Testbericht

Samsung Chromebook im Test: Tabbed Computing

Mit den 12,1-Zoll-Laptops von Samsung sind die Chromebooks gestartet. Ab 400 Euro gibt es die Web-Experten mit SSD und besonders schnellem Start zu kaufen. Offline sind die Anwendungsmöglichkeiten in Chrome OS allerdings noch eingeschränkt.

Mit den 12,1-Zoll-Laptops von Samsung sind die Chromebooks gestartet. Ab 400 Euro gibt es die Web-Experten mit SSD und besonders schnellem Start zu kaufen. Offline sind die Anwendungsmöglichkeiten in Chrome OS allerdings noch eingeschränkt.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Ein Gerät, das vor allem zum Surfen im Internet genutzt werden soll – das wollte seinerzeit das Netbook sein, jetzt haftet den Tablet-PCs diese Kurzbeschreibung an. Ihr massiver Vorteil gegenüber den Netbooks, die ohne alternatives Betriebssystem zum schnelleren Start auskommen, ist ihre flotte Einsatzbereitschaft. Damit wollen auch die Chromebooks punkten, die laut Google "für das Web entwickelt und optimiert" sind. Vor allem dadurch, dass sie sich nicht an lokal installierten Programmen, sondern an Anwendungen aus der Cloud bedienen. Hardware-Partner sind Samsung und Acer, das Chromebook von Samsung ist bereits im Handel erhältlich. Wir haben das Modell mit Chrome OS ausprobiert: Kann es einem regulären Notebook das Wasser reichen?

Chromebook Test – Inhalt

  • Seite 1: Aussehen, Schnittstellen und technische Daten
  • Seite 2: Chrome OS: Möglichkeiten und Performance
  • Seite 3: Offline-Nutzung, System-Updates, Fazit und Info-Tabelle

Außen glänzend, innen matt

Rein äußerlich betrachtet ist das etwa 294x220x20 Millimeter große und 1,3 Kilogramm leichte Gerät ein typisches Subnotebook; dass sich Chrome fest eingenistet hat, ist am entsprechenden Logo auf dem glänzend weißen Gehäusedeckel zu erkennen. "Verräterisch" sind außerdem die sparsam dosierten Schnittstellen und die Tastatur. Wer sich das Gehäuse genauer anschaut, entdeckt einen Kartenleser, eine Audioschnittstelle und einen USB-Port sowie zwei Abdeckungen. Dahinter verbergen sich ein weiterer USB-Port, in der 3G-Version ein Slot für SIM-Karten und ein Grafikausgang, an den per VGA-Adapter ein Monitor angeschlossen werden kann.

Großes Touchpad, reduzierter Look

Auf der Tastatur fehlen einige der von Windows-Laptops bekannten Tasten wie logischerweise die Windows-Taste selbst, die F-Reihe, Drucken und Pause sowie leider auch Entfernen. Im Gegenzug sind jedoch eigene Tasten zum Aktualisieren, für den Vollbildmodus, der jederzeit alles Unwichtige ausblendet, und zum Fensterwechseln vorhanden. Das Touchpad interpretiert auch Mehrfingergesten und misst knapp 7x10 Zentimeter; für einen Laptop mit 12,1-Zoll-Display ist das sehr großzügig. Das Design ist clean, Samsung hat weder Schnörkeleien noch Statusleuchten eingebaut. Wer sich bei seinem Notebook mit Windows-Betriebssystem an den Leuchten stört, die Auskunft über die Festplattenaktivität oder den Zustand der drahtlosen Verbindungen geben, wird von Samsungs Chromebook brav in Ruhe gelassen. Nur ein kleines Lämpchen informiert darüber, ob das Gerät ein- oder ausgeschaltet ist.

Aufklappen, 8 Sekunden warten und on

Eingeschaltet wird das Chromebook direkt mit dem Aufklappen des Displays. Samsung verspricht einen Systemstart innerhalb von nur 8 Sekunden, was sich in der Praxis nachweisen lässt. Das Notebook verschenkt auch keine Zeit an eine langsame Festplatte, sondern beruft sich auf eine SSD mit 16 Gigabyte (GB). Als Prozessor dient ein Intel Atom N570 mit zwei Kernen und 1,6 Gigahertz, addiert wurden 2 GB Arbeitsspeicher.

Bei der ersten Inbetriebnahme begrüßt das Chromebook seinen Nutzer erst mit den Vertragsbedingungen von Google und erfordert dann ein Log-in mit den Daten eines bestehenden oder neuen Google Accounts. Alternativ ist ein Gastzugang möglich, bei dem auf das Speichern des Browser-Verlaufs und andere Bestandteile verzichtet wird.

Chromebook Test – Inhalt

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  • Seite 3: Offline-Nutzung, System-Updates, Fazit und Info-Tabelle

Betriebssystem im Browser

Chrome OS konzentriert sich komplett auf den Google-eigenen Browser und packt alle Anwendungen in die Browser-Tabs. Wer schon mit dem PC oder Notebook mit Chrome im Internet surft, fühlt sich gleich in gewohnter Umgebung aufgehoben. Einen Desktop mit Verknüpfungen oder ein Startmenü wie bei Windows gibt es nicht; welche Apps installiert sind, zeigt eine Übersichtsseite, sobald ein neues Tab geöffnet wird. Im Auslieferungszustand versammeln sich dort in erster Linie Googles Online-Dienste wie Kalender, YouTube, Text & Tabellen als Online-Word-Alternative, Google Mail und Google Talk, ergänzt durch ein Spiel namens Entanglement und eine Notizfunktion (Scratchpad). Analog zum Android Market auf Android-Smartphones und -Tablets klinkt sich in die Chromebooks der Chrome Web Store ein, der sich mit einem eigenen Symbol verewigt hat. In dem Software-Shop stehen neben Apps und Erweiterungen aus verschiedensten Kategorien auch neue Designs für Chrome bereit. Besonders prominent weist Google auf das Spiel Angry Birds hin, das sich in HD-Auflösung im Browser spielen lässt. Auch eine Bildbearbeitung und Dienste zum Online-Speichern von Musik kann der Nutzer über den Shop kostenfrei oder gegen eine Gebühr nachrüsten.

Weitere Funktionen liefert der Chrome Web Store

Der Chrome Web Store bietet allerdings noch Raum für Optimierungen. So listet der Bereich Produktivität beispielsweise mehr als 1.000 Apps auf, zeigt aber immer nur 20 Stück pro Seite an. Dementsprechend umständlich und langwierig ist es, sich durch das gesamte Angebot zu klicken. Eine Möglichkeit, alle oder zumindest direkt 100 Einträge auf einer Seite anzuordnen, würde das ganze verkürzen. Zudem hat Google seine Strukturierung nicht überall angewendet. In der Kategorie Lifestyle fehlen die Seitenzahlen und auch eine Info über die Anzahl der Apps; der "Weiter"-Button lässt nicht erahnen, wie viele kleine Tools noch folgen werden. Sie zu Chrome hinzuzufügen, ist indes schnell erledigt. Nach ein paar Sekunden erscheinen die Apps als Icon neben Google Mail & Co. und sind sie direkt nutzbar.

Hardware-Unterstützung und Drucken

Was Chrome OS ansonsten vom Chrome-Browser unterscheidet, sind einige zusätzlich verankerte Menüpunkte. Darüber lässt sich auch auf die SSD zugreifen, die im Datei-Manager als interner Speicher erscheint. Der Datei-Manager an sich ist recht karg gehalten. So lassen sich zwar Dateien umbenennen oder löschen und Ordner anlegen, weitere Funktionen, wie das Kopieren und Verschieben von Inhalten, unterstützt der Manager aber nicht. Daher ist auch kein bequemer Austausch von Daten zwischen SSD und externen Speichermedien möglich, obwohl sie ebenso im Menü auftauchen – jedenfalls dann, wenn sie von Chrome OS erkannt werden. Damit hatten wir im Test einige Probleme. Eine SD-Karte, die direkt in den Speicherkartenleser geschoben wurde, konnte das Chromebook sofort auslesen. In der Variante externer USB-Kartenleser mit eingesteckter Karte klappte das auch, nicht aber mit USB-Sticks. Unsere getesteten 2- und 16-GB-Sticks im FAT- beziehungsweise NTFS-Dateiformat wurden lediglich als Hardware erkannt, dann aber minutenlang ohne Ergebnis "gescannt". Eine Maus mit USB-Kabel lässt sich wiederum ohne Anlaufschwierigkeiten verwenden. Nicht möglich ist es, einen Drucker zu verbinden. Dennoch hat Google eine Lösung gefunden, um Dokumente vom Chromebook aus auszudrucken: Chrome OS kann über WLAN auf einen Drucker im Netzwerk zugreifen, wenn er auf einem Windows-PC mit Chrome eingerichtet ist.

HD-Videos laufen flüssig, Full HD nicht

Um zu prüfen, wie die Hardware und Chrome OS bezüglich parallel laufender Anwendungen reagieren, haben wir alle vorab mitgelieferten Online-Dienste gleichzeitig geöffnet, zwei Spiele laufen lassen und YouTube-Videos in HD (720p) abgespielt. Während der Spiel-Ladezeiten stockte das Video, als Chrome alles abgeschlossen hatte, lief es wieder flüssig weiter. Ein Wechsel von Tab zu Tab oder Fenster zu Fenster geht schnell vonstatten, Spiele werden zum Beispiel automatisch pausiert und setzen beim erneuten Aufrufen an der zuletzt besuchten Stelle fort. Was der integrierte Intel Grafikchip nicht fehlerfrei stemmen möchte, sind Full-HD-Videos von YouTube. In der 1080p-Auflösung sind hin und wieder Stopps bemerkbar.

Um Videos und Musikdateien offline abzuspielen, ist ein Mediaplayer an Bord, der automatisch anspringt, wenn ein Song vom in- oder externen Speicher ausgewählt wird. Dokumente von Word oder OpenOffice öffnen sich nicht selbständig und müssen erst durch den Nutzer in Text & Tabellen hochgeladen werden. Mit dem Schreiben von Textdokumenten oder Vorab-Verfassen von E-Mails wird es dann schwierig, wenn keine Internetanbindung bereitsteht. Google plant zwar, seine Büro-Anwendung auch als Offline-Variante zu launchen, noch ist es aber nicht soweit.

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Laufende Weiterentwicklung

Durch den automatischen Update-Prozess hat Google die Möglichkeit, jederzeit Features nachzuschieben und Verbesserungen anzustoßen – und macht davon auch Gebrauch. Zwischen dem 5. und 8. August zog unser Testgerät beispielsweise zwei Aktualisierungen. Mit dem Release von Chrome 13 für Chromebooks hat Google zusätzlich die Unterstützung der USB-Ports erweitert: Nach dem Update lassen sich Android-Geräte anschließen. Wir haben die Neuerung mit einem Android-Smartphone nachvollziehen können; vor dem Update bemerkte das Chromebook zwar, dass ein externer Speicher angeschlossen wurde, zeigte jedoch keinen Inhalt an. Nach der Aktualisierung konnten wir direkt auf die Handy-Daten zugreifen. Auch einen Dialog zur Einrichtung der Druckfunktion hat Google im Einstellungsmenü nachgereicht; zuvor existierte dafür kein eigener Punkt.

Fazit: Online gut, offline zu eingeschränkt

Obwohl die ersten Chromebooks bereits auf dem Markt sind, strickt Google noch an Chrome OS herum. Das Abdichten von Sicherheitslücken ist die eine Sache, nachträglich Funktionen und logische Verknüpfungen auszuliefern, eine andere. Daher lässt sich die Chrome-OS-Erfahrung immer nur vom aktuellen Stand der Dinge aus bewerten. Und der stellt Googles Version eines Internet-Devices als sehr schnell einsatzbereiten Laptop dar, der sich für Privatnutzer für übliche Online-Anwendungen (insbesondere für die Google-Dienste) wie Mailen, Twittern und Surfen eignet. Das dürften viele aber mittlerweile bereits mit einem Tablet-PC erledigen. Durch die obligatorische Verknüpfung mit dem Google-Konto sind die Notebooks mit Chrome OS vor allem für diejenigen interessant, die Google gegenüber aufgeschlossen sind. Solange das US-Unternehmen seine Services wie Text & Tabellen aber noch nicht offline verfügbar macht, ist mit den Chromebooks ohne WLAN- oder UMTS-Verbindung nicht viel mehr anzufangen, als Musik oder Videos abzuspielen. Ein vollwertiges Notebook lässt sich bis dahin also noch nicht ersetzen.

Das Samsung Chromebook weiß vor allem mit seiner spiegelfreien Display-Oberfläche zu gefallen, auch das Design, die Tastatur und die Akkulaufzeit sind positiv zu bewerten. Darüber hinaus verhält sich der Laptop äußerst ruhig. Der Lautsprecher-Sound ist hingegen durchschnittlich und vor allem der vertikale Blickwinkel eher klein.

Eine Bewertung nach unseren üblichen Testkriterien für Notebooks zu erstellen, ist aufgrund der Tatsache, dass sich das online-lastige Chromebook derzeit nicht 1:1 mit einem Laptop vergleichen lässt, schwierig. Wir haben daher das Chromebook und Chrome OS vom jetzigen Standpunkt der Entwicklung aus zusammen bewertet und dabei auch berücksichtigt, dass reguläre Notebooks für rund 400 Euro mit stärkeren Komponenten bestückt sind.

Weitere Testberichte und eine Kaufberatung zum Thema Notebook liefert unser Hintergrundbereich.

Name: Serie 5 / 500C21 (3G)
Hersteller: Samsung
Internet: www.samsung.de
Preis: 500C21 WiFi: für 399 Euro bei Amazon
(Stand: 08/2011)
500C21 3G: für 449 Euro bei Amazon
(Stand: 08/2011)
Technische Daten
Chipsatz und Prozessor: IntelNM 10 mit Atom N570 Dual-Core, 1,6 GHz
Grafikkarte: Intel onboard
Bildschirm: 12,1 Zoll (1.280x800 Pixel) mit LED-Hintergrundbeleuchtung, 300 cd/m², 16:9, entspiegelt
Batterie: Lithium-Ion-Akku mit 6 Zellen, 8.200 mAh
Laufzeit: 320 Minuten YouTube-Videos in HD / ca. 620 Minuten Surfen (WLAN)
Speicher: 2 GB DDR3
Festplatte: 16 GB SSD
Laufwerk: -
Soundkarte: Onboard
Kommunikation: WLAN 802.11 a/b/g/n, 3G Modem
Betriebssystem: Chrome OS
Abmessungen: BxTxH: 294 x 220 x 20 Millimeter; 1,3 Kilogramm
Anschlüsse: VGA per Adapter, 2x USB 2.0, Kartenleser (MMC, SDHC, SDXC, SD), Mikrofon/Kopfhörer
Garantie: 2 Jahre Samsung Garantie
Pro & Contra
entspiegeltes Display
schneller Systemstart
großes Touchpad
gute Tippeigenschaften
leicht
UMTS-Modul
automatische Updates
(noch) stark eingeschränkter Offline-Nutzen
fest verbauter Akku
umständliches Datei-Handling
Monitorausgang nur analog
wählerisch bei USB-Sticks
Bewertung:
Gesamteindruck: befriedigend

(Saskia Brintrup)

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