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Samsung Galaxy S im Test - Spaß mit Android 2.1

Mit dem Galaxy S beweist Samsung nach Veröffentlichung des Wave, dass man auch mit Android-Endgeräten arbeiten kann. Das neue Smartphone überzeugt vor allem mit einem breiten Funktionsumfang und einem großen Display.

Samsung

Mehrere neue Endgeräte auf den Markt zu bringen, die richtig viel können? Für Samsung ist das offenbar kein Problem. Die Südkoreaner sind nicht nur mit dem Smartphone Wave (Test) erfolgreich, sondern haben fast zeitgleich - aber mit weit weniger Marketing-Tamtam - das Modell Galaxy S (GT-I9000) auf den Markt gebracht. Markantester Unterschied im Vergleich zum Wave: das Galaxy S hat ein größeres Display. Darüber hinaus kommt nicht das Betriebssystem Bada, sondern die Google-Entwicklung Android zum Einsatz - in Version 2.1. Wir haben das Galaxy S genauer unter die Lupe genommen.

118 Gramm schwer - und trotzdem leicht

Wer das 122x64x10 Millimeter große Handy das erste Mal in den Händen hält, wird sich möglicherweise wundern. Anders als bei vielen anderen aktuellen Smartphones hat Samsung auf hochwertige Materialien verzichtet. Rundherum kommt nichts außer Plastik zum Einsatz. Das wirkt nicht gerade modern, erfüllt aber dennoch seinen Zweck. Und: das Galaxy S ist durch die Verwendung von so viel Kunststoff gemessen an seiner Größe fast ein Federgewicht. Die von uns gemessenen 118 Gramm inklusive eingelegtem Akku fühlen sich deutlich leichter an. In der Hosentasche getragen wirkt das Telefon alles andere als sperrig.

Auch wenn das Telefon mit seinen abgerundeten Kanten einen solide verarbeiteten Eindruck hinterlässt, beschleicht den Nutzer das etwas mulmige Gefühl, etwas abbrechen zu können. Vor allem dann, wenn die Akkuabdeckung auf der Rückseite vom eigentlichen Smartphone-Körper gelöst wird. Um die SIM-Karte einlegen oder tauschen zu können, darf der Akku nicht in das Gerät eingelegt sein. Anders sieht es bei der microSD-Karte aus: sie lässt sich auch bei eingelegtem Akku ein- und ausschieben. Dann ist es möglich, den ohnehin schon üppigen Speicher von 8 Gigabyte um bis zu 32 weitere Gigabyte zu erweitern. Daran könnte sich Apple bei seinen künftigen iPhone-Entwicklungen durchaus ein Beispiel nehmen.

1-Gigahertz-Prozessor als Herzstück

Angetrieben wird das Galaxy S durch einen Prozessor, der mit einer Taktrate von 1 Gigahertz arbeitet. Damit gehört das Galaxy S zu den schnellsten Smartphones, die aktuell erhältlich sind. Und das macht sich schnell bemerkbar. Es ist ohne lange Wartezeiten möglich, von App zu App zu wechseln. Die Navigation durch das Menü und über die einzeln, individuell einstellbaren Startbildschirme geht zügig und ohne Ruckler und Hakler von der Hand.

Apropos Hand: auch das Galaxy S wird nahezu ausnahmslos mit den Fingern über den 4 Zoll großen Touchscreen bedient - bei einer Auflösung von 480x800 Bildpunkten. In der diagonalen Abmessung entsprechen 4 Zoll insgesamt 10,2 Zentimetern. Reichlich Platz, für die Nutzung der Apps aus dem Android Market oder für das Surfen im mobilen Internet. Webinhalte können vergrößert werden, wenn mit zwei Fingern aus der Display-Mitte in zwei entgegengesetzte Ecken gewischt wird. Das Verkleinern funktioniert in die entgegengesetzte Richtung.

Display mit Super AMOLED-Technologie

Aber auch für die Betrachtung von Videos ist das Display zu gebrauchen. Grund: es kommt wie beim Samsung Wave die Super AMOLED Technologie zum Einsatz. Um die Nutzung von Touch-Displays weiter zu verbessern, wird bei Super AMOLED-Bildschirmen der Touch-Sensor direkt auf das AMOLED-Glas gelegt. Bisher war eine zusätzliche Glasschicht inklusive weiterem Luftpolster notwendig, damit der Touchscreen seinen Dienst verrichten konnte.

Die Folge: weniger Reflexionen, kräftige Farben und ein beeindruckendes Kontrastverhältnis. Von Vorteil ist, dass sich die Helligkeit des Bildschirms über einen Sensor automatisch an die Lichtintensität der Umgebung anpasst. Auf Wunsch ist aber auch ein manuelles Nachregulieren in mehreren Stufen möglich.

Die Navigation durch das Android-Menü geht auf den ersten Blick sehr leicht von der Hand. Vier Icons sind am unteren Bildrand grundsätzlich im Hauptmenü und auf den individuell durch Widgets einstellbaren Startbildschirmen sichtbar: um das virtuelle Tastenfeld aufzurufen, das Adressbuch einzusehen, den SMS-Eingang zu prüfen bzw. um in das Hauptmenü (oder aus dem Hauptmenü zum Homescreen) zu wechseln.

Eine fast unvorstellbare Fülle an Einstellungsmöglichkeiten

Wer aber etwas tiefer in das Android-Betriebssystem eintaucht, wird sich unter Umständen schnell in den vielen Einstellungsmöglichkeiten verlieren. Allein auf der Hauptseite der Einstellungen sind 14 einzelne Menüpunkte auswählbar. Unter Ton und Anzeige finden beispielsweise wiederum 20 Unterpunkte Platz. Alles zwar schön dokumentiert und erklärt, an vielen Stellen wirkt alles aber trotzdem überfüllt und undurchsichtig.

Etwas gewöhnungsbedürftig sind die drei Menütasten unterhalb des Displays. Eine Home-Taste in der Mitte führt den Nutzer wie beim iPhone auf die Standard-Startseite zurück. Diese Taste muss auch tatsächlich gedrückt werden, damit sie regagiert. Links (Taste zum Aufrufen diverser Menü-Funktionen) und rechts daneben (Zurück-Taste) wurden Sensor-Tasten in die Display-Oberfläche integriert, die schon bei einer leichten Berührung reagieren.

HD-Kamera inklusive

In das Samsung Galaxy S wurde darüber hinaus eine Digitalkamera integriert, die Fotos mit bis zu 5 Megapixeln und Videos auf Wunsch in HD-Qualität (720p / 1.280x720 Pixel) aufnimmt. Allerdings ist auch im Kameramodus eine gewisse Eingewöhnungsphase notwendig.

Das Display dient zwar wie gewohnt als Sucher, eine spezielle, in das Gehäuse des Handys integrierte Kamerataste sucht der Nutzer jedoch vergeblich. Wer ein Foto aufnehmen möchte, muss vielmehr wie beim iPhone auf dem Bildschirm herumdrücken. Der Autofokus aktiviert sich erst, wenn der digitale Auslöse-Knopf etwas länger gehalten wird. Mit dem Loslassen wird das gewünschte Motiv in Form einer Bilddatei im Speicher des Handys abgelegt.

Wie von Samsung-Smartphones gewohnt, sind die Einstellungsmöglichkeiten der Kamera sehr vielfältig. Im Foto-Modus stehen 10 Aufnahmemodi (unter anderem SmileShot und Cartoon [siehe Testfoto]) sowie 14 Szenen-Modi (zum Beispiel für Gegenlicht-, Nacht- oder Feuerwerk-Aufnahmen) zur Verfügung. Ein Selbstauslöser aktiviert sich nach 2, 5 oder 10 Sekunden, die Auflösung ist in acht Stufen von 640x480 Pixel auf bis zu 2.560x1.920 Pixel den eigenen Wünschen entsprechend regulierbar. Im Video-Modus wird die Auflösung in fünf Stufen eingestellt - von 176x144 bis bis zu 1.280x720 Bildpunkte.

Gute Bild- und Videoqualität

Qualitativ machen sowohl Fotos, als auch Videos viel Spaß. Vorausgesetzt, die Lichtverhältnisse stimmen. Sobald es dämmert oder eine gute Beleuchtung fehlt, rauscht die Bildqualität wie bei fast allen Handykameras in den Keller. Erheblicher Schwachpunkt in diesem Zusammenhang: es fehlt an einem Fotolicht. Teilweise wirken die Fotos zudem bei starker Sonneneinstrahlung überbelichtet. Außerdem ist in Originalgröße bei hoher Auflösung ein leichtes, weißes Grundrauschen zu erkennen. Und trotzdem: insgesamt ist die Bild- und Video-Qualität für Otto-Normal-Nutzer mehr als in Ordnung.

Wichtig ist bei einem Touchscreen-Handy auch ein Blick auf die Funktionen der virtuellen QWERTZ-Tastatur. Und die kann sich wie beim Samsung Wave oder dem iPhone sehen lassen. Durch das große Display haben die einzelnen Buchstaben sowohl im Hoch-, aber vor allem im Querformat eine beachtliche Größe, die einem weitestgehend bequemen Schreiben von SMS und E-Mails nicht im Wege stehen.

Android Market: Umfangreicher App Store

Beeindruckend ist darüber hinaus die inzwischen ordentliche Fülle des Android Market. Er bietet die Möglichkeit, aus rund 90.000 Apps (Stand: Mitte Juli 2010) die für den eigenen Gebrauch passenden herunterzuladen. Schnellstart-Icons werden im Hauptmenü des Handys abgelegt, können auf Wunsch aber auch auf die Start-Bildschirme gezogen werden. Neben vielen englischsprachigen Programmen sind auch schon viele deutsche Angebote verfügbar. Zum Beispiel ein Railnavigator von der Deutschen Bahn, Sport-Informationen von ran oder kicker sowie aktuelle Nachrichten von nachrichten.de oder ein TV-Programm-Manager der Telekom. Viele Apps sind kostenlos, häufig werden aber auch Gebühren fällig.

Fazit: Samsung Galaxy S als iPhone-Alternative

Samsung beweist auch mit dem Galaxy S, dass es inzwischen richtig gute Alternativen zum iPhone gibt. Zwar kann der Android Market noch nicht den Umfang von Apples App Store erreichen, sehr wohl aber schon einen richtig ordentlichen Umfang vorweisen. Gegenüber dem Samsung Wave kann das Galaxy S in diesem Segment sogar Pluspunkte sammeln, weil das Wave nur Zugriff auf das (noch) spärliche Angebot des Samsung App Store bietet. Dafür liefert das Galaxy S wiederum das größere Display, aber auch eine billig wirkende Verarbeitung komplett auf Basis einer Plastik-Ummantelung. Insgesamt kann aber auch das Android-Smartphone in praktisch allen Bereichen überzeugen und erreicht eine der besten Smartphone-Wertungen, die von unserer Redaktion je vergeben wurden.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass das Galaxy S nach Möglichkeit nur mit einer Daten-Flatrate genutzt werden sollte. Viele (auch bereits vorinstallierte) Applikationen kommunizieren mit dem Internet, sobald sie einmal eingerichtet sind. Zwar ist es möglich, die Daten-Synchronisation über die Einstellungen zu deaktivieren, dann macht aber das ganze Telefon an sich nur noch halb soviel Spaß. Beispielsweise sind dann die Google-Sprachsuche oder die kostenlose Navigation auf Basis von Google Maps nur gegen Aufpreis nutzbar.

Praktisch ist auch, dass das Galaxy S eine WLAN Tethering-Funktion liefert. Sie verwandelt das Handy in einen kleinen Hotspot. Dadurch wird es beispielsweise möglich, ein Notebook mit dem Handy zu koppeln, um über das Notebook drahtlos im Internet zu surfen.

Kein Smartphone-Schnäppchen

Außerdem darf bei aller Euphorie nicht vergessen werden, dass das neue Samsung Smartphone zwar viel kann, aber auch recht viel kostet. Ohne Vertrag müssen aktuell immerhin etwa 430 Euro auf den Tisch gelegt werden. Das iPhone 4 kostet zwar deutlich mehr, das Samsung Wave bei ähnlicher Ausstattung und etwas kleinerem Display aber spürbar weniger.

Name: Galaxy S I9000
Hersteller: Samsung
Preis: ca. 430 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 2.1
Antenne: GSM Quadband, EDGE, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 122x64x10 Millimeter
Gewicht: 118 Gramm
Display: 4,0 Zoll, 480x800 Pixel, 16 Millionen Farben
Speicher: 8 GB intern
über microSD auf 32 GB erweiterbar
Schnittstellen: USB, Bluetooth 3.0, WLAN b/g/n
Digitalkamera: 5 Megapixel mit Autofokus & HD-Videos
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, Datenkabel
Extras: MP3-Player, Bluetooth, WLAN, aGPS, HD-Kamera
Akkulaufzeit im Test: ca. 8 Stunden Sprechzeit
ca. 23 Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
kontraststarkes Super AMOLED-Display
großes 4,0 Zoll Display
Display nicht anfällig für Kratzer
WLAN-Schnittstelle
1 Gigahertz Prozessor
übersichtliches Menü
WLAN Tethering möglich
kein Fotolicht
Fotos teils zu stark belichtet
Anfällig für Fingerabdrücke
billige Verarbeitung
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): befriedigend
Akkulaufzeit (20%): sehr gut
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (1,5)
Preis-Leistung: befriedigend

(Hayo Lücke)

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