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Samsung Galaxy S III im Test

Das neue Flaggschiff aus dem Hause Samsung Mobile kommt mit einem Quad-Core-Prozessor, 8-Megapixel-Kamera und vielen anderen Extras in den Handel. Wir haben das Samsung Galaxy S III getestet.

Samsung Galaxy S3© Samsung

Über kaum ein Smartphone wurde in den vergangenen Tagen so viel berichtet, wie über das neue Flaggschiff von Samsung Mobile, das Galaxy S III. Dass sich das Telefon im oberen Drittel der Ranglisten namhafter Mobiltelefone tummeln würde, war im Prinzip schon nach der Präsentation des Geräts in London klar. Denn die technischen Spezifikationen können sich nicht nur sehen lassen, sondern sie stellen die Konkurrenz in vielen Fällen sogar in den Schatten. Doch was liefert das Galaxy S III im Alltag? Das haben wir rund eine Woche lang auf die Probe gestellt.

Smartphone im Plastik-Kleid

Wer sich das neueste Galaxy-Smartphone zulegt, wird vor allem eines schnell feststellen: das Telefon ist für seine üppigen Abmessungen von 137 x 71 x 9 Millimeter sehr leicht: gerade einmal 133 Gramm bringt es auf die Waage. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass bei der Fertigung besonders leichte Materialien verwendet wurden. Und in Fall des S III bedeutet das vor allem eines: Plastik; auch wenn Samsung Wert darauf legt, dass das Gehäuse aus Polycarbonat, einem besonders harten und dadurch kratzfeste(re)n Kunststoff, gefertigt wurde.

Tatsächlich fühlt sich das Telefon aber leider anders als Apples iPhone oder Top-Modelle der One-Serie von HTC alles andere als wertig an, Das ist ziemlich schade wenn man sich ein Smartphone zulegt, das ohne Vertrag ein paar hundert Euro kostet. Es wäre aber ein Jammern auf ziemlich hohem Niveau, würde man Samsung nur für die wenig wertige Ummantelung kritisieren. Denn zweifelsohne gehört das S III zum Besten, was der Smartphone-Markt aktuell zu bieten hat.

Da wäre zum Beispiel der HD Super AMOLED-Touchscreen, der bei einer Auflösung von satten 1.280 x 720 Pixeln 16 Millionen Farben darstellen kann. Satte Kontraste und auf Fotos eine sehr natürliche Farbgestaltung sind nur zwei Vorzüge. Auch sehr schnelle Reaktionszeiten sorgen dafür, dass es bei der Bedienung des Displays im Prinzip nichts zu meckern gibt. In wenigen Worten könnte man sagen: der Bildschirm macht einfach Spaß - selbst unter freiem Himmel bei starker Sonneneinstrahlung.

Display im Giga-Format

Wäre da nicht ein kleines Aber. Denn auch wenn der Trend bei vielen Smartphones zu einem großen Display geht, ist die Bedienung ab einer Größe von mehr als 4,3 Zoll in der Regel nicht mehr komfortabel. Insbesondere Inhalte in den oberen Ecken sind für Rechts- bzw. Linkshänder mit dem Daumen nur schwierig zu erreichen. Und dieses Problem tut sich auch beim Galaxy S III auf. Denn getrieben vom Erfolg des Galaxy Note mit einer Display-Größe von 5,3 Zoll hat sich Samsung dazu verleiten lassen, dem Galaxy S III eine üppige 4,8 Zoll Display-Diagonale zu spendieren.

Doch auch hier gilt: so schwierig die Bedienung in mancherlei Situationen auch sein mag, so sehr lernt man die Vorzüge eines großen Bildschirms beim Surfen durch das Internet oder beim Betrachten von Videos schätzen. Am Ende muss jeder Nutzer selbst entscheiden, ob er sich lieber ein etwas kompakteres Mobiltelefon zulegen möchte oder eben einen Giganten wie das S III verwendet.

Bei der Verarbeitung gibt sich Samsung keine Blöße. Displayrand und Rahmen gehen sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite fast fließend ineinander über, die Akkuabdeckung ist über eine kleine Einkerbung an der Kopfseite schnell und unkompliziert vom eigentlichen Handykörper zu lösen. Die Kameralinse ragt auf der Rückseite allerdings ein kleines Stück aus dem Gehäuse heraus. Jedoch weit weniger stark als zum Beispiel bei den HTC-Modellen One S und One X. Unter der Rückseitenabdeckung lässt sich nicht nur der Akku austauschen, sondern auch eine MicroSD-Karte und eine MicroSIM einlegen. Mit einer Standard-SIM-Karte ist das Telefon demnach nicht nutzbar. Insgesamt wirkt das Telefon im Vergleich zu seinen Vorgängern aufgrund der stark abgerundeten Kanten weit weniger markant.

Volle Prozessor-Power

Dass des Galaxy S III in der Liga der Top-Smartphones mitspielen will, wird auch bei einem Blick auf den integrierten Prozessor deutlich. Hier haben es sich die Südkoreaner nicht nehmen lassen, dem Telefon ein Quad-Core-Modell mit einer Taktrate von je 1,4 Gigahertz einzubauen. Ergänzend wird 1 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite gestellt und ein interner Speicher von 16 Gigabyte gewährt. Zu nicht unwesentlichen Teilen ist der aber schon durch das vorinstallierte Android-Betriebssystem der Version 4.0.4 Ice Cream Sandwich belegt. Immerhin knapp 5 Gigabyte nimmt das Handy-OS in Beschlag. Deswegen kann es mit der Zeit durchaus Sinn machen, eine separate MicroSD-Karte einzusetzen. Anders als bei vielen anderen Telefonen darf die sogar bis zu 64 Gigabyte groß sein.

Über das eigentliche Betriebssystem hat Samsung wie gewohnt die aktuelle Version der Touchwiz-Oberfläche gelegt. Dadurch ist es zum Beispiel möglich, die Bildschirmsperre per Wischbewegung an einer beliebigen Stelle auf dem Display zu entfernen. Praktisch: Das virtuelle Tastenfeld, ChatOn-Messenger, Internetbrowser und Kamera können mit einer Wischbewegung direkt vom Lockscreen aktiviert werden.

Die am häufigsten genutzten Apps lassen sich nach eigenem Befinden auf einem der zahlreichen Homescreens ablegen. Gleiches gilt für eine große Anzahl verfügbarer Widgets. Durch das eigentliche Hauptmenü wird von links nach rechts oder umgekehrt navigiert. Mit nur einem Fingertipp werden alle Apps angezeigt, die aus dem Google Play Market heruntergeladen wurden.

Zwei Sensortasten nutzbar

Die Bedienung des Telefons erfolgt in den meisten Fällen direkt über den Touchscreen. Ergänzend stehen neben einer schmalen, rechteckigen Hometaste auch zwei beleuchtete Sensortasten zur Nutzung bereit, die das Aufrufen von Menüunterpunkten ermöglichen (links) oder als Zurücktaste (rechts) genutzt werden können. Viele weitere Tasten gibt es nicht. Einer Wipptaste zur Lautstärkeregulierung an der linken Seite steht rechts ein Knopf zum Ein- und Ausschalten des Telefons gegenüber. Der Kopfhörereingang findet sich an der Kopfseite, am Fußende ein USB-Anschluss, der auch zum Aufladen verwendet wird.

Apropos Aufladen: Samsung hat dem S III einen Akku mit einer Kapazität von 2.100 mAh spendiert und der verdient es tatsächlich lobend erwähnt zu werden. Wenn MP3-Player, Kamera oder GPS-Verbindung nicht dauerhaft genutzt werden, lässt sich das Smartphone locker ein bis zwei Tage nutzen - selbst bei dauerhaft aktivierter Datenverbindung. Auf Wunsch ist über die Einstellungen zusätzlich ein Energiesparmodus zuschaltbar.

Natürlich darf es bei einem Smartphone der Highend-Klasse auch nicht an integrierten Kameras fehlen. Samsung hat sich für das S III dazu entschieden, auf der Vorderseite eine 1,9-Megapixel-Kamera für Selbstportraits und Videochats zu integrieren und auf der Rückseite eine Kamera mit einer Auflösung von bis zu 8 Megapixeln zu verbauen.

Umfangreiche Liste an Kamera-Extras

Auf dem Papier liefert die Hauptkamera eigentlich alles, was man sich von einer Smartphone-Cam heutzutage wünschen kann. Sechs Auflösungsstufen, ein Autofokus, der die Bildschärfe selbständig noch vor Beginn der eigentlichen Aufnahme optimiert, sage und schreibe 13 Szenen-Modi wie Nachtmodus, Morgendämmerung oder Feuerwerk, ein Bildstabilisator und außerdem ein leistungsstarkes Kameralicht. Im Videomodus sind Aufnahmen in Full-HD-Qualität mit 1.080p möglich und es steht sogar ein vierfacher Digitalzoom zur Verfügung. Während einer Videoaufnahme stellt der integrierte Autofokus die Helligkeit und die Schärfe zuverlässig neu ein - wenn auch manchmal mit Verzögerung.

Beeindruckender ist das Tempo, das die Kamera vorlegt, wenn ein Foto aufgenommen werden soll. Kaum wurde auf dem Display der Auslöser gedrückt, ist das Foto auch schon im Flashspeicher abgelegt worden. Das macht richtig Spaß und geht bei guten Lichtverhältnissen auch nicht zu Lasten der Qualität. Kommen allerdings Bewegungen von Menschen, Tieren oder Gegenständen ins Spiel, stößt auch die Kamera des S III schnell an ihre Grenzen. Dann verlieren Bilder schnell an Schärfe. Bei einsetzender Dunkelheit legt sich zudem ein Bildrauschen über die Aufnahmen. Trotzdem macht es vor allem bei Tageslicht richtig Spaß, Fotos und Videos aufzunehmen. Mit der "Best-Photo"-Funktion ist es möglich, acht Fotos in Serie aufzunehmen und das persönliche Lieblingsbild auszuwählen. Aber auch hier gilt: bei sich bewegenden Objekten kann das vorkommen, dass keins der Bilder eine wirklich überzeugende Qualität besitzt.

Kein LTE an Bord

Fit für die Zukunft präsentiert sich das Telefon an anderer Stelle. So wurde zum Beispiel ein NFC-Chip integriert, der es in Zukunft zum Beispiel ermöglicht, bargeldlos zu bezahlen. Auch eine Bluetooth-Schnittstelle (Version 4.0) fehlt nicht. Dafür aber - und das ist durchaus überraschend - LTE-Unterstützung. Zwar sind die LTE-Netze in Deutschland noch nicht flächendeckend verfügbar, trotzdem hätte dem Smartphone eine LTE-fähige Antenne gut zu Gesicht gestanden. Auch vor dem Hintergrund, dass es den Vorgänger Samsung Galaxy S II inzwischen ebenfalls als LTE-Version zu kaufen gibt.

So müssen sich Nutzer des S III damit zufrieden geben, in UMTS-Netzen auf HSPA+ mit einer maximal möglichen Download-Geschwindigkeit von 21 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zurückgreifen zu können. Uploads sind auf Basis von HSUPA mit bis zu 5,8 Mbit/s möglich. Außerdem bemerkenswert: Die integrierte WLAN-Schnittstelle unterstützt nicht nur den Frequenzbereich von 2,4 Gigahertz, sondern auch jenen von 5 Gigahertz.

Für Freunde der musikalischen Unterhaltung hat Samsung nicht nur einen MP3- und Videoplayer integriert, sondern auch ein Radio mit RDS-Funktion. Darüber hinaus liefert der so genannte Music-Hub für 9,99 Euro pro Monat Zugriff auf mehr als 17 Millionen Songtitel.

Außerdem hat Samsung versucht, das Galaxy S III in direkter Konkurrenz zum iPhone 4 S mit einer Sprachsteuerung auszustatten. Sie nennt sich S Voice und ist (noch) ziemlich unausgereift. Nur wenige Sprachbefehle - zum Beispiel den Wetterbericht abrufen oder die WLAN-Schnittstelle ein bzw. ausschalten - funktionieren wirklich zuverlässig. Vorausgesetzt, eine Datenverbindung ist aktiviert. Am Ende fällt das aber nicht wirklich schwer ins Gewicht, weil wohl nur eine Minderheit eine solche Funktion tatsächlich nutzen wird.

Viele Software-Extras

Deutlich praktischer sind da schon eher Extras wie die "Direct-Call"-Funktion. Die Idee dahinter: entsteht während des Schreibens einer SMS der Wunsch, den Empfänger doch lieber anzurufen, soll es ausreichen, das Telefon nur ans Ohr zu halten. Das automatische Anwählen der Telefonnummer übernimmt im Anschluss das Telefon. Auch dann, wenn ein im Adressbuch gespeicherter Kontakt ausgewählt wird. Im Test funktionierte das aber nur recht unzuverlässig.

Ein echter Mehrwert ist hingegen die "Smart stay"-Funktion. Mit Hilfe der Frontkamera erkennt das S III automatisch, ob zum Beispiel ein E-Book gelesen oder im Internet gesurft wird. Ist das der Fall wird das störende Einschalten der Bildschirmsperre deaktiviert. Ebenfalls praktisch: die vergleichsweise große Status-LED auf der Vorderseite. Verpasste Anrufe und Nachrichten werden durch ein deutlich sichtbares Blinken signalisiert. Ist der Raum komplett abgedunkelt, leuchtete bei unserem Testmodell sogar der weiße Rahmen der Vorderseite.

Fazit: Wenige Schwächen sorgen für Top-Platzierung

Wer sich damit abfinden kann, dass integrierte Software-Extras wie S Voice oder Direct Call nicht wirklich zuverlässig funktionieren, erhält mit dem Samsung Galaxy S III ein Smartphone, das sich nicht nur optisch, sondern auch gemessen an den technischen Spezifikationen sehen lassen kann. Brillanter (vielleicht etwas zu großer) Bildschirm, starke Perfomance, und eine tolle Kamera sorgen für reichlich Spaß im Multimedia-Alltag. Hinzu kommt eine rundum ordentliche Gesprächsqualität, die nichts von blechernem Ton oder Echos hören lässt. Schade ist, dass das S III kein LTE unterstützt. Es ist aber durchaus denkbar, dass im Laufe der nächsten Monate wie beim Vorgänger S II eine LTE-Version nachgeschoben wird.

Aber - und auch das ist für viele Interessenten sicherlich wichtig - das S III gehört aktuell zu den teuersten erhältlichen Smartphones. Mindestens 566 Euro werden im Online-Fachhandel für die 16-Gigabyte-Version fällig, der Internethändler Amazon listet das Gerät aktuell für knapp 585 Euro. Wer es günstiger will, erhält es aber auch zu subventionierten Preisen in Verbindung mit einem Mobilfunkvertrag. Momentan ist das Flaggschiff aus dem Samsung-Imperium nur in Weiß zu haben, im Laufe der nächsten Wochen soll auch eine dunkelblaue Version folgen. Mit ein bisschen Internet-Recherche sind hierzulande auch die S III-Versionen mit 32 bzw. sogar 64 Gigabyte Flash-Speicher erhältlich - für bis zu 800 Euro.

Name: Galaxy S III (I9300)
Hersteller: Samsung Mobile
Internet: www.samsung.de
Preis: ab ca. 566 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android (Version 4.04 Ice Cream Sandwich)
Prozessor: 1,4 Ghz. Quad Core
Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte
SIM: Micro-SIM
Antenne: GSM Quadband (850, 900, 1.800, 1.900 Megahertz)
UMTS (850, 900, 1.900, 2.100 Megahertz)
Abmessungen: 137 x 71 x 9 Millimeter
Gewicht: 133 Gramm
Display: 4,8 Zoll, 1.280 x 720 Pixel, 16 Mio. Farben
Speicher: 16 GB intern;
per microSD um bis zu 64 GB erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth 4.0, WLAN, NFC
Digitalkamera: 8 Megapixel Kamera, Digitalzoom, Autofokus
HD-Videofunktion (1.080p), Frontkamera (1,9 Mpx.)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset inkl. Ohrstöpsel in verschiedenen Größen, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,34 W/kg (sehr gering)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung
Akkulaufzeit im Test: 10-12 Stunden Sprechzeit
24-36 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
gute Verarbeitung
starke Performance
ordentliche Kamera
brillantes Display
solide Akkulaufzeit
Status LED
S Voice Sprachsteuerung unausgereift
keine LTE-Unterstützung
teuer in der Anschaffung

Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote sehr gut (1,4)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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