Testbericht

Samsung Galaxy S Advance im Test

Mit dem Galaxy S Advance positioniert Samsung Mobile den Nachfolger des Galaxy S Plus in der Mittelklasse. Insgesamt ein tolles Telefon mit einer eher schwachen Kamera.

Samsung Galaxy S Advance© Samsung

Es erinnert stark an das Samsung Galaxy S Plus, ist aber noch ein bisschen besser ausgestattet. Die Rede ist vom Samsung Galaxy S Advance, das vom südkoreanischen Elektronikkonzern unter dem Slogan "Style mit Power" vermarktet wird. Und damit übertreibt Samsung Mobile nicht. Denn das auf Googles mobilem Betriebssystem Android basierende Telefon kommt mit einem Dual-Core-Prozessor und einem schicken Design daher. Wir haben uns das Mittelklasse-Telefon genauer angesehen.

Nicht richtig teuer, aber auch kein Schnäppchen

Die Einführung des Samsung Galaxy S Advance ist zwar etwas unglücklich gewählt, weil parallel auch das Luxus-Smartphone Samsung Galaxy S III in den Handel geschickt wird, trotzdem dürfte der Nachfolger des Galaxy S Plus eine willkommene Alternative für all jene sein, die nicht ganz so viel Geld für ein Smartphone auf den Tisch legen möchten. Im Online-Fachhandel ist es ab 308 Euro zu haben, Amazon listet es für knapp 330 Euro ohne und für 345 Euro mit integriertem NFC-Chip. Das ist zweifelsohne immer noch viel Geld, aber deutlich weniger als das mindestens 540 Euro teure Galaxy S III.

Doch fast schon wichtiger als der Preis ist die Haptik des Smartphones. Und die hat beim Galaxy S Advance durchaus etwas Besonderes an sich. Denn die Rückseite des Telefons besteht ganz typisch für Samsung aus einer Kunststoff-Abdeckung, fühlt sich aber ganz anders als viele Samsung-Modelle nicht billig an. Vielmehr vermittelt die Handhabung des Telefons durch eine feine Maserung auf der Akku-Abdeckung einen eher seidigen Eindruck. Das ist auf der einen Seite zwar sehr angenehm, ändert aber nichts an der Tatsache, dass es an einer richtig guten Griffigkeit hapert. Die Gefahr, dass das Telefon aus der Handfläche rutscht, ist stets gegeben.

Akku hält bei normaler Nutzung nur einen Tag

Um den Akku in das Telefon einzusetzen, muss die Plastik-Abdeckung abgesteckt werden, was Dank einer kleinen Einkerbung unkompliziert möglich ist. Das Einlegen einer SIM-Karte (Standard-SIM) und einer MicroSD-Karte (nicht im Lieferumfang enthalten) ist möglich, ohne den Akku aus dem Gerät zu nehmen. Apropos Akku: er kann eine Kapazität von 1.500 mAh vorweisen, hält aber bei einer aktiven Datenverbindung und einer normalen Smartphone-Nutzung nicht viel länger als 12 bis 18 Stunden durch. Nur wer Daten-Synchronisationen sowie WLAN- und GPS-Verbindungen deaktiviert, kann die Verfügbarkeit verlängern.

Schade ist, dass Samsung das Mobiltelefon "nur" mit Android Gingerbread-Version 2.3.6 ausliefert. Die vielen Neuerungen von Android 4.0 bleiben also zumindest vorerst außen vor. Gewohnt flüssig lässt sich aber die angepasste Touchwiz-Oberfläche bedienen.

Die meisten Funktionen des Telefons werden über einen 4,0 Zoll (10,16 Zentimeter) großen Touchscreen ausgeführt, der leicht konkav (nach innen gewölbt) ausfällt. Und das Display mit Super AMOLED-Technologie und integriertem Helligkeitssensor ist zweifelsohne eine der Stärken des Samsung Galaxy S Advance. Zwar ist die Auflösung mit 800 x 480 Pixeln heutzutage nur noch mittelmäßig, trotzdem wirken Farben durch die reduzierten Reflektionen und die stärkere Lichtdurchlässigkeit sehr kräftig. Auch bei starker Sonneneinstrahlung ist es unter freiem Himmel noch gut möglich, Inhalte vom Display abzulesen. Komplett können Spiegelungen aber nicht vermieden werden.

Dual Core-Prozessor integriert

Um eine flotte Performance ermöglichen zu können und das Telefon auch fit für die Zukunft zu machen, hat Samsung seinem Advance-Modell einen Dual-Core-Prozessor spendiert, dessen beiden Kerne mit je 1 Gigahertz getaktet sind. Beim Starten von Apps und bei der allgemeinen Menünavigation ist eine ruckelfreie Bedienung möglich, immer wieder ein Ärgernis ist aber die vergleichsweise langsame Kamera.

Denn auch wenn sie mit bis zu 5 Megapixeln auflöst, einen Autofokus und ein Kameralicht vorweisen kann, dauert es generell sehr lange, ehe das Foto nach Betätigen des Auslösers auch tatsächlich aufgenommen wird. Der Grund dafür ist, dass der Autofokus das Bild nicht schon vor der Aufnahme scharf stellt, sondern erst nachdem der Auslöser gedrückt wurde. Noch deutlicher wird dieses Problem im im Videomodus. Zwar sind Aufnahmen in HD-Qualität (720p) möglich, am Ende bringt das aber nicht viel, wenn die Bilder während des Filmens nicht geschärft werden und die Gesamtqualität deswegen leidet.

Positiv: im Fotomodus stehen verschiedene Aufnahme-Modi zur Verfügung und auf der Vorderseite wartet eine 1,3-Megapixel-Kamera darauf, für Videotelefonate oder Selbstportraits eingesetzt zu werden. Qualitativ machen Videos aufgrund des schlecht bis gar nicht arbeitenden Autofokus nicht wirklich viel Freude, Fotos sind zumindest bei Panorama- und Makro-Aufnahmen schön belichtet und insgesamt hübsch anzuschauen. Sobald aber in Momenten fotografiert wird, in denen sich Dinge, Personen oder Tiere bewegen, ist mit der Kamera nicht mehr wirklich viel anzufangen.

Solide Verarbeitung

Keine Abstriche müssen bei der Verarbeitung gemacht werden. Hier setzt Samsung auf bekannte Qualität mit abgerundeten Kanten und einer leicht über den Displayrand hinausstehende Umrahmung. Neben einer mittig unterhalb des Displays angebrachten Home-Taste, die recht schmal ausfällt, stehen auch zwei beleuchtete Sensor-Tasten zur Verfügung. An der linken Seite wurde eine Wipptaste zur Regulierung der Lautstärke untergebracht, auf der rechten Seite eine Taste zum Ein- und Ausschalten des Telefons. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die am Fußende (!) integrierte Buchse für Kopfhörer. Direkt daneben ist der Micro-USB-Anschluss zu finden, der auch für das Aufladen des Akkus verwendet wird. Die Kameralinse ragt auf der Rückseite minimal aus dem Gehäuse heraus, daneben wurde der recht blechern klingende Lautsprecher integriert.

Nutzbar ist das Galaxy S Advance sowohl in GSM-Netzen als auch überall dort, wo ein UMTS-Netz aufgebaut wurde. Mobile Internet-Downloads sind auf Basis von HSPA+ mit bis zu 14,4 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Downstream möglich. Ergänzend dazu steht eine WLAN-Schnittstelle bereit.

Nur 8 Gigabyte Speicherplatz

An weiteren Extras bringt das Smartphone eine Bluetooth-Schnittstelle (Version 3.0), ein UKW-Radio mit RDS-Funktion, MP3- und Video-Player und wie eingangs erwähnt auf Wunsch einen NFC-Chip mit. Wer sich für die NFC-Variante entscheidet, kann in Zukunft sein Smartphone immer häufiger nutzen, um zum Beispiel bargeldlos zu bezahlen. Außerdem mit an Bord: GPS-Empfänger und 8 Gigabyte Speicherplatz.

Fazit: Tolles Smartphone mit Kamera-Schwächen

Tolle Handhabung, vom Kamerabetrieb abgesehen eine flotte Performance und ein beeindruckendes Display machen das Samsung Galaxy Advance zu einem kleinen Flaggschiff in der Smartphone-Mittelklasse. Abstriche gibt es für die inzwischen bei Smartphones fast schon gewohnt schwache Akku-Laufzeit und die in vielen Situationen wenig überzeugende Kamera. Positiv kann sich das Telefon hingegen bei der Gesprächsakustik positionieren. Eine klare Verständigung ohne Echos und Hall ist während unseres Tests jederzeit möglich gewesen. Schade ist, dass es an einer Status-LED fehlt, die mit Licht-Effekten über verpasste Anrufe und Nachrichten informiert.

Name: Galaxy S Advance (I9070)
Hersteller: Samsung Mobile
Internet: www.samsung.de
Preis: ab ca. 308 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android (Version 2.3.6 Gingerbread)
Prozessor: 1,0 Ghz. Dual Core
Arbeitsspeicher: 768 Megabyte 
SIM: Standard-SIM
Antenne: GSM Quadband (850, 900, 1.800, 1.900 Megahertz)
UMTS (850, 900, 1.900, 2.100 Megahertz)
Abmessungen: 123 x 63 x 10 Millimeter
Gewicht: 120 Gramm
Display: 4,0 Zoll, 800 x 480 Pixel, 16 Mio. Farben
Speicher: 8 GB intern;
per microSD erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth 3.0, WLAN
Digitalkamera: 5 Megapixel Kamera, Digitalzoom, Autofokus
HD-Videofunktion (720p), Frontkamera (1,3 Mpx.)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset inkl. Ohrstöpsel in verschiedenen Größen, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,54 W/kg (gering)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung, optional NFC
Akkulaufzeit im Test: 6-8 Stunden Sprechzeit
10-18 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
gute Verarbeitung
schöne Haptik
ordentliche Gesamtperformance
brillantes Display
mäßige Kamera
recht wenig Handyspeicher
keine Status-LED

Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote gut (1,8)
Preis-Leistung: befriedigend

(Hayo Lücke)

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