Testbericht

Samsung Galaxy Ace im Test - "Ist das ein iPhone?"

Wer sich ein Smartphone für 260 Euro wünscht, könnte sich für das Galaxy Ace von Samsung entscheiden. Es liefert zahlreiche Extras, hat aber auch einige Schwächen vorzuweisen. Wir geben einen Überblick.

Samsung Galaxy Ace© Samsung

Touchscreen-Handys sind spätestens seit dem Erfolg des iPhone von Apple in aller Munde. Praktisch kein Hersteller verzichtet mehr auf die eleganten Handschmeichler. Und weil die Kundennachfrage nicht nachlässt, kommen zunehmend auch Mittelklasse-Smartphones in den Handel. Weil nicht jeder 450 bis 600 Euro für Highend-Modelle ausgeben möchte, gehen die Handyhersteller zunehmend dazu über Multimedia-Telefone zu entwickeln, die nur etwa die Hälfte kosten. Eines dieser Telefone ist das Galaxy Ace von Samsung, das auch unter der Seriennummer S5830 geführt wird. Es ähnelt rein optisch sehr stark dem iPhone 4 von Apple, kostet aber mit nicht einmal 300 Euro weit weniger. Wir haben das Smartphone auf die Probe gestellt und - soviel sei an dieser Stelle schon einmal verraten - nicht nur eine Überraschung erlebt.

Ein Blick auf den Lieferumfang

Die vielleicht wichtigste Info gleich vorab: Wie jedes Samsung-Handy aus der Galaxy-Familie basiert auch das Galaxy Ace auf Googles offenem Betriebssystem Android. Ausgeliefert werden die Telefone mit Android-Version 2.2.1 und Samsungs eigenentwickelter Touchwiz 3.0-Oberfläche. Im Lieferumfang enthalten sind neben Endgerät, Akku, Ladekabel und Handbuch auch eine microSD-Karte mit einer Kapazität von 2 Gigabyte (GB) zur Erweiterung des doch eher kleinen internen Speichers (150 Megabyte). Wem die 2-GB-Erweiterung nicht reicht, der kann im Fachhandel Speicherkarten mit einer Kapazität von bis zu 32 GB kaufen und in das Telefon schieben.

Weil ein Mittelklasse-Smartphone nicht die umfangreichste Ausstattung liefern kann, ist auch der integrierte Prozessor nicht das ultimative Spitzenmodell. Angetrieben wird das 112 Millimeter lange, 60 Millimeter breite und 12 Millimeter flache Smartphone von einer 800-Megahertz-CPU. Das reicht in der Regel aber auch aus. Nur bei der Navigation durch den Android App-Market kommt es vereinzelt zu Rucklern. Ansonsten ist eine flüssige Navigation durch das Handymenü und die (nach)installierten Apps möglich. Neben einer klickbaren Home-Taste stehen unterhalb des Displays auch zwei Sensor-Tasten zur Menünavigation zur Verfügung.

Ein Display, das Spaß macht - aber auch Nachteile hat

Spaß macht die Navigation durch das Menü vor allem, weil Samsung ein kontraststarkes TFT-Display verbaut hat - mit einer diagonalen Abmessung von 3,5 Zoll (8,9 Zentimeter). Das ist verglichen mit anderen Smartphones zwar fast schon ein wenig klein, reicht aber für eigentlich alle Anwendungen aus, die mit dem Galaxy Ace genutzt werden können. Bei einer Auflösung von (nur) 320x480 Pixeln ist die Darstellung von 16 Millionen Farben möglich. Wird die dreistufig einstellbare Bildschirmhelligkeit auf den höchsten Wert geschraubt, ist es auch bei starker Sonneneinstrahlung noch gut möglich, Inhalte vom Display abzulesen.

Allerdings hat der kleine Handy-Monitor auch Nachteile. Dass er anfällig für Fingerabdrücke ist, ist bei einem Touchscreen-Handy fast schon normal. Und doch wirken sie beim Galaxy Ace besonders stark ausgeprägt.

Freude bereitet die in das Smartphone integrierte Kamera. Insbesondere bei Tageslicht, also bei guten Lichtverhältnissen, ist es mit dem Galaxy Ace möglich, sehr schöne, gut belichtete Schnappschüsse aufzunehmen. Die Auflösung lässt sich in fünf Stufen von VGA-Qualität (640x480 Pixel) auf bis zu 5 Megapixel (2.560x1.920 Pixel) regulieren. Kontrast, Sättigung und Schärfe können ebenfalls in fünf Stufen eingestellt werden. Ergänzend dazu stehen Autofokus und Fotolicht zur Verfügung. Etwas anders sieht es bei der Qualität von Videos aus. Weil Bewegtbilder maximal mit einer Auflösung von 320x240 Pixeln aufgenommen werden können, ist die Qualität eher bescheiden. Unscharfe und leicht ruckelnde Bilder trüben ebenso das Gesamtbild wie blecherne und schäppernde Audio-Aufnahmen. Kurzum: Fotos top, Videos ein Flop.

Handy wird nicht als Wechseldatenträger erkannt

Schade ist auch, dass das Telefon standardmäßig nicht als Wechseldatenträger erkannt wird, wenn es über das mitgelieferte USB-Datenkabel an einem PC oder ein Notebook angeschlossen wird. Erst wenn die PC-Software Kies auf dem Rechner liegt, ändert sich an diesem Umstand etwas. Wer die Kies-Software nicht nutzen möchte, kann aufgenommene Bilder und Videos über die Bluetooth-Schnittstelle an einen Rechner schicken, was aber nur Aufnahme für Aufnahme funktioniert und deswegen sehr zeitaufwendig ist. Sinnvoller ist da schon eher, die Bilder direkt über das Handy in ein Picasa Web-Album im Internet zu laden (WLAN nutzen!) oder den mitgelieferten Adapter für die microSD-Karte zu nutzen. Mit ihm kann die kleine Speicherkarte von jedem handelsüblichen Kartenleser ausgelesen werden.

Ein echtes Ärgernis ist hingegen der mitgelieferte Akku (1.350 mAh). Auf den ersten Blick sieht es gar nicht schlecht aus, was Samsung im Produktdatenblatt verspricht. Von bis zu 26 Tagen Bereitschaftszeit und mehr als 10 Stunden Sprechzeit ist dort die Rede. Und während Telefonate durchaus die ein oder andere Stunde möglich sind, macht das Galaxy Ace in Sachen Stand-by keinen Spaß. Wer die regelmäßige Datensynchronisation oder die Push-E-Mail-Funktion mit dem Google-Mail-Konto aktiviert, darf sein Smartphone schon nach rund zwölf Stunden an die Steckdose hängen. Werden zusätzlich WLAN-, GPS- oder Bluetooth-Funktion aktiviert, geht die Akkuleistung noch schneller in die Knie. Nur wer die mobile Datenkommunikation ausschaltet - was bei einem Smartphone eigentlich nur wenig Sinn macht - kann sein Smartphone drei, vier Tage nutzen. Aber selbst das ist zu wenig.

Fazit: Leider sehr viel Schatten

Dass Samsung schnörkellose, leicht zu bedienende Smartphones entwickeln kann, haben die Südkoreaner bereits bei mehreren Modellen bewiesen. Sei es das Wave, das Galaxy S oder auch das Omnia 7 - die Bedienung macht einfach Spaß. Das trifft auch auf das Galaxy Ace zu, das durch seine handlichen Abmessungen, das geringe Gewicht und die griffige, geriffelte Rückseite sehr angenehm in der Hand liegt. Aber: insbesondere der schwache Akku und der eher enttäuschende Video-Modus trüben das ansonsten positive Gesamterscheinungsbild des Smartphones recht stark. Da können auch Quadband-GSM-Antenne und HSDPA-Unterstützung (maximal 7,2 Megabit pro Sekunde im Downstream) nichts ändern. Gewöhnungsbedürftig ist zudem die XT9-Worterkennung beim SMS-Schreiben, die häufig falsche Wörter vorschlägt, aber auf Wunsch auch deaktiviert werden kann.

Erhältlich ist das Samsung Galaxy Ace bei Amazon zu einem Preis von 267 Euro - ohne zusätzliche Versandkosten. Bei anderen Online-Shops ist das Telefon aktuell (Stand: März 2011) ab 256 Euro ohne Vertrag zu haben. Grundsätzlich ist das gemessen am breiten Funktionsumfang ein fairer Preis, der aber die genannten Schwächen nicht kaschieren kann.

Name: S5830 Galaxy Ace
Hersteller: Samsung
Internet: http://www.samsungmobile.de
Preis: ca. 260 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 2.2.1 
Antenne: GSM Quadband, EDGE, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 112x60x12 Millimeter
Gewicht: 113 Gramm
Display: 3,5 Zoll, 320x480 Pixel, 16 Mio. Farben
Speicher: 150 MB intern
über microSD um bis zu 32 GB erweiterbar
Schnittstellen: USB, Bluetooth, WLAN
Digitalkamera: 5,0 Megapixel, Autofokus, Fotolicht
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, microSD Adapter, microSD Karte (2 GB), Datenkabel
SAR-Wert: 0,84 W/kg (mäßig)
Extras: MP3-Player, Bluetooth, WLAN, GPS
Akkulaufzeit im Test: ca. 8 Stunden Sprechzeit
ca. 4 Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
kontrastreicher Bildschirm
WLAN-Schnittstelle
HSDPA mit bis zu 7,2 Mbit/s
gute Kamera im Fotomodus
handlich und leicht
schwacher Akku
Handy wird ohne Kies-Software nicht als USB-Massenspeicher erkannt
keine Front-Kamera / keine Videotelefonie möglich
maue Video-Leistung
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): mangelhaft
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (2,1)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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