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Samsung Galaxy S II im Test - Das Fliegengewicht

Mit dem Galaxy S II definiert Samsung Mobile das Segment des Multimedia-Smartphones neu. Trotz einiger kleiner Schwächen kann das Telefon im Test rundum überzeugen.

Samsung Galaxy S2© Samsung

Ein Smartphone muss überzeugen; am besten direkt in den ersten Nutzungsstunden. Samsung ist genau das mit dem Android-Telefon Samsung Galaxy S (I9000) gelungen. Das Multimedia-Telefon kam vor rund einem Jahr auf den Markt und hat sich seitdem mit über zehn Millionen verkauften Einheiten zu einem echten Verkaufsschlager entwickelt. Auch heute ist das Gerät noch eine gern gesehene Alternative zu iPhone und Co. Nun muss es sich aber neuer Konkurrenz stellen - aus dem eigenen Hause. Mit dem Galaxy S II (I9100) ist seit wenigen Wochen der offizielle Nachfolger im Handel erhältlich und der Hersteller hat - so viel sei an dieser Stelle schon einmal verraten - noch einmal ordentlich draufgelegt. Wir haben das neue Flaggschiff von Samsung Mobile einem umfangreichen Test unterzogen.

Reichlich Platz für Daten ist vorhanden

Geliefert wird das Galaxy S II mit einem 1650 Li-Ion-Akku, Ladegerät, USB-Datenkabel sowie Stereo-Ohrhörer inklusive zusätzlichen Ohrstöpseln in verschiedenen Größen. Der Speicher wurde im Vergleich zum Vorgänger auf 16 Gigabyte (GB) verdoppelt und liefert reichlich Platz für Dokumente, Fotos, Videos und Musikdateien. Hinzu kommen 2 GB Systemspeicher für Apps und Adressbuch-Daten. Und wem das immer noch nicht reicht, der kann einen Slot für eine optional erhältliche microSD-Karte nutzen, um den Speicherplatz noch einmal um bis zu 32 GB zu erweitern. Mobile Unterhaltung unterwegs ist also garantiert.

Auffällig: bei der Fertigung des Galaxy S II wurde auf besonders hochwertige Materialien verzichtet. Plastik ist Trumpf und das wird umgehend deutlich, wenn das Gerät fertig zusammengebaut in der Hand gehalten wird. Trotz eines großen 4,27 Zoll-Displays (10,85 Zentimeter) bringt das Multimediatelefon gerade einmal 116 Gramm auf die Waage. Das klingt nach viel, erweist sich in der Praxis aber als Fliegengewicht. Dem einen mag das gefallen, der andere wird sich mehr darüber ärgern, dass sein Highend-Smartphone nicht den ultimativen Glamour versprüht und in Sachen Wertigkeit hinter anderen Modellen deutlich zurückstecken muss.

Spürbar wird das schon beim Einlegen des Akkus. Um den Energiespeicher vor neugierigen Blicken zu schützen, wird eine Kunststoff-Abdeckung auf die Rückseite des Telefons gesteckt, die nicht nur das Gewicht einer Feder hat, sondern auch sehr zerbrechlich wirkt. Auffällig auch: Während die SIM-Karte jederzeit gewechselt werden kann, ohne den Akku aus dem Gerät nehmen zu müssen, ist das in Bezug auf die microSD-Karte nicht möglich. Der Speicherkarten-Schacht liegt unmittelbar oberhalb des eingelegten Akkus und macht ein Entfernen des selbigen notwendig, um die microSD-Karte zu tauschen.

Neu: Kies Air erlaubt Datei-Verwaltung per WLAN

Das gibt zwar Abzüge in der B-Note, ist aber nicht weiter tragisch. Denn natürlich bietet auch das Galaxy S II die Möglichkeit, auf der microSD-Karte gespeicherte Daten per USB-Kabel auf einen Rechner zu laden. Darüber hinaus ist auf dem Telefon die neue Software "Kies Air" installiert. Sie macht es möglich, dass Dateien vom Telefon per WLAN auf einen Rechner übertragen werden. Dazu muss nur eine vom Telefon generierte IP-Adresse in den Browser am PC eingetippt, anschließend eine Daten-Synchronisation zwischen Rechner und Smartphone gestattet werden und schon ist eine Datei-Verwaltung über den Browser am PC möglich. Auf Windows 7-Rechnern funktionierte das im Rahmen unseres Tests prima, mit Windows XP eher weniger zuverlässig.

In Sachen Verarbeitung macht das Galaxy S II eine rundum überzeugende Figur. Abgerundete Kanten, kaum Rillen und Spalten, in denen sich Schmutz und Staub absetzen kann und eine Akkuabdeckung, die mit ihrer geriffelten Oberfläche für einen guten Halt in der Hand sorgt.

Nicht ohne Schwächen

Schwachpunkte haben wir aber auch entdecken können. Zum einen mussten wir auf der Rückseite des Telefons am unteren Ende schon nach wenigen Wochen Abnutzungserscheinungen in Form diverser Schrammen feststellen. Und das, obwohl wir das Telefon lediglich tagein, tagaus auf dem Redaktionsschreibtisch abgelegt haben. Und auch das Display ist durchaus anfällig für Kratzer. Statt gehärtetem Glas kommt auch an dieser Stelle nur eine Kunststoff-Variante zum Einsatz. Unbeabsichtigt mussten wir darüber hinaus feststellen, dass das Gehäuse alles andere als stabil ist. Einen Sturz auf den Bürgersteig quittierte das Samsung Galaxy S II mit einer leicht aufgeplatzten Ummantelung. Nicht auszuschließen, dass dieses Schicksal in ganz ähnlicher Form auch anderen Smartphones drohen würde, eines macht unser unfreiwilliges Fall-Experiment aber deutlich: das (nicht gerade günstige) Handy in eine Schutzhülle zu packen, macht durchaus Sinn.

Doch was viel wichtiger ist: wieder einmal zeigt Samsung, was hochwertige Display-Technik in der heutigen Zeit bereits leisten kann. Denn wer das Galaxy-Smartphone nutzt, wird nicht nur mit satten Kontrasten, sondern auch kraftvollen Farben verwöhnt. Auch der Schärfegrad von Texten wurde nach Angaben des Herstellers noch einmal verbessert. Und die lassen sich auch dann noch ordentlich ablesen, wenn das Handy unter freiem Himmel mit starker Sonneneinstrahlung verwendet wird. Selbstverständlich wirken alle Farben dann deutlich blasser, es ist aber weiterhin möglich, durch das Menü zu navigieren. Auch, wenn es die Augen etwas mehr anstrengt.

Flotte Performance

Erfreulich ist zudem, wie einfach es inzwischen ist, durch das Handy-Menü zu navigieren. War es früher noch an der Tagesordnung, dass mit Daumen oder Finger ordentlich Druck auf das Display ausgeübt werden musste, um zwischen den einzelnen Menüseiten hin und her zu navigieren, reicht beim Galaxy S II ein leichter Wischer oder Antipper über den Touchscreen aus. Auch das Scrollen und Zoomen per Multitouch geht leicht von der Hand. Möglich macht das alles die neue Super AMOLED Plus-Technologie, die beim Galaxy S II erstmals zum Einsatz kommt. Seinen Anteil hat aber auch die neue TouchWiz 4.0-Oberfläche, die von Samsung über das standardmäßige Android-Menü gelegt wurde. Die Display-Auflösung liegt bei 800x480 Pixeln, 16 Millionen Farben lassen sich darstellen. Zweifelsohne setzt Samsung in Display-Segment wieder einmal neue Maßstäbe.

Herzstück des neuen Multimedia-Handys ist ein Dual-Core-Prozessor, der mit einer Taktung von 1,2 Gigahertz für eine ordentliche Performance sorgt. Der neuartige Prozessor lässt nicht nur das flüssige Daddeln von grafisch anspruchsvollen Games zu, sondern auch die Nutzung von mehreren Apps im Parallelbetrieb. Zudem werden auf dem Smartphone installierte Programme binnen weniger Augenblicke geöffnet und auch die Installation von Apps geht rascher über die Bühne.

Home-Taste wie beim iPhone

Entsprechend flüssig ist auch die Navigation durch das Menü von Android 2.3 möglich. Dafür wird nicht nur der Touchscreen genutzt, sondern auch eine unterhalb des Bildschirms integrierte Home-Taste, wie man sie unter anderem vom iPhone kennt. Praktisch: ein Doppelklick der Home-Taste aktiviert eine Sprachsteuerung, mit der zum Beispiel eine Nutzung im Auto vereinfach wird.

Alternativ lassen sich durch längeres Drücken die zuletzt verwendeten Anwendungen aufrufen, einen Klick weiter wartet ein vorinstallierter Task-Manager für die Programmverwaltung. Flankiert wird die Home-Taste durch jeweils eine Sensor-Taste auf beiden Seiten: Menü-Taste links und Zurück-Taste rechts. An der rechten Seite findet sich zudem ein Knopf zum Ein- und Ausschalten des Telefons, der auch die Displaysperre (de)aktiviert. Auf der Gegenseite ist eine Wipp-Taste zur Lautstärkeregulierung untergebracht.

Richtig Spaß macht die integrierte Kameratechnik. Einmal mehr wird deutlich, zu was Smartphones in Sachen Fotos und Videos heutzutage fähig sind. Die Auflösung ist im Foto- und Videomodus sechsstufig regulierbar, diverse Szenen- und Aufnahmemodi - zum Beispiel eine einfach zu bedienende Panoramabild-Funktion - stehen zur Verfügung. Die maximal mögliche Auflösung für Fotos liegt bei 3264x2448 Pixeln (8 Megapixel), Videos sind in HD-Qualität mit maximal 1920x1080 Bildpunkten (1080p) möglich. Das Ergebnis? Sowohl im Foto- als auch im Videomodus rundum gut. Bereits vorinstalliert sind einfache aber durchaus brauchbare Apps zur Bild- und Videobearbeitung. So macht das Fotografieren auch mit dem Handy Spaß. Wer auf Videotelefonate steht, kann komplikationslos auf eine 2-Megapixel-Frontkamera ausweichen.

Vier Entertainment-Hubs

Für Übersicht im Android-Menü möchte Samsung mit vier eigens eingerichteten Entertainment-Hubs sorgen. In diesen Ordnern werden Inhalte und Funktionen übersichtlich gebündelt und einheitlich verwaltet. Im Game Hub werden heruntergeladene Spiele zusammengefasst, der Readers Hub erlaubt den Download von digitalen Büchern, Zeitschriften und Zeitungen (größtenteils englischsprachig), im Music Hub werden MP3-Dateien übersichtlich zusammengefasst und es ist der Download von mehr als 13 Millionen Titeln möglich. Außerdem steht der schon von anderen Samsung-Telefonen bekannte Social Hub zur Nutzung bereit. Hier werden zum Beispiel E-Mail-, Twitter- und Facebook-Nachrichten gesammelt und dem Nutzer übersichtlich in einem Nachrichten-Stream präsentiert. Auch diverse Konten von Instant Messengern lassen sich hier ablegen. Das in Deutschland beliebte ICQ wird aber im Gegensatz zu Google Talk, Windows Live Messenger oder Yahoo Messenger nicht unterstützt.



Nutzbar ist das neue Samsung-Handy nicht nur in allen GSM-Netzen rund um den Erdball, sondern auch überall dort, wo ein UMTS-Netz aufgebaut wurde. Datenverbindungen sind auf Basis von HSPA+ mit maximal 21 Megabit pro Sekunde im Downstream und per HSUPA mit bis zu 5,8 Mbit/s im Upload möglich. Ergänzend dazu steht eine WLAN-Schnittstelle zur Verfügung. Zu beachten ist: egal auf welche Art und Weise eine Datenverbindung aufgebaut wird, sie saugt massiv Akku-Kapazität. Im Schnitt verlangt das Galaxy S II nach 18 bis 24 Stunden nach einer Energiezufuhr. Für ein Smartphone sind das aber Werte, die durchaus normal sind. Ebenfalls mit an Bord: eine Bluetooth-Schnittstelle und ein TV-Ausgang. Einen separaten HDMI-Anschluss liefert das Telefon nicht, optional ist von Samsung aber ein entsprechender Adapter erhältlich.

Fazit: Eines der besten Smartphones seiner Zeit

Samsung Mobile ist es mit dem Galaxy S II gelungen, einen neuen Meilenstein auf dem Smartphone-Markt zu setzen. Auch wenn das Telefon (noch) keine NFC-Funktionalität zum bargeldlosen Bezahlen bietet, kann sich der Umfang an Extras sehen lassen. Gegenüber der Konkurrenz kann das Smartphone-Flaggschiff vor allem mit seiner beeindruckenden Display-Technik punkten. Der große Touchscreen lässt zudem ein komfortables Browsen durch das Internet zu und die SMS-Eingabe ist sowohl im Hoch- als auch im Querformat ohne Komplikationen möglich.

Auch die integrierte Kamera liefert bei ordentlichen Lichtverhältnissen rundum zufriedenstellende Ergebnisse. Als zumindest irritierend dürfte sich für den ein oder anderen die Tatsache entpuppen, dass sich das Galaxy S II als echtes Fliegengewicht präsentiert. Fast kann beim Transport in der Hosentasche der Eindruck entstehen, das Handy sei trotz seiner eigentlich üppigen Ausmaße gar nicht da. Auch die Verbindung zu GPS-Satelliten braucht mitunter schon einmal zwei Minuten oder länger, was die Nerven des Nutzers bei der Navigation im Auto oder vor Beginn einer Jogging-Einheit in Kombination mit einer Running-App durchaus auf die Probe stellen kann.

Dass all die schöne, neue Technik ihren Preis hat, wird auch beim neuen Samsung-Smartphone deutlich. Im Handel wird das Galaxy S 2 ohne Vertrag ab 520 Euro angeboten. Wer bei Amazon ohne zusätzliche Versandkosten zuschlagen will, muss derzeit (Stand Juni 2011) bereit sein, 545 Euro zu zahlen. Sicherlich kein Schnäppchen, aber ein nicht unberechtigter Preis.

Name: Galaxy S II (I9100)
Hersteller: Samsung
Internet: http://www.samsungmobile.de
Preis: ca. 530 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 2.3.3
Antenne: GSM Quadband, EDGE, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 125x66x8,5 Millimeter
Gewicht: 116 Gramm
Display: 4,3 Zoll, 800x480 Pixel, 16 Mio. Farben
Speicher: 16 GB intern
über microSD um bis zu 32 GB erweiterbar
Schnittstellen: USB, Bluetooth, WLAN
Digitalkamera: 8,0 Megapixel, Autofokus, Fotolicht
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, microSD Karte (2 GB), Datenkabel
SAR-Wert: 0,33 W/kg (sehr gering)
Extras: MP3-Player, Radio, Bluetooth, WLAN, GPS
Akkulaufzeit im Test: ca. 8 Stunden Sprechzeit
ca. 4 Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
großer, kontrastreicher Bildschirm
WLAN-Schnittstelle
HSDPA mit bis zu 21 Mbit/s
gute Kamera
1,2 GHz Dual Core Prozessor
mäßiger Akku
Display anfällig für Kratzer
kein NFC-Chip
zum Teil schlechter GPS-Empfang
teuer in der Anschaffung
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote gut (1,6)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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