Testbericht

Samsung Galaxy S4 im Test - Software-Wunder mit Top-Ausstattung

Mit dem Samsung Galaxy S4 liefert Samsung ein Smartphone aus, das nicht nur in Sachen Performance punkten kann, sondern auch bei den Software-Extras. Wir haben das neue Flaggschiff getestet.

Samsung Galaxy S4© Samsung

Kein anderer Smartphone-Hersteller gibt momentan so viel Gas wie Samsung Mobile. Fast wöchentlich stellen die Südkoreaner ein neues Mobiltelefon aus der Galaxy-Famlie vor, um dem eigenen Anspruch, für wirklich jeden Nutzertyp ein entsprechendes Modell anbieten zu können, gerecht zu werden. Für anspruchsvolle Kunden bietet Samsung seit einigen Wochen das Spitzenmodell Galaxy S4 an, das schon Mitte März in New York vorgestellt wurde. Wir haben uns das Telefon - das bereits mehr als 10 Millionen Mal von Samsung abgesetzt wurde - über zwei Wochen aus nächster Nähe angeschaut und genauer unter die Lupe genommen.

Top-Modell im Plastik-Kleid

Rein äußerlich unterscheidet sich das Galaxy S4 kaum von anderen Samsung-Smartphones. Großer Touchscreen, abgerundete Kanten und eine Home-Taste unter dem Bildschirm. Dazu eine sehr dünne, glatte und glänzende Akkuabdeckung aus Plastik, die dem Telefon zwar kein richtig billiges, aber zumindest ein weniger werthaltiges Gesamterscheinungsbild verleiht. Das HTC One, das Nokia Lumia 925 oder auch das Sony Xperia Z wirken zum Beispiel deutlich hochwertiger. Vorteil von Samsung: der Akku ist jederzeit durch den Nutzer austauschbar.

Wer das Samsung Galaxy S4 im Rahmen einer Smartphone-Neuanschaffung in die engere Wahl einbezieht, sollte sich zunächst einen persönlichen Eindruck verschaffen. Denn auch wenn bei der Verarbeitung eigentlich keine Fehler gemacht wurden – es knarzt nur minimal wenn auf die Rückseite gedrückt wird - bleibt ein Fakt, der nicht unterschätzt werden sollte. Mit Abmessungen von 137 Millimetern in der Länge und 70 Millimetern in der Breite gehört das Smartphone zu den größten Geräten, die aktuell am Markt erhältlich sind. Trotzdem bringt es nur 130 Gramm auf die Waage.

Ein recht sperriges Telefon

Bei der Nutzung des mobilen Internet ist die Größe zwar ein echter Mehrwert, weil auf dem 5 Zoll (12,7 Zentimeter) großen Full HD-Display mit einer Auflösung von 1.080 x 1.920 Pixeln erfreulich viele Inhalte angezeigt werden können. Es droht aber auch immer die Gefahr, dass das recht sperrige Telefon bei der einhändigen Bedienung aus der Hand rutscht. Denn wirklich handlich ist das S4 schlicht und ergreifend nicht. Da hilft es auch nicht, dass es Samsung gelungen ist, die Dicke auf nur noch 7,9 Millimeter zu drücken.

Gleichwohl gilt: Allen Nutzern, denen die Größe nichts ausmacht, präsentiert Samsung allerdings eines der besten Smartphones, das die Asiaten jemals gebaut haben. Tolles Display, flotte Arbeitsgeschwindigkeit in Kombination mit einer ordentlichen Akkulaufzeit – so macht ein Smartphone richtig Spaß. Ein Manko ist uns aber immer wieder aufgefallen. Wer auf Internetseiten mit weißem Hintergrund unterwegs ist, muss beim Scrollen mit einer Schlierenbildung leben. Auffällig ist das auch bei der Nutzung von Apps wie dem Google Reader.

Keine Einschränkungen konnten wir bei der Performance feststellen. Ruckler bleiben in der allgemeinen Menü-Navigation ebenso aus wie bei grafisch anspruchsvollen Spielen. Alles andere als eine flüssige Bedienung wäre allerdings auch sehr verwunderlich gewesen, denn Samsung hat sich bei seinem Top-Modell für einen Quad-Core Prozessor entschieden, dessen vier Kerne mit jeweils 1,9 Gigahertz getaktet sind. Flankiert durch zwei Gigabyte Arbeitsspeicher werden die Wünsche anspruchsvoller Smartphone-Nutzer mehr als erfüllt.

Volle Netz-Unterstützung

Für Sprach- und Daten-Kommunikation hat Samsung die volle Palette an Antennentechnik unter dem Gehäuse integriert. Nicht nur klassische GSM-Verbindungen werden unterstützt (850, 900, 1.800 und 1.900 Megahertz), sondern auch UMTS (850, 900, 1.900 und 2.100 Megahertz) und LTE (800, 850, 900, 1.800, 2.100, 2.600 Megahertz). Die maximal mögliche Download-Geschwindigkeit liegt in UMTS-Netzen bei 42 Megabit pro Sekunde, wer LTE nutzen kann, darf sich sogar über 100 Megabit pro Sekunde freuen. Vorausgesetzt, das genutzte Mobilfunknetz wurde entsprechend aufgerüstet.

Wir konnten das Galaxy S4 im LTE-Netz von o2 testen und durften feststellen, dass das mobile Internet mit dem Datenturbo noch deutlich mehr Spaß macht. Downloads landen in Windeseile im Telefonspeicher und Internetseiten werden in wenigen Augenblicken geladen. Doch Vorsicht: wer sich einmal an die LTE-Vorzüge gewöhnt hat, ärgert sich schnell über die vergleichsweise langsame UMTS-Performance.

Ergänzend dazu sind Internetverbindungen über eine WLAN-Schnittstelle möglich. Unterstützt werden die WLAN-Standards a, b, g, n und ac. Allerdings hat Samsung Probleme mit einigen WLAN-Routern eingeräumt. Neben WLAN Tethering wird auch USB Tethering unterstützt. Außerdem Bluetooth (Version 4.0), NFC und wer mag, kann sein Smartphone auch über ein optional erhältliches HDMI-Kabel mit dem Fernseher verbinden. Komplettiert wird die Liste an Ausstattungs-Extras durch einen kleinen Infrarot-Sensor an der Kopfseite, der das Telefon auf Wunsch zu einer Fernbedienung für den Fernseher mutieren lässt.

Software-Extras ohne Ende

Als Betriebssystem kommt beim Galaxy S4 Googles Android-OS in der Version 4.2.2 zum Einsatz. Allerdings nicht in der Grundversion, sondern in Form der von Samsung modifizierten TouchWiz-Oberfläche. Mehr noch: Samsung hat seinem neuen Flaggschiff eine ganze Armada an Software-Extras spendiert. Es sei mal dahingestellt, ob sie wirklich benötigt werden. Tatsache ist aber, dass der Umfang an Extras beeindruckend ist.

Die Sprachsteuerung S Voice wurde verbessert und funktioniert richtig ordentlich. Ergänzend dazu liefert das Telefon in Form des S Translator auch gleich eine Übersetzungssoftware mit. Wer auf seinem Telefon Videos guckt, kann bei aktivierter Smart Pause-Funktion davon profitieren, dass das Video automatisch stoppt, sobald die Augen den Blickkontakt zum Display verlieren. Kehrt der Blick auf das Display zurück, wird auch die Wiedergabe des Videos automatisch fortgesetzt. Über Smart Stay bleibt der Bildschirm so lange eingeschaltet, wie er angeschaut wird. Smart Scroll sorgt dafür, dass der Bildschirm je nach Neigungswinkel des Kopfes oder des Geräts automatisch scrollt. Diese beiden Funktionen sind allerdings noch nicht ganz ausgereift und funktionieren eher mäßig. Grundsätzlich gilt: Alles ist etwas gewöhnungsbedürftig. Und wer sich fit halten möchte, kann das Galaxy S4 über die App S Health zu einem Personal Coach mutieren lassen.

An weiteren Zusatzfunktionen hat Samsung das Galaxy S4 dahingehend optimiert, dass selbst eine Bedienung mit Handschuhen möglich ist. Dazu muss in den Einstellungen aber zunächst die Berührungsempfindlichkeit des Displays erhöht werden. Der integrierte Helligkeitssensor arbeitet stets zuverlässig, viele Funktionen können über eine Schnellstartleiste binnen weniger Sekunden (de)aktiviert werden. Praktisch!

Zwei Kameras an Bord

Natürlich braucht ein gutes Smartphone heutzutage auch zwei integrierte Kameras. Und auch hier demonstriert Samsung Stärke: neben einer Frontkamera mit einer Auflösung von 2 Megapixeln wurde auf der Rückseite zum ersten Mal bei einem Samsung-Telefon eine Cam mit einer 13-Megapixel-Linse verbaut, die im Videomodus Full-HD-Aufnahmen (1.080p) ermöglicht. Die Kamerafunktionen umfassen neben einem Digitalzoom (maximal vierfache Vergrößerung) auch einen Auto- und Touchfokus, einen Bildstabilisator sowie ein Kameralicht. Eine separate Kamerataste an der Außenseite des Telefons gibt es aber leider nicht.

Qualitativ lassen die mit der Hauptkamera aufgenommenen Fotos und Videos für Otto-Normal-Nutzer vor allem bei guten Lichtverhältnissen eigentlich keine Wünsche offen. Allenfalls mäßig fällt die Bildqualität allerdings aus, wenn die Dämmerung einsetzt oder bei nur wenig Licht fotografiert wird. Dann ist ein Bildrauschen auch bei Samsungs Top-Smartphone durchaus sichtbar und die Aufnahmen fallen darüber hinaus erstaunlich dunkel aus.

Ganz spaßig: wer mag, kann mit der so genannten Dual-Shot-Funktion ein Foto mit der Frontkamera schießen, gleichzeitig ein Foto von sich selbst über die Frontkamera aufnehmen und in das Bild einbinden. "Sound & Shot" macht es möglich, dass nicht nur ein Foto aufgenommen wird, sondern parallel auch Umgebungsgeräusche. Ein nettes Extra, um Erinnerungen noch besser festhalten zu können.

Gute Akkulaufzeiten

Sehr ordentlich präsentiert sich das Galaxy S4 auch in Sachen Akkulaufzeit. Wer nicht gerade durchgehend im Internet surft, darf sich über einen Energiespeicher freuen, der ohne Probleme auch mal zwei Tage durchhält. Je häufiger allerdings das mobile Internet genutzt, Bluetooth bzw. GPS zugeschaltet oder das Smartphone als mobile Spielekonsole verwendet wird, desto kürzer fällt auch die Akku-Laufzeit aus. Nach einer fünfstündigen Autofahrt von Köln nach München war der 2.600 mAh starke Akku nach einer intensiven Nutzung des Beifahrers noch zu knapp 20 Prozent geladen.

Etwas überraschend ist die Tatsache, dass Samsung dem S4 nur 16 Gigabyte Speicherplatz spendiert hat und davon stehen durch die vielen vorinstallierten Software-Extras auch nur 9 Gigabyte zur freien Verfügung. Das wird für die meisten Nutzer zwar ohne Probleme ausreichen, wer aber viele Fotos, Videos und Musikdateien auf seinem Smartphone abspeichert, könnte mit der Zeit an Kapazitätsgrenzen stoßen. Dann kann aber immerhin noch eine Speichererweiterung per MicroSD-Karte weiterhelfen – um bis zu 64 Gigabyte.

Erfreulicherweise hat Samsung dem S4 auf der Vorderseite auch eine Status-LED spendiert. Dieses durchaus sinnvolle Extra, das sehr vielen aktuellen Smartphones (der Galaxy-Reihe) noch fehlt, informiert nicht nur über verpasste Anrufe und Nachrichten, sondern auch über einen niedrigen Akkustand.

Fazit: Neuer Stern am Smartphone-Himmel

Zweifelsohne ist es Samsung gelungen, mit dem Galaxy S4 ein neues Top-Modell am Smartphonemarkt zu platzieren. Es tritt in direkte Konkurrenz zum HTC One, muss aber aufgrund der weniger werthaltigen Verarbeitung knapp hinter der Konkurrenz zurückstecken. Das Plastikgehäuse wirkt für ein Smartphone, das ohne Vertrag abhängig vom gewählten Online-Shop immerhin mindestens 560 Euro kostet, einfach zu billig. Amazon verkauft es sowohl in schwarz als auch in weiß für 599 Euro. Vier weitere Farben - blau, rot, lila und braun - sollen demnächst folgen.

Auch der doch recht begrenzte Speicherplatz muss zumindest kritisch erwähnt werden. Und wer gerne unterwegs Radio hört, wird ebenfalls enttäuscht. Denn ein FM-Radio suchen Nutzer erstaunlicherweise vergeblich. Abhilfe schafft allerhöchstens eine Radio-App, die abseits von WLAN-Netzwerken aber das (oft begrenzte) Datenvolumen belastet. Dafür punktet das S4 durch einen wechselbaren Akku, einen MicroSD-Kartenslot und so viele Software-Extras, wie man sie sonst bei keinem Smartphone findet. Erfreulich ist auch die gute Kamera, die ordentliche Akkuleistung und das insgesamt knackige Display.

Name: Galaxy S 4 (GT-I9505)
Hersteller: Samsung Mobile
Preis: ab ca. 560 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android (Version 4.2.2 Jelly Bean)
Prozessor: 1,9 Ghz. Quad Core
Arbeitsspeicher: 2 Gigabyte
SIM: Micro-SIM
Antenne: GSM Quadband (850, 900, 1.800, 1.900 Megahertz)
UMTS (850, 900, 1.900, 2.100 Megahertz)
LTE (800, 850, 900, 1.800, 2.100, 2.600 Megahertz)
Abmessungen: 137 x 70 x 8 Millimeter
Gewicht: 130 Gramm
Display: 5,0 Zoll, 1.920 x 1.080 Pixel, 16 Mio. Farben
Speicher: 16 GB intern;
per microSD um bis zu 64 GB erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth 4.0, WLAN, NFC, Wifi direct
Digitalkamera: 13 Megapixel Kamera, Digitalzoom, Autofokus
HD-Videofunktion (1.080p), Frontkamera (2 Mpx.)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset inkl. Ohrstöpsel in verschiedenen Größen, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,29 W/kg (sehr gering)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, GPS, WLAN, HD-Unterstützung
Akkulaufzeit im Test: 12-14 Stunden Sprechzeit
24-36 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
gute Verarbeitung
starke Performance
gute Kamera
großartiges Display
solide Akkulaufzeit
Status LED
interner Speicher recht klein
kein UKW-Radio integriert
recht teuer in der Anschaffung
Plastikgehäuse wirkt billig
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote sehr gut (1,4)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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