Testbericht

Samsung Galaxy S Duos im Test - Zwei SIM-Karten in einem Smartphone

Wer regelmäßig zwei SIM-Karten nutzt, kann mit dem Galaxy S Duos von Samsung eine interessante Alternative finden. Allerdings nur, wenn der Nutzer bereit ist, Abstriche bei der Performance zu machen.

SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Es ist schon lange keine Seltenheit mehr, dass von vielen Menschen neben einem privaten Handy auch ein dienstliches Mobiltelefon genutzt wird. Zwei Telefone also, die tagein, tagaus in der Hosen- oder Jackentasche verstaut werden. Es geht aber auch einfacher. Dual-SIM-Telefone machen es möglich, dass zwei SIM-Karten in einem Endgerät genutzt werden. Eines dieser Modelle, das Samsung Galaxy S Duos haben wir uns genauer angesehen.

Dual SIM-Smartphone auf Basis von Android 4.0

Das Android-Smartphone im typischen Samsung-Design mit angerundeten Kanten gestattet hinter der Akku-Abdeckung das Einlegen von zwei SIM-Karten im Standard-Format. Um die Karten einzulegen ist es nicht einmal notwendig, den Akku aus dem Gerät zu nehmen. Schon im Rahmen des Einrichtungsprozesses haben Nutzer die Möglichkeit, auszuwählen, ob standardmäßig nur eine SIM-Karte aktiv sein soll oder beide SIM-Karten im Parallelbetrieb zu arbeiten haben. Dann müssen nach dem Start des Smartphones zwei PIN-Nummern eingegeben werden.

Ein nachträgliches Ändern der Kartenaktivitäten ist über das Einstellungs-Menü in der so genannten "SIM-Kartenverwaltung" jederzeit möglich. Dort lässt sich auch auswählen, welche der eingelegten Karten genutzt werden soll, um eine mobile Datenverbindung aufzubauen. Wichtig: beide SIM-Karten können sowohl im GSM- als auch im UMTS-Modus betrieben werden.

Zu beachten ist ferner, dass eine SIM grundsätzlich als Standard-Karte ausgewählt werden muss. Das ist insofern von Bedeutung, weil Telefonate, die aus dem Adressbuch heraus angewählt werden, über eben diese SIM geführt werden. Nur nach der manuellen Eingabe einer Telefonnummer über das virtuelle Display-Tastenfeld kann ausgewählt werden, ob das Telefonat über SIM 1 oder SIM 2 geführt werden soll.

Mäßige Performance

Erfreulich ist, dass das Samsung Galaxy S Duos auf Basis von Android 4.0.4 (Ice Cream Sandwich) arbeitet und somit einen bunten Mix an aktuellen Smartphone-Funktionen bietet. Umso ärgerlicher ist es, dass dem Mobiltelefon nur eine unzureichende Performance bescheinigt werden kann. Deutlich wird das zum Beispiel beim Starten von Apps oder wenn mehrere Applikationen parallel auf das Telefon geladen werden. Eine flüssige Navigation durch den Google Play Store ist dann nicht mehr möglich.

Auch beim Schreiben von Messenger-Nachrichten oder SMS sind Ruckler nicht wegzudiskutieren. An ein schnelles, komplikationsloses Schreiben von längeren Texten ist auf dem Dual-SIM-Smartphone im Gegensatz zu Highend-Modellen von Samsung wie dem Galaxy S III oder Galaxy Note II nicht zu denken. Geschuldet ist das auch dem eher mäßig reagierenden Touchscreen und der nicht immer zuverlässig arbeitenden Rechtschreibprüfung. Schade auch: der integrierte GPS-Empfänger braucht zum Teil extrem lange, um sich mit den verfügbaren Satelliten zu verbinden. Beobachtet haben wir dieses Phänomen zum Beispiel bei den Apps runtastic und Foursquare.

Vor diesem Hintergrund wäre es schön gewesen, wenn Samsung seinem Dual SIM-Smartphone eine etwas leistungsstärkere CPU spendiert hätte als jenen Single-Core-Prozessor mit einer Taktrate von 1 Gigahertz. Auch 512 Megabyte Arbeitsspeicher sind heutzutage eher unterer Durchschnitt und eine Erklärung dafür, warum das Telefon in Sachen Performance schnell an seine Grenzen stößt.

Durchschnitt ist Trumpf

Durch das Menü wird in weiten Teilen über ein 4,0 Zoll (10,16 Zentimeter) großen Touchscreen navigiert, der zwar 16 Millionen Farben darstellen kann, aber mit einer nur mäßigen Auflösung von 800 x 480 Pixeln zu punkten versucht. Das geschulte Auge erkennt die geringere Pixeldichte sofort, für Otto-Normal-Nutzer reicht das Display im Großen und Ganzen aber aus. Störend sind nur die zum Teil langsamen Reaktionszeiten und die kurzen Hakler, wenn zum Beispiel zwischen den einzelnen Homescreens hin und her navigiert wird.

Unter dem TFT-Display, das übrigens nicht mit einem Helligkeitssensor ausgestattet ist, haben die Samsung-Designer neben einer ovalen Home-Taste auch die für Android typischen beleuchteten Sensor-Menütasten integriert. Die Lautstärke-Wippe wurde an der linken Seite in dem Kunststoff-Gehäuse verbaut, der Knopf zum Ein- und Ausschalten an der rechten Seite.

Dort wurde dem Telefon auch ein Slot für eine MicroSD-Karte (maximal 32 GB) spendiert. Denn der interne Speicher fällt mit 1,78 Gigabyte sehr, sehr knapp aus. Wohlgemerkt: im Lieferumfang ist keine Speicherkarte enthalten und auch an einem Headset hat Samsung beim Galaxy S Duos überraschenderweise gespart. Dabei sind sowohl Medien-Player als auch RDS-UKW-Radio nutzbar.

Keine LTE-Unterstützung

Netztechnisch unterstützt das Telefon wie eingangs erwähnt, sowohl GSM- als auch UMTS-Verbindungen. Auf LTE müssen Nutzer des Samsung Galaxy S Duos hingegen verzichten. Wer das mobile Internet nutzen möchte, kann mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde im Downstream (Mbit/s) online gehen oder über eine WLAN-Verbindung die Download-Geschwindigkeit noch etwas erhöhen. HSPA+ mit 21,1 Mbit/s oder mehr ist nicht nutzbar.

Für Fotofreunde hat Samsung ebenfalls vorgesorgt und eine Digitalkamera mit einer 5-Megapixel-Linse mit vierfachem Digitalzoom und Fotolicht integriert. Testaufnahmen unserer Redaktion wiesen allerdings häufig einen Blaustich auf und es fehlt hier und da an der notwendigen Schärfe. Einen Touch-Fokus müssen Nutzer vergeblich suchen, dafür stellt sich das Bild aber wenigstens kurz vor der eigentlichen Aufnahme noch einmal scharf.

Videomodus ohne HD-Qualität

Das insgesamt auch bei der Kamera der Rotstift angesetzt wurde, wird bei der Video-Auflösung deutlich. Sie liegt maximal bei 640 x 480 Pixeln (VGA) und ist somit weit entfernt von HD-Qualität, die heutzutage selbst in der Smartphone-Mittelklasse zum Standard gehört. Auch die Frontkamera kann mit ihrer VGA-Auflösung niemanden so wirklich vom Hocker hauen.

Der mitgelieferte Akku hat eine Kapazität von 1.500 mAh und hielt im Rahmen unseres Tests bei durchschnittlicher Nutzung des mobilen Internets 20-24 Stunden durch. Standard, aber nicht mehr.

Fazit: Eine etwas lahme Ente

Während man dem Samsung Galaxy S Duos in Sachen Verarbeitung trotz Plastikgehäuse nichts vorwerfen kann, wurde bei der Ausstattung an diversen Stellen leider (zu viel) gespart. Performance, Kamera, Display – immer wieder hat man als Nutzer das Gefühl, dass sich Samsung bei der Fertigung des Telefons an der Resterampe bedient hat. Das ist extrem schade, denn das Smartphone hätte mit seiner Dual SIM-Funktion das Zeug zu einem echten Kassenschlager zu werden. Auch, weil es sich mit der matten und nicht mehr glänzenden Rückseite wertiger anfühlt als andere Galaxy-Modelle.

So ist das schneeweiße und 122 x 63 x 11 Millimeter kleine Smartphone trotz seines geringen Gewichts von 120 Gramm letztlich nur für all jene interessant, die wirklich oft mit zwei SIM-Karten hantieren müssen oder häufig im Ausland unterwegs sind und dort zum Beispiel auf die Vorzüge einer Prepaid-Daten-SIM zurückgreifen möchten. Erhältlich ist das Duos-Smartphone im Online-Fachhandel ab circa 210 Euro. Amazon verschickt das Gerät ohne zusätzliche Versandkosten für rund 229 Euro.

Name: Galaxy S Duos (GT-S7562)
Hersteller: Samsung Mobile
Preis: ab ca. 210 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android (Version 4.0.4 Ice Cream Sandwich)
Prozessor: 1,0 Ghz. Single Core
Arbeitsspeicher: 512 Megabyte
SIM: 2x Standard-SIM
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 122 x 63 x 11 Millimeter
Gewicht: 120 Gramm
Display: 4,0 Zoll, 800 x 480 Pixel, 16 Mio. Farben
Speicher: 1,78 GB intern;
per microSD um bis zu 32 GB erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN
Digitalkamera: 5 Megapixel Kamera, 4x Digitalzoom, Autofokus
VGA-Videofunktion, VGA-Frontkamera
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,47 W/kg (gering)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, RDS-Radio, GPS, WLAN
Akkulaufzeit im Test: 8-10 Stunden Sprechzeit
20-24 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
Betrieb mit zwei SIM-Karten möglich
gute Verarbeitung
Speicher-Erweiterung per MicroSD möglich
sehr überschaubare Performance
mäßige Ausstattung
mäßige Kamera
sehr geringer Speicher

Bewertung:
Bedienung (30%): befriedigend
Ausstattung (20%): ausreichend
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote befriedigend (2,7)
Preis-Leistung: befriedigend

(Hayo Lücke)

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