Testbericht

Test: "Ersatz"-Tablet Samsung Galaxy Tab 10.1N

Da das Galaxy Tab 10.1 hierzulande nach wie vor nicht verkauft werden darf, hat Samsung kurzerhand eine leicht abgewandelte Version auf den Markt gebracht. Wir haben das Tablet, das mittlerweile ebenfalls für Ärger mit Apple sorgt, ausprobiert.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Nicht nur im Smartphone-, sondern auch im Tablet-PC-Bereich gerieten Apple und Samsung in letzter Zeit aneinander. Während sich das erste Samsung Galaxy Tab mit seiner Displaygröße von 7 Zoll deutlich vom Apple iPad 1 unterschied, kommen sich das iPad 2 und die neue Galaxy Tab-Liga mit 10,1-Zoll-Bildschirm schon eher ins Gehege. Apple ist der Meinung, dass das Tablet seinem iPad zu ähnlich sieht, und konnte in Australien und Deutschland ein Verkaufsverbot für das Galaxy Tab 10.1 durchsetzen. Das führt dazu, dass es neben dem Galaxy Tab 10.1v (Test) und dem verbotenen Galaxy Tab 10.1 nunmehr eine dritte Version mit identischer Displaygröße gibt: das Galaxy Tab 10.1N. Nachdem wir bereits einen Blick auf das 10.1 und das 10.1v werfen konnten, ist jetzt das Samsung Galaxy Tab 10.1N mit einem Preis ab 539 Euro an der Reihe. Doch auch die für den deutschen Markt entwickelte Variante mit geändertem Design ist Apple ein Dorn im Auge.

8,6 Millimeter schlank

Das ursprüngliche Galaxy Tab 10.1 misst bei einem Gewicht von 565 Gramm rund 175x257x8,6 Millimeter (mm) und ist damit eines der schlanksten Tablets. Beim 10.1N hat Samsung die zarte Figur trotz Design-Änderungen beibehalten können; Maße und Gewicht bleiben gleich. Lediglich der silberfarbene Rahmen rund um das Display ist nun dicker als beim ersten Modell, der Samsung-Schriftzug unterhalb des Bildschirms wurde überarbeitet und die Lautsprechergitter sind auf die Vorderseite gewandert. Der Klang, der dem Nutzer entgegenströmt, reicht für kurze Clips und Audiofiles aus, für Lieblings-MP3s greift man lieber zu den Ohrhörern. Obwohl das Galaxy Tab über ein größeres Display als das Apple iPad 2 mit 9,7-Zoll-Exemplar verfügt, ist es flacher und leichter: das iPad 2 ist mit 8,8 mm in haarspalterischem Ausmaß dicker und mit 601 Gramm minimal schwerer.

Nur wenige Schnittstellen

Bei der Schnittstellenbestückung hält sich das Leichtgewicht ebenso zurück wie das iPad. Ein Kopfhörer lässt sich über einen 3,5-Millimeter-Anschluss verbinden, kabellos ließe sich via Bluetooth 3.0 ein Headset oder eine Tastatur verwenden. Einen USB-Anschluss hat Samsung seinem schlanksten Tablet-PC nicht spendiert, diesen und einen HDMI-Port stellt der Hersteller nur über optional erhältliche Adapter bereit.

Wer ein dickeres 800-Gramm-Tablet mit dem dünnen Fliegengewicht von Samsung vergleicht, muss zugeben, dass das Galaxy Tab deutlich besser in der Hand liegt – auch, um mit der anderen den Touchscreen zu bedienen. Verglichen mit dem iPad mit 1.024x768 Bildpunkten auf dem Display ist das 10.1N mit seinen 1.280x800 Pixeln (16:10) quergehalten deutlich breiter, hochkant entsprechend schmaler. Die Rückseite besteht aus hochglänzendem Kunststoff; ob an dieser Stelle die Farbe Schwarz oder Weiß vorherrschen soll, kann sich der Kunde aussuchen. In beiden Fällen wird das glatte Material schnell verschmieren, bei unserem weißen Testgerät fiel das aber nur bei genauem Hinsehen auf.



Helles Display mit kräftigen Farben

Glänzend ist zudem die Touchscreen-Abdeckung, nach einigen Seitenaufrufen und Klickvorgängen sind dementsprechend Fingerabdrücke sichtbar. Das TFT-Display macht insgesamt einen sehr guten Eindruck. Es leuchtet schön hell, wobei sich die Helligkeit über einen Sensor automatisch an die Lichtverhältnisse anpassen kann. Farben sind keineswegs blass oder matt, sondern strahlen, die Anzeige ist scharf und die Blickwinkel groß. Von der Seite, oben oder unten auf den Bildschirm geschaut sind Fotos oder Videos gut zu erkennen. Einschränkend wirkt dann nur die spiegelglatte Oberfläche, die das stabile Bild mit Reflexionen schmückt. Wie üblich für Tablets verfügt das Galaxy Tab 10.1N über einen Lagesensor, um den Bildschirminhalt beim Drehen des Geräts anzupassen. Mit einer Verweildauer von knapp 2 Sekunden erfolgt das aber nicht unmittelbar, einige Anwendungen drehen außerdem zügiger als andere.

Beim Speicherplatz hat der Kunde die Wahl zwischen 16, 32 und 64 GB. Welche Version im Warenkorb landet, sollte wohl überlegt sein: Einen Kartenleser bietet das Tablet nicht. Komischerweise nennt sich der Ordner, in dem das Galaxy Tab von einem PC aus übertragene Inhalte ablegt, "sdcard".

Mit oder ohne UMTS-Support

Gedanken sollten sich Interessenten außerdem darüber machen, wo sie das Tablet bevorzugt nutzen möchten: Samsung bietet sowohl eine WiFi-only- als auch eine UMTS-Version an. Wer ohnehin nur in den eigenen vier Wänden und in Hotels surft, dürfte mit der WLAN-Ausführung zurecht kommen. Soll das Galaxy Tab häufig zu Ausflügen mitgenommen werden, bietet sich die 3G-Version für mobiles Internet an. Dank HSPA+-Unterstützung sind mobile Datenverbindungen dann – wenn Netz und Tarif mitspielen – mit bis zu 21 Megabit pro Sekunde möglich.

Dual-Core-CPU

Die technischen Daten des Samsung Galaxy Tab 10.1N stimmen weitestgehend mit denen des 10.1 überein. Eingebaut ist ein Dual-Core-Prozessor mit 1,0 Gigahertz, der den Nutzer in Zusammenarbeit mit 1 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher ohne Unterbrechungen durch die Apps und Menüpunkte navigieren lässt. Beim Wechsel zwischen verschiedenen Anwendungen hakt es nicht. HD-Videos konnten wir in der Auflösung 720p abspielen, in Full-HD (1080p) hingegen nicht, was aber auch dem Format geschuldet sein kann.

Android 3.2, TouchWiz und Apps

Über Android in der Version 3.2 (Honeycomb) hat Samsung seine bereits von Smartphones bekannte TouchWiz-Oberfläche 4.0 gelegt. Verglichen mit dem regulären Android-3-Look ist zum Beispiel der Menüpunkt Einstellungen mit farbigen Symbolen für die einzelnen Stellschrauben aufgehübscht, per zusätzlicher Taste neben dem Android-üblichen Trio links unten am Displayrand jederzeit ein Screenshot erstellbar und außerdem eine Leiste aufrufbar, die einen direkten Zugriff auf den Task-Manager, einen Kalender, einen Taschenrechner und weitere Tools bietet. Soziale Netzwerke führt Samsung im Social Hub zusammen, das auch mit einem Mobiltelefon des Herstellers verwaltet werden kann. Des Weiteren installiert hat Samsung Music Hub, in dem über 7digital Musikdateien gekauft werden können, und Readers Hub zum Kauf von E-Books und digitalen Magazinen, die sich über die ebenfalls abgespeicherte App lesen, vorlesen und mit Notizen versehen lassen. Hinzu kommen eine Anwendung, um Medieninhalte von DLNA-fähigen Geräten zu streamen, Polaris Office für Textdokumente, Excel-Tabellen und Präsentationen sowie die üblichen Google-Apps wie Maps, Talk, Mail und YouTube. Nachschub findet sich im Android Market oder im Samsung App-Shop, der sich aber nur mit eingelegter SIM-Karte öffnen wollte.

Merkwürdige Browser-Abstürze

Der mit Android Honeycomb mitgelieferte Browser unterstützt Tabs sowie einen privaten Modus und eine Sprachsuche, lief während unserer Testphase aber nicht immer einwandfrei. Wir registrierten einige Browser-Abstürze – ärgerlich, wenn beim erneuten Start eine frische Sitzung beginnt und die zuletzt geöffneten Tabs in Eigenregie wiederhergestellt werden müssen. Woran es letztendlich gelegen hat, ist unklar.

Die Webcams des Samsung Galaxy Tab 10.1 und des 10.1N bieten eine Auflösung von 2 Megapixeln, die Hauptkamera des 10.1N ist mit 3,2 Megapixeln gegenüber 3,0 beim 10.1 minimal stärker. Bei winterlich grauen Lichtverhältnissen schießt die Kamera verrauschte Fotos mit verfälschten Farben. Besserung bringt das helle Fotolicht, für die besagten Schnappschüsse reicht die Qualität noch aus. Videos können mit maximal 1.280x720 Bildpunkten (HD) aufgenommen werden, sind aber ebenfalls verrauscht, wenn es zu dunkel ist.

Fazit: Gelungenes Tablet mit unklarer Zukunft

Bevorzugt man besonders dünne Tablets und möchte sich von Apples iOS und iTunes fernhalten, ist das Samsung Galaxy Tab 10.1N eine gute Alternative auf Android-Basis. Genau wie die Ursprungsversion 10.1 ist es eines der Tablets, die an das nahezu perfekte Design des Apple iPad am ehesten heranreichen. Das heißt nicht, das andere Formen schlechter sind; das Sony Tablet S (Test) beispielsweise sieht zwar völlig anders aus, lässt sich aber gerade deshalb komfortabel benutzen.

Ein Nachteil des Galaxy Tab 10.1N ist, dass Einschränkungen bei den Anschlüssen in Kauf genommen werden müssen. So flexibel und unkompliziert wie ein dickeres Toshiba AT100 (Test) mit USB- und HDMI-Port in Standardgröße sowie einem Kartenleser ist das Gerät nicht. Nicht nachvollziehbar ist die Preisgestaltung beim Galaxy Tab 10.1N: Die drei UMTS-Varianten sind bei gleicher Speichergröße 90 bis 130 Euro teurer als ihre WLAN-Mitstreiter, von einer Speicherstufe zur nächsten steigt der Preis manchmal nur um 50 Euro (von 32 GB UMTS auf 64 GB UMTS), manchmal aber auch um 120 Euro (von 16 GB UMTS auf 32 GB UMTS). In der günstigsten Variante kostet es mit 539 Euro 60 Euro mehr als das iPad 2 mit vergleichbarer Konfiguration, die üppigsten Varianten beider Geräte liegen preislich auf gleicher Höhe. Die Straßenpreise beginnen derzeit bei knapp 450 Euro.

Allerdings ist noch unklar, ob das Galaxy Tab 10.1N dem deutschen Markt erhalten bleibt. Eine Anhörung soll am 22. Dezember erfolgen.

Weitere Tablet-PCs im Test und eine Kaufberatung zum Thema Tablet-PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: Galaxy Tab 10.1N
Hersteller: Samsung
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Nvidia Tegra 2 - Dual-Core-Prozessor mit 1,0 GHz
Bildschirm: 10,1 Zoll WXGA (1.280x800 Pixel) Touchscreen
Speicher: 1 GB RAM, 16, 32 oder 64 GB Flash Speicher
Akku: Herstellerangaben: Videowiedergabe 8 Stunden, Musikwiedergabe 93 Stunden, Standby 42 Tage;
gemessen: HD-Videowiedergabe über YouTube (WLAN ein) 7,5 Stunden, Surfen: 8 Stunden, Standby (WLAN ein) 16 Tage
Kommunikation: WiFi 802.11a/b/g/n, Bluetooth 3.0, optional: HSPA+/UMTS/GPRS
Betriebssystem: Android 3.2 (Honeycomb)
Abmessungen: HxBxT: 257x175x8,6 mm Millimeter; 570 Gramm
Anschlüsse: Synchronisations-Anschluss, Kopfhörer (3,5 mm Klinke), SIM-Slot
Sonstiges: GPS, Beschleunigungssensor, Lichtsensor, 3,2-Megapixel-Kamera für Fotos und Videos (720p) mit Fotolicht und Autofokus, 2-Megapixel-Webcam, Flash-Support
flach und leicht
hochwertiges Aussehen
gute Leistung, farbkräftiges Display
zwei Kameras
gute Akkulaufzeit
GPS
UMTS optional
Flash-Support
nur wenige Anschlüsse
kein Speicherkartenleser
Hochglanz-Rückseite
mittelmäßige Kameras
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): befriedigend
Display (20%): gut
Bedienung/Handhabung (15%): sehr gut
Akkulaufzeit (15%): gut
Verarbeitung (10%): sehr gut
Gesamt: gut (2,0)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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