielen von Videos ermöglicht, beschränkt sich das Vergnügen aber auf allgemeine Flash-Inhalte und bei youtube.com auf Videos in Standardqualität. HD-Filme geraten dort ins Ruckeln. Wer flüssige Filme in hoher Auflösung bei YouTube ansehen will, muss die App anwerfen. Was wann wie ruckelt, zeigt unsere Galaxy Tab 10.1v Video-Review.

Fazit: Leichtes Tablet mit starker Kamera

Mit dem ersten Galaxy Tab mit SMS- und Telefonfunktion hat das neue 10.1v kaum noch etwas gemeinsam; aus dem Riesen-Handy ist ein Surf-Tablet geworden. Aufgrund der ähnlichen Zusammensetzung von Motorola Xoom, Samsung Galaxy Tab 10.1 und 10.1v stellen sich sicherlich viele Honeycomb-Tablet-Interessenten die Frage, welches Gerät sie letztendlich kaufen sollen. Zum Kriterium Preis: Ohne Vertrag kostet das Xoom WiFi rund 630 Euro, die Galaxy Tabs kommen standardmäßig mit 3G-Modul. Das 10.1 kostet rund 630 Euro, das 10.1v bei Vodafone 659,90 Euro und bei The Phone House 599,99 Euro zuzüglich 4,99 Euro Versand. Mit Vertrag sind verschiedenste Kombinationen bei Vodafone möglich.

Sind Maße und Gewicht besonders relevant, scheidet das Xoom aus. Wer unbedingt ein Tablet haben möchte, das dünner als das iPad 2 ist, der muss zum Galaxy Tab 10.1 greifen. Hobbyfotografen und Videofans dürfte wiederum das 10.1v deutlich besser gefallen. Die in Samsungs Touchscreen-Flunder verbauten Kameras sind denen des Xoom qualitativ eindeutig überlegen. Ob die für das 10.1 abgespeckten Linsen da mithalten können, ist fraglich.

Fast als Fauxpas zu werten ist aber, dass das Galaxy Tablet 10.1v trotz HD-Wiedergabe und -Aufnahme weder einen HDMI-Ausgang noch einen Kartenleser zum Upgraden des 16-GB-Speichers erhalten hat. Kurioserweise bewirbt Vodafone unter anderem eine micro-SD-Karte, wenn man das Tablet in den Warenkorb packt. Um Videos auf einem Fernseher auszugeben, müsste ein Adapterkabel von Samsung angeschafft werden. Wer sich daran nicht stört, bekommt mit dem Samsung Galaxy Tab 10.1v ein gutes Honeycomb-Tablet.

Name: Galaxy Tab 10.1v
Hersteller: Samsung
Internet: http://samsung.de
Preis: bei Vodafone: ohne Vertrag für 659,90 Euro, mit Vertrag: mit MobileInternet Flat ab 79,90 Euro zuzüglich 20 Euro Gerätepreis pro Monat und Grundgebühren,
bei The Phone House: ohne Vertrag für 599,99 + 4,99 Euro Versand
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Nvidia Tegra 2 - Dual-Core-Prozessor mit 1,0 GHz
Bildschirm: 10,1 Zoll WXGA (1.280x800 Pixel) Touchscreen
Speicher: 16 GB Flash Speicher
Akku: Herstellerangaben: Videowiedergabe 10 Stunden, Standby 75 Tage;
gemessen: HD-Videowiedergabe (WLAN aus) 8 Stunden, Standby (WLAN ein) 7 Tage
Kommunikation: WiFi 802.11a/b/g/n, Bluetooth 2.1+ EDR, HSPA+/UMTS/GPRS
Betriebssystem: Android 3.0 (Honeycomb)
Abmessungen: HxBxT: 246x170x11 mm Millimeter; 589 Gramm
Anschlüsse: Synchronisations-Anschluss, Kopfhörer (3,5 mm Klinke), SIM-Slot
Formatunterstützung: AAC, AAC+, AMR NB, AMR WB, MP3, OGG, H.263, H.264, MPEG4
Sonstiges: GPS, Beschleunigungssensor, Lichtsensor, 8-Megapixel-Kamera für Fotos und Videos (1080p) mit Fotolicht und Autofokus, 2-Megapixel-Webcam, Flash-Support (App im Market)
leichtes Gerät
liegt gut in der Hand
gute Leistung
Multitasking
zwei Kameras
Fotoqualität und Full-HD-Videofunktion
gute Akkulaufzeit
GPS
WLAN
UMTS
Bluetooth
Flash-Support
nur Synch-Anschluss
Display spiegelt / Fingerabdrücke
vollständige Flash-Integration erst mit Android 3.1
App-Auswahl noch eher klein
lädt nicht über USB
Formatunterstützung
hoher Preis
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): gut
Display (20%): gut
Bedienung/Handhabung (15%): sehr gut
Akkulaufzeit (15%): gut
Verarbeitung (10%): gut
Gesamt: gut (1,9)
Preis-Leistung: befriedigend

(Saskia Brintrup)

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