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Samsung Chromebook im Test: Neuer Anlauf, alte Macken

Bereits 2011 haben wir ein Samsung Chromebook getestet. Was hat sich in den zwei Jahren Zwischenzeit getan? Fakt ist, auf Googles Seite hätte es mehr sein können.

Bereits 2011 haben wir ein Samsung Chromebook getestet. Was hat sich in den zwei Jahren Zwischenzeit getan? Fakt ist, auf Googles Seite hätte es mehr sein können.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Google unternimmt derzeit mit seinem Chromebook-Konzept einen neuen Anlauf. Die in erster Linie auf eine Online-Nutzung ausgelegten Kompakt-Laptops wollen es noch einmal wissen und versuchen erneut, gegen stärkere, klassische Notebooks und die mittlerweile noch weiter verbreiteten Tablets zu bestehen. Auch wir schauen uns die zweite Offensive an: Was hat sich in zwei Jahren Chromebook-Bestehen getan? Was kann das neue Samsung Chromebook Serie 3 303C12 besser als das Serie 5 Chromebook aus dem Jahr 2011?

Moderne, edle Optik

Verglichen mit dem ersten Exemplar, dem Samsung Chromebook 500C21 (Test), ist das neue Chromebook dünner und leichter: Etwa 290 x 209 x 16,8 bis 17,5 Millimeter und 1,13 Kilogramm Gewicht sorgen dafür, dass der kleine Laptop mit 11,6-Zoll-Bildschirm wenig Platz in der Notebook-Tasche einnimmt und leicht zu transportieren ist. Mit der glatten, silberfarbenen Oberfläche, dem großen Touchpad und der Chiclet-Tastatur sieht das Chromebook zudem modern und gut aus. Was am Gehäuse nach Metall ausschaut, entpuppt sich aber - der Preisklasse entsprechend - als Kunststoff. Daher ist die Behausung auch weniger stabil.

Maus und Tastatur

Die Praxisleistung der Eingabegeräte stimmt. Das rund 5,5 x 10 Zentimeter große Touchpad mit integrierten Klicktasten lässt sich angenehm bedienen. Scrollen mit zwei Fingern ist zwar möglich, zum Zoomen oder Drehen von Inhalten werden aber leider keine Gesten unterstützt. Die Tastatur lässt auf Anhieb Ähnlichkeiten mit einer MacBook-Tastatur erkennen: Schwarze, abgerundete Tasten auf silberfarbenem Grund sind zwar generell keine Seltenheit mehr, beim Chromebook ist die Optik aber schon sehr nah am Apple-Modell, auch die Entfernen-Taste fehlt. Da Samsung den Platz bestmöglich ausnutzt und die Umschalttasten, Return sowie die Leertaste ausreichend komfortabel sind, leidet der übliche Schreibfluss trotz des Subnotebook-Formats so gut wie nicht und auch das Layout der doppelt belegten Zahlenreihe entspricht dem gewohnten Muster. Zusätzliche Tasten sind zum Vor- und Zurückspringen im Browser, einen Reload, Vollbildmodus und das Wechseln zwischen verschiedenen Fenstern vorhanden. Wer zwei Fenster nebeneinander anzeigen möchte, der kann diese einfach in die gewünschte Größe ziehen. Was uns aufgefallen ist: Die Tastatur gibt in der Mitte nach, das stört jedoch nicht weiter.

Anschlüsse liegen hinten

Die Schnittstellen hat Samsung vorrangig auf die Rückseite verfrachtet. Für ein Notebook, das als Desktop-Ersatz mit separatem TFT Monitor, USB-Hub und Eingabegeräten auf dem Schreibtisch genutzt werden soll, wäre das praktisch, bei einem 11-Zöller macht das aber weniger Sinn. Lediglich die Kopfhörerbuchse und der SD-Kartenleser sind seitlich zugänglich, einen USB-Stick oder weitere Peripherie kann man nur hinten anschließen. Dort versammeln sich HDMI, in unserem 3G-Testgerät der SIM-Kartenschacht sowie je eine Buchse für USB 2.0 und USB 3.0. Letztere ist beim Testexemplar etwas hakelig. Online geht das Chromebook wahlweise per WLAN (Modell XE303C12-A01) oder in der 3G-Version (XE303C12-H01) über ein HSPA+/UMTS-Modul. Diese Variante erfordert einen Aufpreis von etwa 50 Euro, ist dann aber auch unabhängig von Hotspots mobil einsetzbar. Auf eine kurze Unterbrechung der WLAN-Verbindung reagierte das Chromebook in unserem Test zunächst zickig: Es klinkte sich nicht selbständig wieder ein, sondern blieb offline - obwohl das Konnektivitätssymbol das Gegenteil anzeigte. Erst nach manuellem Deaktivieren und erneutem Aktivieren der Verbindung kamen wir wieder ins Netz. Beim Aufwachen aus dem Schlafmodus trat das Problem hingegen nicht auf und nachdem Chrome OS ein Update lud, was automatisch geschieht, war es verschwunden. Eine Ethernet-Schnittstelle wird nicht geboten.

Mattes Display, wenig Nutzen durch HD-Auflösung

Das 11,6-Zoll-Display gefällt mit seiner matten Oberfläche, so lässt sich das Chromebook auch unter freiem Himmel und bei sonnigem Wetter verwenden. Einschränkend wirken sich aber die nicht allzu kräftige Beleuchtung und das verwendete Panel aus, denn der Bildschirm ist recht blickwinkelabhängig. Leichtes Verstellen des Display-Deckels lässt Helligkeit und Kontrast einbrechen, hübsche Farben bekommt der Nutzer nur bei optimaler Ausrichtung zu Gesicht. Insgesamt könnten die Farben mehr Strahlkraft vertragen und Weiß kommt eher Grau herüber. Die Auflösung von 1.366 x 768 Bildpunkten ermöglicht es, HD Inhalte anzuzeigen, gestochen scharfe Texte und Symbole dürfen aber nicht erwartet werden. Schade: Gerade die Chrome-OS-Menüpunkte wirken körnig, während Texte im Browser schärfer sind.

Bevor wir an die weiteren technischen Daten gehen, widmen wir uns dem eigentlichen Herzstück des Samsung 303C12: Chrome OS. Das auf dem Chrome-Browser basierende System hat sich seit den Anfängen vor zwei Jahren verändert, auch wenn sich unterm Strich nach wie vor der Großteil des Funktionsumfangs auf Surfen im Internet und damit verbundene Aktivitäten stützt. Dass sich Google bei der Umgestaltung offenbar insbesondere von Android beeinflussen ließ, wird an verschiedenen Stellen deutlich.

Das bietet Chrome OS von Haus aus

Wer das Chromebook zum ersten mal einschaltet, der wird sofort nach einem Google-Konto gefragt. Wie bei einem Android-Smartphone oder -Tablet geht es kaum ohne: Dann ist lediglich ein Gastzugang gestattet, mit dem im Inkognito-Modus gesurft werden kann. Für weitere Aktionen ist die Verknüpfung zu Google zwingend erforderlich. Neben dem Chrome-Browser, dessen Tab-Handling hinter dem der klassischen Desktop-Version hinterherkinkt (z.B. kein Schließen mehrerer Tabs auf einmal), lassen sich dann auch die bekannten Google-Dienste nutzen: Mail, die Suche, YouTube und der Cloud-Speicher Google Drive, auf dem Chromebook-Käufer 100 GB Platz für zwei Jahre kostenfrei erhalten.

Für diese Programmpunkte gibt es von Haus aus eigene Verknüpfungspunkte in der unteren Leiste, weitere Tools verstecken sich hinter dem Punkt Apps, der ähnlich wie beim Mobil-Betriebssystem durch mehrere kleine Punkte gekennzeichnet wird. Hier tummeln sich das soziale Netzwerk Google+, der Bilder-Service Picasa, Google Maps, ein Kalender, Scratchpad für schnelle Notizen, Googles Apps für Texte, Tabellen und Präsentationen, die Änderungen während der Arbeit automatisch speichern, sowie Hangouts für Videochats. Ein Taschenrechner, ein separater Punkt zum Ansprechen der VGA-Webcam, Chrome Remote für eine Fernsteuerung, ein Datei-Manager und die ebenfalls durch Android bekannten Symbole für Musik-, Film- und Bücher-Content runden die ab Werk zur Verfügung stehenden Funktionen ab.

Funktionsumfang über Chrome Web Store erweiterbar

Damit ist eine Basisleistung gegeben - online, wohl gemerkt. Da viele Anwendungen wie RSS-Reader, Musik Flatrates und Messenger ebenfalls rein Browser-basiert nutzbar sind, kann auch ohne weiteres Zutun so manche Aufgabe erledigt werden. Wer mehr mit seinem Chromebook anstellen möchte, der muss den Chrome Web Store anzapfen, zum Beispiel für einen Klienten für verschiedene Instant Messenger. Unter chrome.google.com/webstore kann sich jeder einen Überblick über das breite Repertoire verschaffen: Spiele, Nachrichten-Apps, Tools zum Schneiden von Tonspuren und bekannte Anwendungen wie Dropbox, Microsofts Skydrive, Evernote, TweetDeck - die Möglichkeiten sind vielfältig. Aber: Was dort nicht zu finden ist, scheidet komplett aus. Alternative Browser, Gimp oder Photoshop - all das gibt es mit einem Chromebook nicht. Gerade in Bezug auf die Bildbearbeitung ist das schade, denn Picasa unterstützt lediglich das Drehen von Bildern und auch die Fähigkeiten des Offline-Betrachters sind mit Beschneiden sowie Korrektur von Helligkeit und Kontrast erschöpft.

Offline-Nutzung noch immer eine Baustelle

Immerhin hat Google nach dem ersten Chromebook-Anlauf Offline-Funktionalität nachgerüstet, so dass sich die Dokumenten-Apps auch ohne Internetverbindung verwenden lassen. Aber aus unerfindlichen Gründen nicht von Haus aus, stattdessen muss der Offline-Zugriff selbständig eingerichtet werden.

Tabellen bleiben noch immer außen vor, sie können ohne Internetverbindung lediglich angesehen, aber nicht bearbeitet werden. Ein Versuch, doch eine Tabelle offline anzulegen, wird mit der von Google bekannten Grafik eines zerlegten Roboters und dem Hinweis "Ressource nicht verfügbar" quittiert. Ansonsten dient das Chromebook offline allein als Abspiel- beziehungsweise Anzeigegerät für Videos, Musik und Fotos. Wird ein Datenträger angeschlossen, öffnet sich der Datei-Manager und zeigt als weitere Speicherorte einen Download-Ordner sowie den Google Drive an. Inhalte können von dort aus per Mausklick abgespielt oder via Drag & Drop auf den internen Speicher kopiert werden, ein Mediaplayer befindet sich an Bord. Erfreulich ist dessen breite Formatunterstützung: Auch .avi- oder .mkv-Clips können wiedergegeben werden, obwohl entsprechende Dateien von Chrome OS nicht mit einem Videosymbol versehen werden.

Einen bezogen auf den geringen Platzbedarf guten Job erledigen die Lautsprecher. Sie klingen überraschend kräftig und lassen sich laut genug aufdrehen, auch wenn natürlich kein basslastiger Surround-Klang verströmt wird.

Einen Vorteil, der bereits seit der ersten Chromebook-Generation besteht, hat Samsung mit zum 303C12 hinübergerettet - allerdings hat er seinen Vorsprung mittlerweile eingebüßt: Es geht um die kurze Startzeit. Laut Google fährt das Samsung Chromebook "in weniger als 10 Sekunden" hoch; in unserem Test bestätigte sich dieser Wert beziehungsweise wurde mit etwa 8 Sekunden noch unterboten. Vor zwei Jahren, als andere Laptops noch mit Windows 7 arbeiteten und sich Tablets erst nach und nach verbreiteten, war die schnelle Einsatzbereitschaft noch ein großer Pluspunkt der Chrome-OS-Gemeinde. Doch durch das zügiger bootende Windows 8, Ultrabooks mit flotten SSDs und dem unausweichlichen Tablet-Trend wird der einstige Vorzeigevorteil zum zeitgemäßen Feature degradiert, ohne das die Rechner in der auslaufenden Netbook-Sparte untergehen würden.

Performance-Probleme: Hakelig statt flüssig

Den Intel-Atom-Netbooks und Minis mit AMD APU setzt Samsung in seinem Chrome-OS-Modell den hauseigenen Exynos 5 entgegen, der auf einem ARM Cortex A-15 Dual-Core mit 1,7 Gigahertz basiert. Zusammen mit 2 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher soll die CPU genügend Leistung zum Abspielen von Full-HD-Filmen aufbringen. Unser Test kann das leider nicht bestätigen. So kam das Chromebook bei verschiedenen Dateien in 1080p und auch 720p ins Stocken. Hinzu kamen Tonaussetzer. Auch an anderer Stelle ist spürbar, dass hier eine Smartphone-CPU am Werk ist. Äußerst knapp fällt der Speicherplatz aus, nur 16 Gigabyte werden auf einer eMMC geboten. Anwendungen nehmen je nach Kategorie zwar lediglich Platz in zweistelliger Kilobyte- oder einstelliger Megabyte-Höhe in Beschlag, um sich für einen längeren Urlaub mit Videos einzudecken, empfiehlt sich aber eine externe Lösung.

Die von Samsung beworbene siebenstündige Akkulaufzeit ist in der Praxis nur dann zu erreichen, wenn nicht permanent fordernde Aufgaben im Vordergrund stehen. Werden pausenlos YouTube-Videos über WLAN abgespielt, muss das Chromebook nach weniger als 5 Stunden wieder ans Netz. Offline können immerhin fast 6 Stunden Filme angeschaut werden.

Fazit: Das Chromebook bleibt ein Nischenprodukt

In der Praxis fühlt sich das Chromebook oftmals flotter an als ein Windows-Netbook, hier und da zeigten sich jedoch Verzögerungen. Werden Dokumente geöffnet oder zahlreiche Tabs geladen, ist der kleine Rechner mit Samsung-CPU schlichtweg langsamer als andere Subnotebooks mit regulärer Notebook-Hardware und SSD. Natürlich kosten sie auch deutlich mehr, das Chromebook ist hierzulande bereits ab etwa 290 Euro erhältlich.

Die Frage ist, für wen sich ein solches Gerät lohnt. Durch die Beschränkung auf die Chrome-Web-Apps ähnelt es eher den auf Apps angewiesenen Tablets als Notebooks, die sich deutlich flexibler mit Software bestücken lassen. Und auch ein Tablet kann mit einer zusätzlichen Tastatur unterwegs zum Arbeiten genutzt werden, bietet dann aber noch die Vorteile des Touchscreens, doppelten Nutzens und des geringeren Eigengewichts. Um sich als günstiger Einsteiger-Laptop an die Spitze vorzuschlagen, ist das Chromebook schlussendlich weder billig genug noch ausreichend intuitiv bedienbar. Auch jeder andere Laptop kann sich an Googles Programmvielfalt bedienen, auf den Onlinespeicher zugreifen und mit einem Google-Account über verschiedene Endgeräte hinweg Dokumente und Lesezeichen synchron halten. Zudem wirkt Chrome OS noch immer nicht ausgegoren. In den zwei Jahren Zwischenzeit hätte mehr passieren müssen, damit die Chromebook-Offensive dieses Mal zündet. Samsung wiederum trifft nur wenig Schuld, dass der Gesamteindruck durchwachsen ist, denn Optik, Verarbeitung und die Eingabegeräte des XE303C12 können überzeugen.

Name: Chromebook Serie 3 303C12 H01
Hersteller: Samsung
Internet: www.samsung.com/de
Technische Daten
Prozessor: Samsung Exynos 5250 Dual-Core mit 1,7 GHz
Grafikkarte: integriert
Bildschirm: 11,6 Zoll (1.366 x 768 Pixel), entspiegelt
Akku: fest eingebauter Li-Polymer-Akku, Laufzeit:
Herstellerangaben: 7 Stunden;
gemessen:
275 Minuten YouTube HD (WLAN) /
340 Minuten Videowiedergabe offline
(Lautstärke + Display 50%) /
5,5 Tage Standby
Speicher: 2 GB DDR3L mit 800 MHz (Onboard)
Festplatte: 16 GB eMMC (Onboard)
Laufwerk: -
Kommunikation: WLAN 802.11 a/b/g/n (Dual-Band), Bluetooth 4.0, HSPA+ (nur H01)
Betriebssystem: Chrome OS
Abmessungen: BxTxH: 290 x 209 x 16,8 – 17,5 mm Millimeter; 1,13 Kilogramm
Anschlüsse: HDMI, USB 2.0, USB 3.0, Kopfhörer, Kartenleser
(SD/SDHC/SDXC)
Sonstiges: VGA-Webcam
Lieferumfang: Notebook, Netzteil, Kurzanleitung
Energieverbrauch: Ausgeschaltet am Netz:
ca. 0,2 Watt
Eingeschaltet (WLAN an):
ca. 5,5 Watt
YouTube (100% Displayhelligkeit):
ca. 9,5 Watt
Garantie: 2 Jahre Samsung Herstellergarantie,
aufrüstbar auf 3 oder 4 Jahre
Pro & Contra
leichtes Gerät in hübscher Aufmachung
gute Eingabegeräte
schneller Start
Modell mit 3G-Unterstützung verfügbar
leise im Betrieb
Offline-Nutzen noch immer eingeschränkt
zu wenig Power
knapper Speicherplatz

Bewertung:
Geschwindigkeit: 6/15
Ausstattung: 10/15
Display: 12/15
Bedienung/Komfort: 7/10
Maße/Gewicht: 14/15
Akkulaufzeit: 14/20
Verarbeitung: 9/10
Gesamt: 72/100 --- So testen wir Notebooks
Preis-Leistung: befriedigend

(Saskia Brintrup)

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